Eagle Flight - Test

Nur fliegen ist… äh - Moment…

Kleines, aber packendes Flugspiel, das schnell in Fleisch und Blut übergeht. Schade: Im Multiplayer lässt Ubisoft viel Potenzial liegen.

Es war schon eine kleine Kuriosität, dass Ubisoft Eagle Flight auf seiner E3-Pressekonferenz so viel Zeit einräumte. Sogar Palmer Luckey begab sich auf die Bühne, um den VR-Titel - kommt für PSVR und Oculus - vor versammeltem Publikum vorzuspielen. Nachdem ich nun mehrere Stunden sowohl mit der PC- als auch mit der PSVR-Version verbrachte, ist aber nicht schwer zu sehen, warum Eagle Flight für die Franzosen eines dieser kleinen, aber feinen Nebenprojekte ist, durch die sie seit ein paar Jahren regelmäßig von sich Reden machen.

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In engen Passagen muss ein Eagle-Flight-Spieler von außen aussehen, als hätte er nervöse Zuckungen. Wie man hier den Kopf einzieht, kippt, senkt und dabei tief in seinem selbst gewählten Hindernisparcours versinkt, ist schon allerhand.

Im Grunde ist dieses Spiel eines der simpelsten überhaupt. Als junger Adler fliegt ihr über ein stilisiertes wie ausgestorbenes Paris. Stattdessen bevölkern Giraffen, Zebras und Bären die überwucherten Ruinen. Wenn der Mensch weicht, kehrt die Natur zurück, scheinen die Entwickler zu sagen. Mittig im Blick, dort wo im Normalfall eure Nase wäre, der am Ansatz gefiederte Schnabel. Gesteuert wird allein durch die Blickrichtung, lediglich euer Tempo reguliert ihr in drei Stufen: Entweder ihr drückt nichts und fliegt mit normaler Geschwindigkeit, oder ihr nehmt die linken und rechten Schultertaster zu Hilfe, um langsam oder schnell zu fliegen.

Auf der Quadrat-, beziehungsweise X-Taste liegt der Adlerschrei, ein Geschoss, das sich recht langsam fortbewegt und gegnerische Fauna aus der Luft holt, die Kreis- respektive B-Taste beschwört einen Schild, der eben diese Angriffe anderer abwehrt. Alleine fliegt ihr diesen Regeln unterworfen durch die Stadt und macht euch an verschiedene sichtbar markierte Herausforderungen. Ihr absolviert diverse Parcours auf Zeit oder durchfliegt zum Beispiel Ringe, die euch per perfekt mittiger Durchquerung einen Temposchub verleihen. Wer es ein wenig freier mag, gleitet auf der Suche nach Sammelgegenständen wie Federn und Fischen durch die verstummte Metropole.

Durch die eingängige Steuerung per Kopfbewegung macht das gerade in engen Häuserschluchten, oder wenn es mal wieder dicht über dem Boden unter umgestürzten Bäumen oder durch verrottete Dachstühle hindurchgeht, ist das auch ziemlich packend. Schön, dass man mit Freunden und Fremden auch sichtbar auf einer Bestenliste um Rekordmarken konkurrieren kann, sogar unter Einsatz einer Geistfunktion. Es bleibt ein bisschen Stückwerk, mit Leichtigkeit hätte man daraus auch ein umfassenderes Abenteuer stricken können. Aber Spaß - den macht es durchaus.

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Optisch nehmen sich Oculus und PSVR Version wenig. Nur die höhere Bildschärfe am PC macht sich bemerkbar.

Kern der Sache - wie die E3-Präsentation ja schon vermuten ließ - ist allerdings sichtlich der Mehrspielermodus, denn hier steckt die eigentliche Tiefe. Leider muss man aber gestehen, dass der mit nur einem Modus, einer Capture the Flag Variante mit nur einem Zielpunkt, bei der man ein geschlagenes Kaninchen in sein Nest tragen muss, ein bisschen hinter seinen Möglichkeiten zurückbleibt. Das Drei-gegen-drei ist dabei eigentlich sehr packend (wenn man mal genügend Mitspieler findet, was auf beiden 3D-Brillen leider schwerer ist als erhofft), besonders, wenn man mit der Beute in den Krallen einen Tiefflug hinlegt und durch halsbrecherische Manöver einen Verfolger abzuschütteln versucht. Da ist es doppelt schade, dass es ein wenig zu einfach ist, einen Gegner abzuschießen, dass der Sprachchat fehlt, um sich im Team taktisch zu organisieren und dass es keine Ränge, Level oder zusätzlichen Perks und Personalisierungsoptionen gibt, die den immer gleichen Ablauf ein wenig auflockern würden.

Aber wer weiß, vielleicht wird das ja noch? Eagle Flight mag hinter seinen Möglichkeiten zurückbleiben, und so, wie es ist, ein wenig mager wirken. Aber man spürt dieses Potenzial aber zu jeder Zeit direkt unter der Oberfläche dieses hübschen und stellenweise überraschend motivierenden Spiels. Hoffen wir, dass die Käufer lange genug dabeibleiben, um etwaige Erweiterungen in Mehrspielerumfang und -Vielfalt zu rechtfertigen und sie schließlich zu erleben. Diesem sympathischen Spiel ist es zu wünschen.

Entwickler/Publisher: Ubisoft - Erscheint für: PlayStation 4 (PSVR), PC (Oculus Rift) - Preis: 39,99 Euro - Erscheint am: Erhältlich - Sprache: Deutsch, Englisch und andere - Mikrotransaktionen: Nein

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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