Fünf gewinnt in Rainbow Six: Siege

Situationen statt Kampagne, Story Fehlanzeige, aber mit der richtigen Mannschaft einfach nur genial.

Gute sieben Jahre ist es her, dass mit Rainbow Six: Vegas 2 der letzte PC- und Konsolentitel erschienen ist. Jetzt reaktiviert Ubisoft das Rainbow-Programm und schickt die Antiterrorspezialisten von FBI, GSG9, SWAT, SAS, Speznas und der französischen GIGN (Groupe d'intervention de la gendarmerie nationale) in den Kampf gegen die bösen White Mask, eine ganz besonders ruchlose Terrorgruppe. Die überziehen die Welt mit Entführungen, legen Bomben und dringen schon mal in das Präsidentenflugzeug ein. Mit diesem Minimum an Hintergrundgeschichte, vorgetragen von dem digitalen Abbild der amerikanischen Schauspielerin Angela Bassett, die für die Rolle der Rainbow-Chefin mit dem Codenamen „Six" verpflichtet wurde, werde ich dann in einen ausführlichen Anspieltermin entlassen.

Eine Kampagne für notorische Solospieler sucht man vergebens. Wie bereits bekannt, verzichten die Entwickler auf einen Story-Modus und setzen voll auf das Konzept Koop und Multiplayer. Allerdings stehen mit den Situations zum Release elf Missionen zur Verfügung, die sich dann doch als Einzelkämpfer meistern lassen. Eigentlich eine Reihe von Tutorials, mit denen man das grundlegende Spielprinzip, die Fähigkeiten und Ausrüstung der Agenten und das Layout der Karten verinnerlichen soll.

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Die deutsche GSG9 ist auch Teil des Rainbow-Projekts und stellt Spezialisten für den Kampf gegen die White-Mask-Terrororganisation ab.

Da arbeite ich mich als FBI-Agentin durch den gekaperten Jumbo des Präsidenten, befreie als GSG9-Spezialist eine Geisel aus einem schwer gesicherten Haus oder soll eine Zielperson gegen anstürmende Gegnerhorden schützen. Die Spielmodi sind abwechslungsreich, die Karten verwinkelt, mit vielen Räumen, mehreren Stockwerken und tückischen Fallen. Die Operators, wie die Elitesoldaten genannt werden, spielen sich unterschiedlich. Das Spielgefühl ist merklich anders, ob ich nun mit einer flinken, weil nur leicht gepanzerten Agentin durch die Gegend schleiche und mit einem Sniper-Gewehr und einem Bewegungstracker ausgerüstet bin oder als echter Brecher mit kugelsicherem Schild und Pistole den Bösewichten zu Leibe rücke.

Die Situations machen durchaus eine ganze Weile Spaß, auch wenn die Gegner-KI sichtlich an Multiplayer-Bots erinnert. Das Bestehen der Missionen sorgt immerhin für die notwendige Menge an Erfahrungspunkten, um sich vom Rekruten zum Spezialisten hochzuarbeiten. Zum Start stehen 20 unterschiedliche Operators zur Verfügung, jeder mit individuellen Stärken und Schwächen, realitätsnaher Bewaffnung und eigenen Gadgets. Der echte Spaß fängt erst im PvE so richtig an.

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Die Jungs von der Speznas machen es richtig und schicken den schwer gepanzerten Breacher als Kugelfang voraus.

Terrorist Hunt nennt sich der Koop-Modus. Als Mitglied eines Fünfertrupps geht es gegen die von der KI gesteuerten White Masks. Und erst im Zusammenspiel mit Online- oder LAN-Mitstreitern entfaltet sich das Potenzial von Rainbow Six Siege richtig. Jeder Spieler übernimmt eine bestimmte Rolle in der Mission. Die 20 Agenten lassen sich grob in die Kategorien Point Man, Breacher, Trapper, Blocker, oder Support einordnen, die jeweils ganz spezifische Fähigkeiten haben. Jede Rolle darf nur einmal in einem Squad vertreten sein. Keine Schikane, sondern aus handfesten taktischen Gründen.

Das Layout der Karten sowie die Anzahl und Ausrüstung der Verteidiger erfordert immense Gruppendisziplin und eine durchdachte Strategie. Mit der Pistole im Anschlag die Tür einzutreten, das endet garantiert in einem blutigen Fiasko. Und im Gegensatz zu anderen First-Person-Shootern respawne ich nicht ein paar Sekunden später an einem sicheren Ort, sondern darf den Rest der Mission meinen überlebenden Mitstreitern tatenlos zuschauen. Munition findet sich zwar an einigen Stellen der Karte, die Lebensenergie lässt sich aber nicht auffrischen. Werde ich angeschossen, kann ich die Blutung verlangsamen, indem ich eine Taste drücke, muss aber regungslos darauf hoffen, dass ein Teamkollege mich heilt. Wenn nicht, war es das.

