Shadow Warrior 2 - Dämonische Hasen treffen auf Diablo-Shooter

Der krude Humor hat sich Substanz angelacht.

Etwas über Shadow Warrior 2 zu schreiben, erinnert fast an Index-Bingo. Der Vorgänger aus dem Jahr 2013? Ist in Deutschland indiziert. Das Original von 1997? Das natürlich ebenfalls. Und der Shooter, auf dessen Grafik-Engine eben jener Titel basiert? Der auch! Kein Wunder, dass mich Artur Maksara von Flying Wild Hog nur angrinst, als ich ihn auf die Chancen von Shadow Warrior 2 in Deutschland anspreche. "Könnte schwierig werden," lacht er mir entgegen, kurz bevor ich die Demo des im Herbst erscheinenden Shooters anspiele.

Doch bevor sich alle Jugendschützer und Tugendwächter ins Fäustchen lachen, sei gesagt, dass Shadow Warrior 2 weit mehr ist als nur ein geradliniges Gemetzel mit Uzis und Katanas. Das polnische Entwicklerteam lockert das Spieldesign mächtig durch Rollenspieleinflüsse auf. Start jeder Mission sind die Dragon Fields. In dem zentralen HUB-Level zieht sich Ninja Lo Wang zwischen den Einsätzen zurück. Seine Heimat ist der Wang Cave, ein umgebauter Strip-Club - allerdings ohne Belegschaft. Dafür gibt es aber ein schwarzes Brett, an dem ich mir Nebenaufgaben holen kann. In Larry's Waffenladen bekomme ich neue Ausrüstungsgegenstände und bei Ninja-Meister Smith erhalte ich neue Story-Quests.

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Das sind viele Quests da an der Seite unter der verdächtig Action-RPG-mäßig aussehenden Mini-Karte.

Doch viel entscheidender sind die neuen Level-Strukturen. Statt geradliniger Schläuche dominieren in Shadow Warrior 2 weitläufige Areale, die wiederum in Sektoren eingeteilt sind. Diese werden vor jeder neuen Runde ausgewürfelt. Zwar erstellt das Spiel keine prozeduralen Missionen, immerhin aber variieren die Positionen der Gegner, das Wetter und auch die Architektur. Flying Wild Hog nimmt sich Diablo 3 als Vorbild und erhofft sich in Kombination mit dem neu angekündigten, aber noch nicht spielbaren Vier-Spieler-Koop einen höheren Wiederspielwert als bei den Vorgängern.

Darauf zielt auch das neue Item-System ab. Jede der über 70 Waffen verfügt über drei Upgrade-Slots. Die darin eingesetzten Kristalle tauchen in verschiedenen Seltenheitsgraden und mit wechselnden Fähigkeiten auf. In der traditionellen Variante erhöhen sie einfach nur den Schaden, seltenere Exemplare aber fügen Elementarkräfte oder gar Spezialfähigkeiten hinzu. So kann ich beispielsweise mit dem passenden Upgrade zwei Maschinenpistolen ausrüsten, Granaten manuell zünden oder verwandle mein MG in eine stationäre Mini-Gun. Das stete Aufrüsten und Verbessern des eigenen Arsenals frisst bereits in der Demo einen Großteil der Spielzeit und so ertappe ich mich dabei, wie ich minutenlang Werte vergleiche und Gegenstände hin und her schiebe. Wir sprechen hier wohl gemerkt nicht von The Division, sondern von Shadow Warrior 2.

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Das Aufrüsten nimmt eine wichtige Rolle ein...

Der Shooter überrascht mit ordentlicher Spieltiefe und opulentem Arsenal. Die Ballermänner fühlen sich angenehm wuchtig an und reichen von zeitgenössischen Gewehren, über altmodische Flinten bis hin zu dämonischen Revolvern und futuristischen Laser-Kanonen. Gerade im Vier-Spieler-Koop sollen Teilnehmer so ermutigt werden, im New Game+ noch einmal einzusteigen und bereits bekannte Gebiete nach Loot abzusuchen.

Diese überraschenden Innovationen drängen das eigentliche Spiel beinahe in den Hintergrund. Allerdings macht Flying Wild Hog auch auf dem Schlachtfeld große Fortschritte. Neben dem sehr gelungenen Waffen-Feedback hat es mir besonders die Steuerung angetan. Lo Wang bewegt sich geradezu katzengleich durch Wald und Flur. Per Doppelsprung erklimmt er halbautomatisch höher gelegene Ebenen. Mit dem "Dash" weicht er geschwind feindlichem Beschuss aus. Shadow Warrior 2 spielt sich deutlich schneller und handlicher. Das ist allerdings auch bitter notwendig, denn der Shooter überflutet den Bildschirm einmal mehr mit den Horden der Unterwelt. Die Dämonen mögen zwar - ähnlich wie in DOOM - nicht gerade die hellsten Leuchten sein, tauchen aber dafür in großen Zahlen auf. Entsprechend muss man wieselflink sein, um nicht in die Defensive gedrängt zu werden.

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...und deshalb ist es gut, dass ihr immer ein großes Arsenal direkt zur Verfügung habt.

Im Nahkampf setzt Ninja Lo Wang auf Katana-Schwerter oder Kurzklingen. Stolz erklären mir die Kollegen von Flying Wild Hog, dass die Schnitte der Nahkampfwaffen nun noch präziser berechnet werden. Ich glaube das einfach mal, kann es aber inmitten umherfliegender Körperteile nur schwer nachvollziehen. Während ich mit den streunenden Monstern und selbst mit gigantischen Samurai-Bossen keinerlei Probleme habe, bleibt mir ein Feind besonders im Gedächtnis: Das Dämonen-Kaninchen. Bei meinen Streifzügen treffe ich gleiche mehrere Langohren. Manche bringen mir Ausrüstungsgegenstände oder In-Game-Dollars, wenn ich sie angreife. Im schlimmsten Fall aber verwandeln sie sich in einen feurigen Unterwelten-Rammler und attackieren mich mit aller Vehemenz. Nur einmal habe ich einen dieser Nager besiegen können und erhielt dafür NICHTS. Ein Hoch auf den Zufallsgenerator!

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Und wie immer: Jedes Spiel wird besser durch einen Bogen.

Mich hat Shadow Warrior 2 wirklich positiv überrascht. Ich hatte ein weiteres geradliniges Gore-Fest erwartet und bekomme einen ungewohnt umfangreichen RPG-Shooter. Natürlich bleibt dabei der verquere Humor der Serie nicht auf der Strecke und so sammelte ich Penis-Items ein, schnippelte Dämonen klein oder jage Dämonen-Karnickel. Doch unter dieser vermeintlich stumpfen Fassade steckt Substanz. Gerade das Inventarsystem bietet reichlich Freiheiten zum Individualisieren meines eigenen Charakters. Die ausgelosten Levels haben mich in der Demo noch nicht überzeugt und auch die fehlenden Details zum Vier-Spieler-Koop machen mich noch stutzig. Aber sei es drum, Shadow Warrior 2 hat mehr Potenzial als erwartet und könnte für Flying Wild Hog durchaus den Schritt auf die nächste Stufe bedeuten.

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Olaf Bleich

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