Battle Worlds: Kronos - Test (Xbox One, PS4)

Außen nicht ganz hui, aber innen ganz und gar nicht pfui.

Ich hatte ganz vergessen, wie viel Zeit eine einzelne Mission in einem Rundenstrategiespiel schon mal beanspruchen kann. Es ist zu lange her, dass ich eines davon gespielt habe und Battle Worlds: Kronos brachte mir gleich in den ersten Einsätzen bei, dass das hier kein Spiel ist, das ihr mal eben so nebenbei durchzockt. Für die meisten Missionen könnt ihr schon mal mindestens eine, oftmals aber mehrere Spielstunden einplanen. Mit dabei sind insgesamt 13 Aufträge sowie eine Bonuskampagne mit einigen weiteren Einsätzen. Für den Preis, zu dem das Spiel verkauft wird, bietet es euch also einiges an Beschäftigung.

Battle Worlds spielt vor dem Hintergrund eines Erbfolgekrieges auf dem Planeten Kronos, der mittlerweile schon zum 121. Mal ausgetragen wird und fast schon zu einer Art Sport geworden ist. Verschiedene Parteien kämpfen auf dem Schlachtfeld darum, wessen Seite den nächsten Herrscher stellt. Klingt interessant, mehr als ein schmuckes Beiwerk ist die Story aber letzten Endes auch nicht. Das, was Battle Worlds im Kern ausmacht, sind die Schlachten, das ist es, worauf es ankommt. Und in der Beziehung hat das Bremer Entwicklerstudio King Art Games seine Hausaufgaben gemacht.

Es gibt in Battle Worlds keine unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade und die Einsätze sind stets eine Herausforderung. Oft seid ihr anfangs in der Unterzahl und müsst mit euren Truppen das Bestmögliche daraus machen. Von zentraler Bedeutung sind dabei natürlich Strategie und Taktik. Ohne die richtige Vorgehensweise verheizt ihr eure Truppen in den Kämpfen. Und hier schmerzt jeder Verlust, denn es gibt keinen Basisbau und somit könnt ihr auch nicht ständig neuen Nachschub aufs Schlachtfeld befördern. Ihr habt zwar die Möglichkeit, mit bestimmten Einheitentypen Fabriken, Flughäfen oder Häfen des Gegners zu erobern und dort neue Einheiten zu produzieren, doch die dafür benötigten Ressourcen sind sehr begrenzt.

Ihr solltet euch jede Aktion gut überlegen und die möglichen Folgen bedenken.

Und genau das ist der Ansporn, der euch dazu bringt, eure Taktik gut zu überdenken und vorauszuplanen. Umso befriedigender ist am Ende das Erfolgsgefühl, wenn zum Beispiel ein über mehrere Runden hinweg vorbereiteter Angriff auf eine Basis erfolgreich und nur mit minimalen Verlusten verläuft. Dann lehnt ihr euch für einen Moment zufrieden zurück, steckt eine imaginäre Siegeszigarre an und denkt euch "Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert". Im Grunde belohnt euch Battle Worlds also für eure Geduld und dafür, dass ihr euch viele Gedanken macht. Und das solltet ihr. Eine noch größere Herausforderung habt ihr übrigens, wenn ihr die jeweiligen Erfolge beziehungsweise Trophäen für die einzelnen Missionen freischalten wollt und dafür auf das Anfordern von Verstärkung verzichten und sämtliche Sekundärziele erfüllen müsst.

Was den Aufbau des Spielfeldes betrifft, setzt man auf klassische Hexfelder. Jede Einheit verfügt wiederum über einen eigenen Bewegungs- und Aktionsradius, die sich je nach Einheitentyp unterscheiden. Mit leichteren Fahrzeugen könnt ihr euch beispielsweise zweimal pro Runde bewegen, wenn ihr dafür auf den Angriff verzichtet. Sie eignen sich daher gut für schnelle Vorstöße. Schwerere Fahrzeuge wie Panzer können sich nur einmal bewegen und dann noch attackieren. Das macht sie nicht so mobil, aber dafür halten sie zum Teil gut was aus und können ordentlich Schaden austeilen. Weiterhin gibt es unterschiedliche Angriffsreichweiten. Manche Einheiten können nur das nächste Feld attackieren, andere über mehrere hinweg oder brauchen eine Mindestdistanz zum Feind.

Auf dem Wasser wird ebenfalls gekämpft, außerdem transportiert ihr Einheiten von Insel zu Insel.

Dabei spielt auch eine Rolle, ob eine eurer Einheiten eingekesselt wird oder ob euch das bei einem Feind gelingt. Dadurch sind logischerweise nicht nur mehrere Angriffe auf die gleiche Einheit möglich, der Eingekesselte steckt zusätzlich noch mehr Schaden ein als normalerweise. Weiterhin feuert der Angegriffene in der gleichen Runde stets zurück, ihr könnt also nicht unbedingt bereits beschädigte Einheiten sorglos attackieren lassen. Und je stärker eine Einheit beschädigt ist, desto weniger Schaden richtet sie an. Reparieren könnt ihr sie zum Teil mit herumliegendem Material oder mit Ressourcen in Lagern beziehungsweise Fabriken, die ihr aber ebenso zur Produktion neuer Truppen einsetzen könnt - hier müsst ihr abwägen, ob ihr lieber neue Einheiten wollt oder eure vorhandenen repariert. Weiterhin besteht die Möglichkeit, eine Einheit beim Rangaufstieg zu heilen, allerdings müsst ihr dafür dann auf andere permanente Boni wie weniger erlittenen Schaden oder eine größere Bewegungsreichweite verzichten.

