Fire Emblem Fates - Test

Dreifachsieg.

Während den vergangenen Wochen war Fire Emblem Fates ein fester Begleiter meiner täglichen Zugfahrten. Obwohl ich mir noch immer einen grafisch opulenten Nachfolger zu Radiant Dawn für Nintendos stationäre Konsole wünsche, ist der 3DS zweifelsohne die beste Plattform für rundenbasierte Taktikschlachten. Perfekt für ein paar kurze Befehle zwischendurch, bevor man das Gerät wieder im Rucksack verschwinden lässt. Wenig überraschend erreichte ich daher eine Spielzeit von über 100 Stunden, verteilt auf die drei Versionen des Titels.

Wie bitte? Drei Versionen?

Nein, ihr habt euch nicht verlesen. Fire Emblem Fates erscheint in drei unterschiedlichen Fassungen: Vermächtnis, Herrschaft und Offenbarung. Alle drei erzählen verschiedene Seiten desselben Krieges zwischen zwei Nationen. Euer Protagonist Corrin - wahlweise ein Junge oder Mädchen - muss sich im Verlauf der Handlung für einen Pfad entscheiden, jeder davon repräsentiert durch eine der drei Versionen.

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Hey, die Figuren haben in den Nahkampfansichten nun endlich wieder Füße.

Klingt im ersten Moment nach einem gierigen Geschäftsmodell, doch alle Fassungen werden euch im Schnitt 30 bis 40 Stunden beschäftigen. Nur wer tatsächlich alles erfahren will, muss etwas tiefer in die Tasche greifen, wobei die anderen Versionen als eine Art DLC zum reduzierten Preis erworben werden können. Sicherlich war für diese seltsame Aufspaltung eine gewisse Gewinnmaximierung der auslösende Faktor. Allerdings brauchen sich Fans keine Sorgen machen, weniger Inhalte für ihr Geld zu bekommen, denn jede Version kann diesbezüglich locker mit dem Vorgänger Awakening mithalten.

Die Auswahl der richtigen Startversion ist dabei leichter als gedacht. Vermächtnis ist nämlich eindeutig das passende Spiel für alle Serien-Neulinge oder unerfahrene Taktiker. Spielerisch geben euch alle Titel dieselben Möglichkeiten und fügen dem standardisierten Schere-Stein-Papier-Prinzip der Gefechte bloß ein paar neue Zauber hinzu, mit denen ihr den Boden unter euren Feinden verändert. So stehen die Fieslinge nach einem dieser Flächenangriffe plötzlich auf stacheligem Untergrund und kassieren erhöhten Schaden. Abseits davon ist jedoch alles beim Alten.

Der Unterschied zwischen Vermächtnis und Herrschaft -den beiden Starterversionen - ist ihr Schwierigkeitsgrad. Während sich Herrschaft deutlich an erfahrene Spieler richtet, legt euch Vermächtnis nur sehr wenige Steine in den Weg. Zum einen weichen die Missionsziele fast nie von typischen „Besiege alle Gegner"-Aufgaben ab und zum anderen dürft ihr jederzeit in alte Schlachten zurückkehren, um eure Kämpfer in Ruhe aufzustufen. Letzteres ist eine willkommene Stütze für weniger begabte Spieler und Profis können die Option einfach ignorieren. Dem abwechslungslosen Missionsdesign stehe ich dagegen nicht so positiv gegenüber, da die Handlung vor allem im letzten Drittel etwas mühsam voranschreitet und man neidisch auf die Besitzer von Herrschaft hinüberschielt.

Dort schmeißt einem das Spiel ständig neue Aufgaben vor die Füße und erschwert den Sieg beispielsweise mit überraschend kreativen Umgebungsfallen. Einer meiner absoluten Lieblingsaufträge lässt euch nach einem Verräter in den eigenen Reihen suchen, während dieser Zug für Zug eure Mitstreiter attackiert. Fast jede zweite Mission setzt einen vor vollkommen unerwartete und somit auch ziemlich fordernde Missionen, weshalb ich den langweiligen Aufbau von Vermächtnis überhaupt nicht nachvollziehen kann und es in meinen Augen die deutlich schwächste Version ist. Dabei ist auch Offenbarung kaum schwieriger und besitzt trotzdem den Abwechslungsreichtum von Herrschaft. So tauchen in einem Level überall verborgene Truppen aus dem Schnee hervor, was praktisch jede Ecke der Karte in eine mögliche Falle verwandelt.

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Bloß keine Fehler erlauben, da sonst eure Recken für immer sterben. Zumindest, wenn ihr den Classic-Modus aktiviert habt.

Ansonsten erwarten euch außerhalb von netten Story-Twists keine wirklichen Überraschungen. Die Platzierung eurer Truppen sorgt in der richtigen Konstellation für erhöhte Boni und auch in Fates dürfen Figuren erneut Beziehungen eingehen, um später sogar Nachwuchs zu zeugen. Großartige Features und eine damit einhergehende Palette schier unbegrenzter Möglichkeiten, jedoch ist Fates in dieser Hinsicht mehr iterativ als revolutionär. Einzig den Ausbau eurer eigenen Burg hat es in keinem Teil davor gegeben und fungiert als eine Art Online- beziehungsweise Street-Pass-Komponente. Attackiert die Festungen anderer Spieler oder verteidigt die eigenen Mauern. Ganz nett aber nicht wirklich von essentieller Bedeutung.

Allen Fans der Serie rate ich dringend zum Kauf von Herrschaft, auch wenn der Schwierigkeitsgrad hier deutlich höher liegt. Der Wegfall optionaler Wiederholungen alter Missionen treibt euch mit gutem Pacing voran und jeder gefallene Kämpfer sorgt für spürbare Verluste. Schon allein die größere Aufgabenvielfalt macht es in meinen Augen zur definitiven Startversion, wobei Vermächtnis keinesfalls ein schlechtes Spiel ist. Es richtet sich nur mehr an unerfahrene Taktiker und kann nach Herrschaft gerne komplett ignoriert werden, außer man will unbedingt die andere Seite der Geschichte erleben. Ich würde im Anschluss an Herrschaft allerdings eher zum Kauf von Offenbarung raten, da sich nicht nur die Handlung interessanter entfaltete, sondern auch das Missionsdesign auf einem höheren Niveau lag.

Fire Emblem Fates ist nüchtern betrachtet nichts weiter als eine dezent ausgedehnte Fassung von Awakening, was bei der überragenden Qualität des Vorgängers ganz und gar nicht als Kritik angesehen werden sollte. Ich selbst wüsste auch nicht, mit welchen Komponenten man die Erfahrung besser ausbauen könnte. Nur solltet ihr als Spieler demnach auch keine revolutionären Neuheiten erwarten.

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Über den Autor:

Björn Balg

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Redakteur

Freier Autor und wahrscheinlich der letzte Mensch ohne einen Facebook-Account. Liebt Trash und verbringt zu viel Zeit mit dem Ansehen von Katzenvideos.

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