gamescom angespielt: Assassin's Creed: Syndicate

Mehr Stealth, endlich ausgereifte Technik: Ubisoft findet offenbar zu seiner Form zurück.

Was ist das überhaupt?

Das Assassin's Creed, das aufräumen muss, was Unity angerichtet hat. Schlicht eine ausgereifte Version dessen, was wir letztes Jahr während einer fiktionalen französischen Revolution erlebten. Klingt weniger aufregend, als es eigentlich ist, denn vor allem das viktorianische London sieht fantastisch aus. Gleichzeitig ist die zweigleisige Geschichte - sowohl Evie als auch Jacob Frye schlagen sich jeweils durch ihre eigenen Missionen - im Serienkontext ein interessantes Novum. Hoffen wir, dass Plot und Szenario-Design mit der Wechselwirkung der Taten der Geschwister gut zu spielen wissen.

Warum sollte es mich interessieren?

Weil es einem unter Umständen den Glauben an die Serie zurückgeben könnte. Wir spielten eine Mission im Tower of London, den wir per Boot erreichten. Schon in der ersten Kamerafahrt wurde klar: Syndicate hat die Hardware offenbar bedeutend besser im Griff. Das regennasse Kopfsteinpflaster spiegelte schön die Lichter der Umgebung, Nebelschwaden zogen durch die Gassen und der Detailgrad war hoch wie gewohnt, nur diesmal eben deutlich sauberer, kohärenter und flüssiger dargestellt. Das könnte der Sprung werden, der das überforderte Unity hätte sein sollen. Ob das auch im freien Spiel allerdings so bleibt, ist abzuwarten, denn die Tower-Umgebung war zwar ziemlich groß, konnte während der Mission aber nicht verlassen werden.

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Was kann noch schiefgehen?

Die Technik überzeugt, das wäre mein größtes Bedenken gewesen. Den Rest regelt bei Ubisoft eigentlich die Routine, die sich einstellt, wenn man sage und schreibe bereits acht von dieser Sorte auf dem Kerbholz hat. Andererseits muss man auch ganz klar sagen, dass Syndicate Spieler, denen die Reihe über die Jahre zu vertraut und gleichförmig vorkam und die daher abgewandert sind, nicht zwangsläufig wieder zurück ins Boot holt. Das hier ist immer noch ein Assassin's Creed. Wer allerdings mehr als nur ein Spiel ausgesetzt hat, dürfte von einigen Dingen durchaus positiv überrascht werden.

Wie wird es denn?

"Wie gehabt" stimmt in diesem Fall nämlich nicht mehr ganz. Syndicate setzt deutlich stärker auf Stealth, was sich schon in Unity andeutete. Vor jeder Mission gibt es erneut einen Einspieler, der die Lage in der zu infiltrierenden Anlage dokumentiert und einige Möglichkeiten offenlegt, wie man sein Ziel erreicht. Das ist für den Spieler nun noch nachvollziehbarer aufgedröselt als im Pariser Abenteuer, das einen schon mal überlud. So hilft in der Mission etwa die erweiterte Adlersicht, um Situationen und Voraussetzungen für bestimmte Herangehensweisen besser zu lesen. Da der Tower von Templern übernommen wurde, die die Loyalisten Viktorias unterwandert hatten, könnt ihr etwa einen hochrangigen Königintreuen aus seiner Zelle befreien, was sich nicht nur in dieser Mission direkt bemerkbar machen soll, sondern auch im weiteren Spielverlauf.

Eine andere Möglichkeit war, einer Wache einen Schlüssel zu stehlen, der auf dem Dach einen alternativen Zugang zum Tower öffnete, dann aber eine ausgedehnte Schleichsequenz eingeleitet hätte. Ich entschied mich derweil, mich mit einer loyalen Wache zu verbünden. Nachdem ich für meinen neu gefundenen Gefährten zwei Templer aus dem Hinterhalt - mit Giftpfeil respektive Wurfmesser - erledigt hatte, nahm er mich zum Schein gefangen und führte mich meinem so getäuschten Ziel vor, dem ich nach einer kurzen Konfrontation in den Rücken fiel. Das schaltete dann zugleich das besondere Ausschaltmanöver frei.

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Gut gefallen hat mir vor allem der neue Greifhaken, mit dem man nach Batman-Manier, wenn auch etwas langsamer und mit kürzerer Reichweite, schnell auf Gebäude gelangt oder ein Seil zwischen zwei erhöhten Punkten spannt. Das erleichterte das Schleichen maßgeblich. Ebenso wie Evies Spezialfähigkeit, im Schleichmodus nahezu unsichtbar zu werden, sofern sie sich nicht bewegt. Insgesamt wusste ich in dieser Mission schneller und instinktiver, was zu tun war, was meine Optionen waren und wie ich sie wahrzunehmen hatte.

Nicht probieren konnte ich leider die Kämpfe, denn nach meinem erfolgreichen und durchaus spannenden Stealth-Versuch war meine Zeit mit der Demo leider vorüber. Schon jetzt ist aber interessant, dass alle NPCs einen Erfahrungslevel mitbringen, der mithilfe der Adlersicht auch erkennbar ist. Laut dem Ubisoft-Angestellten, der mir das Spiel präsentierte, soll es eine schlechte Idee sein, sich Gegnern zu stellen, die einen deutlich höheren Rang haben als man selbst. Aus dem Hinterhalt sollen sie gegen euch aber keine Chance haben. Spricht für den Stealth-Gedanken. Gute Idee, sofern das nicht bedeutet, dass sich Kämpfe, wenn es denn dazu kommt, regelmäßig zu sehr in die Länge ziehen.

Insgesamt vielleicht nicht die überraschendste Präsentation, aber ein Spiel, das offenbar zu seiner Normalform zurückgefunden hat. Wer diese Reihe schon immer als virtuelle Ausflüge in längst vergangene Zeiten schätzte, wird - so steht nach der mehr als nur soliden Demo zu hoffen - mit Syndicate gut bedient sein.

Wann kommt es und für was?

23. Oktober for PS4, Xbox One und PC.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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