Waren die bis hier vorgestellten Scaler teilweise komplexe Monster mit vielen Tricks und Optionen, stellen die kleinen Ligawo-305001X-Scaler so etwas wie das Brot und die Butter des Konzepts dar. Ihr habt ein Gerät und einen HDMI-Eingang. Beide passen nicht zusammen, sollen das aber. Hier ist eure einfachste Lösung: eine Ligawo-Box.

Diese gibt es in praktisch allen Ausführungen. SCART-RGB zu HDMI (Ligawo 3050011), Komponente zu HDMI (3050013), Composite/S-Video zu HDMI (3050010) und ein Dutzend Varianten mehr, darunter eine Reihe Audio-Konverter in alle möglichen Richtungen und Formate und auch Klassiker wie den PAL-NTSC-Konverter. Die drei genannten kosten jeweils ca. 80 Euro.

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Die kleinen Boxen sehen denkbar unscheinbar aus.

Seid ihr weniger festgelegt auf ein Signal und sucht etwas mehr Flexibilität, gibt es den Ligawo 6526663 mit acht verschiedenen Eingängen, die dann zu einem HDMI-Out führen. Vom Gedanken und auch dem Äußeren also eher mit den DVDO-Klassikern zu vergleichen, ist er weit günstiger, als diese Geräte es je neu waren. Kostete selbst der "billige" DVDO Edge Green um die 500 Euro neu, bekommt ihr den Ligawo 8-zu-1 (so nenne ich ihn jetzt mal, ist netter als die sperrige Modellnummer) für knapp unter 200 Euro.

Gerät, Anschlüsse und Optionen

Bei den kleinen 305001X-Boxen ist es einfach. Ihr habt einen Eingang und einen Ausgang. Okay, der Composite-Wandler hat auch noch einen S-Video-Eingang zum Umschalten. Guckt, was ihr anschließen wollt, bei alten Konsolen in der Regel SCART-RGB an die 3050011-Box, bei etwas neueren Komponente über die 3050013-Box, und tut das einfach. Es gibt keine Fernbedienung, keine Menüs und als Optionen nur ein paar Tasten an der Box. Eine davon schaltet zwischen 720p und 1080p um, eine weitere schaltet einen simplen 3D-Effekt dazu und die dritte Taste ist der Power-Schalter. Übersichtlich, aber ist ja auch so gewollt. Das LED-Leuchten lässt sich übrigens abschalten und automatisches Standby gibt es auch, was die Boxen sehr unauffällig hinter dem Schrank verschwinden und dort ihre Arbeit machen lässt.

Die 8-zu-1 ist dagegen ein ganz anderes Biest und deutlich näher an den optionslastigen Groß-Scalern dran. Ihr habt zwei HDMI-Eingänge, einen DVI, einen VGA, eine alles andere als gewöhnliche 3,5mm-Audioklinke, YPbPr-Komponente mit eigenem Stereo-Cinch-Audio und Composite, ebenfalls mit Stereo-Audio-Cinch. Das sind schon mal sieben Eingänge, der achte ist leider kein A/V-Eingang, sondern ein USB-Anschluss für Medien. Eigentlich sogar zwei, denn vorn befindet sich auch noch einer, was die Box wohl eigentlich zu einer 9-zu-1 macht. Aber dann könnte man sie gleich 9-zu-2 nennen, denn neben dem HDMI-Out habt ihr noch einen digitalen Koaxial-Audio-Out. Was wieder fehlt, ist leider SCART-RGB.

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An Anschlüssen ist nur das da, was wirklich gebraucht wird.

Die aktuelle Quelle wird vorn angezeigt, ihr habt Tasten zum Durchschalten der Eingänge, für die Lautstärke (sehr ungewöhnlich), den 720/1080p-Umschalter und den Ein-/Aus-Taster. Alle weiteren Funktionen werden über die Fernbedienung gesteuert. Was deren Funktionen angeht und auch die Anordnung der Tasten, ist sie völlig okay und funktional, nur die Verarbeitung ist enttäuschend. Während die Box selbst mit ihrem wertigen Metallgehäuse einen sehr guten Eindruck hinterlässt - selbst wenn die LEDs etwas zu sehr durch das Frontplastik schimmern -, fühlt sich die Fernbedienung nach dem billigen Plastik an, aus dem sie ist. Schlimmer noch, die Tasten haben einen wabbeligen Druckpunkt, der zwar mit nur minimaler Gewaltanwendung reagiert, aber eine haptische Freude ist das nicht. Sehen wir es mal so: Die zu ihrem Erscheinen sehr, sehr, sehr viel teureren DVDOs haben auch schrottige Fernbedienungen. Es ist bei Scalern also wohl so etwas wie eine hehre Tradition, der man hier folgt.

