Das Keyboard Division Zero X40 - Test

Kann so gut wie alles. Fängt wohl sogar 'ne Kugel für euch und schlägt Einbrecher in die Flucht, wenn ihr es richtig schwingt.

Die Amerikaner von Das Keyboard sind in Hardware-Kreisen längst keine Unbekannten mehr. Sie entwerfen wie Panzer gebaute Tastaturen mit einem eigenen Look - die abstehende Kante oberhalb des Nummernblocks hat der eine oder andere sicher schon mal gesehen. Mit der X40 richtet sich Das Keyboard nun an Gamer und liefert ihnen eine überaus robust wirkende und durchaus aggressiv dreinblickende 104-Tasten USB-Tastatur mit roter LED-Beleuchtung an.

Highlight sowohl optisch als auch verarbeitungstechnisch ist die Aluminium-Oberfläche, die mit acht, nicht einmal versenkten Inbusschrauben am Korpus des Eingabegeräts befestigt ist. Das gibt der Tastatur den Vibe eines militärischen oder raumfahrttechnischen Gebrauchsgegenstands. Ein Eindruck, den die scharfkantige graue Camouflage-Lackierung wirkungsvoll bricht. Diese Faceplate lässt sich auch tauschen, die Schrauben sind demnach nicht nur Makulatur. Aber günstig wird das Unterfangen nicht. Die pulverbeschichteten Blenden kosten pro Stück 35 Euro. Dann wiederum: Die Graue, mit der die X40 ausgeliefert wird, ist meiner Meinung nach ohnehin die Schönste.

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Es gibt viele Tastaturen, die sich in ihrer Ästhetik ausdrücklich an Videospieler richten. Mir persönlich gefällt ein klassisch-nüchternes Cherry- oder Filco-Design zwar am besten, aber das hier kann ich selbst mit meiner Vorliebe für schlichte, unaufgeregte Gestaltung gut auf meinem Schreibtisch dulden. Die Schrauben, so albern der Gedanke wirken mag, signalisieren irgendwie: Dieses Gerät macht Ernst. Kurze Anmerkung: Wer die Angewohnheit hat, in WASD-Haltung seinen Daumen aber auf der Blende unterhalb der Leertaste abzulegen, anstatt darauf, der könnte genau auf dem Schraubenkopf liegen. Dürfte nicht allzu viele Spieler betreffen, aber ich wollte es nicht unerwähnt lassen.

Rote Beleuchtung - dimmbar über F1 und F2 plus Fn-Taste - sowie fünf Macro-Tasten am linken Rand sind die zentralen Features dieser zusätzlich mit einem USB-2.0-Port und Klinkenanschlüssen für Kopfhörer und Mikrofon ausgestatteten Computerklaviatur. N-Key-Rollover ist für Das Keyboard Ehrensache, wer seine Wutausbrüche und Kopf-auf-die-Tastatur-hau-Momente also verlustfrei in Word oder dem Texteditor abbilden will, ist bestens bedient. Zwei Meter textilummanteltes Kabel versprechen Langlebigkeit und Flexibilität. Wem das zu lang ist, nutzt das angenähte Klettband, um den Kabelsalat überschaubar zu halten. Die Software ist komfortabel zu bedienen, erlaubt sogar, die Polling-Rate bis auf 1000Hz raufzuschrauben und überzeugt in ihrer Anpassungsfähigkeit. Das einzige, was ich vermisste, war die Möglichkeit, die Hintergrundbeleuchtung der einzelnen Tasten an und auszuschalten - ich mag's halt, wenn nur WASD leuchtet. Aber das ist ein persönlicher Tick von mir.

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Womit wir auch schon bei der Performance wären. Wann immer eine mechanische Tastatur nicht auf Cherry-Schalter zurückgreift, wird man als Tastatur-Snob skeptisch. Diese Switches sind nicht ohne Grund schon seit den 80ern der absolute Standard, der lange Haltbarkeit und wunderbare Taktilität verspricht. Das Keyboard entwickelte mit den Alpha-Zulu Gaming Switches seine eigenen. Daran ist nichts Verwerfliches. Warum teuer einkaufen, wenn man auch seine eigenen bauen kann? Weil der Eigenbau in aller Regel noch teurer ist. Goldkontakte, Auslöseweg von 1,7 Millimetern, die in den hier vorliegenden gelben Switches einen fühl- jedoch nicht hörbaren Druckpunkt haben. Vom Gefühl her sind das hier braune Cherry MX, vielleicht eine Idee leiser. Nur dass Das Keyboard statt der üblichen 50 Millionen Cherry-Anschläge eine Lebensdauer von 60 Millionen auf seine eigenen Switches angibt.

Es ist ein Versprechen der Sorte, wie man sie leicht machen kann. Wer wird das schon mitzählen? Ich habe allerdings in drei Wochen Testdauer nicht zu einer Sekunde den Eindruck gehabt, hier ein minderwertiges Keyboard unter den Fingern zu haben. Ich kam gerade ohnehin von einem Keyboard mit braunen Cherrys - dem Lioncast LK20 - und die Umstellung verlief ohne größere Probleme, fast hätte ich vergessen, dass ich überhaupt gewechselt habe, wenn die X40 vergleichsweise nicht wahrhaft riesig wäre und ich mich nicht an die vertikal angeordneten Macro-Tasten links hätte gewöhnen müssen - dass links von Ctrl und Caps noch was passiert, das muss man erst mal begreifen.

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Einziger Wermutstropfen: Aktuell ist das Gerät auch hierzulande nur im US-Layout zu haben. Soll ja Leute geben, die das bevorzugen. Alle anderen sollten warten, bis Das Keyboard und der Vertrieb getdigital.de eine deutsche Variante anbieten.

So oder so: Eine schöne, auf rustikale Art verspielt aussehende Tastatur von hoher Produktionsqualität und gutem, wenngleich nicht herausragendem Feature-Umfang. Den Preis von 130 Euro rechtfertigt sie allein mit ihrer Verarbeitung, sodass ich sie Fans der braunen Cherrys, sie sich vom Design angesprochen fühlen und nicht über zu kleine Schreibtische verfügen, bedenkenlos ans Herz lege.

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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