E3 2016: Wie die Kampagne von Call of Duty: Infinite Warfare tatsächlich funktioniert

Halo: Reach trifft Mass Effect. Und ein bisschen Star Citizen ist auch mit dabei.

Wenn man bedenkt, wie viele negative Reaktionen es zum Ankündigungstrailer von Call of Duty: Infinite Warfare gab, hinterlässt die Kampagne des Spiels tatsächlich einen ziemlich interessanten Eindruck.

Indem man Call of Duty in den Weltraum führt, hat Entwickler Infinity Ward die standardmäßige Call-of-Duty-Kampagne in bedeutsamer Weise verändert. Nicht unbedingt bei den Kämpfen am Boden, aber dafür so ziemlich überall sonst.

Ich sprach mit Infinity Wards Design Director Jacob Minkoff und Narrative Director Taylor Kurosaki darüber, wie die Kampagne von Infinite Warfare funktioniert. Außerdem konnte ich mir eine Gameplay-Demo der Eröffnungsmission anschauen, in der die Settlement Defense Front einen Angriff auf die den Vereinten Nationen ähnelnde Gruppe durchführt, die den Handel und Reisen im Weltraum überwacht. Die Gameplay-Demo zeigte ziemlich gut, wie die Kampagne von Infinite Warfare tatsächlich funktioniert. Schauen wir es uns im Detail an.

Wie erwähnt beginnt Infinite Warfare mit einem Überraschungsangriff auf die Flotte der UNSA, die im Verlauf der Schlacht dezimiert wird. Ihr spielt Lt. Reyes, einen Piloten der Special-Combat-Air-Recon-Gruppe (S.C.A.R.). Ihr kämpft gemeinsam mit einigen anderen Soldaten auf den Straßen von Genf gegen die SDF. Das hier ist klassisches Call-of-Duty-Kampagnen-Gameplay: Deckung, ballistische Waffen, Run and Gun, viele Explosionen, schreiende Leute und gelegentlich wird ein schickes Gadget genutzt, all das in flüssigen 60 Frames pro Sekunde.

Letzten Endes kämpft ihr euch auf einen Hügel, wo es dann erst richtig los geht. Euer Jackal, ein futuristischer Kampfjäger, landet vor euch und ihr klettert ins Cockpit. In einer geskripteten Sequenz hebt ihr, weiterhin in der First-Person-Perspektive verbleibend, ab und rast mit anderen verbündeten Jägern in Richtung der oberen Atmosphäre. Nach kurzer Zeit gelangt ihr in den Weltraum, wo ihr in einiger Entfernung eine massive Weltraumschlacht à la Star Wars seht. Hier überlässt man euch erneut die Kontrolle und der Weltraum-Dogfight-Teil von Infinite Warfare beginnt.

Diese Dogfights finden in riesigen „Goldfischgläsern“ statt, in denen ihr euch bewegt und feindliche Piloten abschießt. Irgendwann habt ihr genügend feindliche Jäger zerstört, wodurch ihr einen Weg frei macht, um die Verteidigung der feindlichen Hauptschiffe zu knacken.

“Es ist nicht auf Schienen“, sagt Minkoff. „Ihr könnt in diesem Bereich hinfliegen, wo auch immer ihr wollt. Ihr könnt nicht rund um die Erde fliegen, aber es gibt mehrere feindlichen Großschiffe und ihr könnt euch zwischen ihnen bewegen. Wenn ihr es sehen könnt und es greifbar wirkt, dann könnt ihr auch dort hinfliegen. Es ist ein ziemlich großer Bereich.“

Während des anfänglichen Überraschungsangriffs wird der kommandierende Offizier des gewaltigen UNSA-Schiffs The Retribution getötet. Lt. Reyes, also ihr, nimmt seinen Platz ein. Ihr führt den Gegenangriff gegen die Terroristengruppe an, während ihr dieses gewaltige Raumschiff kommandiert, auf dem sich tausende Soldaten befinden.

