Wie Resident Evil 4 Panik beim Spielen neu erfand

Panik und Kettensägen: Kein Durchatmen erlaubt

Ein Meilenstein der Videospielgeschichte. Aus heutiger Sicht mögen manche Steuerungseigenarten zwar ein wenig veraltet vorkommen, jedoch leistete Resident Evil 4 zu seiner Zeit Pionierarbeit im Action-Genre. Der Über-die-Schulter-Blick zum Zielen ist noch immer Standard, genauso wie kontextsensitive Aktionen per Tastendruck.

Obwohl das gesamte Spiel vollgepackt mit großartigen Sequenzen und Situationen ist, stellt ein Moment alles in den Schatten. So gut der Rest auch sein mag, übertrumpft nichts die erste Hetzjagd im spanischen Dorf zu Beginn. Schon in der ersten Szene verschwendet Resident Evil 4 keine Zeit und konfrontiert euch mit Feinden, die wesentlich schneller und vor allem aggressiver sind als die Zombies aus früheren Teilen. Zusammen mit den tödlichen Fallen im anfänglichen Waldabschnitt wird schnell klar: Ihr seid der Gejagte.

Allerdings sind die ersten Auseinandersetzungen keine große Gefahr. Ihr kämpft nie gegen mehr als drei Gegner gleichzeitig und der lineare Pfad ermöglicht es, mit etwas Geschick an Feinden vorbeizulaufen. All das ändert sich im Dorf. Per Fernglas könnt ihr die Situation ein wenig beobachten und neben dem aufgespießten Polizisten ein halbes Dutzend Gegner erkennen. Da sie euch noch nicht gesehen haben, versucht ihr es vielleicht mit einer unauffälligen Taktik und wählt den Weg links hinter der ersten Scheune.

Aber egal, was ihr macht oder wie ihr vorgeht. Nach dem ersten Kontakt hört ihr nur noch laute Schreie und die ersten Äxte fliegen in eure Richtung. Einen Ausgang gibt es nicht und auch die Bekämpfung der Angreifer scheint nur noch mehr Gegner hervorzubringen. Keine fünf Minuten sind seit dem Start vergangen, eure Erfahrung mit den Systemen des Titels besteht maximal aus vier kleinen Gefechten in kontrollierter Umgebung und plötzlich attackiert euch eine nicht enden wollende Flut blutrünstiger Hinterwäldler.

Panik setzt ein, wahrscheinlich habt ihr schon ein paar Treffer kassiert und sucht nun vergeblich nach einer sicheren Position. Eine offene Tür repräsentiert die beste Chance, um ein wenig Luft zu schnappen. Leider aktiviert ihr nach dem Betreten des Hauses eine Zwischensequenz, die weitere Gegner zu euch lockt. Darunter auch einen Munition absorbierenden Kettensägenmörder. Schweiß benetzt eure Handflächen, während ihr nervös die Fenster verriegelt oder euch die Sicherungen durchbrennen und ihr direkt nach oben in den ersten Stock spurtet, wo die Situation nur noch weiter eskaliert.

Nirgends seid ihr sicher. Beim ersten Erlebnis dieser Sequenz habt ihr keine Ahnung, wann der nervenaufreibende Kampf endlich vorbei ist oder ob tatsächlich alle Feinde sterben müssen. Das Spiel treibt euch damit sozusagen bereits im erweiterten Intro an die eigenen Grenzen, bevor das ganze Chaos so schnell aufhört, wie es begann. Abgerundet von einer der der großartigsten Dialogzeilen, die in ihrer Flapsigkeit die vorherige Bedrängnis perfekt auflöst: „Where is everyone going? Bingo?". Es ist die perfekte Mischung aus Action, Panik und B-Movie-Horror und damit der beste Moment in Resident Evil 4.

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Björn Balg

Björn Balg

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