Xbox One - Mass Effect sah auch schon mal besser aus

Aber das hat wenig mit der neuen Abwärtskompatibilität zu tun.  

In den letzten Generationen war es immer ein Thema, fast schon so garantiert, dass man sich in gewisser Weise an eine Abwärtskompatibilität in der einen oder anderen Form oder zumindest zu irgendwas gewöhnt hatte. Da erstaunte es ein wenig, dass das ihr Fehlen in den neuen Konsolen locker mit einem Achselzucken abgetan schien. Stattdessen gab es seit dem Start der aktuellen Hardwarereihe jede Menge HD-Remakes. Warum eigentlich HD? War nicht die letzte Gen schon HD? Nun, wie man sich erinnert, ja und nein und manchmal. Das eine oder andere war in 1080p, das meiste kam mit teilweise deutlich niedrigeren Auflösungen aus. Auch die Polygon-Dichte, die Effekte und überhaupt der ganze Look waren dann doch etwas einfacher.

Aber nichtsdestotrotz: Die letzte Generation, war die erste, bei der der Sprung zurück nicht annähernd so sehr schmerzte wie zuvor. Sie war auf die moderne HDMI-/Flachbild-Welt ausgelegt. Vergleicht ihr das mit PS3 und PS2, lag es schon in der Technik begründet, dass der Weg zurück schwerfiel, zumindest, solange man einfach nur das alte Gerät an den neuen Bildschirm ankabelte. Und auch die Spiele der Generation PS3/360 lassen sich weit einfacher immer noch genießen und es waren echt viele Perlen darunter. Viel zu viele als dass alle mit einem HD-Remaster beglückt werden könnten. Insoweit macht es absolut Sinn, dass Microsoft nun diesen Schatz heben will, um seinen Katalog für die Xbox One auf einen Schlag zu vergrößern.

Xbox One Preview Dashboard

Wer Mitglied des Preview-Dashboards ist, darf bereits loslegen, wenn er brav die Updates gezogen hat und seine Quests erfüllt. Wer angesichts der Quests verwirrt ist und noch kein Preview-Mitglied: Derzeit müsst ihr euch von jemandem einladen lassen, der schon dabei ist, laut den FAQs für das Xbox Preview Programm ist das derzeit die einzige Möglichkeit (und nein, ich darf euch leider nicht einladen). Wurdet ihr eingeladen dürft dann aber nicht gleich mitspielen, sondern müsst warten. Erst einmal darauf, dass ihr überhaupt reingelassen werdet und selbst nachdem ich meinen Key bekam (was eine unbestimmte Zeit dauern kann), brauchte es noch fast vier Tage, bevor das erste Update bereit war. Geduld ist also eine Tugend. Habt ihr dann alles erledigt, verrät euch die Preview-App nicht nur, was alles so Neues los ist, sie fordert euch auch auf, Sachen auszuprobieren. Das nennt sich dann Quest. So lautet eine davon, jeweils ein Spiel aus XBLA und eines von einer 360-Disc zu starten. Habt ihr das geschafft und sie ein wenig gespielt, werdet ihr um ein kurzes Feedback gebeten. Das sind ein halbes Dutzend Fragen, ob die Grafik oder der Sound okay waren und ob ihr mit dem Spielgefühl leben konntet. Dafür gibt es dann Preview-Quest-Punkte und die werden wohl für was gut sein. Mindestens für die Highscore-Liste. Gold-Mitglied müsst ihr übrigens nicht sein, weder für die Abwärtskompatibilität noch für das Preview-Programm.

So beginnt es: Abwärtskompatible 360-Spiele auf der Xbox One installieren

Derzeit läuft es erst einmal alles über das Preview-Dashboard. Das Programm gleicht euren Account und die darauf gekauften XBLA-Spiele mit der derzeit noch sehr kurzen Liste von abwärtskompatiblen Titeln ab. Diese werden dann alle angezeigt. Startet ihr sie, wird das komplette Spiel heruntergeladen und mit einem 360-Logo an der Seite als ganz normales Spiel in der Liste der One-Applikationen geführt. Das Spiel lässt sich ab sofort wie jedes andere verwalten. Ihr könnt es jederzeit löschen oder neu herunterladen. Die Spielstände jedoch werden derzeit ausschließlich in euer halbes Gigabyte 360-Cloud-Speicher gepackt. Da die 360-Savegames nur wenige Megabyte groß sind, sollte das für eine ganze Weile reichen. Bei einer Disc ist es nicht komplizierter. Ihr legt sie ein und es wird geprüft, ob sich das Spiel in der Liste kompatibler Titel befindet. Ist das der Fall, wird das ganze Spiel heruntergeladen, anstatt vom optischen Medium installiert zu werden. Im Falle von Mass Effect waren das schon mal um die 7 Gigabyte und dauerte entsprechend. Um das Spiel zu spielen, muss sich anschließend die Disc im Laufwerk befinden, es wird aber nur der Kopierschutz geprüft, gespielt wird komplett von der Platte. Speicherstände befinden sich auch hier in der Cloud.

Error Code 0x8082000c

Die Liste der kompatiblen Titel ist aber mit Vorsicht zu genießen. Kameo beispielsweise habe ich hier sowohl als PAL als auch als NTSC-Version liegen und nach dem Einlegen beider Versionen kam lediglich die Fehlermeldung 0x8082000c. Was diese genau bedeutet, ist noch etwas unklar. Erst gab es die Vermutung, dass nur PAL-Spiele betroffen seien, dem ist wohl nicht so. Auch die Theorie, dass es Kameo generell erwischt hätte, kann man inzwischen vergessen, bei genug Leuten läuft es. Mass Effect, ebenfalls mit PAL und NTSC getestet, machte keine Probleme und scheint auch sonst generell bei jedem zu laufen. Wenn ihr also losrennt, um euch mit den kompatiblen Spielen einzudecken, seid vorsichtig. Das ist noch alles Preview und es gibt keine Garantien.

