Tritton Katana HD Wireless 7.1 Headset - Test

Das weltweit erste HDMI-Headset. Drahtloser 7.1-Sound mit Schwächen im Detail. 

Reichweite, Akkudauer und sogar der Surround-Klang überzeugen. Verarbeitung und Mikro lassen aber zu wünschen übrig.

Eigentlich logisch: Sämtliche Heimkino-Vollverstärker haben HDMI schon ewig als Quelle für digitalen Surround-Sound entdeckt, nur die Spiele-Headsets hinkten da bisher hinterher. Tritton liefert mit dem Katana HD nun den ersten Gaming-Kopfhörer, der sich genau darauf spezialisiert. Ein HDMI-Kabel geht von der Quelle in eine kleine An-/Aus-Box, ein weiterer in den Verstärker oder direkt in den Bildschirm. Noch ein USB-Kabel für die Stromzufuhr an die Basisstation und dem kabellosen Sound-Genuss steht nichts im Wege.

Aus der nett gemachten Verpackung kommt alles, was man braucht. Neben Kopfhörern und Basisstation ein HDMI-Kabel, zwei für USB - eins eben für den Strom, ein anderes, um den Akku des Headsets bei Betrieb aufzuladen - sowie der Mikrofonarm zum Anstecken an die linke Lautsprechermuschel. Kleiner Wermutstropfen: Will man an der Xbox One chatten, muss das Mikrofon mit dem beiliegenden 3,5-mm-Kabel mit dem Controller verbunden werden. Kabellos geht anders, die anderen unterstützten Plattformen beweisen das, denn hier ist das nicht nötig. Ein Minuspunkt nur für Besitzer der Microsoft-Konsole.

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Durchaus ein Design-Statement. Tritton hat sein Gesicht gefunden.

Das Headset selbst kommt wahlweise in Vader-Schwarz oder Sturmtruppenweiß daher - sorry, nicht die offiziellen Bezeichnungen, aber ich habe gerade noch einmal The Force Awakens geschaut. Ein recht aggressives und definitiv geschmacksabhängiges Orange rahmt die schwarzen Kunstleder-Polsterelemente an Ohrmuscheln und Kopfbügel ein. Ich habe definitiv schon hässlichere, aufdringlichere Headsets gesehen, aber sicher auch einige hübschere. Das muss jeder für sich entscheiden. Ich fühle mich zumindest nicht optisch angegriffen hiervon und es hat einen Look - das kann man nicht von jedem Spiele-Headset sagen.

Nun zum Anfass-Eindruck: Die Ohr- und das Bügelpolster gefallen auf den ersten Blick. Bei diesen Temperaturen aktuell verpasst einem ein Headset so oder so warme Ohren, da stören mich die nicht unbedingt atmungsaktiven, aber angenehm festen Kunstlederkissen nicht weiter. Der Kunststoff, der das Gerippe stellt, fühlt sich leider weniger wertig an, als er aus der Ferne aussieht. Die Ohrmuscheln sind auf Gelenken gelagert, damit sie entlang ihrer Querachse etwas kippeln können, um sich verschiedenen Kopfformen anzupassen, und das Knartschen, wenn man deren Grenzen auslotet, macht nicht den teuersten Eindruck. Was das Material angeht: Die gewisse Flexibilität ist sicher gewollt, um die Bruchgefahr zu minimieren, aber gerade wenn man die Nähte des Kopfbandes ein bisschen knackend zusammendrückt und sich die dünnen Stege zwischen Auszieharm und Kopfhörermuscheln anschaut, hat man nicht unbedingt das Gefühl, ein 200-Euro-Gerät in der Hand zu halten.

Vermutlich stammt mein Misstrauen noch aus einer Zeit, als Spielzeuge aus Eichenholz und Gusseisen waren. Kunststoffe sind heutzutage deutlich robuster als damals. Auch wenn sie immer noch genau so billig aussehen. Aber obwohl ich mir vermeintlich wertigere Komponenten wünschen würde: Im Zweifel für den Angeklagten und den kleinen Vertrauensvorschuss, den ich dem Katana HD gab, habe ich auch nach drei Wochen Dauertest nicht bereut. Mutwilliges Verbiegen und Verdrehen machte das Kopfband bisher mit und den Tischkantensturztest™ auf einen Dielenboden überlebte es ohne Macken gleich zweimal in offizieller Kapazität und einmal aus Tollpatschigkeit meinethalben.

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Wie das mit Pressebildern so ist....

