Destiny: König der Besessenen - Mehr hast du nicht drauf, Oryx?

Von einem vermeintlichen Gott hätte ich mehr erwartet.

Alles wird besser. Das dachte ich mir nach den beiden enttäuschenden DLCs für Destiny, die mir als Story-fokussierter Spieler für ihren Preis doch ziemlich wenig geboten haben. Und um es gleich vorwegzunehmen: Ja, König der Besessenen macht in dem Bereich einiges besser. Aber dann wiederum längst nicht alles.

Am Mittwoch habe ich mit der Erweiterung angefangen und gestern Abend war ich mit der Hauptstory durch. Und es ist beileibe nicht so, dass ich in diesem Zeitraum durchgehend vor der Konsole saß. Insgesamt acht Hauptmissionen hat die Erweiterung zu bieten, zusätzlich dazu erwartet euch eine Reihe neuer Zwischensequenzen, von denen es gerne noch mehr hätten sein dürfen.

Diese acht Missionen resultieren schlussendlich in vielleicht fünf, sechs Stunden Gameplay, bis ihr Oryx eine Kugel zwischen die virtuellen Augen jagt und mal wieder das Universum gerettet habt - jedenfalls bis zur nächsten Bedrohung. Dennoch hinterließ die Kampagne bei mir einen doch eher unbefriedigenden Eindruck. Klar, fünf bis sechs Stunden sind nett, aber gerade wenn man glaubt, es geht erst richtig los, ist es auch schon wieder vorbei.

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Auf zu neuen Abenteuern.

Oryx ist übrigens der Vater von Crota, den ihr zuvor im DLC Dunkelheit Lauert besiegt habt. Daher ist er auf euch verständlicherweise nicht gerade gut zu sprechen. Dafür, dass er als Gott angebetet wird, hat er aber gar nicht mal so viel auf dem Kasten. In puncto Inszenierung ist die Kampagne von König der Besessenen sicher ein Schritt nach vorne - vor allem gegenüber den DLCs -, aber dennoch fehlt hier einfach die Würze, das gewisse Etwas, das einen bleibenden Eindruck hinterlässt.

Ich verspüre nicht wirklich ein Gefühl der Bedrohung, wie es Oryx und seine Besessenen, wie es diese ganze Ausgangslage im Destiny-Universum eigentlich vermitteln sollte. Von Beginn an erwecken die Hüter den Eindruck, als seien sie auf alles vorbereitet und hätten einen Plan für jedwede Situation in der Schublade. Ihr müsst nur noch ein paar Dinge besorgen, diesen Plan ausführen und schon seid ihr wieder der Held der Welt, der alles mehr oder problemlos erledigt, ohne irgendwelche großen Rückschläge oder Verluste einstecken oder sich gewaltig anstrengen zu müssen. Da hilft dann auch die bessere Inszenierung nicht mehr, wenn die eigentliche Story irgendwie so lala daherkommt.

Die Missionen wirken durch Dinge, die am Rande passieren, zum Teil lebendiger als zuvor. Ihr könnt hier und da mal ein Objekt in der Umgebung scannen, um ein wenig mehr Hintergrundwissen zu erfahren, aber abseits von ein, zwei Sprungpassagen und einem kurzen Schleichabschnitt unterscheidet sich der Ablauf nicht sonderlich von dem, was ihr bereits kennt. Spannend machen es schon eher die neuen Besessenen-Feinde, die zwar durchaus auf vorhandenen Gegnern basieren, von euch aber neue Taktiken erfordern. Einer der neuen Feindtypen vermehrt sich von selbst, und das immer wieder, wenn ihr nicht alle von ihnen zeitig ausschaltet. Anstatt also nur wild um euch zu ballern, zwingt man euch quasi dazu, diesen Widersacher zuerst auszuschalten, ansonsten besteht die Gefahr, dass ihr überrannt werdet. Die Kämpfe fühlen sich dadurch wieder etwas frischer und unverbrauchter an.

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Oryx hat sein eigenes Grabschiff mitgebracht.

Ich war wirklich ein wenig ernüchtert, als ich am gestrigen Abend Oryx besiegt hatte, eine kurze Zwischensequenz lief und mal wieder ein paar Dinge dezent angedeutet wurden - sicherlich für den nächsten DLC oder für die Fortsetzung. Aber: Denkt nun wiederum nicht, dass diese acht Hauptmissionen das Einzige wären, was König der Besessenen zu bieten hätte.

