Skylanders: Imaginators - Test

Wie, Kind? Vorher waren es doch wenigstens noch Figuren. Jetzt willst Du Plastik-Kristalle? Wo soll das alles noch hinführen…

Mehr Loot, mehr Charakterentwicklung und -gestaltung, mehr in Richtung eines Action-RPG als zuvor, die Richtung von Skylanders Imaginators ist klar und eindeutig. Und auch richtig. Das Spiel begann als Diablo-Light und das ist es im Grund immer noch. Mit eben etwas mehr Diablo als Light.

Einfach aber nur eine Figur am Screen zu bauen, so wie in jedem anderen RPG auf diesem Planeten, das wäre zu billig. Im wahrsten Sinne des Wortes, aber dazu später mehr. Es muss eine Umsetzung auf dem Portal of Power, der nach wie vor über Stolper-USB angebundenen Leuchte-Plattform geben, auf dem ihr eure physischen Figuren abstellt. Wie aber setzt man das um? Der Editor im Spiel erlaubt die wildesten Kreationen. Figuren aus Knete? Steckelemente zum Zusammenkaufen? LEGO Dimensions hat es da einfacher, sollten sie jemals von den Mega-Franchises abweichen. Imaginators macht es sich einfach: Ihr bekommt einen ganz nett gestalteten Plastik-Kristall, brav sortiert nach den Skylanders-Elementen und in diesem wir eure Kreation abgespeichert. Es ist ein Platzhalter. Avatar, wenn man es freundlicher sagen möchte. Nicht die Figur auf dem Screen und so unmöglich das am Ende wäre, ein ganz klein wenig enttäuschend muss diese Lösung am Ende sein.

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Eine Welt, die würdig ist...

Den Kindern scheint es egal. Oberflächliche Feldstudien haben ergeben, dass sie kein Problem damit haben sich das Ergebnis ihrer On-Screen-Arbeit gefangen in einem Kristall vorzustellen. Als wäre es das Natürlichste auf der Welt und angesichts einer Zeichentrickkultur, die kleine Monster in Kugeln steckt, scheint das auch ganz natürlich. Irgendwie sind wir aus der Generation MASK, Masters of the Universe und Dino Riders da in der Phantasie beschränkter. Typen mit Laserknarren auf Sauriern kann ich mir ohne Probleme vorstellen, Echnaton, der in einem Kristall steckt und sein Leben nur auf dem Screen ausleben darf, da hört es auf.

Aber es ist nicht so, dass ich Echnaton nicht lieben würde. Sein Äußeres erinnert an einen Gizmo, der zu nah und zu lange das Innere einer Atommülldeponie als seinen Spielplatz auserkoren hatte. Aber er hat ein gutes Herz, wie schon meine erste Kreation zur Gamescom: "I rule with hugs!" donnert seine tiefe Stimme und auch wenn es eine absurde Auswahl an Sprüchen gibt, hat es mir dieser angetan. Wenn mein kleiner, scheinbar aus einer Muppet-Seitenlinie der Toxic Avenger abstammender Held diesen Satz sagt, dann klingt er eher wie eine Drohung an seine zahlreichen Feinde. Der Editor mag nicht ganz so tiefgreifend sein, wie es die Paradebeispiele der RPG-Welt sind, aber was ihr bauen könnt, ist vielfältig und die kurzen wie markanten Phrasen runden diese Millionen an möglichen Skylander-Unfällen wunderbar ab.

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...von Echnaton erobert zu werden!

Der Editor wäre also etwas, das man rundheraus lieben könnte, wenn da denn nicht eine gewisse kleine Einschränkung der Kristalle wäre. Jeder physische Spielzeug-Kristall - einzeln ca. 10 Euro, 3er Pack ca. 20 Euro, 8er Pack ca. 50 Euro - lässt sich im Grunde nur einmal befüllen und er ist auch noch einem Element zugeordnet. Das bedeutet im Spiel wie immer die Einschränkung, dass ihr bestimmte kleine Bereiche anderer Elemente nicht betreten könnt. Das ist nicht anders als es in früheren Skylanders auch schon der Fall war. Im Grunde gilt das auch für die Wahl der Klasse. Jede alte Skylanders-Figur hatte eine bestimmte Klasse und damit einen Kampfstil. Die Figur bestimmte, ob ihr eher Fern- oder Nahkampf nutzen konntet, wie schnell sie ihren Schaden austeilte und so weiter. Das ist bei den Kristallen im Grunde nicht anders. Gleich zum Ende des Erschaffungsprozesses müsst ihr euch auf eine Klasse festlegen und diese wird dann fest in den Kristall "eingebrannt". Welche dank ausführlicher Erklärungen und Demos informierte Entscheidung ihr auch immer trefft - sie ist für diesen Kristall final. Sicher, eine festgelegte Figur zu kaufen, war auch immer eine finale Entscheidung, aber der rein emotionale Aspekt ist hier ein anderer. Nicht für Kinder, aber für ältere, die genau wissen, dass es nicht um Magie, sondern einen RFID-Chip geht. Es gibt technisch keinen Grund, dass nicht alle Aspekte neu gespeichert werden können. Nur vermarktungstechnische.

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Endlich mal wieder ein Spiel mit VIELEN bunten Farben.
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Karten-Minispiele müssen sein, aber wie auch die Rennstrecken wirkt es bestenfalls angetackert und ist kein verstecktes Highlight.

