Fallout Anthology, das sind fünf alte Spiele in einer Bombe

Und sonst... nicht viel mehr.

Der beste Fallout-Teil? Nummer eins, gefolgt von zwei und New Vegas, dann irgendwann drei, kann man Inkonsistenzen so mancher Location und zurückgeschraubte Handlungsoptionen akzeptieren. Detaillierter sprach ich vor wenigen Wochen hier über Fallout 1 und 2, über ihre unbedarfte Spielbarkeit jenseits des historischen Interesses, und hier über 3 und New Vegas. Diese vier plus Tactics-Ableger sind das "nackte" Spielzeug in der Fallout Anthology. Den Hauptteilen gemein ist, dass sie ihre Welten - ob nun US-west- oder -ostküstenzentriert - offen anlegen und Erkundung in die erste Reihe ihrer neuen Weltordnung stellen.

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Macht schon tierisch was her in dem zerkratzten Look, aber mehr als die Bombe, Verpackung, Datenträger und einen Code bekommt man nicht.

Je nach Teil wird man da mehr oder weniger entdecken. Der erste folgt einem grundlegenden Ansatz mit weniger Locations und bedrohlich-schwarzhumoriger Atmosphäre inmitten einer Welt noch undefinierter, schleichender Unheimlichkeit, ohne dass irgendwo merkliche Widersprüche entstehen. Der zweite ist schierer Content mit mehr Orten, viel mehr Quests und wenigen Ausreißern nach unten. Nummer drei und New Vegas - beide entstanden nach Bethesda-Bauweise - nähern sich bis auf Shooter-Armlänge mit gut funktionierendem Kampfsystem, wenn auch mit qualitativen Unterschieden zueinander, was Quests, Dialoge und Geschichte angeht. Tactics ist eine etwas eigene Nummer und als solches ein noch immer brauchbares Taktikspiel ohne die nach hinten raus ausgerichtete Offenheit der RPG-Vorgänger.

Aber das ist alles völlig egal, da die Fallout Anthology für niemand historisch Interessierten gedacht ist, der einfach nur die Serie von null an kennenlernen will. So jemand holt sich die "Fallout Classic Collection" für zwanzig Euro auf Steam (enthält 1, 2 und Tactics) oder wartet, bis sie wieder mal im Sale ist. Teil 3 und New Vegas gibt's mit allen DLCs jeweils für einen schlappen Zehner im Laden (in der optisch potthässlich verpackten Green-Pepper-Ausführung schon für sechs oder sieben). Unterm Strich eine Ersparnis von mindestens zehn Euro, wenn man zum jetzigen Zeitpunkt unbedingt alles in den Fingern haben muss.

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Zeiten ändern sich, auch wenn die ersten Teile heute noch sehr gut spielbar sind.

Nein, die Fallout Anthology ist Statussymbol für Leute, die sich gern optisch protzige Collector's Editions in die Vitrine stellen und denen eine dort verortete Miniatombombe nicht Fallout-nah genug sein kann. Genau das steckt drin: eine kunststoffgefertigte Bombe mit abnehmbarem Kopf, geschätzt etwa 500 Gramm schwer, solide verarbeitet, schrammenversehen und bemalt, ebenso wie die Schrauben (natürlich keine echten). Nur der Stellfuß - soweit man das bei einer Bombe so nennen kann - wirkt ein bisschen billig und wackelig, aber das sollte niemanden stören, solange man ihr einen Platz an der Sonne sichert und sie dort nie wieder wegnimmt. Ein außenseitig zu drückender Schalter erzeugt den charakteristisch pfeifenden Sound einer fallenden Bombe mit anschließendem "Katsching", ausgegeben aus einem kleinen Lautsprecher an der Unterseite neben dem bereits befüllten Batteriefach, als kleines Gimmick sozusagen.

Im Inneren steckt ein abnehmbarer Schuber mit sechs schmalen Papphüllen, eine für die Disk jedes Teils, vorsorglich auch bereits eine für den vierten. Eine aufgedruckte Inhaltsangabe wie in der US-Version fehlt in Deutschland, aus welchem Grund auch immer. Am Ende steht noch die Entscheidung, ob ihr die Spiele von der Disc installiert oder gleich den beliegenden Steam-Key einlöst und sie herunterladet. Um Steam herum kommt ihr ohnehin nicht, also kann man die Datenträger schonen. Und im Grunde... war es das schon. Dafür bezahlt ihr rund 45 bis 50 Euro. Es gibt nichts weiter zum Anfassen und nicht mal etwas zum Nicht-Anfassen. Keine Büchlein oder Dokumentationen, nichts, was die Anthology abseits der Bombe zum Nerd-Interest machen würde.

Bethesda ist sich dessen bewusst und legt sie als Sammlerobjekt an, das sich leistet, wem es das eben wert ist. In dieser Form ist sie der vielleicht coolste Staub- und Blickfänger seit langer Zeit und leider nicht mehr. Sie lässt euch 15 Jahre Entwicklung miterleben. Von den beschaulichen Anfängen bei Interplay, als ein paar Menschen ihr Genre-prägendes Traumspiel entwickelten, bis hin zu Bethesdas Ostküstenschlacht und Obsidians fantastischem, alle Seiten der Mojave-Wüste beleuchtenden Kampf um Territorium und die Glitzerstadt.

Wichtig: Da letzte Woche jemand fragte, noch mal der Hinweis. Fallout 3 ist in der hier vorliegenden Version geschnitten. Das bedeutet jeglichen Verzicht auf Blut- und Splatter-Effekte, keine platzenden Gliedmaßen und so weiter. Eine PEGI-Fassung der Anthology dürfte über die normalen Kanäle (Media-Markt, Amazon und Co.) nicht zu bekommen sein, da Teil 3 in der ungekürzten Version nach wie vor auf Liste A verweilt. In Fallout 1 und 2 lässt sich zumindest der Gewaltregler auch auf "Maximal" drehen, was der deutschen Version ihrerzeit versagt war - Kinder sind dort aber nach wie vor nicht zu erspähen. Da die BPjM dem Indizierungsantrag für die ungeschnittene PEGI- sowie UK-Fassung von New Vegas nie stattgab, konnte die Ultimate-Edition Anfang 2012 ebenfalls uncut erscheinen. Entsprechend findet ihr diese Version in der Sammlung.

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Über den Autor:

Sebastian Thor

Sebastian Thor

Freier Redakteur - Eurogamer.de

Steht auf Bier und Bloodsport. Mag weiche Sofas und verliert sich gern in Gedanken an dies und das. Seit 2014 bei Eurogamer dabei, aktuell als freier Redakteur.

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