Der Kommandant der Retribution zu sein, klingt ein wenig wie das Kommandieren der Normandy in Mass Effect. In diesem Hub-Schiff, wie Infinity Ward es nennt, könnt ihr über die Brücke laufen, euch die Karte anschauen und euch eure Missionen in einer einigermaßen nicht-linearen Art und Weise aussuchen.

Nebenmissionen werden als Ship Assaults bezeichnen. Warum ihr euch damit beschäftigen solltet? Nun, sie belohnen euch mit Informationen über den Feind, Upgrades für Waffen oder Ausrüstung sowie kosmetischen Items. Aber ihr seht auch immer Missionen von Admiral Raines auf der Karte, die die Story voranbringen.

"Ihr bekommt die Missionen von der Basis und diese bilden die lineare narrative Basis der Geschichte," erklärt Kurosaki. "Schon früh in der Geschichte bekommt ihr Informationen über SDF-Schiffsbewegungen. Ihr könnt als Befehlshaber diese Gelegenheitsziele angreifen und vielleicht gegnerische Waffen bergen, Pläne und Schemata für Technologien erbeuten oder zukünftige Flottenbewegungen erfahren."

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Eine der beeindruckenden Eigenschaften von Infinite Warfare ist der nahtlose Übergang der Umgebungen. Nehmt den Start-Level zum Beispiel. Vom Bodenangriff geht es direkt in den Jackal und in den Weltraum. In einigen Missionen könnt ihr, statt den feindlichen Zerstörer von eurem Schiff aus anzugreifen, ihn entern. Ihr poppt die Luke des Jackal auf, schwebt ins All und kämpft auf der gegnerischen Schiffshülle, wobei ihr die Düsen benutzt, um euch in der Schwerelosigkeit zu bewegen.

Dann könnt ihr das Schiff von innen hochjagen, aus dem Wrack flüchten und mit dem Jackal die dramatische Flucht fortsetzen. Es geht dann direkt in die Retribution, ihr springt raus, lauft zur Brücke und die ganze Zeit über gab es keinen einzigen Ladebildschirm.

Es gibt verschiedene Planeten (wir wissen sicher, dass Titan dabei ist und ein außer Kontrolle geratener Asteroid nahe der Sonne) auf die ihr reisen könnt und verschiedene Schiffe, die ihr angreift. Es gibt auch unterschiedliche Arten von Nebenmissionen. Einige werden direkte Kämpfe sein, andere eher Diskretion erfordern, während ihr im Jackal in einem Asteroidenfeld versteckt auf ein gegnerisches Schiff wartet. Es gibt Situationen, in denen ihr in Verkleidung durch die Gänge des feindlichen Schiffs lauft und den SDF-Soldaten zuhört, wie sie über den Krieg berichten.

Wie schon gesagt werdet ihr auf Titan oder diesem Asteroiden landen können. Auf diesem werdet ihr zum Beispiel feststellen, wer ihn aus dem Orbit befördert hat und wo die Ressourcen lagern, auf die die Erde wartet, um ihre Flotte neu zu bauen. Nicht nur, dass ihr Deckung vor den Kugeln der Gegner finden müsst, ihr müsst euch hier auch aus den tödlichen Strahlen der Sonne heraushalten. Nur während des extrem kurzen Nacht-Zyklus dürft ihr über freie Flächen sprinten und diese Nach dauert gerade mal 15 Sekunden, gefolgt von einem ebenso kurzen Tag. Es erinnert ein wenig an Vin Diesels Pitch Black.

Ihr rüstet euren Jackal nach und nach immer weiter auf. Das wird unter anderem in bestimmten Schiffs-Angriffsmissionen passieren. So stiehlt ihr in einer Mission einen geheimen Abfangjäger und könnt dann dessen Waffen im Jackal nutzen. Die Retribution bleibt ebenfalls nicht immer gleich. Schwer beschädigt nach dem Überraschungsangriff auf Genf war keine Zeit, um alles zu reparieren, aber im Laufe des Spiels wird auch hier die Brücke zu altem Glanz finden.

