Zombi - Test

Auch ohne U noch nicht ganz aus dem Knick gekommen, aber einmalig bleibt es.  

Wäre Zombi ein Student, dann wäre er der, der eigentlich brillant ist, der das Abi mit 1.0 hätte bestehen müssen, der später dazu berufen wäre, die Welt zu verändern. Aber es ist der, der es lieber locker angeht, der seine Eltern zur Weißglut treibt, der gut genug ist, um solide durchzukommen, ohne sich zu sehr anzustrengen, und lieber noch einen durchzieht, statt den Hebel zu finden, der alles aus den Angeln hebt. Nicht dass ich damit menschlich ein Problem hätte, aber da wir nun mal über ein Spiel reden, bin ich doch diese Eltern, und das Spiel treibt mich wirklich zur Weißglut. Nicht, weil es schlecht wäre, sondern weil es immer noch so viel besser sein könnte, als es ist. Es hat eben auch in den letzten drei Jahren lieber noch mal einen durchgebufft, statt endlich das volle Survival-Potenzial zu erwecken, das in ihm steckt.

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Die Karte kann nun nicht mehr auf dem zweiten Schirm angezeigt werden, also befindet sie sich konstant in der Ecke. Schade, eines der wenigen Male, wo ich eine Second-Screen-Lösung gut gefunden hätte. Auch dass die PS4 nicht die Vita als Pad-Lösung unterstützt, ist schade.

Was das inhaltlich bedeutet, das könnt ihr im Test zur damaligen Wii-U-Version von ZombiU lesen. Zusammengefasst steckt ihr mal wieder in der Zombiekalypse fest, aber ihr habt Hilfe. Der Prepper, eine mysteriöse Stimme aus dem Off, lotst euch in einen sicheren Raum, der fortan eure Basis zur Erkundung des überrannten London darstellt. Von hier aus entfaltet sich die von der Erzählung her gar nicht mal schlechte Geschichte um verschiedene Fraktionen, ihre Interpretationen alter Mythen und deren Zusammenhang zum weltweiten Untotendebakel. Man folgt dieser gerne für das Dutzend Stunden, auch wenn alles ein wenig zu cliffhangerig endet, um wirklich befriedigend zu sein.

Der Bruch in all dem ist die Idee, beim Tod eines Überlebenden mit einem anderen zu starten. Spielerisch ist das insoweit witzig, als dass ihr euren letzten Charakter suchen müsst, um ihm die bis dahin gehortete Ausrüstung von seinem untoten Körper abzunehmen. Sollte hier aber eine persönliche Bindung und damit ein dramatischer Moment angestrebt sein, hätte man sich schon mehr Mühe geben müssen, als jedem nur einen Namen und eine vage Berufsbezeichnung zu geben. Selbst noch so harmlose Zufallswerte fehlen, jeder Überlebende ist wie der letzte, egal ob es sich um eine 20 Jahre alte Geschichtsstudentin oder einen 40 Jahre alten Armeeoffizier handelt. Dazu kommen noch ein paar eher drollige Stellen, in denen euch ein NPC immer wieder anspricht, wenn ihr an ihm vorbeikommt: „Oh, hast du schon gefunden, was du für mich suchen solltest?". Eigentlich sollte es ja heißen: „Oh, noch ein Überlebender! Pass mal auf, der letzte sollte das und das suchen, aber er kam nicht zurück. Kannst du mal losziehen?". Problem gelöst, inhaltliche Kohärenz gewahrt. Aber dafür müsste man sich minimal anstrengen und wie schon angedeutet, Zombi ist einfach nicht dieses Spiel, das den letzten Meter extra geht.

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Das Inventar, die große Karte und andere Informationen des Wii U Gamepad sind nun in dieses Menü gewandert. Funktioniert, aber elegant ist etwas anderes.

Arrangiert ihr euch mit diesen gelegentlichen Brüchen, dann zeigt sich, dass hier wirklich ein kleines Genie in den Mechaniken steckt. Es ist eine Mischung aus dem üblichen Survival mit knappen Ressourcen und einem Hauch von etwas mehr Gefahr dadurch, dass die Figur, die diese Ressourcen trägt, keine Extraleben oder Speicherstände hat. Wird sie getötet, müsst ihr sie erst in ihrer neuen Zombie-Form finden, besiegen und plündern. Dabei passiert nach und nach das Übliche, nämlich, dass ihr vergesst, dass jede Figur hier schnell sterben kann. Es gibt keine Rüstung, und drei oder mehr Zombies im Pulk sind schnell ein Todesurteil, denn die Waffen sind schwach oder haben wenig Munition. Trotzdem verfällt man mit der Zeit in eine gewisse Routine und damit schleicht sich dann auch Unachtsamkeit ein. In der Regel ist die Geschichte dieses Überlebenden dann spätestens zwanzig Minuten später vorbei. Es ist ein Spiel, das wie kaum ein anderes methodisches, langsames Vorgehen belohnt. Nur an wenigen Stellen setzt es euch gescriptet unter Druck, den Rest der Zeit habt ihr alle Möglichkeiten, nicht in eine Falle zu rennen. Das bringt uns langsam zu den Neuerungen, die sich in erster Linie um die Steuerung drehen. Da nun kein Wii-U-Gamepad mehr verfügbar ist, wurden die Karte und das Inventar auf einen Großteil des Screens einnehmende Menüs verteilt. Das Spiel läuft immer noch weiter, an den Rändern seht ihr einen winzigen Bereich um euch herum. Das war mit dem zweiten Screen des Gamepads natürlich deutlich eleganter, ihr habt auf dem großen Bildschirm die Umgebung im Augenwickel, während ihr hektisch im Rucksack herumkramst. Spielerisch funktioniert es aber trotzdem ohne echte Probleme.

