Drei der besten Spiele der letzten Generation, darunter das vielleicht beste Action-Adventure überhaupt… Glücklich, wer eine PS4 hat.

Die beste Spielreihe der letzten, nun wirklich nicht kurzen Generation? Souls. Und gleich danach, mit minimalem Abstand, Uncharted. Das ist für mich eine so klare Antwort, dass sie mich selbst überraschte, als ich ihr nachging. Nicht, dass es wenig Gutes gab. Dragon Age hatte einen ganz großen Auftakt, Gears einen furiosen Lauf, Mass Effekt zeigte uns Faszinierendes, Little Big Planet hatte große Momente, und nicht zu vergessen: Dark Souls ist derzeit auch noch ein Last-Gen-Franchise (Remaster zählt nicht). Da war viel. Zugegeben, wenn ich mich zwischen Souls und Uncharted entscheiden müsste, würde ich versuchen, beide zu greifen und zu rennen. Dann würde ich Uncharted fallen lassen und mich mit den drei Souls davonmachen. Aber ich würde Uncharted einige Tränen nachweinen.

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Jeder Teil hat Momente, die hängenblieben.

Das ist eine sehr persönliche Ansicht und ich würde niemandes Widerspruch widersprechen, vor allem weil es eben nicht die besten Spiele als solche sind. Das, vorsichtig gesagt, etwas inkonsistente Trefferverhalten beim ersten Teil war schnell berüchtigt. Die Todesanimationen der Feinde, sind sie dann doch mal getroffen, bringen etwas zu viel akrobatischen Ehrgeiz mit ein. Teil 1 und 3 haben ihre Längen. Vor allem der dritte hatte es schwer, sich nach dem herausragenden Teil 2 zu behaupten.

Hier geht es zum Uncharted 4: A Thief's End Test

Und Teil 2, der hat auch seine Probl... Hmm... da muss doch was sein... Nein, vergesst das, Uncharted 2: Among Thieves ist perfekt. Mehr als alles andere bringen diese Spiele eine Leichtfüßigkeit und vor allem Natürlichkeit der Dialoge und Geschichten - die sicher alles andere als komplex oder brillant sind - mit, die kein anderer Titel erreicht. Der Hauptgrund dafür sind die Hauptrollen der Synchronsprecher, und es ist in Spiele so dermaßen selten, dass es eine Art Chemie zwischen Sprecher und Rolle, geschweige denn Sprechern untereinander gibt, dass es hier wie eine Offenbarung wirkte. Und noch erstaunlicher, es hat sich diesen Charme praktisch ohne Einbußen bis heute bewahrt, obwohl Uncharteds Konkurrenz in diesem Punkt durchaus ein wenig aufholte. Das liegt vielleicht daran, dass auch dort Nolan North inzwischen gefühlt jede zweite Rolle einspricht. Der Mann kann es einfach, aber nie wieder war er so dermaßen authentisch wie in der Rolle des Nathan Drake. Vielleicht, weil er wirklich viel von sich mit einbrachte.

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Und im Photo-Modus könnt ihr sie nun bequem festhalten.

So oder so, das sind Zwischensequenzen, die man wegdrücken kann, aber nicht wird. Das wäre so, als würde man seinen Lieblingsfilm vorspulen. Es gehört sich einfach nicht. Die Abenteuer von Nathan, Sully, Elena und Chloe selbst sind die üblichen Schatzjagden, aber wenigstens setzen sie die Ziele hoch und die Orte exotisch genug an. El Dorado, Shangri-La und die verlorene Stadt aus Tausendundeiner Nacht sind so offensichtliche wie beflügelnde Ziele, wenn man es denn richtig hinbekommt. Und ja, das gelingt diesen drei mit einer faszinierenden Leichtigkeit.

Dass es gelingt, ist eine Kombination aus den atemberaubenden Talenten Naughty Dogs mit der ja nicht ganz simpel zu handhabenden PS3. Den Kreativen, die diese Figuren auch mit jeder Iteration visuell besser zum Leben erweckten. Den Designern, die diese magischen Orte in ebensolche Spielwiesen verwandelten, und einem Soundtrack, auf dem das Spiel wie großes Hollywood-Kino über einen roten Teppich schwebt. Es ist eine glückliche Kombination aller einzelnen Teile, die jedes Uncharted über sich hinauswachsen lässt, und alle zusammen ergeben eine Serie, die mehr ist als die reine Summe dieser Teile. Wie die Indiana-Jones-Trilogie - es gibt keinen vierten Teil - wird uns erlaubt, in eine Welt zu tauchen, in der Jugendphantasien von mystischen Orten, Schatzjägern und -jagden und ihrer sagenhaften Beute wahr werden. Ohne Kompromisse, ohne Bremse, ohne Rücksicht auf Verluste und ohne Reue.

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Kein gutes Abenteuer ohne die Jagd nach einem Schlüssel.

