Mechanische Tastatur Razer BlackWidow Chroma - Test

All die schönen Lichter.

Razers BlackWidow-Serie an Premium-Gaming-Tastaturen ist schon lange keine Unbekannte mehr. Martin testete bereits vor einer ganzen Weile die Vorgängermodelle BlackWidow und BlackWidow Ultimate. Die aktuelle, mit dem Untertitel Chroma, hat nun das Vergnügen, auf das Prädikat "Ultimate" noch einen draufzusetzen. Wie das eben so ist, mit inflationär eingesetzten Superlativen.

Zentraler Unterschied: Die Beleuchtung jeder einzelnen Taste im vollen RGB-Farbspektrum. Bedeutet, 16,8 Millionen Farben. Doch dazu später, denn tatsächlich fand die wichtigste Änderung unter der Haube statt. Anstelle der sonst üblichen Cherry-Tasten gibt es nun eigens für Razer gefertigte Switches in Razer-Giftgrün vom taiwanesischen Hersteller Kaihl. Switch-Puristen beäugen die Abkehr vom deutschen Markenprodukt skeptisch, doch Razer besteht darauf, zusammen mit Kaihl und der Unterstützung einiger führender eSportler Spitzen-Switches gestaltet zu haben.

Im Betrieb muss man zugeben, einen großen Unterschied zum "Original" fühlt man nicht. Die grünen Razer/Kaihl-Schalter sind in Funktionsweise und Feeling nahe an den blauen Cherrys. Nach nicht ganz zwei Millimetern und 50 Gramm Anpressdruck macht's hörbar Klick, etwas früher als bei blauen Cherrys. Das prompte haptische und akustische Feedback ist für Spiele nach einer Eingewöhnungsphase tendenziell wünschenswert, da so direkt die Auslösung quittiert wird und man die Chance hat, die Taste zu betätigen, ohne den gesamten Hubweg zu gehen. An dessen Ende wartet ohnehin nur ein weiteres Klackern. Der Druck, der zum Erreichen der Endstation nötig ist, ist allerdings für Vieltipper und Textverarbeiter ein wenig zu lasch, wollen diese die Buttons nicht ständig lautstark bis zum Ende durchhämmern.

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Das ist schon in Ordnung so, denn Razer betont ja stets, dass diese Tasten in erster Linie für Gaming optimiert sind. Hier leisten sie ausgezeichnete Arbeit und geben durch die Bank ein einheitliches Anpressgefühl ab. Dazu sollte noch einmal betont werden, dass die Lautstärke in hektischen Gefechten oder bei schnell getippten Texten durchaus beachtlich ist. Teamspeak-Mitspieler fragten mich direkt, ob ich eine neue Tastatur hätte und baten mich darum, dringendst von stimmaktivierter Übertragung wieder auf Push-to-talk zu wechseln.

Wer sich nicht sicher ist, ob ihm das zu laut ist, stiefelt zum Fachhändler seines Vertrauens und probiert das eigentlich sehr befriedigende Klickediklack vorher aus. Wer schon jetzt weiß, das ist nichts für ihn, darf darauf hoffen, dass Razer die leisere Stealth-Version der Chroma auch bald aus den USA nach Europa bringt. Ansonsten macht die recht stattliche BlackWidow Chroma den von guten mechanischen Tastaturen gewohnten unverwüstlichen Eindruck, wegen dem man dieser Gerätegattung meist den Rest seines Lebens die Treue hält. Bis hierhin ist der Umstieg auf den neuen Switch-Zulieferer also durchaus gelungen, obwohl nicht wenige weiterhin lieber dem Cherry-Original aus Deutschland den Vorzug geben dürften.

Was die Ausstattung angeht, gibt es abseits der Beleuchtung, über die wir weiter unten noch reden werden, den in der Preisklasse zwischen 100 und 200 Euro üblichen Standard. Einen (nur) USB-2.0-Port sowie Klinkenanschlüsse für Headset und Mikrofon an der rechten Seite, allesamt von den hübschen, vergoldeten Textilkabeln von der Rückseite des Motherboards zum BlackWidow durchgeschliffen. 113 Tasten ergaben hochwissenschaftliche (und mehrfach von vorne wiederholte) Zählungen. Echtes nKey-Rollover gibt es nicht, wie von USB-Tastaturen gewohnt. Aber immerhin bildet die BlackWidow ganze zehn gleichzeitige gedrückte Tasten fehlerfrei ab. Mehr als genug. Auf die fünf Bonustasten M1 bis M5 am linken Rand legt man auf Wunsch Sonderfunktionen und Makros ab, was sehr nett und vor allem nützlich ist.

