Yo-Kai Watch - Test

Nur was für die Kleinen?

Yo-Kai Watch ist sicherlich kein Ersatz für Pokémon, aber ein netter Zeitvertreib für jüngere Spieler.

Über zwei Jahre hat es gedauert, doch nun kommt das japanische Erfolgsphänomen Yo-Kai Watch auch zu uns nach Europa, während im fernen Nippon bereits der dritte Teil in den Startlöchern steht. Keine Ahnung, warum Nintendo so lange damit gewartet hat oder was der Auslöser für die verspätete Lokalisation war, aber ich bin immer froh über neue 3DS-Software aus Japan. Auch wenn ich das Franchise bis vor Kurzem überhaupt nicht auf dem Radar hatte.

Wahrscheinlich wäre mein Interesse ohne die großartig peinlichen Videos der letzten Nintendo-Direct-Ausgaben gar nicht erst entstanden. Wer sich als Führungspersönlichkeit so auf die Schippe nehmen kann, sorgt bei mir recht schnell für Sympathie. Ein wenig Vertrauen muss wohl hinter dem Spiel stecken, wenn man für solchen Klamauk bereit ist und gleichzeitig die Großoffensive mit der begleitenden Anime-Serie startet.

Aber hat Yo-Kai Watch diese Unterstützung verdient?

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Dialoge sind gelungen, auch wenn der Humor eindeutig nicht für meine Altersklasse gedacht ist.

Ehhh, ich kann verstehen, wieso Nintendo den Versuch wagt. Die Präsentation des Spiels ist super, der Anime für die junge Zielgruppe ganz ordentlich und Yo-Kai Watch orientiert sich am Sammeltrieb der Pokemon-Reihe. Nur fängt man hier keine knuffigen Tierchen mit Sprachfehlern, sondern baut sich ein Team aus den seltsamen Yo-Kais zusammen. Dies sind für das normale Auge unsichtbare Geisterwesen, die das Verhalten von Menschen um sie herum unbemerkt beeinflussen. Beispielsweise können sie starke Hungergefühle auslösen oder einen Streit zwischen zwei Leuten anzetteln. Dank der sogenannten Yo-Kai Watch kann euer Protagonist - entweder ein Junge oder Mädchen - die merkwürdigen Kreaturen sehen und gegen sie antreten.

In den Auseinandersetzungen greifen eure Yo-Kais zwar automatisch an, trotzdem dürft ihr zwischenzeitlich per Stylus-Minispiel aktivierte Spezialmanöver ausführen. Bis zu sechs Viecher können gleichzeitig mitgenommen werden, wobei im Kampf maximal drei davon aktiv sind. Die aktuelle Kämpferriege bestimmt ihr über ein kleines Rad auf dem unteren Bildschirm. Wollt ihr also ein bestimmtes Monster angreifen lassen oder einen verletzten Kriege in Ruhe heilen, darf die Position jederzeit geändert werden. Ein zusätzlicher Vorteil kann entstehen, wenn man gewisse Elementareigenschaften nebeneinander auf das Rad legt. Ausprobieren lohnt sich also und der häufige Wechsel eurer mysteriösen Kreaturen sorgt für unterschiedliche Gefechtsdynamiken.

Jedoch hätte ein höherer Schwierigkeitsgrad nicht schaden können. Zumindest ein optionaler für etwas erfahrenere Spieler. Ich weiß, dass sich Yo-Kai Watch deutlich an die jüngere Zielgruppe richtet. Aber ein wenig mehr Anspruch hätte sicherlich nicht geschadet. Bis auf ein paar Bosskämpfe, in denen ich tatsächlich gezielte Taktiken anwenden musste, habe ich meine Truppe kaum selbst zu Angriffen befehligen müssen. Hier und da mal eine Spezialattacke und gut ist. Wobei ich diese irgendwann auch vermeiden wollte, da man jedes Mal ein nerviges Minispiel auf dem Touchscreen ausführen muss. Wenigstens lässt sich die Kampfgeschwindigkeit wie bei Bravely Default innerhalb der Auseinandersetzungen manuell anpassen.

Auch die Struktur hat so ihre Schwächen. Das kleine japanische Städtchen ist optisch wunderschön umgesetzt und wie für Entwickler Level-5 typisch, pfeift man bereits nach wenigen Minuten die fantastische Musik auf der Oberweltkarte nach. Allerdings spaziert ihr bloß von einer festgelegten Markierung zur nächsten, während die Erkundung in den Hintergrund rückt. Im späteren Verlauf öffnen sich mit steigendem Rang der Yo-Kai Watch versteckte Türen, nur fühlen sich die gefundenen Schätze dahinter selten wie Belohnungen an, wenn ohnehin schon alles auf dem Schlachtfeld in wenigen Zügen umkippt und keine zusätzliche Unterstützung in Form diverser Items benötigt wird.

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Besiegte Yo-Kai hinterlassen manchmal Freundschaftsmünzen, mit denen ihr sie im Kampf rufen könnt.

Wie gesagt liegt es zum Teil an der jüngeren Zielgruppe des Spiels. Und weniger erfahrene 3DS-Besitzer werden garantiert mehr Freude daran haben. Aber vielleicht fehlt auch ihnen die höhere Auswahlmöglichkeit in den Kämpfen eines ebenso einsteigerfreundlichen Pokémon X oder Y. Ebenso orientiert sich das Monsterdesign stark an der japanischen Kultur und stellenweise musste auch ich beim Anblick mancher Kreaturen leicht zurückschrecken.

Yo-Kai Watch ist ein gelungenes Spiel mit ein paar Problemen, das sich hauptsächlich nicht an Erwachsene richtet. Diese werden genau wie ich nach wenigen Stunden bereits mit dem 3DS in der Hand leichte Müdigkeit verspüren, da die Abläufe vorhersehbar sind und bis auf wenige Ausnahmen jeglicher Anspruch in den Kämpfen fehlt. „Ganz nett" würde Yo-Kai Watch daher wohl am ehesten beschreiben.

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Über den Autor:

Björn Balg

Björn Balg

Redakteur

Freier Autor und wahrscheinlich der letzte Mensch ohne einen Facebook-Account. Liebt Trash und verbringt zu viel Zeit mit dem Ansehen von Katzenvideos.

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