Ansonsten kommt erwartungsgemäß das Stein-Schere-Papier-Prinzip zum Einsatz. Soll heißen: Bestimmte Einheiten sind besonders effektiv im Kampf gegen spezielle Truppentypen, gegen andere jedoch weniger. All dies müsst ihr während der Auseinandersetzungen und der Planung eurer Strategie also noch als zusätzliche Elemente berücksichtigen. Das klappt meistens ganz gut und immer wieder versucht der Feind, etwaige Schwachstellen auszunutzen, eure Einheiten einzukesseln oder attackiert bestimmte Truppentypen zuerst.

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Die Bomber dezimieren erst mal die Verteidigung, bevor die Bodentruppen anrücken.

Ich kann gar nicht genug betonen, wie wichtig Strategie und Taktik sind. Ihr müsst das Schlachtfeld analysieren und geduldig sein, aber genau das macht den Reiz von Battle Worlds aus. Und etwaige Überraschungen solltet ihr dabei nicht außer Acht lassen. Es kommt schon mal vor, dass plötzlich feindliche Verstärkung anrückt, wenn ihr einen gewissen Punkt im Verlauf der Mission überschreitet. Hier gilt es dann, schnell auf die neue Situation zu reagieren, damit der Feind dadurch nicht eure vorherigen Bemühungen über den Haufen wirft und euch mit einem unvorhergesehenen Manöver einen schweren Schlag versetzt.

Technisch betrachtet sieht Battle Worlds: Kronos gut aus. Nicht mehr, aber auch nicht weniger. Es gibt sicherlich Strategiespiele, die detailverliebter sind, aber die Grafik erfüllt hier ihren Zweck und sieht nicht hässlich aus. Die Steuerung wurde unterdessen weitestgehend vernünftig auf die Konsolen übertragen, gestaltet sich nur manchmal etwas zu fummelig und zu aufwändig, wenn ihr beispielsweise mehrere Einheiten einzeln nacheinander erst mal im Hafenbildschirm auswählen, in einem Transportschiff verstauen und das Prozedere dann wiederholen müsst. Das Gleiche gilt für produzierte Einheiten. Ihr müsst für jede einzelne Einheit neu den Fabrikbildschirm aufrufen und sie außerhalb platzieren. Etwas durchdachter hätte die Steuerung auf jeden Fall ausfallen können.

Wenn sich die Gelegenheit bietet, versuchen die Gegner, von euch eroberte Basen wieder zurückzuholen.

Gegenüber der schon länger erhältlichen PC-Version ist der Umfang auf den Konsolen jedoch geschrumpft. Der Multiplayer-Modus (live und asynchron) wurde ebenso gestrichen wie der Map-Editor, nicht mal lokal könnt ihr gegen einen zweiten Spieler antreten. Zwar könnt ihr auch so noch viele Spielstunden aus Battle Worlds herauskitzeln, aber nach Absolvierung der Kampagnen und der wenigen Challenge Maps war es das. PC-Spieler haben hier klar den Vorteil.

Dass der Multiplayer-Modus und der Map-Editor fehlen, schränkt allerdings nicht den Spielspaß im Singleplayer-Part ein. Zum fairen Preis von knapp 20 Euro hat das Spiel drei Kampagnen zu bieten, die euch und eure grauen Zellen viele Stunden beschäftigen werden. Die Story ist vielleicht weniger spannend, die einzelnen Missionen dafür umso mehr. Strategisches und taktisches Geschick sowie Geduld sind gefragt, damit ihr am Ende siegreich seid. Wenn ihr damit leben könnt, dass das Drumherum (Story) und die Präsentation (Grafik) höchstens in Ordnung bis gut ausfallen und ihr Spiele wie Battle Isle oder Advance Wars mögt, macht ihr mit Battle Worlds: Kronos nichts falsch.

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Über den Autor:

Benjamin Jakobs

Benjamin Jakobs

Leitender Redakteur News

Seit 2006 bei Eurogamer.de dabei, Redakteur und hauptverantwortlich für den Newsbereich. Begann seine Spielerlaufbahn auf dem PC mit Wing Commander, UFO und dem Bundesliga Manager, spielt mittlerweile aber hauptsächlich auf den Konsolen, genauer gesagt Xbox One, Xbox 360, Switch, PS4, Wii U, PS3 und 3DS. Ist grundsätzlich für viele Spiele und Genres offen und mag vieles, was mit Science-Fiction zu tun hat, kann aber mit JRPGs nicht wirklich viel anfangen. @f1r3storm auf Twitter.

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