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Leider habe ich mich bis heute noch nicht vollends daran gewöhnt, dass diese senkrechte Tastenreihe so nah an den Standard-Keys liegt. Statt STRG traf ich häufiger M5, Tab wurde schon mal zu M2. Es ist Gewöhnungssache, da mir das nach gut zwei Wochen Einsatz aber immer noch passiert, möchte ich an dieser Stelle nur vor dieser ausgedehnten Abtastphase warnen, in der man die Welt nicht mehr versteht. Doch auch die gehört irgendwo zu einer neuen Tastatur dazu. Die F-Tasten sind per separatem Druck auf Fn wie üblich mit Multimedia und Sonderfunktionen (Beleuchtungshelligkeit, "Gaming-Modus" zum Abstellen der Windows-Taste, etc.) belegt, was ich persönlich nicht mehr missen möchte, aber zum Glück schon längst zum guten Ton gehört.

Verarbeitungstechnisch gibt es nichts zu mäkeln. Die Chroma ist schwer (1,5 Kilogramm), sehr robust und lässt sich auch mit Kraftaufwand nicht entlang ihrer Querachse so biegen, dass sie knirschen würde. Sie ist groß, ich glaube, das klang schon an (gut 17 Zentimeter tief, über 47 breit), steht auf stabilen Gummifüßen und lässt sich über Klappbeine hinten auch etwas aufbocken. Die Leiste vorne mit dem beleuchteten Herstellerlogo ist als Handauflage nicht zu gebrauchen, bestenfalls die Daumen können es sich hier bequem machen. Ich bin ohnehin aber die schlanke Steelseries 7G (ohne "Handsprungschanze") gewohnt, kann damit also gut leben. Die Oberfläche ziert ein weich mattierter Kunststoff, der sich sehr abriefest zeigte, aber Fingerfett magisch anzog. Alle paar Tage sollte man schon mit einem feuchten Tuch rübergehen, soll das prinzipiell unverwüstliche Gerät möglichst lange auch minzig aussehen.

Damit wären wir also bei der Hauptattraktion, dem Licht. Obwohl die doch sehr futuristische Grundform der BlackWidow mit ihren abgeschrägten Ecken und auch der für die Tastenbezeichnung benutzte Font eindeutig Geschmackssache sind (ernsthaft, bei dem "&"-Zeichen musste ich lange überlegen, was das darstellen sollte), so machen all die Farben doch entschieden was her. Mit der komfortablen Razer Synapse 2.0 Software, spielt ihr nicht nur Makros "live" ein - das gefiel mir schon bei der Razer Naga Epic Chroma ausgezeichnet - sondern ihr belegt auch das Tastenfeld mit einem wahren Regenbogen aller möglichen Lichttöne. Jede einzelne Taste ist hierbei übersichtlich und einfach mit dem gewünschten Farbklecks zu versehen.

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Alles leuchtend weiß, nur WASD in einer anderen Farbe? Kein Problem. Wer will, kann die Klaviatur auch die Welle machen, pulsieren oder gedrückte Tasten nachglühen lassen. Gedimmt wird sowieso in vielen Stufen, wenn man will. Ich persönlich finde ein einheitliches Farbschema allerdings am besten, weil man dann im Augenwinkel nicht ständig angeblinkt wird. Ist aber so oder so ein wirklicher Hingucker, auch ganz abgesehen von der Tatsache, dass abendliche Sessions in dunklen Zimmern mit einer beleuchteten Tastatur deutlich angenehmer sind. Offline-Puristen werden den Cloud-Zwang Synapses zwar rügen, die Software ist aber trotzdem einmal mehr ein Knüller, besonders, wenn auf dem Schreibtisch zwei Geräte der Chroma-Familie in trauter Nachbarschaft vereint sind.

Ist die Frage, ob das um die 160 Euro kosten muss. Es ist zweifelsohne eine sehr gute und nach allen Regeln der Peripherie-Kunst gefertigte Tastatur mit mehr als nur befriedigendem Funktionsumfang und - in Form der Beleuchtung - dem Hingucker-Feature schlechthin. Eine Tastatur, von der man so schnell keine zweite kaufen wird, eben weil man sich darauf verlassen kann, sie "bis auf Weiteres" zu verwenden. Und es ist ja nicht so, dass man euch die 113 in den Tasten verbauten Einzeldioden aufdrängen würde. Das Vorgängermodell ohne "Light-Show" kratzt preislich den dreistelligen Bereich gerade so an, wenn es denn etwas günstiger sein soll. Aber kommt schon, wenn ihr ehrlich seid, wollt ihr sie doch auch, all die schönen Lichter.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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