Ich habe den Eindruck, Infinity Ward möchte betonen, dass Infinite Warfare zwar den Sprung in den Weltraum und die weit entfernte Zukunft wagt, die Waffen, mit denen Call-of-Duty-Fans jedoch vertraut sind, aber immer noch an Ort und Stelle sind. Seid ihr also zu Fuß unterwegs, sind die meisten eurer Werkzeuge noch immer ballistischer Natur. "Wir wollten keine 'Pew-pew'-Laser", sagt Minkoff.

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Aber es stehen euch coole SciFi-Gadgets zur Verfügung. Eine der neuen Waffen ist die Sucher-Drohne, die im Grunde eine Granate auf vier Beinen ist. Man kann sie werfen und sie rennt zum nächsten Feind, der eurer Bildschirmmitte am nächsten ist. Dann springt sie auf den Gegner und greift ihn an, der wird versuchen sie loszuwerden, dann schließlich explodiert sie.

Auch die Feinde verfügen über diese Technologie, besonders in Stealth-Szenarien. Nehmen wir an, ihr schaltet lautlos einen Feind aus. Wenn ihm eine Sucher-Drohne folgte, wird sie euch angreifen. Und wenn sie euch erwischt, müsst ihr versuchen, sie abzuschütteln, bevor sie in die Luft geht.

Dann gibt es noch den Handgelenkscomputer, mit dem man diverse Feinde hacken darf. Zum Beispiel könnt ihr einen Roboter im Innern eines gegnerischen Abwurfschiffes kapern und seine Selbstzerstörung auslösen, um so das Schiff abstürzen zu lassen. Das ist eine systemische Spielmechanik, die euch zur Verfügung steht, wenn ihr diese Sorte Schiff seht. Oder ihr hackt einzelne Roboter und greift dann aus ihrer Perspektive an.

In einigen Situationen habt ihr Zugang zu unterstützenden Fahrzeugen, die ihr mit dem Handgelenkscomputer aufrufen könnt ("oben" auf dem Steuerkreuz). In der Genf-Mission bekommt ihr Zugriff auf andere Jackals von S.C.A.R., ihr könnt also auf Luftschläge zurückgreifen, die über einen Cooldown verfügen. In anderen Missionen bekommt man Zugang zu schwerer Rüstung oder schweren ballistischen Kalibern.

Der Kampf bei Schwerelosigkeit nutzt ein Boost-Pack mit Schubdüsen, mit dem man sich fortbewegt, aber in manchen Locations gewährt es euch ein Bewegungssystem, das dem von Black Ops 3 ähnelt. Ihr werdet also viel durch die Gegend springen.

Infinity Ward hofft zweifelsohne, dass Call of Duty: Infinite Warfares Kampagne viel von der Negativität abdämpft, die das Spiel aktuell umgibt und die sich zu Teilen auf Activisions Entscheidung gründet, das heiß erwartete Remaster von Modern Warfare exklusiv an die Legacy, Legacy Pro und Digital Deluce Editionen des Spiels zu koppeln. Viele werden weiter gegen das Spiel wettern und das ist vielleicht verständlich, denn - kommt schon, Activision - wir sollten Gelegenheit haben, das Spiel auch so separat zu kaufen.

Insgesamt ist das einfach schade, denn in Infinite Warfare steckt vieles, das erfrischend anders ist, zumindest verglichen zu vorigen Spielen der Reihe. Es steckt ein bisschen Halo: Reach hier drinnen, etwas Mass Effect und eine Prise Star Citizen, alles gute Assoziationen. Es wäre zu hoch gegriffen, behauptete man, Infinite Warfare schriebe das Call-of-Duty-Regelwerk neu, aber die Kampagne machte mich neugierig auf mehr. Es ist eine Weile her, dass Call of Duty das gelang.

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Über den Autor:

Wesley Yin-Poole

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