Nun zum Komfort: Hatte ich eingangs noch das Gefühl, das Katana könnte sich nicht zwischen On-Ear und ohrumschließenden Formfaktor entscheiden, muss ich die Ergonomie nach etwas Eingewöhnung als gut bezeichnen. Das kunstlederne Polster an der Unterseite des Kopfbandes trägt zur Tragefreude bei und lässt das Headset im Betrieb leichter erscheinen, als es ist. Allerdings musste ich die Ohrmuscheln schon aufs Maximale herausziehen - Kopfumfang 59 cm -, was mir bei einem Gaming-Headset nicht zum ersten Mal passiert, echte Dickschädel aber vor hirnquetschende Herausforderungen stellen könnte. Die Ohrpolster sind recht angenehm, auch wenn sie meine Lauscher hinten vielleicht eine Idee zu fest anpacken. Schön ist der ansteckbare Mikrofonarm, den man einfach nach oben wegdreht, an seiner Wurzel mit einem angenehmen Tastendruck stummschaltet und das auch per rotem LED auf der Spitze des Mikros angezeigt bekommt. Nett.

Die gute Erreichbarkeit und der intuitive Aufbau aller nötigen Bedienelemente ziehen sich durch das gesamte Produkt: an der rechten Ohrmuschel ein Kippregler für die Spiellautstärke, links, also auf der Seite des Mikros, einer für den Chat. Der An-Aus-Knopf ist ebenso wenig zufällig zu bedienen wie der gegenüber an der Innenseite des rechten Bügels wohnende 7.1-Taster. Vorne an der rechten Muschel schaltet man zwischen drei Equalizer-Modi um: Gaming, Musik und Film. Audiosignale quittieren alles, was man tut. Ein Piepser für Gaming-EQ, zwei für Musik, drei für Film. Ein aufsteigender Akkord für das Aktivieren von 7.1, ein absteigender für aus. In Sachen Bedienung lässt sich Tritton nichts zu Schulden kommen, zumal auch die Basisstation schnell und ohne Bluetooth-Fummelei mit nur einem Tastendruck fündig wird, sobald das Headset an ist. Sehr gut.

Eine Monitorfunktion, die die eigene Stimme in Echtzeit zum Kopfhörer durchschleifen würde und somit nächtliches die Mitbewohner, den Partner oder etwaigen Nachwuchs weckendes Deathmatch-Geschrei unterbände, gibt es leider nicht. Hier muss man selbst Zurückhaltung üben. Schade, weil einige günstigere Headsets so etwas schon bieten. Wo dieses Ausstattungsmerkmal beim 100 Euro teuren Turtle Beach PX24 eher eine positive Überraschung war, hatte ich hier schon damit gerechnet. Nicht lebensnotwendig, aber nett ist diese Funktionalität in diesem Preissegment schon.

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... sieht so manches Technikspielzeug in der Realität nicht mehr ganz so wie aus einem Stück geschnitzt aus.

Ein Stirnrunzeln ergab die Einrichtung am Spiele-PC. Die Kurzanleitung drückt sich hier ein wenig missverständlich aus, erst die ausführliche Variante auf der offiziellen Seite ließ mir ein Licht aufgehen. Der beigelegte Schrieb sagt zwar ganz korrekt, dass man digitales HDMI-Audio über die Grafikkarte aktivieren soll. Wer aber nach dem Anschluss der Basisstation die Wiedergabegeräte in Windows öffnet, bekommt dort sichtbar und mit offiziellem Headset-Logo das Tritton Katana HD angezeigt. Genau das dürft ihr aber nicht als Standardgerät auswählen, wollt ihr nicht den schlimmsten Sound hören seit den frühen Smartphone-Stöpseldreingaben. Was ihr in diesem Fall nämlich wählt, ist ein per USB angesteuertes Headset, nicht per HDMI. Was man von euch erwartet: Ihr müsst euren Monitor als Standardwiedergabegerät für den Sound wählen und ihn in den Eigenschaften als 7.1-Soundsystem ausweisen. Es ist schon seltsam, dass die USB-Variante überhaupt als wählbarer Punkt auftaucht, so schlecht klingt das hier. An den Konsolen stellt sich dieses Problem natürlich nicht.

Hat man das Verstanden und das Headset so angeschlossen, wie es angeschlossen werden will, haben wir es mit einem Gerät zu tun, das ordentlich klingt. Wie immer gilt: Wer dasselbe Geld für einen Stereo-Kopfhörer aus dem Hi-Fi-Fachhandel ausgibt, bekommt in 90 Prozent der Fälle einen besseren Klang. Dann aber bleibt man kabelgebunden, muss auf ein Mikro und Surround-Spielereien verzichten. Ich persönlich bin kein Fan von Software-codiertem Surround, klingt er meist - und so auch hier - doch wechselweise übertrieben getrennt oder übereinander geschichtet. Ich kann jedoch nicht bestreiten, dass es mir in Doom intuitiver gelang, Umzingelungen durch Höllendämonen auch akustisch direkt aufzuschlüsseln und mich immer, ohne nachzudenken, in die richtige Richtung zu drehen. Natürlich macht auch ein gesundes Ohr mit einem Stereokopfhörer einen ähnlichen Job, wenn das Spiel einen guten Soundmix hat, das Katana arbeitet die Richtungsunterschiede aber deutlicher heraus.

