Rez Infinite - Test

Tanz in der Maschine.

Rez war schon immer ein seltsames Biest. Als On-Rails-Shooter ohne gesteigertes Interesse an wahnsinnigen Herausforderungen war ihm schon immer eher am Flow gelegen. Musste es auch, denn hier ging es um nichts anderes, als Musik, Visuals und Interaktion zu einem audiovisuellen Kunstwerk zu verschmelzen, in dem der User Teil des Taktes vorgibt.

Nach dem Original und der späteren HD-Version darf man Rez nun in 1080p, auf der kommenden PS4 Pro in 4K oder eben komplett in VR spielen. Tatsächlich stellt sich die Virtual-Reality-Variante als die beste Art heraus, auf die man dieses Spiel jemals erleben konnte. Schon damals drängte sich der Vektor-Cyberspace-Look in die Nähe dessen, wie wir uns damals VR vorstellten. Aber wir hatten ja keine Ahnung, dass es um mehr ging als den bloßen Look, den man so ähnlich schon mal in Tron oder beim Rasenmähermann gesehen hatte. Nein, tatsächlich ist VR das letzte Puzzlestück, das der Einswerdung von klanglicher, bildnerischer und spielerischer Seite mit seinem User noch fehlte.

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Mit dem Headset auf dem Kopf versinkt man noch tiefer in den unwirklichen Computerwelten. Statt mit dem Stick zielt man jetzt per Blick, während sich die Maschine, in die ihr eindringt, um euch herumwickelt. Wie in Trance pulsiert man immer tiefer in ein System hinein, das sich gegen eure Avancen wehrt. Ungreifbar, psychedelisch, fremd. Ein Techno-Teppich liegt unter eurem schwerelosen Flug, markiert ihr die heranrauschenden abstrakten Verteidigungsprotokolle mit eurem Fadenkreuz, wird jede einzelne Aufschaltung mit einem Schlag der Snare-Drum quittiert, der Flug eures Projektils und die Detonation eures Ziels provoziert je nach Track und Level andere Sounds, die sich nahtlos über die Untermalung legen.

Man ist so sehr drin, wie man es sich zuvor nicht einmal vorstellen konnte. Allein wie das hier aussieht! Klar sind die Polygonmodelle beinahe retro-haft grobschlächtig, aber das hält einen nicht davon ab, mitzugehen, als gäbe es kein Morgen. Von außen sieht man freilich aus, wie Stevie Wonder, der in einem schalldichten Raum synchron zu einer Band spielen versucht, die er als einziger nicht hören kann. Aber für den Spieler, der von Tetsuya Mizuguchis musikalischem Cyberspace gerade mächtig durchgekaut wird, gibt es für die fünf Minuten bis zehn Minuten, die jede der fünf Stages im Mittel dauert, nichts Anderes auf der Welt. Alle fünf Level haben etwas für sich - und die neue, extra für diese Version hinzugekommene Area X, steht den alten in nichts nach -, aber Area 5 ist ein so erhaben hypnotisches Meisterwerk, dass man kaum zu zwinkern wagt.

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Ich weiß, dass gerade jetzt, anlässlich des Launches von PlayStation VR viel über Spieldauer und Preise gesprochen wird. Auch Rez ist ein kurzes Spiel und mit 29,99 Euro nicht gerade günstig. Aber hier habe ich das Gefühl, es ist definitiv eine Erfahrung, die ich wieder und wieder machen will und die mir so noch kein anderes Spiel gab. Es ist nicht der typische VR-Showcase von Dingen, die einem ins Gesicht geworfen werden. Es ist ein Stück Performance-Art, das neue Technik nutzt, um seine zeitlose Wirkung nach satten 15 Jahren rundheraus zu transformieren. Dieses wagemutige Experiment sollte man mal gesehen, gehört, gespürt haben.

Entwickler/Publisher: Enhance Games - Erscheint für: PlayStation 4, VR kompatibel aber nicht benötigt - Preis: 29,99 Euro - Erscheint am: Erhältlich - Sprache: Deutsch, Englisch und andere - Mikrotransaktionen: Nein

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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