Resident Evil 6 HD Remaster - Test

6, 5, 4... - der Countdown läuft.

Zu actionlastig und stellenweise ermüdend, bleibt es das zweitschwächste Resident Evil - hier aber in einer technisch tollen Umsetzung.

Ich meine, viel kann sich Capcom davon nicht kaufen. Aber sie haben sich schon reingehangen in diesen Port. Die Energie aufzubringen, sich noch einmal an einen weithin alles andere als beliebten Serieneintrag zu setzen, um das Beste aus ihm rauszuholen, das ist nicht selbstverständlich. Viele bekehren wird es nicht. Resident Evil 6 bleibt ein viel zu sehr auf geradeaus gerichtete Action gebürstetes, häufig spielerisch beengendes und QTE-verseuchtes Bombast-Kuddelmuddel, das die Identitätskrise der Reihe schon im Herbst 2012 gut auf den Punkt brachte.

Am Ende war es in meinem Fall die vierte und letzte Kampagne, die von Ada Wong, die alles noch so zusammenbrachte, dass ich Resident Evil 6 für mich knapp nicht als überflüssig abschrieb. Das hier war regelmäßig recht gut gemachte Action vor aufwendiger Kulisse. Aber es war auch viel Leerlauf trotz fliegenden Gekröses, es fehlte der Sinn für Tempo und Rhythmus. Blickt man an den vielen Irrwegen vorbei, die das Spiel immer mal wieder halbherzig ein paar Schritte hinauf taperte, nur um dann wieder umzudrehen und was anderes zu probieren, gelang ihm aber doch das eine oder andere.

Am Beispiel von Chris' Intro hier ein Blick auf die Texturen und Charaktermodell (Dauer 0:39)

Die Monster sind zum Beispiel mal wieder wunderbar matschig, reagieren schön auf Treffer und in dem Licht - oder Halbschatten eher - versteht man schon, warum Capcom es für eine gute Idee hielt, die Erkundung der Umgebung und Rätsel auf ein solches Minimum zurückzufahren. Die Action, die es liefert, funktioniert. Nur reicht das bei dieser Marke nicht. Nicht mit diesen Traditionen und einfach in einem Resident Evil 5 die Lichter auszuknipsen und zu hoffen, dass es die Leute für den B-Horror des Originals halten, das funktioniert eben nicht ohne weiteres. Zumal das Design der Feindbegegnungen auch nicht eben originell war.

Sei es drum. Besser als das zwar in Sachen Tempo etwas ausgewogenere, aber furchtbar betrüblich und langweilig dreinblickende Revelations 2 ist der Sechser allemal. Und für nur 19,99 Euro kann jetzt auch einen Blick riskieren, wer sich seinerzeit zum Vollpreis unter dem Spiel wegduckte und zu reichlich Popcorn die Internet-Rage darum beobachtete. Das hier ist in jedem Fall die beste Form, in der man dieses Spiel nachholen kann, wenn man denn möchte. Neben dem kompletten Koop-Support (abgesehen von der Kampagne der Einzelgängerin Ada) winken viele durchaus lustige Mehrspieler-Modi, die in jedem der neueren Resis tolle Mercenaries-Spielvariante sowie alle vorher veröffentlichten DLCs. Das hier ist eine ganze Menge Spiel fürs Geld.

Einer von Chris' frühen Shoot-outs in China. Die Action funktioniert ganz ordentlich. Es gibt nur zu viel davon (Dauer 0:47).

Vor allem visuell schlägt sich RE6 auch heute noch gut, denn Capcom hat mit feineren Texturen und spiegelglatten 60 Bildern pro Sekunde ordentlich nachgebessert. Hier und da sind einige Objekte kantiger, als sie sein sollten oder als man sie in Erinnerung hatte, und einige Texturen halten beim Rest des Facelifts nicht mit. Es ist also kein durchweg modernes Bild, das dieses immerhin auch beinahe vier Jahre Spiel hier abgibt. Doch das täuscht nicht darüber hinweg, dass hier technisch etwas geboten wird, das man sich auch heute noch wirklich gut angucken kann. Gerade die Protagonisten und Monster könnten auch aus einem aktuelleren Titel stammen.

Die hohe Bildrate geht unterdessen nicht spurlos an den in ihren besseren Momenten durchaus kribbeligen Shoot-outs vorüber, in denen sich das Mengenmanagement so deutlich handhabbarer gestaltet. Es fühlt sich einfach besser an, die vielen passablen Action-Momente und die wenigen Glanzlichter gewinnen dadurch ein wenig, während die reichlich zähen Passagen so immerhin in Sachen Kontrolle noch eine grundlegende, niedere Instinktbefriedigung hergeben.

Was soll man sagen: Auch wenn Capcom sich wirklich Mühe gab, der Umfang gigantisch ist und vor allem auf Mehrspieler-Seite einiges an solider Unterhaltung geboten wird, die das Preisschild rechtfertigt: Das hier bleibt RE6 und RE6 ist eben auch in 1080p60 ein gestelztes und oftmals verkrampftes Durcheinander. Ich finde es nach wie vor nicht annähernd so schlimm wie einige andere, aber es ist schon ein trübes Süppchen, das sich die Japaner da eingebrockt haben. Wie schön wäre ein Zwölf-Stunden-Supercut von diesem Spiel gewesen, der all das Füllmaterial in einer fließenden Bewegung aus der Spieleschachtel kippt! So, also im Ganzen, ist es nicht per se ein gutes Spiel. Eher ein wohlmeinender, aber letztlich orientierungsloser Frankenstein, wie es ihn wohl so schnell nicht wieder geben wird. Ein faszinierendes Stück Seriengeschichte ist es allemal.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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