So laufen die Spiele dann: Qualität der Abwärtskompatibilität

In meiner Sammlung befanden sich lediglich zwei geeignete XBLA-Titel und so fiel der Test eh schon kürzer aus, vor allem aber, weil er denkbar unspektakulär verlief:

Geometry Wars Retro Evolved

Bizarre Creations - der Gott der dahingeschiedenen, genialen Spieleschmieden habe sie selig - kleiner und sehr feiner Twin-Stick-Shooter ist mittlerweile in einer deutlich verbesserten dritten Version direkt für die Xbox One zu haben, insoweit dürfte keiner losrennen, um das zu kaufen. Aber habt ihr es schon, dann spielt doch mal wieder eine Runde. Macht viel Spaß und sieht genauso aus wie auf der 360. Praktisch alles ist identisch, es gibt keinen spürbaren Lag. Hier seht ihr eine wahnsinnig schlecht gespielte Runde direkt von der Xbox One abgegriffen:

Perfect Dark

Wow, ist das hässlich. Daran trägt aber die Abwärtskompatibilität keine Schuld, das vom N64 rüber gerettete Rare-Werk sah schon lange schwer in die Jahre gekommen aus. Dieser Effekt wurde aber nun nicht noch mal verstärkt, das Spiel läuft wie auf der 360. Seht selbst:

Mass Effect

Jetzt wird es spannender. Nicht nur zeigt sich hier zum ersten Mal, wie sich ein Spiel aus der ersten Hälfte der Last-Gen gehalten hat, es ist auch deutlich komplexer als die beiden technisch nicht sonderlich anspruchsvollen XBLA-Titel. Fangen wir damit an, wie sich das Spiel aus 2008 gehalten hat. Nun, es ist okay. Inhaltlich halte ich es immer noch für den stärksten Teil der Trilogie, daran hat sich nichts geändert. Was die Steuerung angeht, ist es klar, dass sie hier noch nicht ganz wussten, wie sie Shooter und Taktik kombinieren sollten, bevor sie sich später für das Shootern entschieden. Es ist sehr gewöhnungsbedürftig, hat man es ein paar Jahre nicht gespielt, und kann schon sehr ungeschliffen erscheinen. Sah das schon immer so hässlich aus? Nun, man gewöhnt sich dran, schöner wurde es nicht über die Jahre. Wer heute sagt, dass zum Beispiel das neue Batman doch irgendwie ein wenig Last-Gen wirkt, der sollte sich die alten Batmans noch mal angucken. Das Problem hier ist, das auch die alten Batmans ein Quantensprung zu einigen Figuren und Umgebungen in Mass Effect waren. Letztlich ist das aber alles kein Problem. Es ist immer noch hoch genug aufgelöst, um auf modernen TVs nicht gänzlich deplatziert zu wirken und ich hatte schon wieder vergessen, dass es beim Soundtrack ein paar echte Perlen gab.

Was die Abwärtskompatibilität angeht, ergibt sich ein etwas zwiespältiges Bild. Erst einmal lief es soweit ich es spielte - die ersten zwei oder drei Stunden - tadellos und stürzte nicht ab. Auch gab es keine ganz großen Glitches. Was jedoch auffiel ist, dass es manchmal ruckelte, wo es auf der 360 flüssig lief und umgekehrt. Wo das passierte, variierte stark. Manchmal ruckelte auf der One eine Zwischenszene mehr, dann lief wieder eine Lauf-Passage flüssiger, an anderer Stelle war es umgekehrt. Tearing und Pop-Ins sind auf der One zurückgegangen. Noch auffälliger ist in den Zwischensequenzen ein Fehler auf der One, der es so aussehen lässt, als hätte sich ein Extra-Noise-Filter über das Bild gelegt. Es sieht fast so aus, als könnte es Absicht sein, aber ich gehe derzeit mal nicht davon aus. Werft einfach einen Blick auf die beiden Videos:

Wie geht es nun weiter?

So viele Spiele sind es derzeit noch nicht (siehe Liste an der Seite) und von denen scheint das eine oder andere auch noch Macken zu machen. Kein Problem, ist ja alles noch Preview und nicht offiziell. Das kommt dann im Herbst mit etwa 100 Spielen zum richtigen Start, weitere sollen mal mehr, mal weniger zügig folgen.

Auf der Produktseite Microsofts ist derzeit eine Reihe von Covern zu sehen, darunter Alan Wake, ein paar Halos, das irgendwie nicht totzukriegende Shadowrun - dessen Server praktisch komplett verwaist sind - oder Borderlands. Eine detaillierte Liste zum initialen Herbstschwung gibt es noch nicht, aber ich wage zu bezweifeln, dass Exoten wie Nier darunter sein werden. Es gibt schließlich etwas über 1000 Xbox 360-Spiele, da muss man schon Glück haben, sollen die eigenen Favoriten dabei sein.

Trotzdem, der erste Eindruck der Kompatibilität ist okay, wenn es läuft, und da es nichts extra kostet... Immer her damit, gerne mehr davon.

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Über den Autor:

Martin Woger

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