Findet Dorie (2016), Megamind (2010)

Heute ausnahmsweise mal erst Samstag...

Regie: Andrew Stanton, Angus MacLane
Buch: Andrew Stanton
Darsteller: Ellen DeGeneres, Albert Brooks, Hayden Rolence, Ed O´Neil

Selten gab es so viele Reboots, Remakes und Fortsetzung zu Filmen, die bereits vor vielen, vielen Jahren erschienen sind, wie in der heutigen Zeit. Und bei all dem gammeligen Käse, der einem als Edelschimmel serviert wird, ist es schön, tatsächlich mal ein frisches Konzept und gute Einfälle präsentiert zu bekommen. "Findet Dorie" ist kein einfacher Abklatsch des beliebten Animationserfolgs, sondern ein eigenständiger Film mit einer komplett neuen Geschichte.

Und ganz ehrlich. So recht daran geglaubt hat im Vorfeld fast niemand; nicht einmal ich. Und trotzdem hat es Pixar irgendwie geschafft, sich von dem Vorgänger loszulösen und es bei einer Handvoll Anspielungen auf das Meisterwerk zu belassen. Der Rest der Story hat einen eigenen Spin und setzt auf neue Ideen und Orte des Geschehens. Statt erneut eine Odyssee durch das Meer zu zeigen, fokussiert man das Dargestellte auf die Ereignisse, die in einem Forschungsinstitut stattfinden.

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Neue Figuren und alte Bekannte erwarten euch.

Weder werden alte Nebenfiguren recycelt, noch bedient man sich ausgelutschter Gags, die Fans des ersten Teils bereits mitsingen können. Nicht jede dieser Figuren ist unbedingt ein Kandidat für die Geschichtsbücher und man kann sich sicherlich daran aufhängen, dass die Fische und Meeresbewohner noch ein ganzes Stück weiter vermenschlicht wurden. Der Zauber und die Balance zwischen Heiterkeit und Melancholie sind jedoch genauso gut gelungen wie 2003 in "Findet Nemo".

Das macht eine Empfehlung - oder Warnung - ziemlich einfach, denn so abgedroschen wie es klingen mag: niemand, der Teil eins nicht mochte, wird hier neue Liebe entdecken. Und wenige Fans des Vorgängers finden hier Grund, sich beleidigt abzuwenden. Nicht alles ist perfekt, keine Frage, doch hat man es erfolgreich vermieden, einfach nur sein eigenes Produkt zu kopieren und stattdessen einen eigenständigen, zweiten Teil abgeliefert. Zum Schluss ein wenig zu albern für meinen Geschmack, aber durch und durch ein echter Pixar-Film.

Wo Nemo und Vater Marlin ein wenig hinter der Geschichte und Dorie selbst hinterherhinken respektive -schwimmen, hat die Doktorfisch-Dame ihren großen Auftritt. Ihre Vergangenheit wird näher beleuchtet und das Augenmerk noch stärker auf sie gelegt. Dabei schafft man es, Aussagen und Ereignissen aus Teil eins nicht zu widersprechen, sondern diese auszubauen und geschickt in die Handlung der Fortsetzung einzuflechten. Dorie gelingt es dadurch, uns zu amüsieren und im nächsten Moment traurig zu stimmen - ganz wie wir es von dem Animationsstudio gewöhnt sind.

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Dorie ist eine weitaus interessantere Hauptfigur als man hätte annehmen dürfen.

Ihre Geschichte ist nämlich keine schöne, das Happy End aber natürlich wieder rosa und glitschig ohne Ende. Gleichzeitig wird es "Findet Dorie" nicht schaffen, bei euch das selbe Gefühl auszulösen, wie es 2003 der Fall war. Das erste Mal ist immer etwas besonderes. Doch ich sage hier und jetzt, dass Teil zwei seinem Vorgänger in nichts nachsteht und genauso gut gelungen ist. Filme, die man ohne Probleme direkt nacheinander schauen kann und dadurch zu keiner Zeit das Gefühl bekommt, dass bereits 13 Jahre zwischen den Werken liegen.

