Daedalic 2016 - Mehr als nur Deponia

Die kleinen Geheimtipps aus Hamburg.

Carsten Fichtelmann, dem Gründer und Geschäftsführer von Daedalic Entertainment, war die Freude über die gelungene Spontanüberraschung von "Deponia Doomsday" deutlich anzusehen. Es ging aber Anfang des Monats um mehr als nur Deponia. Man lud auf dem Museumsschiff Cap San Diego ein und präsentierte einen guten Teil des 2016er Plans. Wobei, nach Deponia Doomsday ist alles möglich. Wer weiß, was da im Keller bei Daedalic noch so ganz im Geheimen entwickelt wird...

Caravan

Wie in Tausendundeiner Nacht geht es in der Mischung aus Orientabenteuer und Handelssimulation zu. Eure Spielfigur bereist die arabische Halbinsel und benötigt für die sichere Durchquerung der Wüste eine immer üppigere Karawane. Ihr beginnt mit einem Kamel und baut euch durch geschickten Handel und gewonnene Kämpfe mit der Zeit eine stattliche Reisetruppe auf. Ihr könnt Scouts oder Söldner anheuern, die euch vor Überfällen schützen und einen sicheren Weg zeigen. Und ihr müsst genau auf eure Wasservorräte achten und in den Städten und Oasen einen regen Handel mit den Ortsansässigen treiben.

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Entschleunigtes Spielen: Caravan ist eine Kombination aus Orientabenteuer und Handelssimulation.

Der Spielverlauf ist entschleunigt, fast schon hypnotisch. Bei den Wüstenwanderungen ist keinerlei Hektik zu verspüren und die Kämpfe, wie auch das Feilschen um die besten Preise, sind in ein Minispiel ausgelagert. Eine Art Stein, Schere, Papier, gepaart mit Auswürfeln, sorgt für Sieg oder Niederlage respektive gute Geschäfte. Entwickelt wurde das bereits 2015 angekündigte Spiel von dem Berliner Studio It Matters Games. Die sind bislang mit einer Handvoll Mobile- und Browserspiele, wie beispielsweise dem Hundepensionssimulator DogHotel, eher unauffällig gewesen. Mit Caravan könnte sich das durchaus ändern, denn das Spielprinzip erweist sich als reizvoll. Und das hier Wert darauf gelegt wurde, die Schauplätze historisch und geografisch akkurat wiederzugeben, ist sicherlich kein Manko.

Crazy Machines 3

Nach fast zehn Jahren Physik-Rätsel-Abstinenz darf in Crazy Machines 3 wieder kräftig gepuzzelt werden. Wenn ihr Spaß daran habt, Tische, Stühle, Bretter, Leitern oder Fernseher so zu platzieren, dass ein Spielzeug-LKW über eine Lücke im Aufbau von rechts nach links fahren kann, ist es genau das Richtige. Es bleibt aber bei den gut 100 vorgegebenen Rätseln nicht bei so simplen Aufgaben. Ihr müsst in recht komplexen Konstruktionen auch mit Schaltern, Luftballons, Steinkugeln, Kisten und einer riesigen Auswahl weiterer Gegenstände hantieren, um die Aufgaben zu lösen.

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Verrückte Welt der Physik: In Crazy Machines 3 dürft ihr selbst zum Baumeister von knackigen Rätseln werden.

Die Technik-Tüftelei beschränkt sich nicht auf vorgefertigte 2D-Puzzles in 3D-Umgebungen, sondern will die Community mobilisieren. Dazu liefern die Entwickler von FAKT Software einen umfangreichen Editor, mit dem ihr individuelle Crazy Machines von Grund auf selber erstellen könnt. Die schiere Menge an Objekten, denen sich meistens auch noch unterschiedliche Materialen wie Holz, Gummi oder Metall per Mausklick zuordnen lassen, ist beeindruckend. Die eigenen Werke könnt ihr dann über den Steam Workshop mit gleichgesinnten Physikexperten teilen und so für regen Nachschub an Kopfnüssen sorgen.

