Battlefleet Gothic: Armada - Test

Manchmal wie ein Schlag in den Magen. Aber trotzdem spannend.

Habt ihr das Gefühl, dass so manches Spiel es euch heutzutage zu leicht macht? Klar, manche Entwickler finden genau die richtige Balance, bei einigen bewegt sich der Pendel in eine bestimmte Richtung, andere Spiele fallen wiederum zu leicht oder zu schwer aus. Battlefleet Gothic: Armada tendiert eher zur schwereren Seite, stellt euch im Spielverlauf vor so einige Herausforderungen. Herausforderungen, bei denen ihr genau wissen müsst, was ihr tut, sonst verpasst euch das neueste Strategiespiel im Wahrhammer-40K-Universum erst mal einen Schlag in den Magen, nur um dann später noch mal zurückzukehren und ein weiteres Mal kräftig zuzulangen.

Das soll nicht heißen, dass Battlefleet Gothic Armada unfair wäre, aber ihr müsst hier eben genau wissen, was ihr tut und wie ihr es am besten tut. Und sofern ihr nicht dazu übergehen wollt, ständig nach einer verlorenen Mission den letzten Spielstand zu laden und es so lange zu versuchen, bis es endlich klappt oder ihr die richtige Vorgehensweise herausgefunden habt, müsst ihr mit so einigen Niederlagen klarkommen.

Wie der Name des Spiels schon verrät, basiert es auf dem gleichnamigen Warhammer-40K-Tabletop-Ableger. Und Entwickler Tindalos orientiert sich bei der Umsetzung eng an den Vorgaben. Vor jeder Mission habt ihr ein bestimmtes Punktelimit, das zum Beispiel mal 300 oder mal 600 Punkte betragen kann. Innerhalb dieses Limits könnt ihr so viele Schiffe anfordern, wir ihr wollt. Größere, schlagkräftigere Schiffe verlangen jedoch 100 Punkte und mehr, kleinere Eskortschiffe - die aber hauptsächlich zum Verheizen da sind - nach rund 40 Punkten.

In einer Mission müsst ihr die Chaos-Truppen davon abhalten, einen Planeten zu bombardieren. Die richtige Taktik ist hier entscheidend. (1:57)

Das gilt übrigens sowohl für den Single- als auch für den Multiplayer-Modus. Stets könnt ihr eure Flotte unter Berücksichtigung dieser Einschränkung frei zusammenstellen. Die Kampagne besteht dabei aus Prioritätseinsätzen, die für den Story-Verlauf wichtig sind, und Nebenmissionen, die sich ebenfalls auf euren späteren Erfolg auswirken können. Kurz gesagt: Ihr müsst den Gothic-Sektor gegen einfallende Streitkräfte der Orks, Eldar und Chaos-Truppen verteidigen. Manche Einsatzziele stellen euch nicht unbedingt vor große Schwierigkeiten, etwa normale Kreuzerkämpfe, in denen einfach zwei Flotten aufeinandertreffen. Wenn ihr aber Transportschiffe verteidigen oder ein bestimmtes Gegnerschiff ausschalten sollt, müsst ihr beispielsweise aufgrund eines knappen Zeitlimits schon sehr genau wissen, wie ihr mit eurer Flotte umzugehen und eure Schiffe richtig einzusetzen habt.

Und auch die Storymissionen machen euch das Leben nicht zu einfach. In einem Einsatz sollt ihr etwa Truppen auf einem Planeten bombardieren und dazu drei Stellen im Orbit ansteuern, wo sich Verbündete und feindliche KI-Streitkräfte miteinander streiten. Hier sind die Zeitlimits extrem knapp, wodurch euch zum Beispiel schnelle Schiffe sehr weiterhelfen, aber wenn nur eine Stasisbombe in eurem Weg explodiert und eure Flotte aufhält, könnte das schon zu viel sein. Vor allem, wenn man bedenkt, dass ihr die Zielmarkierungen für die Bombardierung vorher nicht kennt und ihr dafür mindestens einen Kreuzer braucht.

Das Gute ist, dass Niederlagen hier nicht automatisch „Game over" für das gesamte Spiel bedeuten, wie es bei einem streng linearen Titel der Fall wäre. Kurzfristig gesehen heißt das, dass eure Belohnungen für den Einsatz niedriger ausfallen, aber langfristig betrachtet summieren sich die negativen Auswirkungen, wenn ihr eine Niederlage an die nächste reiht. Ihr verliert Welt um Welt, es entgehen euch Boni und es wird nur noch schwieriger. Gerade bei den mit sehr wenig Zeit bemessenen Einsätzen kann das mitunter zu etwas Frust führen, wenn euch der Gegner etwa Sekunden vor dem Ende noch mal von euch gestohlene Daten zurückklaut und dann selbst zum Warpsprung ansetzt - umgekehrt ist es ein sehr befriedigendes Gefühl, wenn euch das gelingt.

Im Gothic-Sektor gibt es viele Missionen zu erledigen, pro Runde könnt ihr aber nur eine begrenzte Zahl an Einsätzen absolvieren. (0:42)

Zentraler Bestandteil eurer Flotte sind natürlich die jeweiligen Schiffe. Alles, was größer als das Kanonenfutter aka Eskortschiff ist, bleibt in euren Händen und kann von Mission zu Mission verbessert werden. Ihr verpasst Kreuzern oder mächtigen Schlachtschiffen Upgrades oder spezielle Fähigkeiten, verbessert die Crew, damit sich zum Beispiel die Chance verringert, dass ein Kapitän meutert und eigenmächtig aus einer Schlacht verschwindet - tut er das trotzdem, könnt ihr ihn mitten im Schlachtgetümmel hinrichten lassen. Darüber hinaus gibt es selbst innerhalb der einzelnen Schiffsklassen noch verschiedene Varianten, etwa mit mehr Kanonentürmen bestückte Raumschiffe oder andere mit Buchten für Jäger und Bomber.