Das ist nützlich, wenn auch nicht ganz natürlich. Ganz klar muss man hier sagen, dass es der eigenen Präferenz überlassen bleibt, ob man die Klangseite eher spieldienlich oder ästhetisch aufschlüsseln möchte. Ansonsten gibt es wenig wirklich zu beanstanden: Die Lautstärke ist ausreichend, allerdings dürfte es für meinen Geschmack noch einen kleinen Tacken lauter gehen. Was die Bässe angeht, die haben durchaus Muskeln, ich habe jedoch schon kraftvollere 50-mm-Treiber gehört. Auf der anderen Seite ist dafür das Klangbild insgesamt durchaus ausgewogen, auch wenn die Stimmen im Spiel ein bisschen belegt rüberkommen.

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Das schmale Verbindungsstück zwischen Teleskoparm und Ohrmuschel wirkt insbesondere suspekt - auch wenn sich der Verdacht bisher nicht bestätigt hat.

Ansonsten klingt das Katana HD nicht zu trocken und nicht zu schwabblig. Tritton fährt hier in der Klangcharakteristik kein Risiko. Und weil sich das Headset in Sachen Lautstärke nicht übernimmt, bleibt es auch am oberen Ende durchaus pegelfest, was man von einigen Konkurrenzgeräten nicht behaupten kann. Nur sollte man sich von der Illusion verabschieden, dieses Gerät auch am Smartphone als kabellosen Wohnungskopfhörer zu betreiben. Das kurz angebundene Handbuch weist das zwar als vollkommen valide Anschlussmöglichkeit aus. In der Praxis aber klingt das zu leise und wirklich bescheiden. Die Drums tönen pappig, Gesang irgendwie röhrend-verschleiert und der Bass kraftlos. Dumpf und nichtssachend schwappt ein bisschen undefinierbar in einander über. Das Tritton will definitiv ein digitales Signal. Dafür ist es gemacht.

Trotz einer entsprechenden EQ-Einstellung sollte man das Katana HD in meinen Augen - pardon, Ohren - bei Musikgenuss übrigens in jedem Fall im Stereo-Modus betreiben. Hier macht es über die komplette Bandbreite von Genres einen zupackenden und vergleichsweise ausgewogenen Eindruck. Die Höhen besitzen durchaus eine Klarheit, die man gerade in höheren Lautstärken nicht häufig bekommt. Von Spiele-Headsets wohlgemerkt. Wer schon mal Headsets vergleichbarer Preisklassen von Hi-Fi-affinen Firmen wie Beyerdynamic oder Sennheiser oder einen guten Stereo-Kopfhörer auf dem Kopf hatte, dem reicht das Katana aber immerhin als Notnagel.

Eine echte Enttäuschung ist das Mikrofon: Das hohe Grundrauschen habe ich auch nach einer Stunde Pegelspielereien nicht zufriedenstellen wegbekommen und als ich es während Stimmaufnahmen per Noise-Filter herausgekämmt hatte, blieb immer noch eine Stimmwiedergabe, der es an Klarheit und Durchsetzungsvermögen fehlte. Man ist immer verständlich, aber es gibt Headsets für die Hälfte des Preises, die Besseres bieten.

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Kann man machen. Muss man aber nicht.

Auf der anderen Seite ist die Reichweite der kabellosen Übertragung mit 10 Metern vonseiten des Herstellers keinesfalls überschätzt. Auch am Küchentisch, mit zwei Wänden zwischen mir und meinem PC, konnte ich noch Musik hören und einen Skype-Call weiterführen. Ebenfalls ausgezeichnet ist die Akkulaufzeit, die tatsächlich nah an den von Tritton ausgewiesenen 15 Stunden liegen dürfte. Auch hier punktet das Gerät wieder in Sachen Usability. Ohnehin die Stärke des Katana HD.

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Es ist am Ende ein Headset, das nicht ganz die Wertigkeit einhält, die das Preisschild verspricht. Der Funktionsumfang ist in Ordnung, die Nutzbarkeit, der Komfort und die Basisfeatures wie Reichweite und Batterielebensdauer sogar besser als erwartet. Wer in erster Linie spielt, ohne viel zu chatten, kann auch mit dem verhältnismäßig bescheidenen Mikro gut leben. Denn das eigentliche Headset punktet mit der versprochenen 7.1-Aufschlüsselung durchaus - wenn es das ist, was man suchte, und nicht eine unverfälschte Signalwiedergabe. Tatsächlich könnte ich mir vorstellen, dass der angemessen pegelfeste Schallwandler in Multiplayer-Partien durchaus einen Wettbewerbsvorteil darstellt.

Demnach: Das hier ist ein Spezialist mit ein paar blinden Flecken für Teile seiner Profession. Man macht nicht alles falsch, wenn man sich das hier ins Haus holt. Die Mängel bei der Kommunikationsfunktionalität - Monitor und Mikro - sowie das Handgefühl der Verarbeitung verhindern aber, zu diesem Preis jedenfalls, dass ich mich mit dem Katana HD rundum gut versorgt fühle.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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