Hard Reset Redux: Ich drücke einen Knopf und sie fallen um

Die Reinheit der Robo-kalypse in 60 Bildern pro Sekunde.

Hey, Hard Reset? Da war doch was? Stimmt, Flying Wild Hogs Debüt von 2011. Cyber-Dystopie, schnelles Shootern. Ist irgendwie untergegangen, obwohl es eigentlich jeder von den paar Leuten, die es spielten, gut leiden konnte. Jetzt also, nachdem das Studio mit Shadow Warrior für einiges Aufsehen sorgte, das Remake in aktueller Technik. Und sogar mit einigen Gameplay-Änderungen und Leihgaben aus Lo Wangs Schnetzelei.

Worum es geht? Natürlich darum, dass die Roboter mal wieder die Menschheit ausgelöscht haben, was kein so unwahrscheinliches Szenario ist, wenn ein gewisser Hockey-Enthusiast aus Boston, in diesem Video zu sehen bei 1:30 Minuten, so weitermacht. Ihr ballert in der letzten Stadt der Menschen auf einfallende Maschinenmonster und folgt einer ebenso konfusen wie nebensächlichen Geschichte, während ihr euch über ein innovatives Waffensystem und ein an Painkiller und Serious Sam gemahnendes Geballer freut.

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Fünf bunte Balken und drei verschiedene Zahlenwerte unten links. Es ist fast, als wären die letzten 15 Jahre Actionspielgeschichte nie gewesen.

Soll heißen: Ducken geht nicht, Laufgeschwindigkeit eines Flugzeugs und Wände, die man aufsprengt, um dahinter das eine oder andere durchnummerierte "Secret" zu finden. Hard Reset ist auch als Redux so klassisch, wie es nur geht. Aber das ist hier gerade der Knaller an einem schnörkellosen und wunderbar fluffig spielbaren Shooter. Dass auch so einer nicht auf moderne Nettigkeiten verzichten muss, macht ein recht innovativer Zweiersatz Schießprügel klar.

Ballistische Geschosse auf der einen, elektrische Energiewaffe auf der anderen Taste. Jeder von beiden Schießprügeln verfügt allerdings über fünf Feuermodi, durch die ihr mit dem Mausrad scrollt und die für Abwechslung sorgen. Das ist nicht super-intuitiv, aber weil man von Granaten auf Raketen bis hin zu Schrot und Sturmgewehrvarianten hüben und Kettenblitzen, Energiebolzen und Verlangsamungs-Energiehauben drüben selten etwas falsch macht, kommt schon beim wilden Rumgedrücke auf Maus- und Tastatur schnell anarchischer Spaß auf. Ganz schöner Irrsinn, der sich hier abspielt, wenn ein halbes Dutzend scharfkantiger Maschinenwesen auf einen zurattern und man planlos, aber erfolgreich alles in ihre Richtung wirft, was man hat. Ich drücke einen Knopf und am anderen Ende des Laufes fallen sie scheppernd, zuckend und qualmend um.

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In der schnellen Bewegung und dem satten Treffer-Feedback erkennt man nach wenigen Metern: Auch 2016 ist noch Platz für Spiele wie dieses. Doom kann kommen.

Zur Verteidigung des Geisteszustands von Flying Wild Hog muss gesagt sein, dass ich auf dem Anspieltermin in Amsterdam alle Waffen und Ausbaustufen per Cheat freigeschaltet bekam. Der durchschnittliche Spieler wird die Schrapnel-Disko wohl erst nach und nach ergründen und damit leichter den Überblick behalten als ich. Und doch stört mich dieser Overkill erstaunlich wenig, eben weil die Kontraste zwischen den finster-rostroten Straßenzügen und den fetzigen Neon-Reklamen einfach den perfekten Hintergrund für eine völlig von der Leine gelassene Übung in Massenmanagement bieten.

Dazu kommen Physikspielereien wie Generatoren, die Gegner in der Nähe grillen, wenn man auf sie schießt, und herumfliegende Gascontainer, die das machen, was leckgeschlagene und feuerfangende Gascontainer so machen. Oft und gerne auch als Kettenreaktion für den gelegentlichen rabiaten Plattenputz, für den man selten wirklich etwas kann, den man aber trotzdem mit einem Grinsen mitnimmt.

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Auch ein bisschen verspielter geht es: Erst Gegner in dieser Blase bremsen, dann mit dem Schwert zerlegen. Das Spiel scheint zu sagen: 'Das hier ist eure Bude. Lasst die Sau raus!'

Neu ist in der Redux-Version der Dash, der in alle Richtungen funktioniert. Ein zügiges Huschen drei Meter in Bewegungsrichtung, das man beliebig häufig aneinanderketten kann und das Wunder wirkt, will man sich schadlos durch die Gegnerhorden schlawinern. Was hier für ein Tempo aufkommt, das macht ehrlichen, einfachen Spaß. Sicher nicht zuletzt, weil Flying Wild Hog auch noch mal alle Gegner-Spawns und Formationen anpackte, um den neuen Steuerungsfinessen Rechnung zu tragen. Sogar einen neuen Gegner gibt es und wenn der Hauptcharakter sein neues futuristisches Katana schwingt, wähnt man sich endgültig in einer Zukunftsversion von Shadow Warrior.

Ehrensache, dass die Grafik und Ladezeiten auf dem neuesten Stand sind. Selbst auf Xbox One und PS4 soll das Spiel in fließenden 60 FPS laufen, was man angesichts der Tatsache, dass die PC-Version absolut makellos auf einer Geforce 960 lief, durchaus glauben darf. Dass in diesem Paket der Story-DLC Exile enthalten ist, korrigiert unterdessen ein Stück weit den Kritikpunkt der kurzen Spieldauer. Nicht komplett, aber wenn ich sehe, wie viele Geheimnisse hier in jedem Level stecken und wie befriedigend der auf totales Abräumen ausgerichtete zentrale Gameplay-Loop doch ist, wummse ich mich gerne auch zweimal durch Hard Reset Redux, wenn es in nicht allzu ferner Zukunft erscheint.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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