Abseits dessen bringt die Erweiterung noch zahlreiche Aufgaben mit sich, mit denen ihr euch zum Beispiel neue exotische Ausrüstung beschafft, eine dritte Subklasse freischaltet, für verschiedene Händler oder die Hüter in der Halle der Hüter Missionen absolviert und dergleichen. So schnell werdet ihr daher nicht arbeitslos, dennoch hätte ich mir für die eigentliche Hauptstory mehr Inhalt gewünscht. Dort wirkt alles ein bisschen gehetzt und auf das Nötigste reduziert.

Gleichzeitig markiert König der Besessenen natürlich den Start von Destinys zweitem Jahr. Für euch heißt das, dass ihr euch an ein neues Levelsystem gewöhnen müsst. Mit welchem Level ihr nach der Umstellung beginnt, hängt von eurer zuvor getragenen Ausrüstung ab. Ich startete mit meinem Charakter bei Level 30 und Lichtlevel 139. Zur besseren Einschätzung: Für den neuen Königssturz-Raid empfiehlt Bungie einen Lichtlevel von 290.

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Schöne Aussicht, aber es bleibt wenig Zeit zum Genießen.

Den Lichtlevel steigert ihr durch eure Ausrüstung, den eigentlichen Charakterlevel erhöht ihr durch das Sammeln von Erfahrungspunkten. Was die Ausrüstung betrifft, geizt Bungie bei den Hauptmissionen doch größtenteils mit wirklich außergewöhnlichen Belohnungen. Okay, das ergibt vielleicht Sinn, wenn man bedenkt, wie schnell ihr im Level aufsteigt. Zum Ende der Hauptstory war mein Hüter schon wieder Level 38. Ernsthaft Gedanken um die Ausrüstung solltet ihr euch daher sowieso erst wieder ab Maximallevel 40 machen, alles darunter ist eher eine Zwischenlösung beim Wechsel von der alten zum High-End-Bereich der neuen Ausstattung.

Alles in allem ist das Levelsystem nun jedoch übersichtlicher als zuvor. Das Lichtlevel ist nur mehr ein Indikator dafür, wie gut eure Ausrüstung insgesamt ist, dennoch kann es natürlich nicht schaden, wenn ihr etwa für Raids den empfohlenen Lichtlevel auch erfüllt, ihr wollt ja nicht sang- und klanglos untergehen.

Kritik ist zudem in weiteren Bereichen angebracht. Das betrifft einerseits den Preis. Die günstigste Möglichkeit, die Erweiterung im Handel zu kaufen, ist die neue Legendäre Edition. Selbige kostet jedoch rund 60 Euro, weil sie zusätzlich noch mal das Hauptspiel und die ersten beiden DLCs enthält. Digital bekommt ihr die Erweiterung nur dann für 40 Euro, wenn ihr bereits das Hauptspiel sowie beide DLCs besitzt. Ansonsten müsst ihr auch hier zur teureren Legendären Edition greifen, was am Ende für eine Erweiterung doch eine mehr als stolze Summe ist. Hinzu kommt, dass mit dem Start ins zweite Jahr die Spieler, die König der Besessenen erst mal gar nicht haben wollen, plötzlich auf viele Inhalte verzichten müssen. Was das ist, hat Reddit-Nutzer eclipsedsunrise zusammengefasst. Es sind jedenfalls nicht wenige Einschränkungen.

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Ohne Backtracking geht es nicht: Auch in bekannten Bereichen seid ihr wieder unterwegs.

So viel also zum ersten Eindruck von König der Besessenen, der für meinen persönlichen Geschmack doch ein bisschen ernüchternd ausfällt - außer beim Shooter-Gameplay, da kann man Bungie nicht viel vorwerfen. Die Hauptstory ist mir jedoch etwas zu kurz geraten und vermutlich werde ich sie schnell wieder vergessen haben, aber es gibt daneben noch eine Reihe neuer Einsätze, die auch PvE-Spieler ein Weilchen beschäftigen werden. Ob euch das alleine dann den Preis der Erweiterung wert ist, müsst ihr selbst entscheiden. Ansonsten gibt es ja noch neue Strikes, einen Raid und frische PvP-Inhalte im Gesamtpaket. Dazu dann mehr im abschließenden Test.

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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