Bislang habe ich mich stets erfolgreich dagegen gewehrt, mich in World of Tanks zu stürzen. Nicht weil ich etwas gegen dieses Genre, die Entwickler oder was auch immer hätte, ausschlaggebend waren eher gewisse Abneigungen gegenüber dem Free-to-play-Bereich. Und außerdem hatte ich seit dem Release von Plants vs. Zombies: Garden Warfare schon einen Multiplayer-Titel, mit dem ich mich intensiv beschäftigte. Alles gute Ausreden, aber seit Kurzem gibt es Wargamings erfolgreichen Titel für die Xbox One und es kann ja nicht schaden, doch mal einen Blick zu riskieren.

Aus diesem kurzen Blick sind mittlerweile schon einige Stunden geworden. Immer wieder erinnert mich World of Tanks dabei an meinen Lieblingsteil der Battlefield-Reihe: Battlefield 1942. In der Zoom-Perspektive direkt neben dem Geschützrohr fühlt ihr euch wie einst in DICEs Multiplayer-Shooter - nur halt ohne Infanterie oder Flugzeuge um euch herum.

Spielerisch ist World of Tanks ein bisschen komplexer als damals Battlefield 1942, aber letzten Endes findet es genau diesen perfekten Punkt zwischen Realismus und Arcade. Es ist keine knallharte Simulation jedes einzelnen Miniaspekts eines Panzers (dann wäre es vermutlich auch nicht so erfolgreich), ein gewisses Maß an Taktik und Strategie ist dennoch absolut nötig. Das merkt ihr etwa dann, wenn ihr unbedacht durch die Gegend fahrt, entdeckt werdet und euch innerhalb von Sekunden Geschosse aus vier oder fünf Feindpanzern in einen brennenden Haufen Altmetall verwandeln.

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Nach und nach schaltet ihr immer bessere Panzer frei.

Zugegeben, das läuft nicht immer so, aber es zeigt, was ihr nicht tun solltet: planlos vorgehen. Natürlich können selbst Einzelgänger mitunter ihre besonderen Momente in diesem Spiel haben. Ich erinnere mich, als ich in einer Runde den alternativen Weg nahm und so ungehindert den Gegnern in den Rücken fallen konnte, während diese mit meinen Kollegen auf der Hauptroute beschäftigt und abgelenkt waren. Einen nach den anderen schaltete ich aus, kaum jemand bemerkte mich. Dazu muss man natürlich auch ein bisschen Glück haben, aber wenn es passiert, freut man sich umso mehr.

Wie gesagt: Eine vernünftige Koordination über die simplen Kommandos und Reaktionen des Radialmenüs und zumindest ein bisschen Verständnis für teamorientiertes Vorgehen und Taktik helfen euch schon mal sehr viel weiter. Im Grunde hat es nämlich gar keinen Sinn, möglichst schnell an die Front zu rasen. Die Gegner sind zu Beginn unsichtbar und müssen erst aufgespürt werden. Wenn es blöd läuft, entdeckt jemand einen Feindpanzer, der gerade hinter euch in Position rollt.

Für die nötige Abwechslung sorgen außerdem zahlreiche Panzer in fünf verschiedenen Kategorien: Leichte, mittlere und schwere Panzer, Panzerzerstörer und Artillerie. Jede Fahrzeugklasse verfügt wiederum über eigene Stärken und Schwächen. Wie zu erwarten sind leichte Panzer schnell unterwegs und übernehmen quasi die Rolle eines Kundschafters, die mittleren Panzer können auch über größere Distanzen hinweg für präzise Feuerunterstützung sorgen, die langsamen schweren Panzer eigen sich wiederum dank ihrer Feuerkraft und Panzerung für Vorstöße. Panzerzerstörer und Artillerie halten sich eher im Hintergrund auf und nehmen es über größere Distanzen hinweg mit ihren Feinden auf - Letztere in einer speziellen Perspektive.

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Vorsichtiges Vorgehen ist oft sinnvoller, besonders dann, wenn ihr in einem langsamen Panzer unterwegs seid.

Im Grunde ist es ganz einfach. World of Tanks bietet dadurch verschiedene Möglichkeiten für verschiedene Spieler. Nicht jeder kommt mit einem bestimmten Panzer oder Fahrzeug zurecht. Manche sind geduldiger und können sich im Hintergrund halten, andere brauchen den Nervenkitzel und stürzen sich gleich in die Gefechte. Es lohnt sich daher, wenn ihr jeder Klasse mal eine Chance gebt, die für euch passende werdet ihr nach ein paar Matches sicherlich finden.

Es unterscheiden sich aber nicht nur Geschwindigkeit, Panzerung oder Feuerkraft, sondern auch noch andere Aspekte, die zugleich ein gewisses Maß an Voraussicht benötigen. Viele Panzer feuern etwa alle paar Sekunden, andere wiederum können eine ganze Reihe von durchaus präzisen Schüssen abgeben, müssen dann aber 20 Sekunden lang nachladen - ein Zeitraum, in dem ihr sehr verwundbar seid. Da wäre es blöd, wenn gerade in diesem Augenblick ein Feindpanzer um die Ecke biegt.