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Schwarzlicht zum Scannen gibt es nun auf Knopfdruck, sonst funktioniert es wie gehabt.

Der Schwarzlichtmodus profitiert sogar. Musstet ihr dafür auf der Wii U das Pad immer hochhalten - etwas, da mich persönlich nervt -, um zu sehen, was sonst nicht in der Umgebung sichtbar ist, haltet ihr nun eine Taste gedrückt und könnt euch normal umsehen. Dieser Komfort führte dazu, dass ich deutlich häufiger die Umgebung scannte, was das Spiel letztlich auch einfacher machte. Sicher, die Option hatte man auch vorher, aber jetzt ist es halt bequemer. Was sich nicht geändert hat, ist die Tatsache, dass ihr mit ruhigem Vorgehen und viel Scannen und vor allem eurem treuen Cricket-Schläger als Hauptwaffe recht sicher durch weite Teile des Spiels kommt. Nach kurzer Zeit habt ihr den Rhythmus des Nahkampfangriffs heraus und bis zu drei Zombies lassen sich mit etwas Übung gut in Schach halten. Mehr sogar, wenn ihr die Umgebung ein wenig nutzt und die dummen Biester durch Feuer rennen lasst oder sie eine Barriere überwinden müssen. Das war auch vorher schon etwas, das Routine fördert, die euch dann eben doch irgendwann ins Grab - oder zumindest ins untote Nachleben - bringt. Da helfen auch zwei neue Nahkampfwaffen mit etwas verändertem Timing und Wirkung nicht so viel, das Nahkampfsystem hätte komplexer ausfallen sollen.

Nach wie vor elegant wurde die Verknüpfung der etwa zehn nicht zu großen Gebiete untereinander gelöst. Es gibt immer noch das Netzwerk aus Abkürzungen und Schnellreiserouten, das ihr nach und nach erschließt und mehr als nur ein wenig an Spiele wie Dark Souls erinnert. Es gibt kaum etwas Erlösenderes, als nach einer langen Tour eine neue schnelle Verbindung zum sicheren Raum des Preppers zu öffnen und zu speichern. Das bringt uns dann auch zum größten Debakel dieser an sich sehr soliden, wenn auch nicht übertrieben ambitionierten Umsetzung. Grafisch ist hier nicht viel passiert, es läuft vielleicht etwas flüssiger als auf der Wii U, aber wer das Spiel dort schon hat, muss definitiv nicht wechseln. Vor allem hatte ich dort keine Abstürze, die mich in Verbindung mit dem Speichersystem und der Mechanik der Item-Vererbung von Charakter zu Charakter einmal so richtig in die Bredouille brachten. Das Spiel stürzte gründlich ab und nach dem Neustart wurde ich nicht nur etwas mehr als eine Stunde zurückgeworfen, mein fast die ganze Zeit aktiver und wahnsinnig gut ausgerüsteter Charakter war tot. Damit konnte ich leben, aber schwerer damit, dass an der Stelle, an der er nun eigentlich als Zombie mit der ganzen Ausrüstung herumwandern sollte, niemand war. Die Stelle war auf der Karte markiert, nur der Zombie und vor allem der Rucksack mit einigen Waffen, die man wirklich seltenst findet, fehlte. Na gut, dann spiele ich halt ohne Gewehr und nehme es als Herausforderung... Patch, bitte.

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Die Taschenlampe hat nun zwei Stufen, wobei die hellere auch deutlich schneller die Batterien leert. Sehr praktisch und willkommen, auch wenn es das Spiel etwas einfacher macht.

Dass Zombi wie auch zuvor ZombiU trotz all dieser kleineren und größeren Verfehlungen sehr viel richtig macht, zeigt sich daran, dass ich zwar fluchte, aber sofort und nahtlos trotz dieses unfairen Schicksalsschlages weitermachte. Das durch und durch auf pures Survival mit Ressourcenknappheit ausgelegte Konzept brilliert in seiner Reinheit weitab der üblichen Am-Ende-doch-nur-ein-Shooter-Spiele. Sein verschachtelter Aufbau im Level- wie im Story-Design hält einen immer am Pad. Selbst wenn man sich die meiste Zeit doch irgendwie wünscht, dass es zumindest für diese Umsetzung etwas mehr den Hintern hochbekäme, ist es doch immer noch einer der interessantesten und gleichzeitig unterhaltsamsten Spielentwürfe der letzten Jahre. Teil 2 darf gerne aufhören, sich in seiner latenten Genialität zu suhlen, und die noch kantigen Ecken und Macken ausbügeln, dann hat es das Potenzial, DAS Survival-Spiel überhaupt zu werden. Aber bis dahin ist auch Zombi wie ZombiU eines, das eure Aufmerksamkeit mehr als verdient hat. Gebt ihm eine Chance, ärgert euch nicht zu sehr darüber, was es sein könnte, nehmt es als das, was es ist, und ihr werdet ein Spielerlebnis bekommen, das anders ist als die anderen und euch auf jedem Fall in Erinnerung bleiben wird.

Was die reine Umsetzung angeht: Ordentlich, ohne zu glänzen. Technisch blieb es fast stehen - ein paar Lichteffekte hier oder da, minimale Textur-Verbesserungen -, die Steuerung wurde akzeptabel gelöst, aber habt ihr es auf der Wii U, dann baucht ihr es auf keinen Fall noch einmal. Es ist das gleiche Spiel.

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Über den Autor:

Martin Woger

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