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Die Terroristen von White Mask tragen teilweise Bombengürtel. Da solltet ihr mit euren Spezialisten lieber Abstand halten, sonst verliert ihr euer einziges Leben.

An dieser Stelle auch gleich ein Hinweis für den Spielertyp „einsamer Wolf", der sich gerne von der Gruppe entfernt und sein eigenes Ding macht: Es gibt Friendly Fire. Läuft man einem Online-Kameraden mangels Kommunikation vor den Lauf oder wartet nicht ab, bis ein Spezialist Sprengfallen und andere unangenehme Überraschungen beseitigt hat, ist schnell Feierabend.

Grundsätzlich gibt es zwei übergeordnete Modi. Entweder ist man in einer Angreifer- oder einer Verteidigersituation. Als Angreifer bestimmt die Einheit im Mehrheitsprinzip den Eintrittsort in die Karte und startet erst einmal eine Aufklärungsaktion. Dazu stehen Drohnen zur Verfügung, die man mit einer Fernbedienung durch das Areal steuert. Erkannte Terroristen, die Geisel oder der Bombenstandort werden angezeigt und erlauben so erst das effektive Ausbaldowern einer Strategie. Räume müssen von bewegungsaktivierten Sprengfallen gesäubert, Stacheldraht beseitigt, Barrikaden zerstört werden.

Habe ich einige Gegner in einem Raum aufgespürt, kann ich mir überraschenden Zugang über das Sprengen von Wänden oder Decken verschaffen. Muss ich unbedingt durch eine Tür, schicke ich einen Point Man vor, der mit seiner dicken Panzerung und einem Schild die Kugeln abhält, damit ich aus der Deckung heraus Kopfschüsse verteilen kann. Oder ich werfe Blendgranaten. Oder nutze ein Gerät, das eine Wand durchbohrt und in den Raum dahinter eine Handvoll Granaten verstreut. Die Ausrüstung der Operatoren und die Fähigkeiten der Klassen zu nutzen, das ist der Schlüssel zum Erfolg.

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Weite Teile der Umgebung lassen sich effektvoll zerstören.

In einer Verteidigersituation habe ich erst einmal ein wenig Zeit, meine Stellung zu befestigen. Türen und Fenster vernageln, Stahlverstärkungen anbringen oder Stacheldraht in die Laufwege legen sind nur einige Optionen. Ich kann Minen auslegen oder Türen unter Strom setzen. Je mehr Operators ich freischalte, desto größer sind die Möglichkeiten, den Gegner kreativ ins digitale Jenseits zu schicken. Aber auch hier gilt: Kommunikation und Teamwork sind unabdingbar. Gleiches gilt im Multiplayer, der PvP-Modus lässt zwei Rainbow-Einheiten gegeneinander antreten. Nein, aufseiten der Terroristen kann man nicht stehen. Ist von den Entwicklern nicht vorgesehen. Hier habe ich die bekannten Karten, aber eben ein gleichgroßes Team mit menschlichen Kontrahenten. Als blaues- und als oranges Team geht es darum, wer die meisten Missionen in einem Match von Best-of-Five für sich entscheiden kann.

Ausgeklügelte Karten mit Tag- und Nachtversionen, eine große Anzahl unterschiedlicher Spielfiguren und eine weiträumig zerstörbare Umgebung: Der taktische Shooter hat mir besonders im Koop-Modus richtig viel Freude gemacht. Da wurde vor Aufregung ins Headset gebrüllt, bei einem Sieg frenetisch gejubelt und bei einer knappen Niederlage so richtig deftig geflucht.

Rainbow Six Siege spart sich eine Kampagne und setzt alles auf die Koop-Karte. Das kann sehr gut aufgehen und ein voller Erfolg für das Franchise werden, steht und fällt aber mit dem Matchmaking. Es folgt nicht näher erläuterten Algorithmen und soll in jedem Modus ein funktionierendes Team zusammenschustern. Gemeinsam mit Freunden steht vielen durchzockten Nächten nichts entgegen. Ob das bei einem gematchten Team auch so der Fall ist, wird sich erst nach dem Erscheinen zeigen. Ich werde mir sicherheitshalber lieber schon mal ein paar Kumpels für einen Clan suchen.

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Über den Autor:

Ulrich Wimmeroth

Ulrich Wimmeroth

Freier Autor

Mag Rollenspiele und Ego-Shooter, sammelt Retro-Konsolen und nutzt seinen PC hauptsächlich zum Schreiben über Spiele. Und für Strategie natürlich. Und das seit Dekaden.

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