Das Menü auf dem Bildschirm ist keine Schönheit, aber strukturiert angeordnet und mit den wichtigsten Funktionen ausgestattet. Ihr findet erst einmal die Bildeinstellungen für Helligkeit, Sättigung, Kontrast, Schärfe und Farbton. Dann lässt sich die Ausgangsauflösung einstellen, hier gibt es 1080p50/60 und 720p50/60. Natürlich gibt es einen 16:9-/16:10-/4:3-Switch, eine sehr mittelmäßige und eigentlich fast grundsätzlich unbedingt auszuschaltende digitale Bildrauschunterdrückung, und das war es auch schon. Wer ganz viele Bildoptionen möchte, muss sich an deutlich teurere Geräte halten.

Anschluss 240p-Konsolen

Läuft. Egal an welches der Geräte, egal über welchen Anschluss: läuft. Die kleinen 305001X-Boxen murren nicht, zickten weder bei SNES-RGB noch bei PC-Engine-Composite und lieferten brav ein 720-/1080p-Signal - je nach Wunsch - an den TV. Was die Qualität angeht, ob es sich lohnt, ist eine Frage des internen TV-Scalers. Die in den hier stehenden Geräten der Philips-7000er-Serie - ca. zwei Jahre alt - und einem Samsung 7000er Curved sind schlicht Schrott, vor allem bedenkt man die Preise der Geräte. Flackerndes Bild, leicht verschoben, macht keinen Spaß. Das Schlimme ist, dass diese eingebauten Scaler der bessere Schrott sind, den ihr in aktuellen LED-TVs findet. An einem alten Plasma-Bildschirm von Panasonic jedoch, der von sich aus damals scheinbar einen guten Scaler verbaut hatte, hielt sich der Unterschied vor allem bei dem Composite-Anschluss und damit der 3050010-Box deutlich in Grenzen.

Aber auch an den anderen TVs ist das Endergebnis bei Cinch-Composite und 3050010-Box keine Offenbarung, sondern eine eher funktionale Lösung. Ja, die Farben sind da, aber nicht ganz brillant. Das Bild ist ruhig, aber bei schnellen Bewegungen habt ihr deutlichen Lag und Unschärfe. Vor allem jedoch gibt es keine Optionen für die Bildqualität. Alle Farbkorrekturen und das Bildformat müssen danach am TV skaliert werden. Fast jeder TV hat dafür die nötigen Optionen, um der 16:9-Stretch-Falle zu entgehen, aber ein Taster dafür wäre trotzdem sinnvoller gewesen als die 3D-Funktion. Also, gets the job done, es ist ein Sprung zu den eingebauten Scalern, aber Brillanz ist sicher doch etwas anderes.

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Der VGA-Eingang ist ein echter Bonus für alle Dreamcast-Freunde.

Mit der SCART-RGB Box (3050011) jedoch habt ihr eine weit brauchbarere Lösung, das bessere Ausgangssignal direkt an einen HDMI-Anschluss zu bekommen. Weiterführende Features gibt es hier auch nicht, dafür ist das Bild, das aus dem RGB-Signal gezaubert wird, sehr anständig. Es hat nicht ganz die Klarheit eines nativen RGB auf einer entsprechenden Röhre, es ist ganz sicher kein Framemeister, es gibt keine Scanlines, aber es ist ruhig, farblich satt und auch der hier noch vorhandene Lag ist deutlich geringer als bei der Composite-Variante. Also wie gesagt, ihr habt eine 240p-Konsole mit SCART-RGB und die soll auf einen HD-TV mit HDMI? Die Ligawo-3050011-Box ist für das recht kleine Geld eine valide, unkomplizierte Option.

Der große 8-zu-1 6526663 ist natürlich deutlich flexibler. Erst mal habt ihr die Möglichkeit, mehr als eine Konsole anzuschließen, vor allem aber ein paar Optionen in einem Menü. Der Lag bei 240p über Composite ist leider auch hier identisch zur entsprechenden kleinen Box vorhanden und lässt sich auch mit dem mäßigen Bildrauschfilter nicht beheben, sondern höchstens noch verschlimmern. Dafür jedoch lässt sich die Farbintensität sehr gut und präzise bestimmen. Auch das Umschalten der Bildformate ist kein Problem, das 3D-Feature gibt es auch hier. Die vielleicht größte Schwäche des schönen Scaler-Switches ist der Mangel an einem SCART-RGB-Eingang. Es ist nun mal das präferierte Signal der Generation 240p und ohne einen aufwändigen SCART-/YUF-Wandelumweg findet es hier keinen Anschluss. Auch dass es nur einen Composite-Eingang gibt, ist schade, viele Altgeräte dürfen es damit also nicht sein.

