DiRT Rally - Test (PS4, Xbox One)

60 Frames oder Tod!

Die Konsolenumsetzung der besten Rally-Simulation glückte: 60 Frames zugunsten von weniger Grafikeffekten, sonst blieb alles erhalten.

Haben sie es also wirklich geschafft. 60 Frames in DiRT Rally auf beiden Konsolen und von dem, was ich jetzt gespielt habe - jeweils vier oder fünf Stunden - gibt es bei keiner der beiden insgesamt recht identisch aussehenden Versionen spürbare Einbrüche. Jedenfalls nichts, was man ohne ein Messprogramm spüren würde. Nicht schlecht, Codemasters, wirklich nicht schlecht.

Digital Foundry: Sowohl Xbox One als auch PS4 halten beide perfekt die 60 fps. (03:15)

Dafür muss natürlich auch ein Preis gezahlt werden: Die PC-Version sieht mit ihren Lichteffekten und Details deutlich besser aus, vor allem natürlich auf teurer Hardware und das dann auch mit 60 und mehr Bildern. Aber wie das nun mal so ist, eine Konsole kostet den Preis einer guten Grafikkarte, man kann nicht alles haben, wenn man nicht alles ausgibt, und Codemasters hat hier die absolut richtige Entscheidung getroffen. Effekte sind in dieser Simulation viel weniger wert als Frames. Die Steuerung muss einfach perfekt sein, sonst würde man viel von dem einbüßen, was DiRT Rally ausmacht. Und da lässt sich sagen, dass der Sprung auf die Konsole unbeschadet überstanden ist. Erneut Glückwünsche nach England, sie können es halt doch noch. Und das seit 1986!

Aber, und das muss man vor allem auf der Konsole noch mal ganz deutlich und extra betonen, DiRT Rally ist eine Simulation ohne Wenn und Aber. Es gibt keinen Rückspulknopf, keine nettes Arcade-Sim-Verhalten aus Forza oder Gran Turismo und von SEGA Rally könnte es nicht weiter weg sein. Kommt ihr aus dieser Ecke und das ist eure erste Simulation, dann bereitet euch auf eine steile Lernkurve vor. Es gibt Fahrhilfen und einige dieser lassen sich sogar graduell justieren, aber selbst mit allen Tricks wird es euch aus den ersten Kurven raushauen, bevor ihr anfangt, den Dreh rauszubekommen. Das ist kein Kritikpunkt an dem Spiel, nur eine Warnung an alle Interessierten, damit sie nicht gleich vor Frust nach zehn Minuten aufgeben. Es wird besser, ihr werdet besser und wenn man dem Spiel etwas ankreiden kann, dann, dass weder der 60's Mini Cooper noch die Griechenland-Strecke für Einsteiger besonders geeignet sind. Aber das ist nun mal der Auftakt während der Installation, also Augen zu, durch und danach mit einem Lancia in Richtung Monaco.

Mit dem weißen 3er im Winter ist das so etwas wie Stealth-Rally. (00:24)

Wichtig an der Konsole ist natürlich, dass die Pad-Steuerung funktioniert und da wurde - auch am PC - noch mal der letzte Feinschliff getätigt. Inzwischen bin ich mit dem Pad fast so gut wie mit dem Lenkrad, was aber auch an meinen nicht gerade epischen Lenkrad-Künsten liegt. Aber ja, selbst wenn euch kein Couch-Steuerrad mit Pedalen zur Verfügung steht, ein gutes Pad ist jetzt auch eine Lösung. Zumindest bis man dann doch mal wieder am Steuer saß und sieht, wer der König im Genre ist. Die Unterstützung ist für beide Systeme umfangreich, die Liste der kompatiblen Lenkräder lang - siehe Box an der Seite. Ausprobiert wurde es mit einem Thrustmaster T300 und das Fahrgefühl stand dem der PC-Version in nichts nach. Der Preis wurde bei Auflösung und Details bezahlt, der Gewinn ist eine spielerisch tadellose Umsetzung auf die Konsole in allen Belangen.

Mit dabei: Die Rallycross-Strecken, damit ihr nicht nur allein unterwegs seid. (00:28)

Auch die Vielzahl der Optionen für die Steuerung, die HUD-Anzeigen und der Schwierigkeitsgrad haben den Sprung unbeschadet genommen, nur im Menü für die Grafik findet ihr erwartungsgemäß nicht viel außer einem Gamma-Regler. Alle 43 Wagen sind anwesend, sechs Gebiete von Finnland bis Griechenland, der Pikes Peak für den Hill Climb und auch die beiden Rallycross-Strecken. Der Multiplayer ist in seiner ganzen Turnier-Event-Glorie vorhanden, neu ist leidglich ein Tutorial-Teil, der aber leider nicht interaktiv ist. Ihr habt eine Reihe von Videos, die euch sehr genau und vor allem gezielt auswählbar alle Aspekte des Spiels erklären und das sogar auf eine Weise, die man sich angucken kann und initial auch sollte.

Aber sonst? Ja, es wurde ein tadelloser Port, sodass ich hier einfach mal ganz schamlos auf den Test der PC-Version von DiRT Rally verweise. Alles, was das steht, gilt hier auch, angefangen vom tadellosen Fahrmodell bis hin zu den realistisch umgesetzten Reparatur-Optionen im Laufe eines über mehrere Etappen gehenden Rennens.

Der Pikes Peak Hill Climb über 20 Kilometer darf natürlich nicht fehlen. (00:27)

DiRT Rally war auf dem PC Codemasters Meisterstück, ihre beste Renn-Simulation seit sehr langer Zeit. Da diese aber auch auf 60 oder mehr Frames angewiesen ist, hatte ich durchaus Sorge, dass man auf den Konsolen zugunsten von mehr Schönheit das Ganze vielleicht doch auf 30 reduziert. Wie schon zuvor jedoch macht Codemasters auch diesmal bei diesem Spiel alles richtig und entscheidet sich für das flüssige Gameplay und die paar Lichteffekte braucht eh keiner. DiRT Rally ist damit nun auf drei Plattformen die Genre-Referenz und die mit Abstand beste Rally-Simulation seit den Tagen von Richard Burns. Wer auch nur ein klein wenig Interesse an dem Sport hat und sich zutraut. Sich an den ersten, fast schon garantierten, Misserfolgen am Steuer vorbeizukämpfen, kann hier auch auf den Konsolen nichts falsch machen.

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Über den Autor:

Martin Woger

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Chefredakteur  |  martinwoger

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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