Rainbow Six Siege: Red Crow - mal wieder stellt die neue Season einiges auf den Kopf!

Zwei neue Operatoren, Uniformen und gleich zwei neue Maps binnen der nächsten vier Wochen.

Das war eine ziemlich einschüchternde Angelegenheit, zusammen mit einer Reihe von E-Sport-nahen Youtubern und Twitchern wie MacieJay, Serenity17 oder Teo am Rande des ESL-Finales in Katovice den neuen DLC auszuprobieren. Ich als mickriger Gold-3-Rang in einem Gehege aus Platin und Diamant. Aber ich schlug mich - glaube ich - ganz ehrbar, spielte mit und schien meinem Team unterm Strich nicht abträglich zu sein. Der große Gleichmacher, neben der Tatsache, dass wir hier locker zusammensaßen und nicht unter Ranglisten-Match- oder Turnierbedingungen, waren die neuen Maps und Operatoren, die noch niemand kannte.

Richtig gehört. "Maps" - Plural. Season 4 von Rainbow Six: Siege wird die erste Erweiterung, in der wir gleich zwei neue Karten erhalten anstatt nur einer. Zeitlich gestaffelt zwar, aber wer weiß, wie viel Wiederspielwert man aus einer Karte dieses Ausnahmespiels zieht, kann einschätzen, was das bedeutet. Neben dem bereits bekannten "Skyscraper", der am kommenden Donnerstag seinen Einzug ins Spiel hält, gibt es Mitte Dezember die lange erwartete Bartlett-Universität, bekannt aus der letzten Mission des Situations-Modus. Natürlich ließ die sich nicht ohne umfassende Anpassungen auf die PVP-Seite des Spiels holen, weshalb das eigentliche Layout der Karte großzügig verändert wurde. Was genau jetzt anders ist, erfährt man dann in etwa vier Wochen, wenn der Midseason-Reinforcements-Patch Nummer 5.2 nicht nur diese Map, sondern auch Überarbeitung bestehender Operatoren mit sich bringt - Lord Chanka wird hoffentlich zufrieden sein.

Echo und seine neue Drohne 'Yokai' im Einsatz. Wenn getroffene Spieler stillstehen, lässt der lähmende Effekt schneller nach. Aber Echo Spieler machen ja längst Jagd auf sie (0:54).

Als erstes kommen aber Sykscraper, die beiden japanischen SAT-Operatoren Hibana und Echo sowie einige interessante Änderungen. Der weibliche Agent Hibana verfolgt den Ansatz, dass man gewisse Standards aufweichen wollte. Ubisofts Community Developer Justin Kruger verriet mir, dass das Team es mehr oder weniger satthatten, dass der Operator Thermite als "Panzerknacker" quasi eine verpflichtende Wahl aufseiten der Angreifer war. Hibana mit ihrer Thermitkanone X-Kairos ist hier eine schöne, flexible Alternative. Sie verfügt über drei Ladungen, die je ein Sechserpack Thermit abschießen. Die kleben dann an der Wand, bis sie ferngezündet werden können - nicht getrennt, sehr wohl aber alle drei auf einmal, wenn man will. Jede Ladung produziert ein rechteckiges Loch an die Wand (sofern Mutes Jammer sie nicht neutralisiert), das vor dem Schuss auch per rotem Rahmen auf das Ziel projiziert wird, damit die Teammitglieder auch sehen, was ihr tut.

Die Ladungen können mit dem "Bandit-Trick" zwar auch gekontert werden, aber Jägers Granatenfangsystem zum Beispiel springt auf die X-Kairos-Geschosse nicht an. Im Gegenzug machen nur zwei direkt übereinander platzierte Ladungen ein Loch, durch das man einen Raum betreten kann, es sei denn, man macht es in Bodenhöhe, dann kann man hindurchrobben. Man muss sich also entscheiden, ob man mehr Blickwinkel in einen befestigten Raum öffnen - drei einzeln platzierte Ladungen öffnen auch bei größeren Räumen fast jede Sichtlinie, den man sich wünschen kann - oder Zugänge schaffen will. Nett.

Ihre Waffenauswahl ist mit der neuen Bernelli Pump-Action Schrotflinte und einem kräftigen Sturmgewehr mit recht hoher Feuerrate sowie einer neuen Maschinenpistole ziemlich vielseitig und attraktiv. Apropos Maschinenpistolen: Auf das gefürchtete "Taschenscharfschützengewehr", die SMG-11, darf man ab Season 4 kein ACOG-Zielfernrohr mehr stecken, was Fans von Smoke oder Sledge betrüben dürfte. Diese Operatoren verlieren viel von ihrer Vielseitigkeit, dann wiederum war die Zielgenauigkeit mit dem kleinen Biest alles andere als realistisch.