Was uns zu dem vielleicht seltsamsten Aspekt der Spiele bringt. Drake und seine Gefährten wirken so nett und harmlos, die tun doch keiner Fliege was zuleide. Schurken? Ja, aber von der netten Sorte. Nun, ja, irgendwie schon. Aber das macht den beharrlich wachsenden Bodycount der drei Spiele umso seltsamer. Kaum sonst wurden so nonchalant, immer mit einem Witz zwischen den Kugelhageln, so viele Gegner umgeholzt. Sicher, das gehört zu so einem Abenteuer auch mal dazu, aber wir reden hier von Hunderten, der Bevölkerung einer kleinen Stadt vielleicht. Spielerisch ergibt das natürlich Sinn, die geradlinigen Kletterpassagen allein können es nicht reißen, Stealth war wohl eher ein Randgedanke bei der Konzeptionierung und viel mehr Elemente gibt es nicht. Also muss geballert werden und es ballert sich ja auch ganz gut, vor allem jetzt, wo man alle drei Teile auf den gemeinsamen, fortgeschrittenen Nenner des dritten Teils brachte. Man kann den Kleingenozid generischer Gehilfen des Bösen endlos debattieren oder schlicht ignorieren, ganz wie es einem liegt. Einen dunklen Schatten über unsere so gut gelaunten Helden legt es sicher so gut wie nie.

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Momente wie der Rückblick in Teil 3 schaffen aus wenig sehr lebendige Figuren.

Warum auch, sie erleben ja ständig das große Abenteuer und es ist die Art von Szenen, an die man sich gern erinnert und die man auch acht Jahre später noch im Gedächtnis parat hat. Vom U-Boot am Wasserfall über Hubschrauber am Hochhaus hin zur Wüstensonne hat jedes der drei Spiele seine ganz großen Momente, und es ist erstaunlich, dass von deren Dramaturgie selbst nach dieser Zeit kaum etwas abgeschrammt werden konnte. Sie nun noch einmal in 1080p60 zu sehen, hat ein wenig etwas von der Blu-ray-Fassung eines geliebten Films. Da die Bandbreite da groß ist - Blade Runner: „Wow, ich sah den Film erneut zum ersten Mal!", Army of Darkness: „Bitte nie wieder!" -, sage ich mal Mittelfeld. Es haut einen nicht vom Hocker, aber es ist schon deutlich genug aufpoliert, dass es den Kauf rechtfertigt. Ein paar Effekte mehr für den ersten Teil, hier und da aufgehübschtes Licht für zwei und drei und durchgehend einen Batzen neuer Texturen machen keinen neuen Look, aber lassen das Trio nicht nur schick, sondern sogar fast ebenbürtig wirken. Nun, zumindest solange die Kamera in die Landschaft hält. Die Gesichter des ersten teils, da hatte Naughty Dog noch geübt.

Was fehlt, sind die kurzerhand gestrichenen Multiplayer-Anteile von 2 und 3. Diese gehörten zu der Sorte von Multiplayer, die eigentlich viel besser war, als man meinen sollte, die aber trotzdem niemand groß spielte. Was schade war, aber nun ist das Thema eh durch. Als kleinen Trost habt ihr einen Speedrun-Modus, der sich nicht mit der Story aufhält, und einen Fotomodus, der jederzeit auf Tastendruck bereitsteht, um die Schönheit des Moments einzufangen. Lässt sich sogar gut bedienen, ist also unterhaltsam für alle, die gerne ihre schönsten Spielerlebnisse in Szene setzen möchten. Der neue Schwierigkeitsgrad ist eine Herausforderung für alle, die das Trio im Schlaf beherrschen, und er meint es ernst. Ein, zwei Treffer und das war es.

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Bevor es zu neuen Abenteuern geht... Einmal noch mit der alten Gang um die Häuser ziehen, da kann man nichts falsch machen.

Auf die Frage jetzt, ob man denn die Uncharted-Trilogie auch heute noch empfehlen kann... Was für eine Frage ist das denn? Natürlich und mehr als das. Das hier sind keine jungen Retros, es sind Spiele, die praktisch mit allem den Boden aufwischen, das des Weges kommt. Mit frohem Abenteuermut, lockerer Knarre und nicht weniger lockeren Sprüchen stellt sich wirklich nur die Frage, warum nicht endlich mal jemand diesen verdammten Film gemacht hat. Nathan, Sully und Co. sind weit unterhaltsamere, glaubwürdigere und charmantere Action-Helden als so ziemlich alles, was sich da derzeit so verbissen durch Hollywood mordet. Und den Bodycount bringen sie sicher auch mit, dafür sorgt das Spieldesign, das sich nur zögerlich vom Third-Person-Shooter zum zumindest „Etwas-Erkunder" wandelte. Sicher, diese Spiele sind geradlinig wie nur was. Aber sogar das wusste Naughty Dog so geschickt zu verpacken, dass es einem fast nicht auffällt. Als Lehrstück in Sachen Spieldesign will ich sie trotzdem nicht verklären. Aber doch die Frage stellen, warum eigentlich so gut wie kein anderes Spiel in der Lage ist, seine Geschichte mit der gleichen Authentizität zu erzählen.

Uncharted gelingt das sonst scheinbar Unmögliche leichtfüßig, man nimmt ihm das alles ab und fiebert bis zur letzten Kugel und zum letzten Hechtsprung mit. Blickt man zurück... ist man unglaublich froh, dass bald endlich ein neues Uncharted kommt. Davon kann man einfach nicht genug haben.

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Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chief Editor - Eurogamer.de

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