The Long Journey Home

Mit Vorbildern wie dem Klassiker Star Control oder Filmen und Serien wie Farscape, Firefly und Das 5. Element sind die Entwickler vom Düsseldorfer Daedalic Entertainment Studio West an die Arbeit zu The Long Journey Home gegangen. Ein Weltraumerkundungsspiel, in dem die zu bereisenden Galaxien prozedural generiert werden. Der Computer übernimmt also im Rahmen von vorgegebenen Algorithmen einen Großteil der Spielwelterstellung in Eigenregie. Die Aufgabe: Nach einem missglückten Hyperraumsprung aus einer fremden Galaxie entkommen und das mit wenigstens einem überlebenden Besatzungsmitglied. Eigentlich eine faire Quote, denn mit euch sind vier Kollegen an Bord, um die ihr euch rührend kümmern sollt. Allerdings hat das Space-Adventure so seine Tücken.

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Für das Weltraumabenteuer The Long Journey Home standen alte und neue Klassiker wie Star Control und Faster than Light Pate.

Ihr stoßt auf Aliens, mit denen ihr versuchen müsst auszukommen. Aber die Rassen sind sich untereinander nicht immer friedlich gesonnen, also gilt es gut abzuwägen, ob ihr einem in Not geratenem Wesen eure Hilfe anbietet und es sicher zum Heimatplaneten geleitet oder vielleicht gegen ein Kopfgeld an ein verfeindetes Volk verscherbelt. Moralische Dilemma und schwere Entscheidungen verspricht Andreas Sulka, der Creative Director des Studios. Und das Ergebnis eures Handels soll derart unvorhersehbar für das Schicksal eurer Crew sein, dass ihr richtig Bammel vor dem Treffen einer Entscheidung haben werdet.

Außer Dialogen mit Aliens könnt und sollt ihr natürlich auch die unbekannte Umgebung erkunden. Dazu nutzt ihr euer Beiboot und landet auf fremden Planeten, die ihr nach Artefakten und Rohstoffen durchstöbert. Die Planetenlandungen erinnern dabei an Moonlander, wenn ihr mit Fingerspitzengefühl Schub und Gegenschub nutzen sollt, um nicht eurer Erkundungsschiff zu schrotten. Zum Rohstoffmanagement, damit euch nicht der Treibstoff und die Ersatzteile ausgehen, und den diffizilen diplomatischen Beziehungen zu den intergalaktischen Völkern gesellen sich noch gelegentliche Raumschlachten, die das Spielkonzept mit etwas Action anreichern.

Candle

Candle, das bockschwere Puzzle-Adventure mit Sterbegarantie der spanischen Teku Studios, war mein ganz persönliches Highlight des Tages. Das ehemalige Kickstarter-Projekt aus dem Jahr 2013 ist nahezu vollendet und schickt euch als Shamanen-Azubi Teku auf die gefährliche Reise, euren entführten Meister aus den Klauen des fiesen Wakcha-Clans zu befreien. Die haben doch glatt euer Heimatdorf in Brand gesteckt, eure Freunde getötet und sind mit dem Dorfschamanen abgehauen. Der Weg in das feindliche Gebiet der Wakcha erweist sich aber extrem heimtückisch und tödlich. Es gibt kaum eine Stelle, an der ihr nicht von Steinen erschlagen, von Wildtieren gefressen oder auf andere unangenehme Art und Weise um euer Bildschirmleben gebracht werdet.

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Sterben als Spielprinzip: In Candle wartet an jeder Ecke ein überraschender Bildschirmtod.

Die Umgebungsrätsel sind nicht leicht zu durchschauen und der Pixeltod oft derart unerwartet, dass man sich die Hand vor den Kopf schlägt. An den meisten Stellen heißt es dann eben so lange Trial and Error, bis der sprichwörtliche Groschen pfennigweise gefallen ist. Als spielerisches Hilfsmittel verfügt Teku über die Fähigkeit, seine Hand als Kerze einzusetzen und kann damit Licht in dunkle Abschnitte bringen oder Gegner verscheuchen. Allerdings muss dazu immer erst einmal auch eine offene Flamme zum Entzünden gefunden werden. Der Grafikstil ist außergewöhnlich: Alle Hintergründe sind handgemalt und wurden für Verwendung im Spiel eingescannt. Eine mühsame, aber lohnende Prozedur, die für eine stimmungsvolle Aquarell-Optik sorgt. Ein Spiel, in das ich mich gerne verbeißen werde.

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Über den Autor:

Ulrich Wimmeroth

Ulrich Wimmeroth

Freier Autor

Mag Rollenspiele und Ego-Shooter, sammelt Retro-Konsolen und nutzt seinen PC hauptsächlich zum Schreiben über Spiele. Und für Strategie natürlich. Und das seit Dekaden.

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