Anschluss 480p-Konsolen

Der 8-zu-1 schwächelte vielleicht im 240p-Bereich ohne einen SCART-Eingang, im 480p-Feld ist er ein Gewinner. Erst einmal zeigt die PS2 per Komponente angeschlossen, dass sie im Vergleich gar kein so matschiges Bild hat. Ich wusste gar nicht, dass man solche Strahlkraft, die auch in der Farbtönung noch natürlich wirkt, aus der Kiste bekommt. Gleiches gilt für den GameCube, der 8-zu-1 mag das Komponenten-480p-Signal und liefert ein sehr solides Ergebnis ab. Die Dreamcast geht per VGA an die Box, was natürlich wenig Probleme bei der Konvertierung zu HDMI machen sollte, und so ist es dann auch. Etwas weniger Sättigung bei der Farbe als beim direkten Anschluss, würde ich sagen, aber tolerabel und im Menü ausgleichbar. Erneut, es ist wohl die größte Schwäche, dass es nur einen Komponenten-Eingang gibt und ich deshalb zwischen PS2 und GameCube umstecken musste. Die Konsole, die aber Eingang findet, darf sich freuen: Das abgelieferte Bild ist anständig.

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Sonst sieht es ja nicht schlecht aus, aber der Schriftzug oben hätte so nun wirklich nicht sein müssen.

Bei 480p ist bei den kleinen Ligawo-Boxen die 3050013 gefragt, Komponente zu HDMI. Wie die anderen kleinen Boxen ignoriert ihr den 3D-Taster und bekommt ein Bild, das leider nicht ganz mit dem 8-zu-1 mithalten kann. Sowohl GameCube als auch PS2 wirkten weniger farbkräftig und das Verlorene ließ sich auch am TV mit seinen Einstellungen nicht ganz wieder herausholen, ohne es unnatürlich wirken zu lassen. Funktioniert, ist okay, aber nach dem guten Bild des kleinen SCART-RGB-Scalers waren meine Erwartungen hier höher.

Ligawo Scaler - Die solide "Quick & Dirty"-PAL-Lösung

Alle drei kleinen Boxen haben ohne Zweifel ihren Charme, wenn es darum geht, einfach nur eine einzelne Konsole quick und gar nicht mal so dirty mit einem HDMI-Eingang zu verkuppeln. Sie kosten nicht die Welt, könnten kaum einfacher zu handhaben sein und erledigen ihre Arbeit, das jedoch in recht unterschiedlicher Qualität. Während sowohl die Composite- wie auch die Komponenten-Variante ein eher brauchbares als wirklich überzeugendes Bild liefert, glänzt die kleine SCART-RGB-Box 3050011 mit einer soliden Umwandlung auf HDMI. Wenn sie noch eine Scanline-Option drin hätte und vor allem weniger Lag und nicht das merkliches NTSC-60Hz-Ruckeln, wäre es eine wirklich valide Lösung.

Für 480p im Allgemeinen und auch für ein brauchbares 240p-Cinch-Composite ist der 8-zu-1 - mit seiner intuitiven Nummer 6526663 - eine gute Allround-Lösung, die vor allem moderne Anforderungen wie zusätzliche HDMI-Eingänge gleich mit abdeckt. PS2 und GameCube glänzen über das hier gelieferte Ausgangssignal und auch beim Composite des PC-Engine-AV-Boosters wurde ich nicht blind, selbst wenn sich wieder die NTSC-Schwäche der Ligawos bemerkbar machte. Dreamcast-ler freuen sich über den VGA-Eingang, aber viel mehr hätten wir uns alle über einen SCART-RGB-Anschluss gefreut. Idealerweise mit dem Scaler der 3050011-Box. Ein Zwitter aus diesen beiden Geräten, das auch gleich mehrere SCART- und Komponenten-Eingänge bietet, das wäre es dann. Mal gucken, Ligawo bastelt anscheinend ständig an neuen Geräten vielleicht ist diese Rundumlösung schon in Arbeit.

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Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chief Editor - Eurogamer.de

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