Es ist ja auch nicht so, dass die Kristalle alles wären. Neu sind auch die Meister - ca. 15 Euro pro Figur -, die Senseis, die euch von Zeit zu Zeit zur Seite stehen und sogar eigene Stages haben. Auch davon gibt es etwa ein Dutzend, wiederum nach Elementen sortiert und mit unterschiedlichen Kampfstilen gesegnet. Sie haben mit ein paar Ausnahmen auch alle eines miteinander gemein: Sie sind gegen die fantasievollen Eigenkreationen etwas langweilig. Die Ausnahmen wären Crash Bandicoot, der seinen ersten neuen Auftritt seit langem feiert und aktuell leider nur in dem Crash-Paket für PS3 und PS4 erhältlich zu sein scheint. Gleiches gilt für Dr. Cortex, Kaos und seine Megalomanie-Fantasien sind überall erhältlich. Der Rest ist zwar als Figur groß und stark und überhaupt, aber kaum interessanter als das, was Skylanders sonst hergibt. Alles in allem ist Imaginators am Ende des Tages etwas günstiger als die Auswüchse in SuperChargers, aber Kinder, die komplette Sammlungen verlangen, wären auch hier ein teures Vergnügen. Aber wie auch dort: es wäre immer noch ein Vergnügen am Ende.

Und es ist auch nicht so, dass es mit dem Starter-Pack nicht schon genug zu tun gäbe. Auch Imaginators ist kein Spiel, das bei den initialen 60 Euro mit Inhalten knausern würde und ihr könnt hier im Koop ziemlich komplett zehn bis 20 Stunden verbringen, also eine solide Action-Adventure-Laufzeit, bevor Nachschub hermuss. Die etwas undefinierte Laufzeit rührt daher, dass es sehr unterschiedliche Wege gibt, das Spiel zu erleben. Wenn etwa ein Action-RPG-gestählter Veteran durchmarschiert, dann wird er alle Stunde mal an den Waffen und Rüstungen schrauben, weil die für die Werte zuständig sind. Wenn ein Kind - vor allem eines mit noch einstelliger Alterszahl - dabei ist, solltet ihr euch darauf einstellen, dass es bei jedem einzelnen Drop in das Menü will, um zu gucken, was es da ergattert hat. Das dauert halt ein wenig länger... Aber da muss man als Erwachsener dann halt durch oder gleich zwei von der Sorte davorsetzen.

Wer will schon reguläre Senseis...

Was das Leveldesign angeht: Imaginators dürfte das ausgereifteste der Skylanders sein. Es bietet eine fast perfekte Mischung aus Hüpfeinlagen, schrägen Puzzles, Boss- und Arena-Kämpfen und ein paar Ecken, wo ihr sogar mit verschrobenen Locals einen Schnack halten dürft. Das Spiel ist immer im Fluss, genauso, wie es bei einem Titel für alle Altersklassen sein muss, wobei natürlich Dark-Souls-Krieger sich gerne über den eher handzahmen Schwierigkeitsgrad mokieren dürfen. Haben sie umsonst. Ansonsten läuft Imaginators einfach elegant und spaßig vom Start bis zum (vorerst?) finalen Boss. Lediglich die Renn-Level, die angetackert wurden, sind eine Enttäuschung. Es sind bereits aus SuperChargers bekannte Strecken und einfach nur da, damit sich die teuren Fahrzeuge im Regal nicht ganz so nutzlos vorkommen.

Die Handlung darf sich dagegen gern nutzlos vorkommen, dient die Geschichte um die gefährlichen Doomlanders doch kaum mehr als eine Ausrede, um irgendwie eine Reihe von Leveln zusammenzuhalten. Macht nichts, wer Skylanders für die Story spielt, ist selbst schuld und die Levels sind insbesondere für ein Spiel, das auch mit weniger Technik davongekommen wäre, teilweise wirklich beeindruckend. Knallige Farben scheinen seit einer Weile ja nicht immer der Freund der Videospielwelt zu sein, Skylanders jedoch ist eine ihrer Festungen und eine wahre Augenfreude. Genau das Richtige für den Herbst.

...wenn man KAOS POWER!!! haben kann.

Alle Skylanders, die auf Imaginators folgen werden, müssen ab jetzt Kristalle und einen Editor haben. Diesen sogar noch ausbauen, denn auch, wenn viele der alten Figuren jede Menge Charme hatten, sie kommen einfach nicht an die verrückten und persönlichen Kreationen heran, mit denen ihr hier die hinreißend bunten Welten unsicher machen dürft. Das Spiel selbst ist eine gesunde Weiterentwicklung des ursprünglichen Konzepts ohne sich in Renn-Gimmicks zu verlieren und gerade für die Familienrunde mit Kids unter einer Dekade auf diesem Planeten gibt es kaum einen lustigeren Nachmittag als neue Skylanders zu bauen, sie in Kristalle zu füllen und durch wohlentworfene Level marodieren zu lassen.

Womit wir beim kleinen Haken wären: Der Preis hat sich jetzt nicht gebessert, aber auch nicht verschlechtert. Jede gekaufte Meister-Figur bringt etwas an Spiel mit sich, jeder Kristall ein paar neue Möglichkeiten. Ihr müsst zumindest für ein Weilchen nicht fragen, was für ein Mitbringsel das richtige wäre. Oder: Mehr als einen Namen oder ein Element braucht es als Wunsch nicht. Und jetzt werde ich Echnaton helfen, seine Herrschaft durch Umarmungen weiter voranzutreiben. Und ihm einen neuen Kopf aufsetzen. Die langen Ohren sind ein wenig beunruhigend.

Entwickler/Publisher: Toys for Bob/Activision - Erscheint für: PS3 / PS4 / Xbox 360 / Xbox One - Preis: 59,99 Euro - Erscheint am: Erhältlich - Sprache: Deutsch, Englisch und andere - Mikrotransaktionen: Ja (neue Figuren: 10 bis 20 Euro - neue Kristalle: ca. 10 Euro)

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Über den Autor:

Martin Woger

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