Ich mit und gegen Youbtube- und Twitch-Prominenz auf der neuen Karte Bartlett University, die im Dezember erscheint. Und ja: Ich habe bewusst Material gewählt, das mich gut aussehen lässt. Diese Jungs waren überirdisch gut (2:16).

Noch größere Auswirkungen auf das Meta des ebenso taktischen wie geselligen Shooters dürfte aber der neue Verteidiger Echo haben. Seine Primärfähigkeit ist eine Drohne namens Yokai - das erste Mal, dass eine Drohne in der Defensive zum Einsatz kommt. Die kann zwar nicht springen, dafür aber auf Knopfdruck an die Decke fliegen und dort bewegungslos verharren. In diesem Zustand ist sie sogar getarnt, nicht ungleich dem Predator aus dem Schwarzenegger-Film, und kann so auf ihre Beute lauern. Aus dieser Position heraus kann man starke Schallwellen absondern, die Gegner mehr oder weniger betäuben: Ihre Sicht verschwimmt, Zielen und Laufen wird zum hin- und herschwankenden Eiertanz. Nur wenn man stehenbleibt, verfliegt der Effekt schnell. Feinde zu markieren ist mit dieser Drohne allerdings nicht möglich.

Diese Betäubungsfähigkeit hat schon in den drei Stunden Anspielzeit für neue Taktiken gesorgt, wenn auf einmal Echo allein in der Lage ist, ein Treppenhaus zu halten, vereinzelte Feinde kampfunfähig zu machen und ihnen dann den Rest zu geben. Auch Kombinationen, einer betäubt, der andere gibt dem Feind den Rest, entstanden schnell. Echo und Caveira (mit ihren Verhören, die alle Gegner auf der Karte sichtbar machen) werden wohl ein mächtiges Team werden. Gleichzeitig dürfte das starke neue Gadget die Operatorin IQ wieder zu einer beliebteren Wahl machen, ist sie doch in der Lage, ihre Kollegen davor zu warnen. Mehr Synergien und indirektere Buffs - Mute dürfte wegen Hibana ein noch wichtigerer Pick werden -, das ist der Grund, warum dieses Spiel so lange frisch blieb. Gestern erreichte der Titel im Rahmen seines dritten kostenlosen Wochenendes mal wieder eine neue persönliche Bestmarke von über 42.000 Spielern alleine auf Steam (diejenigen, die den Titel auf Uplay oder im Laden kauften, werden nicht berücksichtigt), ein Abflachen der Zahlen ist nicht in Sicht.

Und dann gibt es noch eine weitere Änderung, die möglicherweise noch größere Auswirkungen auf das Spiel hat, als man auf Anhieb merken mag. Die Zerstörung von Wänden, Böden und Decken ist nun kaliberbasiert, wo zuvor jedes Projektil das gleiche Loch machte. Es ist nun deutlich schwieriger, mit einer mit einem kleinen Kaliber Hindernisse zu penetrieren. Erst bricht die innere Schicht einer Wand weg, dann die äußere. Ich schoss probeweise ein komplettes Magazin einer 9mm Maschinenpistole ungezielt in eine Wand, am Ende war die mir zugewandte Seite pulverisiert, auf der Rückseite waren aber nur wenige Durchschüsse zu erkennen. Mit Sturmgewehren sieht das natürlich anders aus und die Schussmuster von Schrotflinten werden nun prozedural generiert.

Der Wolkenkratzer: Eine japanische Pagode auf der Spitze eines Hochhauses in Nagoya. Die Karte fühlt sich ziemlich klassisch an und ist thematisch geschmackvoll gestaltet (1:49).

Damit lassen sich Wände nun noch großflächiger einreißen und die produzierten Löcher wirken zufälliger. Auch Trümmer sollen nun besser reagieren und nicht mehr regungslos in Tür- und Fensterrahmen stecken bleiben, eine kleine, aber willkommene "Quality-of-life"-Verbesserung. Schon am vergangenen Samstag merkte ich, dass die Schusswechsel sich deutlich anders anfühlten, weil man sich nicht mehr darauf verlassen konnte, jemanden auf der anderen Seite einer Wand auch mit einem kleinen Kaliber zu treffen. Die Wahl der Waffen wird also zur zusätzlichen taktischen Überlegung. Nicht auszuschließen, dass dies weitere Anpassungen vonseiten Ubisoft in Sachen Loadout verschiedener Operatoren erfordert. Wir werden es sehen.

