Warum Spiele wie XCOM die Konsolen brauchen

Nichts zu verlieren, alles zu gewinnen.

Nächste Woche Freitag ist es endlich so weit: XCOM 2 erscheint nach der seltsamen Auslassung Anfang dieses Jahres auch auf den Konsolen. Ich will nicht lügen: Als 2K letzten Sommer XCOM 2 ankündigte und da zunächst nur was von PC stand, war das schon ein Stich für mich. Nicht, weil ich dem PC keine hochprofiligen Exklusivtitel wünsche, oder weil es mir dort weniger Spaß machen würde. Einfach, weil ich der festen Überzeugung bin, dass Spiele wie XCOM auch auf die Konsolen gehören.

Das XCOM-Reboot steht für mich sinnbildlich für die neu entdeckte Plattformagnostik, für eine Spielelandschaft mit immer weniger unverrückbaren Grenzen. Warum das gut ist? Weil - in der Regel - nicht nur die Spieler, sondern auch die Spiele selbst davon profitieren. Dank neuer cleverer Steuerungseinfälle geht auch mit prinzipiell limitierten Controllern immer mehr. Aber weil definitiv nicht alles in gleichem Maße mit zehn Tasten und zwei Sticks machbar ist, müssen die Designer in sich gehen und bestimmte Gepflogenheiten grundlegend auf links ziehen. Wenn sie ihre Arbeit richtigmachen, kommt am Ende ein Konzentrat heraus, das in seiner Reinheit und Eleganz schlicht bewundernswert ist.

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Packend wie ein Actionspiel, knifflig wie die besten Taktiktitel

Auf XCOM: Enemy Unknown trifft das insbesondere zu. Das Original, das ich seinerzeit nach meiner Amiga-Phase 1997 auf der PSone weiterspielte, ist im Grunde das perfekte Vergleichsmaterial und demonstriert anschaulich, warum das stimmt. Unzählige Doppelbelegungen des Controllers, teilweise redundante Kommandos sowie Mikromanagement, auf das man zum Teil gut verzichten hätte können (Munition, Zeiteinheitenkopfrechnen - ich weiß, kontrovers). Natürlich hat die MicroProse-Vorlage den einen oder anderen Vorzug, der es nicht ins neue Jahrtausend geschafft hat - die freie Erschließung des Globus und der zufällig generierten Einsatzkarten zum Beispiel -, aber dennoch kann man das Reboot nicht als maßgeblich weniger tiefgründiges Spiel bezeichnen. Es fördert die wirklich taktischen und strategischen Entscheidungen nur für den unmittelbareren Zugriff näher an die Oberfläche.

Indem Firaxis das Spiel auf seine Essenz herunterkochte, um es dem Controller Untertan zu machen, intensivierte Sid Meiers Studio viele der ursprünglichen Qualitäten, die dem alten Spiel in der Form nicht innewohnten. XCOM (2012) war ein Strategiespiel mit Biss, dem Aussehen eines coolen Dudebro-Shooters und dem Tempo eines Actionspiels. Dazu Musik, Soundeffekte und Animationen, die den Puls mit jedem Zug in Wallung brachten. Es hatte das Köpfchen eines tiefschürfenden Taktierers, aber den Bizeps eines Space Marines. Ich weiß, dass es Leute gibt, die die alte Gangart bevorzugen, und das ist vollkommen in Ordnung. Aber für mich ist dieser kein bisschen dröge, ungemein inklusive Entwurf dieses trojanischen Pferdes von einem Taktikspiel ein kleines Kunststück, das ohne den Blick auf die Konsole wohl ganz anders ausgesehen hätte.

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Teil zwei zog dann auch ein paar tiefe Furchen in die von einigen als zu flach empfundene Strategieebene des Reboots, ohne das Spiel in irgendeiner Weise sperriger zu machen.

Und diese Steuerung erst. Sicher keine ganz unwichtige Komponente dieses perfekten Sturms. Wie das hier mit dem Joypad von der Hand ging, machte es zu einer wahren Freude, sich diesem globalen Feldzug mit den vier Buchstaben im Lieblingssessel auf großer Diagonale hinzugeben. Tatsächlich habe ich die PC-Version mit Controller vom Sofa aus gespielt und fühlte mich damit deutlich besser bedient. Mit der PC-Exklusivität des zweiten Teils kippte man bedauerlicherweise auch die optionale Steuerung per Xbox One oder PS4-Controller aus dem Konzept - die nun (hoffentlich) mit den Konsolenversionen am 30. September per Update auch auf PC anwählbar ist. Wir werden das für euch prüfen.

Was ich sagen will: Die von Beginn an geplante Konsolennähe war für XCOM ein ungemeiner Gewinn. Enemy Unknown ist ein aus kluger und gar nicht lästiger Kompromisswilligkeit geborenes Design-Meisterstück, das Spieler aller Geschmäcker mit offenen Armen empfing und wusste, dass die Nerd-Brille von damals längst die neue Hipness geworden war. Es gab und gibt einen Platz für Spiele, die nur am PC zur vollen Entfaltung kommen. Viele von ihnen respektiere ich, manche liebe ich sogar - Stellaris zum Beispiel. Aber ich bin froh, dass XCOM keines mehr davon ist. Denn Firaxis hat den Horizont dieses ursprünglichen PC-Spiels über den unwahrscheinlichsten aller Wege erweitert, den über Xbox 360 und PS3. Dass auch XCOM 2 jetzt endlich für Konsolen kommt, korrigiert eines der für mich bedauerlichsten Versäumnisse des letzten Jahres.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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