Das gilt natürlich für die eben erwähnte Geschichte, ihre Figuren und alles, was einen Plot ausmacht, aber genauso für die Animationskunst. Obwohl der Film um Längen besser aussieht als "Findet Nemo", ist der Stil perfekt beibehalten worden. Wenn einige Monate zwischen heute und dem letzten Ansehen des Originals liegen, fällt der Unterschied fast gar nicht auf. Eine formidable Leistung von Pixar, von der sich andere Produktionsfirmen noch einiges abgucken können.

Megamind (2010)

Regie: Tom McGrath
Buch: David Lindsay-Abaire, Jeannie Tesori
Darsteller: Will Ferrell, Tina Fey, Brad Pitt, Jonah Hill

2010 war ein Jahr, das die Fangemeinde der Animationsfilme in zwei Lager spaltete. Die eine Gruppierung - und bei weitem die größere der beiden - hat sich die Schenkel vor Lachen bei "Ich - Einfach unverbesserlich" rot gehauen. Ein Film, der mit Fortsetzungen, Spin-offs und Kurzfilmen belohnt wurde. Die andere Seite verstand den Rummel nur ansatzweise und hielt die Fahne für "Megamind" hoch. Ein Werk, das über die vergangenen sechs Jahre von vielen schlichtweg vergessen wurde und von dem wir uns keine Fortsetzung erhoffen dürfen.

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Alle lieben Mister Saubermann. Aber auch zurecht?

Eine unfaire Sache wie ich finde, war dieser Film doch so viel mehr als plakative Stangenware. "Megamind" ist quasi eine Persiflage auf die guten, alten Superheldenfilme rund um Superman und Co. "Mister Saubermann" Metro Man ist der unbesiegbare Held, der tagein, tagaus eine hübsche Reporterin rettet und die Welt vor einem Superschurken beschützt. Dafür wird er von der Bevölkerung geliebt - auch wenn niemand bemerkt, dass der Mann aus Stahl so viel mehr von seinem Dasein erwartet. Und Megamind selbst ist ein blauer Alien, mit viel zu großem Kopf, der zwar unfassbar clevere Ideen hat, aber ständig gegen seinen Rivalen verliert.

Die Motivationen der Figuren sind dabei nicht schwarz und weiß, sondern recht vielschichtig. Die eine Seite hat alles und trifft trotzdem die falschen Entscheidungen - oder zumindest schwer nachvollziehbare. Die andere wird in ein Klischee gedrängt und leidet unter dem, was sie ist und dem, was sie gerne wäre oder hätte sein können. Im Gegensatz zu "Ich - Einfach unverbesserlich" konnte ich dadurch bei "Megamind" eine Verbindung zu den Charakteren aufbauen und ihre Motivation verstehen.

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Was macht einen Schurken zu einem Superschurken? Der Auftritt!

Und nun schreibe ich etwas, dass ich so sicherlich noch nie getippt habe: die deutsche Synchronisation ist hier soviel besser als im Original. Nicht, weil Will Ferrell, Jonah Hill und die anderen Hollywoodstars einen miserablen Job abliefern, sondern weil die deutschen Stimmen tatsächlich besser zu ihren Rollen passen. Vor allem die überzogene Art der Betonung und Aussprache, die Bastian Pastewka als blauer Alien an den Tag legt, ist beispiellos. Er verpasst dem Protagonisten einen Charme und eine Liebenswürdigkeit, die in der amerikanischen Fassung schwer zu greifen ist.

Am Ende ist dieser Animationsfilm keine Leistung für die Ewigkeit. Aber wer nach etwas sucht, dass etwas verspielter und gleichzeitig subtil anspruchsvoller ist als die meisten Konkurrenzproduktionen, der sollte hier genau richtig sein. Für mich einer der besten Filme seines Genres. Das kann ich aber auch nur sagen, da ich mir der Fehler dieses Machwerks durchaus bewusst bin. Also geht nicht mit zu hohen Erwartungen heran, aber gebt dem Ganzen eine faire Chance.

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Über den Autor:

Heiner Gumprecht

Heiner Gumprecht

Freier Redakteur

No Goth, no Punk, no Emo - At most Human. Mag Filme, die jeder mag. Mag Filme, die sonst keiner mag. Bremst auch für Arthouse. Versteckt sich oft hinter den Spiegeln und spielt Schach mit der roten Königin.

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