Auch das Schadensmodell trägt seinen Teil dazu bei, dass World of Tanks ein echtes Katz-und-Maus-Spiel ist. Je nachdem, wo ein Panzer getroffen wird, könnt ihr etwa den Turm, die Ketten oder selbst einzelne Crewmitglieder erledigen und den Feind schwächen. Und wenn ein Fahrzeug sich erst mal nicht mehr bewegen kann, ist es eine leichte Zielscheibe. Mit sehr viel Glück ist es sogar möglich, einen Gegner mit nur einem Schuss zu erledigen. Ein weiterer guter Grund, nicht offen über das Schlachtfeld zu fahren, sondern verfügbare Deckung und Tarnung - ob nun durch Bäume, Sträucher oder Gebäude - geschickt auszunutzen. Es ist immer von Vorteil, wenn ihr selbst den ersten Treffer landet.

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Auf den höheren Stufen steigt die Mapgröße und Teilnehmerzahl.

Erwartet allerdings keine stundenlangen Schlachten. Die Matches sind zumeist relativ kurz, weil entweder das Ziel erreicht wird oder die Zeit ausläuft. Zwei Teams treten auf verschiedenen Arten von Schlachtfeldern gegeneinander an - ob groß oder klein (beeinflusst zugleich die Teamgröße), Wüste, Stadt oder verschneite Region, es gibt viel Variation. Das Ziel ist letztlich aber immer gleich: Erledigt einerseits sämtliche Feindpanzer oder erobert andererseits den gegnerischen Flaggenpunkt, wozu ihr euch eine gewisse Zeitlang innerhalb kurzer Distanz dazu aufhalten müsst. Je mehr Teammitglieder das tun, desto schneller geht es, aber meist gibt es dabei auch keine Deckung, ihr seid also anfällig.

Durch absolvierte Matches und noch mehr durch Erfolge verdient ihr Geld und Erfahrungspunkte. Das braucht ihr auch, um zum Beispiel Ausrüstung für Panzer zu kaufen. Ihr könnt bis zu drei zusätzliche Ausrüstungs- und außerdem drei Verbrauchsgegenstände nutzen. Dadurch lässt sich etwa die Sichtweite steigern oder die Nachladegeschwindigkeit verringern, mit den Verbrauchsgegenständen repariert ihr wiederum einen Panzer oder löscht Feuer. All das hat natürlich seinen Preis, aber gerade zu Anfang kann man sich über einen zu langsamen Fortschritt sicher nicht beschweren.

Erst auf den späteren Stufen der Tech-Trees wird das Spiel mehr zu einem Grind. Wenn ihr weiter aufsteigen wollt, müsst ihr entsprechend Zeit investieren. In dem Fall ist es vielleicht sinnvoll, sich über einen Premium-Account Gedanken zu machen, mit dem ihr schneller beziehungsweise mehr Erfahrungspunkte und Geld erlangt. Überhaupt bietet World of Tanks einige Mikrotransaktionen, die aber mitunter gar nicht so „Mikro" sind. Ein Premium-Panzer kostet schon mal um die 30 oder 40 Euro, wenn ihr ihn den unbedingt haben möchtet. Allerdings eröffnen sie auch keine großartigen Vorteile gegenüber den Varianten, die ihr im Spielverlauf freischaltet - es ist mehr eine kostspielige Abkürzung.

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Immer von Vorteil: Gegner entdecken, ohne selbst entdeckt zu werden.

Ihr könnt World of Tanks letztlich aber getrost spielen, ohne euch allzu sehr von diesen Dingen belästigt zu fühlen. Dann dauert es eben ein bisschen länger, bis ihr die höheren Stufen erreicht. Aber das macht ja nichts, währenddessen könnt ihr nämlich selbst im niedrigen Bereich eine Menge Spaß haben.

Ich selbst kann die aktuelle Spielbarkeit von World of Tanks zwar nicht im Vergleich zum damaligen Launch beurteilen, aber ich denke, Wargaming hat hier über die Jahre hinweg sehr viel am Feinschliff gearbeitet, was sich in der Xbox-One-Version entsprechend zeigt. World of Tanks spielt sich wirklich wunderbar und problemlos, sieht obendrein noch gut aus und macht vor allem Spaß. Wenn euch der Sinn nach taktisch geprägten Panzergefechten steht, kommt ihr besonders auf der Xbox One eigentlich gar nicht drumherum. Sofern ihr euch also auch nur ein bisschen dafür interessiert, solltet ihr das Free-to-play-Spiel einfach mal runterladen und ausprobieren. Außer Zeit habt ihr schließlich nichts zu verlieren.

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Editor, Eurogamer.de

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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