Pokémon Tekken - Test

Pokemon Stadium Rebooted.

Pokémon Tournament ist auf eine seltsame Art das bessere Pokémon Stadium, nach dem niemand gefragt hat. Selbst heute kenne ich einige Leute im Freundeskreis, die sich eine optisch opulente Neuauflage des N64-Klassikers herbeisehnen, und auch im Internet ist es wohl neben Pokémon Snap 2 die meistgewünschte Fortsetzung innerhalb des weltweit dominierenden Franchises.

Aus einer nostalgischen Verblendung heraus begründet, mochte ich das alte Pokémon Stadium, weil es mir zum ersten Mal die Ansicht meiner liebsten Kampftiere in drei Dimensionen ermöglichte. Damals unheimlich aufregend, heute eher einschläfernd. Ohne wirkliche Inhalte abseits der Turnierkämpfe - die recht spaßigen Minispiele mal ausgeschlossen - war der visuelle Aspekt die einzige Daseinsberechtigung der Spiele. Aber nun? Ich kann bereits auf dem 3DS dreidimensionale Gefechte austragen, und das eingebettet in eine schicke Rollenspielstruktur. Pokémon X und Y haben einen weiteren Stadium-Ableger obsolet gemacht.

Ein kurzer Eindruck zur Farb-Flut des im Rest der Welt als 'Pokken' bekannten Spiels.

Daher ist Pokémon Tekken die einzig richtige Fortführung dieser Serie, auch wenn es kein offizieller beziehungsweise spiritueller Nachfolger sein soll. Allerdings fokussiert es sich wie Stadium ganz allein auf die Kämpfe und schmeißt den restlichen RPG-Aufbau bis auf leichte Progressionselemente komplett aus dem Fenster. Zudem lässt es euch auf eine in den Handheld-Spielen nicht realisierte Art mit den Pokémon interagieren. Statt aus sicherer Entfernung Befehle zu erteilen, übernehmt ihr nun die volle Kontrolle über die Taschenmonster und haut euch in in Echtzeit laufenden Kämpfen gegenseitig auf das Fressbrett.

Spielerisch ähnelt es dabei wohl am ehesten der Ultimate-Ninja-Storm-Serie des Naruto-Universums. In jeder der über 20 Arenen steuert ihr euer Pokémon aus einer Third-Person-Ansicht und dürft euch frei bewegen. Feuert Projektile ab, schlagt mit leichten Attacken zu oder vollführt einen Sprungangriff. Erst bei einer harten Attacke wechselt man zu einer mehr traditionellen Seitenansicht. Die Kamera zoomt an das Geschehen heran und auch die Angriffe ändern sich leicht. Plötzlich kann man die Erfahrung mehr einem herkömmlichen Prügelspiel zuordnen, obwohl es sich weiterhin von der Norm absetzt.

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Durch das Aufladen der Burst-Leiste könnt ihr einen unheimlich starken Spezialangriff aktivieren.

Zwar fördert Pokémon Tekken den richtigen Einsatz verheerender Kombos, jedoch liegt der zentrale Fokus auf der Nutzung eines Stein-Schere-Papier-Prinzips. Verschiedene Mechaniken wie Griffe, Konter, Blocks und Spezialangriffe setzen sich gegenseitig außer Kraft, weshalb jeder Kampf recht schnell in hektischen Abfolgen dieser Aspekte gipfelt. Oftmals erleiden zwei Kontrahenten für mehrere Sekunden keinen Schaden, weil sie gekonnt die nächsten Züge ihres Gegenübers erraten.

Besonders für Anfänger ein wunderbares Prinzip, da keine komplexen Tasteneingaben einstudiert werden müssen. Jedes Pokémon folgt denselben Befehlen und jede Aktion wird durch das Drücken von maximal zwei Tasten ausgeführt. Kaum sind die ersten Übungsrunden verstrichen, befinden sich beide Spieler auf einer ähnlichen Stufe und können zusammen Spaß haben. Leider raubt es professionellen Kämpfern eine persönliche Entfaltung. Spielstile sind allein an die Schnelligkeit des jeweiligen Pokémons gebunden, aber nachdem das Gefecht in die Duellphase und somit eine Seitenansicht wechselt, agiert jedes Tier fast gleich. Solange man sich nicht von den Nahkämpfen loslöst und in die offenere Schulterperspektive zurückkehrt, können sich die Kloppereien etwas monoton anfühlen, wenn man die Abwechslung komplexerer Fighting-Games gewohnt ist.

Das macht Pokémon Tekken nicht zu einem schlechten Spiel, nur sollte man mit dem Wissen an den Titel herantreten, hier trotz kompetenter Kampfmechaniken eher leichte Kost vorzufinden. Perfekt für einen lockeren Abend mit Freunden eben. Nur was tun, falls keiner Zeit hat und man sich stattdessen alleine vergnügen muss? Natürlich kann man gegen Spieler von überall antreten und die Vorteile unserer vernetzten Welt nutzen. In meinen bisherigen Online-Auseinandersetzungen lief auch alles konstant stabil.

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Aber all diejenigen, denen Prügeleien gegen echte, unbekannte Menschen zu stressig sind, dürfen sich an der recht simplen Einzelspielerkampagne versuchen. Hier werden die zu Beginn angesprochenen Stadium-Vergleiche wieder relevant, denn Pokémon Tekken wirft euch im Singleplayer eine lange Reihe an Turnierkämpfen vor die Füße. In diesen arbeitet man sich durch mehrere Ligen und lauscht zwischendurch kleineren, handlungsrelevanten Gesprächen. Nicht viel, aber immerhin etwas und der leichte Schwierigkeitsgrad der ersten Turniere hilft Neulingen beim Erlernen des ungewöhnlichen Kampfsystems.

War ich nach der ursprünglichen Ankündigung von Pokémon Tekken noch recht zurückhaltend, habe ich in den letzten Wochen überraschend viel Zeit mit dem Spiel verbracht und meine Wii U praktisch zu jedem Freund im näheren Umkreis geschleppt. Trotz unterschiedlicher Erfahrungen mit Prügelspielen hatte jeder von ihnen verdammt viel Spaß und es entstanden immer interessante Matches.

Auf lange Zeit gesehen wird Pokémon Tekken wohl kaum bei EVO oder anderen professionellen Turnieren landen, aber für eine nette Runde zwischendurch ist es die perfekte Abwechslung zu Super Smash Bros. oder Mario Kart 8. Ein weiterer Titel, der in jede gut sortierte Wii-U-Sammlung gehört.

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Über den Autor:

Björn Balg

Björn Balg

Redakteur

Freier Autor und wahrscheinlich der letzte Mensch ohne einen Facebook-Account. Liebt Trash und verbringt zu viel Zeit mit dem Ansehen von Katzenvideos.

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