Risen 3: Enhanced Edition - Test (PS4)

Das Beste zuerst: Es gab schon deutlich schlechtere Risen-Ports als den hier.

Gut spielbarer und aussehender PS4-Port, der die PC-Version nicht überflügelt, aber zum Sparpreis gleich alle DLCs mitbringt.

Auch wenn Risen 3 auf der PS4 - um hier mal eine Tendenz vorwegzunehmen - technisch hinter der letztjährigen PC-Version bleibt (siehe Risen-3-Test), gerät es nirgendwo in die wehrlose Schräglage früherer Konsolen-Risens. Natürlich darf man bei der "Enhanced-Edition" dieses netten, unschuldigen Spiels keinen Augenöffner erwarten, keinen Blick in die "Next-Gen", wie ihn beispielsweise Rockstar mit massig Geld erkauft.

Es sieht in seinen 1080p gut aus, läuft flüssig (meist über 30 Bilder pro Sekunde, selten drunter, oft nach oben hin mehr), hat deutlich weniger Schluckauf als die alten Konsolenversionen und... na ja... ist in der Regel sattelfest spielbar - obwohl eine alternative 30-FPS-Sperre keine schlechte Sache gewesen wäre. Wirklich störend sind nur die Stotterer beim Autospeichern und die sich beim Näherkommen schlagartig an die Sichtweite angleichende Vegetation, etwa Palmenblätter. Der Effekt ist nie so schlimm wie in der Urversion von Risen 2, aber elegant ist auch was anderes.

Das Versprechen, die PS4-Version sehe zum Teil besser aus als das PC-Gegenstück, nun, die Auswirkung muss an mir vorbeigegangen sein. Wir sprechen hier sicher von Nuancen, doch wer schon letztes Jahr auf dem Rechner durch das Südsee-Setting pflügte und davon nicht genug bekommen kann, braucht nicht umzusatteln. Den seit heute erhältlichen, kostenlosen 64-Bit-Patch drauf und fertig.

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Technisch ist der PC immer noch weiter, doch gemessen an den Debakeln der letzten Risen-Konsolenversionen ist die Enhanced-Edition auf PS4 eine runde Sache.

So oder so ist die Enhanced-Edition mit allen enthaltenen DLCs diejenige, die ihr spielen wollt, falls ihr das wollt. Die Frage, inwieweit das zutrifft, hängt vermutlich zum großen Teil vom Zuneigungsgrad gegenüber dem Entwickler Piranha Bytes, ihren landschaftlich und gestalterisch immer sehr kompetent entworfenen Welten ab. Wer einfach nur Südseeluft schnuppern und alte Tempelanlagen entlang verschlungener Dschungelpfade plündern möchte, Natur erleben und erkunden, ist hier nicht schlecht aufgehoben.

Aber Risen 3 ist kein allzu ambitioniertes Spiel. Man muss es vom Rest seiner Art isoliert betrachten und seine Verfehlungen nahezu mutwillig ausblenden. Dann, nur dann, stehen die Chancen gut, dass man es für seine Stärken schätzt und trotzdem in Grotten oder verwitterten Ruinen versinkt, während man Warane tötet und Perlen sammelt.

Denn selbst die Enhanced-Edition rüttelt nichts an dem leichenblassen Kampfsystem oder der hau-ruck-artig hingehusteten Endsequenz, bei der man sich wundern muss, wie sie jemand in vollem Bewusstsein durchwinkte. Sie schreibt auch keine Dialoge um (trauriges Highlight: die Doppelmelonenquetsche namens Patty) oder gibt der Welt mehr Rückhalt. Risen 3 hat praktisch kaum etwas Relevantes mitzuteilen, außer dass halt Titanen durchs Land trampeln, kurz davor stehen oder was auch immer. Wie man das verhindert? Ein paar wichtige Gruppierungen fragen, ob sie helfen wollen, nachdem man ihre Problemchen löste. So einfach kann das sein.

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Das Kampfsystem bleibt die größte Achillesferse und kann einfach nicht packen.

Wenn in den letzten 15 Jahren Fortschritte in Sachen Geschichtenerzählen stattfanden, hat Piranha Bytes nichts davon mitbekommen. Raue Dialoge konnte man in ihrer Zeit vielleicht noch den Gothics zugestehen, aber "Ich hau dir volles Pfund aufs Maul" wird bei der hundertsten Wiederholung nicht bissiger und zur mundanen Kraftmeierei, solange die Themen dahinter kaum Ausgestaltung erfahren.

Dann wiederum, ein so ehrlich seine lose Quest-Sammlung vertretendes Spiel findet man nicht oft. Mangel an Aufgaben herrscht an keiner Ecke, auch wenn vieles davon Kleckerkram ist. Wer sich in diesen Rhythmus einspannen lässt und kein Problem damit hat, jeden kleinen Schritt als "Quest-Erfolg" am Bildschirmrand eingeblendet zu sehen, bekommt hier 30 bis 40 Stunden solide Unterhaltung, mit allen enthaltenen DLCs vielleicht sogar ein bisschen mehr. Inwieweit man das im Jahr von Witcher 3 noch braucht, muss jeder selbst entscheiden.

So sind die 35 Euro Kaufpreis für die sauber spielbare PS4-Version das beste Argument, hiermit in See zu stechen, auch wenn immer weniger von dem besteht, was man Piranha Bytes heute mehr aus Gewöhnung nachsagt. Sie pendeln etwas ziellos in ihrem Kosmos des Hausbackenen, mit einem Fraktionsmuster, das von nachvollziehbaren Ideologien (Gothic) auf eine Idee reduziert wurde, für die man sich entscheidet, weil man es eben muss (Risen 3). Es gibt sehr viel Schlimmeres als das. Und mit Abstraktionsvermögen lässt sich auch aus Risen 3 genug Unterhaltung quetschen, sofern man es nimmt, wie es ist. Es ist nur schade, dass diese gut begonnene Trilogie im Mittelteil und besonders nach hinten raus so abfällt.

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Über den Autor:

Sebastian Thor

Sebastian Thor

Freier Redakteur - Eurogamer.de

Steht auf Bier und Bloodsport. Mag weiche Sofas und verliert sich gern in Gedanken an dies und das. Seit 2014 bei Eurogamer dabei, aktuell als freier Redakteur.

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