Lara kommt nach Hause: Rise of the Tomb Raider ist auf der PS4 immer noch toll

Die definitive Version eines definierenden Spiels - trotz Zombies.

Wer wartet, hat manchmal die besseren Karten. Zwar fühlten sich Tomb-Raider-Fans mit PS4 im letzten Herbst ein wenig verprellt, als Microsoft das Spiel vorläufig zum Xbox-One-Exklusivtitel erklärte. Ihr Verlust sollte nicht allzu lange währen. Keine elf Monate später bekommen sie eben die von Square Enix zur 20-jährigen Jubiläumsausgabe ausgelobte Version für die Sony-Konsole. Mit allem Drum, Dran und sogar noch ein bisschen mehr, das Xbox-One- und PC-User nur dann nachgereicht bekommen, wenn sie den Season-Pass besitzen. Man fragt sich schon ein bisschen, für wen dieser Exklusiv-Deal am Ende besser war.

Diese Frage wird die Zeit beantworten. Ich bin fürs Erste hier, um euch davon zu erzählen, was ich vergangenen Freitag erlebte, als ich den Titel über all seine Modi hinweg ausprobierte. Zunächst einmal ganz nüchtern: was drin ist im Paket. Zwei Editionen stehen zum Start bereit, die Day-One-Edition mit Art-Book und zahlreichen digitalen Goodies und die Collector's-Edition. Wobei, das stimmt schon nicht mehr, denn die - zusätzlich mit prächtig wetterfest aussehender Lara-Statue und Ledernotizbuch in riesiger Box - ist schon längst restlos vergriffen.

Laras Albtraum fährt ein gutes Tempo und erinnert an Shadows of the Damned oder Resident Evil 4. Obs länger motiviert, lässt sich noch nicht sagen. Nett zu haben ist es allemal.

Beide Versionen eint natürlich ihr erweiterter Modusumfang. Neben dem normalen Abenteuer und aller DLC-Zusätze wurde der überraschend spaßige Survival-Modus mit seinen zum Teil prozedural generierten Umgebungen und Action-Bubbles um eine Koop-Version ergänzt. Zu zweit macht es tatsächlich noch etwas mehr Spaß, alle fünf Minuten eine nichtsahnende Wildschweinfamilie zu schlachten, um nicht sofort zu verhungern (wo lässt Lara nur all das Essen?!) oder nach Lagerfeuern zum Aufwärmen Ausschau zu halten. Wenn wir uns mal nicht aus den Augen verloren hatten, sprachen Kollege Ulrich und ich uns für synchrone Kopfschüsse auf patrouillierende Gegner ab, warnten einander vor Fallen und machten uns zusammen über Eichhörnchenspieße her.

Ich war nicht darauf vorbereitet, wie gut mir das gemeinsame Überleben gefallen würde. Nicht in einem Spiel, das ich mir eigentlich für ein lineares Abenteuer ins Haus holte. Anlässlich des Jubiläums darf man diesen Modus sogar in fünf klassisch-kantigen Polygonmodellen aus frühen Tomb-Raider-Teilen spielen, was zwar natürlich ein gewaltiger Bruch in der Stimmung ist, aber nostalgische Gefühle weckt. Tatsächlich wurden die neuen Bewegungsabläufe sogar sehr passabel auf das alte Lara-Skelett gelegt. Für die Old-Timer unter uns eine nette Dreingabe.

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Komplett entschleunigt und ohne Action erkundet ihr die Familiengeschichte und das Anwesen Laras.

In die Kategorie fallen auch die beiden neuen Modi, die sich zu all dem bisher erschienenen DLC gesellen: Blutsbande ist eine storylastige Wanderung durch das Croft-Manor, die auch mit PlayStation VR aus der Egosicht erlebt werden darf. Ich persönlich stehe First-Person-VR recht kritisch gegenüber, sofern nicht die Cockpit- oder Helmausrede genutzt wird, um den Augen einen Fixpunkt zu geben und so Motion-Sickness abzumildern. Die Bonusepisode in VR tat nichts, um meine Meinung in dieser Richtung zu verändern oder meinen Magen zu beschwichtigen. "Nacktes" First-Person-VR, bei dem man einen Analogstick oder die Tastatur nutzt, um sich fortzubewegen, ist etwas, auf das wir in ein paar Jahren genauso zurückblicken werden wie heute auf die Welle an kameragesteuerten Zappelspielen: etwas, das in der Idee reizt, in der Praxis aber einfach nicht funktionieren will. Normal auf dem Fernseher gespielt war es aber schön, endlich mal ins Croft-Manor zurückzukehren und mehr über die Geschichte Laras Post-Reboot zu erfahren.

Der andere Zusatzmodus nennt sich Laras Albtraum und lässt sich am treffendsten als "Zombie-Modus" bezeichnen. Auf der Jagd nach Auszeichnungen holzt ihr hier nach Resident-Evil-4- oder besser Shadows-of-the-Damned-Manier durch eine Albtraumversion des Anwesens und erledigt dabei Untote unterschiedlichen Archetypus'. Typisches Mengenmanagement der Sorte, wie es in den oben genannten Shootern die Regel ist. Kurzweilig und auch tatsächlich kurz, aber hier und da und um neue Karten für den Survival-Modus freizuspielen, eine nette Abwechslung, die man auf verschiedenen Schwierigkeitsgraden angehen darf. Eine Bestenliste für Speed-Runs wäre noch nett gewesen, ward aber nirgends gesehen. Mir ein bisschen unverständlich, dass so etwas nicht dabei ist. Aber auch so: Es funktioniert zumindest die ersten Durchläufe lang erstaunlich gut und treibt einen ordentlich voran.

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Zu zweit überlebt sichs besser.

Wer mit dem Kauf neuer Sony-Hardware liebäugelt, freut sich auf PS4 Pro zudem über drei unterschiedliche Grafikmodi, bei denen es sich aller Voraussicht nach um die in Zukunft wohl typische Dreifaltigkeit aus ordentlichem 1080p60, Ultra-hübschem 1080p30 oder dem PS4-Pro-eigenen skalierten 4K handeln wird. Wie das aussieht und wie sich das im Vergleich zur PC-Version schlägt, das erklärt euch Richard von Digital Foundry besser, als jeder andere es könnte.

All das macht die PS4-Version zu einem attraktiven Paket, auch wenn man immer noch merkt, dass das Story-Abenteuer als klare Hauptattraktion die zentrale Rolle spielt. Die Zusätze sind ein "Danke fürs Warten", ein Mehr für alle, die nicht genug von dieser Figur bekommen können, und eine nette Art, einen runden Geburtstag zu begehen. Das Spiel selbst? Sieht auch elf Monate nach Erstveröffentlichung keinen Tag älter aus, lief beim Anspielen des Syrien-Kapitels und des einleitenden Aufstiegs zum Berg wundervoll stabil. Rise of the Tomb Raider ist die perfekte Ausformulierung des zentralen Gedanken dieses Reboots, groß, schön, konzentriert und doch mehr auf die die Momente archäologischen und mythischen Zaubers aus, als es der in meinen Augen etwas zu grimmige Neustart vor drei Jahren war. Das ist die Schablone, auf deren Basis es die nächsten 20 Jahre durchaus gut weitergehen könnte.

Entwickler/Publisher: Crystal Dynamics/Square Enix - Erscheint für: PlayStation 4, PC und Xbox One bereits erhältlich - Geplante Veröffentlichung: 11. Oktober - Angespielt auf Plattform: PS4

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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