Besagte Upgrades und Fähigkeiten schaltet ihr frei, indem ihr durch die Einsätze Ruhm sammelt. Je erfolgreicher und effektiver ihr dabei agiert, desto mehr bekommt ihr. Hierbei erweist sich auch die Entscheidung für ein simples 2D-Spielfeld als weise, denn die Schiffe in Battlefleet Gothic erfordern viel Mikromanagement. Ein 3D-Schlachtfeld würde das alles noch weit komplizierter machen. Besonders dann, wenn ihr eine mit den unterschiedlichsten Fähigkeiten bestückte Flotte in die Schlacht werft, müsst ihr diverse einzelne Cooldowns berücksichtigen. Die Taktik ist ein zentraler Bestandteil des Spiels und kampfentscheidend. Sehr hilfreich ist dabei die Möglichkeit, das Geschehen durch Betätigung der Leertaste stark verlangsamen zu können. Hier gebt ihr neue Befehle und lasst dann wieder in normaler Geschwindigkeit weiterlaufen.

In der Flottenwerft rüstet ihr eure Schiffe auf oder repariert sie. (0:54)

Aber nicht nur auf den Feind müsst ihr währenddessen achten. Geschützfeuer landet zwar automatisch beim Gegner, aber das Friendly Fire solltet ihr keineswegs ignorieren. Wenn ihr bestimmte Arten von Bomben platziert, können diese auch eure eigenen Schiffe schwer beschädigen. Weiterhin solltet ihr schauen, dass eure Schiffe unter bestimmten Umständen nicht miteinander kollidieren oder dass eines mitten in die abgefeuerte Torpedosalve eines anderen hineinsteuert. Die Verlangsamung der Zeit ist daher ein wichtiges Feature, das es euch ermöglicht, schnell Befehle zu erteilen, um zum Beispiel dem Explosionsradius einer Bombe zu entkommen, anfliegenden Torpedos zu entgehen oder zusätzlichen Schub zu nutzen, um einem Orkschiff auszuweichen, das euch rammen will.

Selbst kleinere Auseinandersetzungen werden so schon mal zu einer komplexen Angelegenheit, wenn ihr ständig damit beschäftigt seid, Manöver auszuführen, Spezialattacken auszulösen oder den nächsten Schritt eures Gegners vorauszusehen, damit ihr ihm eine Salve der langsam fliegenden Torpedos in die Flugrichtung feuern könnt. Zu stark beschädigte Schiffe müssen schon mal mehrere Runden aussetzen oder Schiffe, die per Warpsprung fliehen, können im Warp festgehalten werden - pro Runde könnt ihr nur eine bestimmte Zahl an Einsätzen absolvieren und wenn euch irgendwann die Schiffe ausgehen, habt ihr ein Problem. Zwar lässt sich die Zahl der auszusetzenden Runden reduzieren, das kostet euch aber eine gute Menge Ruhm.

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Die Schiffe strotzen vor Details und sind ein echter Hingucker.

Die Regeln im Multiplayer-Modus sind unterdessen denkbar einfach. Wählt eine der vier Fraktionen, stellt eure Flotte zusammen und es kann losgehen. Wer zuerst seinen Gegner besiegt, zum Rückzug zwingt oder die Missionsaufgaben erfüllt, gewinnt. Klingt simpel, aber die Matches leben von der individuellen Anpassung der einzelnen Schiffe. Hier kommt der Tabletop-Aspekt von Battlefleet Gothic gut zur Geltung: Ihr wisst nie so richtig, worauf ihr euch da gerade einlasst, welche Taktik der Gegner verfolgt, welche Fähigkeiten er nutzt, wie viele und welche Schiffe er verwendet. Das sorgt für unvorhersehbares und spannendes Spielen im Multiplayer-Modus, wo ihr euch dann möglichst schnell auf die Gegebenheiten einstellen müsst, damit ihr es am Ende seid, der die Oberhand behält. Getrübt wird das Spielerlebnis allerdings von einigen Balancing-Problemen, hier muss Tindalos vor allem beim Multiplayer-Part noch nachbessern.

Insgesamt macht Battlelfleet Gothic: Armada aber vieles einfach richtig. Es ist sicherlich nicht das beste Strategiespiel aller Zeiten, aber doch das beste Warhammer-Strategiespiel seit einer ganzen Weile. Kampagne, Vertonung, die Umsetzung der Vorlage in die digitale Welt mitsamt all der tollen, einzigartigen Designs... das alles haben die Entwickler sehr gut hinbekommen. Noch dazu ist das Spiel eine echte Herausforderung und macht euch das Leben alles andere als einfach. Ihr müsst gut taktieren und eure Flotte richtig und ausgewogen zusammenstellen, um den Gothic-Sektor zu halten. Hier und da gibt es aber noch ein paar Problemchen mit dem Balancing, an diesen Stellen sollten die Entwickler noch nachbessern. Aber auch so macht Battlefleet Gothic jede Menge Spaß. Hin und wieder steckt zwar ebenso ein wenig Frust mit drin, aber das spornt euch nur umso mehr dazu an, es beim nächsten Mal besser zu machen und eure Strategie zu verfeinern. Kurzum: Genau so erweckt man ein Tabletop-Spiel zum virtuellen Leben.

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Seit 2006 bei Eurogamer.de und spielt hauptsächlich auf Konsolen. Mag Sci-Fi, Star Wars UND Star Trek. @f1r3storm auf Twitter.

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