Tekken 7 - Und wo ist meine Arcade?

Neue Kämpfer, neue Moves. Aber (erst mal) nur in Japans Spielhallen.

Ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube ich habe gesehen, wie Katsuhiro Harada hinter den dunklen Gläsern seiner Sonnenbrille ganz leicht die Augen verdreht hat. Der Grund? Meine Frage, wann denn mit einer Konsolen- und/oder PC-Version von Tekken 7 zu rechnen sei. Ich habe mich am Rand der Japan Expo Paris mit Harada-san getroffen. Der 45-jährige ist seit über zwanzig Jahren als Produzent maßgeblich an der Entwicklung von Tekken beteiligt, und durch seine unterhaltsamen Videos und seinen aktiven Twitter-Account mit der Zeit zum Gesicht der Prügel-Reihe geworden. Und ganz der Profi folgt die Antwort entsprechend unverbindlich: Nein, das könne man hier und jetzt nicht sagen. Man konzentriere sich auf die Arcade-Version und müsse erst einmal die Automatenprofis und Turnierspieler bedienen. Immerhin stehe ja auch im Oktober das mit 10 Millionen Yen (ca. 74.000 Euro) dotierte „King of Iron Fist"-Turnier wieder an.

Eine verständliche Aussage, besitzt Japan doch etwas, dass es hier nie wirklich gab und jetzt noch viel weniger gibt: eine Arcade-Kultur. Hierzulande findet man in den Spielhallen Geldspielautomaten, Surfstationen, mit Glück noch einen Flipper. Vielleicht gammelt in der einen oder anderen Ecke eines Flughafens oder Einkaufszentrum noch ein alter Automat. Die goldenen Zeiten, dass man die üppige Auswahl zwischen Rennspielen mit bequemen Sit-In-Gehäusen, Dance Dance Revolution Zweikämpfen und immer aktuellen Baller- und Kampfspielen hatte, scheinen längst vergessen. Die Bequemlichkeit hat gesiegt, und die grafisch immer mehr auftrumpfenden Heimkonsolen haben die Arcade in das heimische Spielzimmer geholt. So bleibt Fans von Tekken 7 im Augenblick nur der Weg nach Akihabara, denn, obschon seit März verfügbar, steht der Arcade-Automat von Bandai Namcos Vorzeigeklopper vorerst nur in japanischen Spielhallen.

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Prügel-Profi Katsuhiro Harada, seit über 20 Jahren der Produzent der Tekken-Reihe.

Dass es eine Heimversion des aktuellen Teils geben wird, das darf man mit Sicherheit annehmen. Traditionell erscheint die erfolgreiche Prügelei, bislang sind über 44 Millionen Einheiten verkauft worden, mit einem zeitlichen Abstand zum Automaten. Dieser kann wie bei Tekken Tag Tournament 2 ein Jahr oder wie bei Tekken 6 auch schon mal zwei Jahre betragen. Ich persönlich hoffe auf eine schnelle Umsetzung, denn meine Proberunden an den aufgestellten Automaten haben in mir wieder den Kampfgeist geweckt. Und wenn nicht laute Rufe nach Lynchjustiz aus der langen Warteschlange am Stand von Bandai Namco laut geworden wären, hätte ich wohl den ganzen Tag mit den neuen Kämpfern wie Shaheen, Lucky Chloe oder Gigas verbracht.

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Falls ihr wisst, wo in diesem Land ein Automat - oder überhaupt noch eine echte Arcade-Spielhalle - steht, dürft ihr das gerne posten.

Zuerst gönne ich mir aber ein paar Runden mit einem alten Bekannten. King II, der Muskelprotz mit Leoparden-Maske ist schon seit Tekken 3 dabei und verfügt über beachtliche Wrestling-Fähigkeiten. Mein Gegner nennt sich Lucky Chloe, eine von bislang acht neuen Charakteren im Aufgebot der Tekken-Turnierkämpfer. Ein blondes junges Mädchen in einem putzigen Katzenkostüm, die den Kampfstil „Freestyle-Dance" beherrscht, und während des Schlagabtauschs immer wieder mal miaut. Trotz dem hohen Niedlichkeitsfaktor meines zierlichen Gegenübers bin ich auf der Hut. Vorsichtig taste ich mich an Lucky heran und liege keine Sekunde später auf dem Boden.

Schnell und effektiv sind die Schläge und Tritte, butterweich die Animationen. Während ich mich angeschlagen mit Blocken und Ausweichen über die Zeit rette, kann ich einen neuen Spielmechanismus ausprobieren. Als meine Lebensenergie in den kritischen Bereich abrutscht, gelingt mir das Auslösen von „Rage Art". Ich schlage auf mein Gegenüber ein, der in diesem Modus nicht in der Lage ist die Prügel abzublocken. Die Lebensleiste von Lucky ist um gut ein Drittel gefallen, als ich zum Abschluss meiner verheerenden Super-Kombo einen Knochen brechenden Wrestling-Griff ansetze. Eine spannende Möglichkeit, den Kampf noch mal zu drehen und ein Comeback zu starten. Zwar ist der „Rage"-Modus bereits in „Tekken 6" oder „Tekken Tag Tournament 2" vorhanden, beschränkt sich dort aber rein auf die Erhöhung des Schadens. Nicht die einzige Neuerung, die Tekken 7 zu bieten hat. Mit dem „Power Crush" kann ich meine Schlagserie vollenden, egal ob mein Gegner die entsprechenden Blocks entgegensetzt. Allerdings nehme ich bei Gegentreffern dabei Schaden. Also, lieber „Rage Art", wenn es eng mit der Lebensenergie wird.

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Knapp 30 Kämpfer, darunter Neuzugänge wie Shaheen, Katarina Salves, Claudio Serafino, Josie Rizal, Gigas, Jack-7, Kazumi Mishima und Lucky Chloe, stehen bislang zur Verfügung. Leider hatte ich nicht die Möglichkeit alle neuen Charaktere auf ihre Tauglichkeit zu testen. In der Kürze der Spielzeit wäre es aber auch kaum möglich gewesen, die schiere Anzahl an Kombos und Spezialangriffen auch nur Ansatzweise begutachten zu können. Die Spielmechanik bleibt sich treu und bis auf die angeführten Mechaniken wie „Rage Art" und „Power Crush", sowie einem entschärften Bound-System, das jetzt Endlos-Kombos deutlich schwieriger macht, spielt sich Tekken 7 wie gewohnt. Und das ist keineswegs als Kritik gemeint.

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Über den Autor:

Ulrich Wimmeroth

Ulrich Wimmeroth

Freier Autor

Mag Rollenspiele und Ego-Shooter, sammelt Retro-Konsolen und nutzt seinen PC hauptsächlich zum Schreiben über Spiele. Und für Strategie natürlich. Und das seit Dekaden.

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