Ich konnte gestern bereits beide neuen Karten anspielen und halte es durchaus für möglich, dass alle beide neue Favoriten von mir werden. Bartlett zu zerlegen machte bei der gediegenen Holzausstattung ziemlich viel Spaß. Viele, viele Fenster, dafür aber wenige Zugänge vom Dach aus. Große Räume wechseln sich mit langen Korridoren und Treppenhäusern mit vielen Schusslinien ab. Die übliche gute Mischung aus offen und beengt mit prädestinierten Haltepunkten (Echo, Yokai-Drohne an der Decke im Treppenhaus = win - siehe Video). Die Pagode auf dem Wolkenkratzer lockt mit Karaokeräumen und Sushi-Restaurants. Herumstehende Samurairüstungen sorgen für Schreckmomente und allerlei andere herumstehende Dekorobjekte ergeben das Bild einer Karte, die man viel im Schleichschritt über Kimme und Korn erkunden wird.

Nachdem zuletzt neue Kopfbedeckungen und Masken als Personalisierungsoptionen hinzu kamen, legt man ab Donnerstag auch komplette neue Uniformen an, dazu eine ganze Reihe neuer und sehr schöner Waffenskins (unter anderem schwarze und graue Universalskins und einige mit japanischen Malereien versehene). Ein bisschen mit Argwohn betrachtet wurden die neuen Elite-Uniformen. Die sehen absolut fantastisch aus, erinnern fast an die altmodischen Battlefield-1-Skins, ändern sogar das Profilbild und den Namen der Figur - aus Kapkan wird beispielsweise Vympel -, sogar eine Siegesanimation gibt es, wenn man zum MVP gewählt wird, wo alle anderen nur langweilig strammstehen. Aber sie sind teuer. 1800 R6 Credits, die Echtgeldwährung, kosten sie. Umgerechnet 15 Euro.

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Die neuen Elite-Uniformen wurden klassischen Militär- und Polizeiaufzügen nachempfunden. Sie sehen gut aus, sind allerdings auch nicht ganz günstig. Siege setzte am gestrigen Sonntag im Rahmen seines dritten 'Free Weekend' übrigens mal wieder eine neue persönliche Bestmarke: Allein auf Steam waren zur Spitzenzeit über 42.000 Spieler online. Wo andere Titel stagnieren oder sogar User verlieren, wächst R6.

Wer damit Free-to-play-Mechanismen Tür und Tor geöffnet sieht, den beruhigt Justin Kruger mit der Aussage, dass man weiterhin das gewohnte Verhältnis von kaufbaren zu freispielbaren Personalisierungsoptionen beibehalten will. Ich bin vorsichtig optimistisch. In der Vergangenheit wurden immer wieder Bezahlinhalte in den Pool der freispielbaren aufgenommen und auch die Preise änderten sich mit der Aktualität. Zudem hat Ubisoft bewiesen, dass sie ziemlich genau hinhören, was ihre Fans wollen und was nicht. Sobald sie es übertreiben, bekommen sie die Quittung. In derart Community-getriebenen Titeln sind Foren wie Reddit ein mächtiges Korrektiv. Aber sexy waren sie, diese neuen Looks. Sledge bekommt zum Beispiel einen Morgenstern anstelle seines Abrisshammers. Und natürlich gilt wie immer: Ein Skin für eine Figur macht im Gameplay keinen Unterschied.

Die versammelte Expertenrunde am Samstag war sich einig: Die nächsten vier Tage Wartezeit werden lang. Auch im neuen Patch verschiebt Ubisoft mal wieder den Blick der Spieler in neue Richtungen, wenn man sich auf einmal auf andere Eventualitäten einstellen muss und alte Automatismen nicht mehr greifen dürfen. Siege war schon von Beginn an ein gutes Spiel. Die Art und Weise, wie es fortwährend unterstützt und nicht nur an seinen Rändern, sondern immer wieder von innen heraus erweitert wird, schenkt ihm eine anhaltende Frische, die viele andere Shootern nicht kennen. Nicht nur spielt sich jede einzelne Runde anders, jeder neue Patch verbreitert das Spektrum an Dingen, die passieren können.

Mir wird so langsam klar, "Siege" - das englische Wort für Belagerung - meint in diesem Fall gar nicht den ewigen Zyklus aus Angriff und Verteidigung, in dem das Spiel so aufgeht. Es ist der Zustand, in dem es mich und meinen PC nun schon seit fast einem Jahr gefangen hält.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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