Darksiders Warmastered Edition - Test

Zu Unrecht vergessene Spiele, Weltuntergangs-Edition.

Es ist ein Franchise, das die Zeit vergessen hat. Eines, wie es selten so mächtig und doch erfolglos von seinem Publisher auf den Markt gedrückt wurde, um schließlich mit den Jahren unter den Teppich gekehrt zu werden. Eines der Marke Shadow Man, ein großkotziges und verschrobenes, aber trotzdem dick beworbenes Action-Adventure, das sich nicht darum schert, der erprobten Formel, wie sie Ocarina of Time einst etablierte, großartig etwas Neues hinzuzufügen. Diese Spiele hatten den Ansatz, die Leute abzuholen, die Zelda mit den Jahren entwachsen waren. Da wären Abweichungen nur kontraproduktiv.

Der Irrglaube und Untergang dieser Titel - und hier bedarf es sicher noch ein wenig mehr Feindiagnostik als ich hier zu leisten im Stande bin - lag natürlich darin, dass niemand einem Zelda jemals wirklich entwächst. Was (oder wer) bleibt da also übrig? Es ist sicherlich nicht die Schuld dieser beiden wunderbaren Spiele an sich, dass es neben Links Abenteuer anscheinend nur wenige andere nach diesem Strickmuster geben kann. Und dann schien der Zug irgendwie abgefahren für den Rhythmus aus Oberwelt / Dungeon / neues Item, mit dem sich neue Türen öffnen. Selbstverständlich nur, bis er mit Link als Lokomotivführer wieder in den Bahnhof voller auf das Original wartender Leute einfährt.

1
Unvergessen die Herzmassage, die das 'Hirn' dieses Ungetüms dem gefallenen Fleischberg am Ende dieses Kampfes gibt.

Dabei muss man es Darksiders schon lassen: Es war ein verdammt gutes Spiel, ist es zu weiten Teilen immer noch. Shadow Man machte zu seiner Zeit das Beste aus seinen Mitteln, war aber meilenweit entfernt von Nintendo-Qualität und auch Vigil Games kam natürlich nicht wirklich an ein durchschnittliches Zelda heran. Aber die Welt, das Kreaturen- und Charakterdesign und die grundsolide Kopie der Abläufe plus gelungener Leihgaben vom God of War, das übte einen gekonnten Sog aus. Man steckte schon bis zur Hüfte rettungslos im Abenteuer, bevor man überhaupt ein vorläufiges Urteil gefällt hatte, ob einem das hier überhaupt gefiel. Und die paar Hunderttausend, die zwischen ihren Zeldas doch eine Überbrückung brauchen konnten, griffen auch beherzt zu.

Einer von diesen alten Fans muss wohl auch beim frisch umgetauften THQ Nordic gesessen und beherzt zugepackt haben, als es daran ging, aus dem Nachlass des ehemaligen Big Player die Rosinen rauszupicken und an die heutigen Marktgegebenheiten anzupassen. Sieben Jahre ist Teil eins alt, keineswegs zu alt (oder jung) für die Remastered-Behandlung und so haben wir hier einen Port vorliegen, der sich vor den Bemühungen größerer Hersteller nicht verstecken muss. Die Texturen sind detaillierter, die Schatten feiner gezeichnet und 1080p60 wurden auf der Konsole zum Ziel ausgewiesen. Auf meiner PS4 Pro läuft es sogar in feinen 4K, ob skaliert oder nativ mochte THQ Nordic bislang nicht sagen. Aber es sieht schon deutlich sauberer aus als in 1080p, auch wenn es sein Alter nicht verbergen kann.

7
Visuell ist es definitiv gealtert. Das Art-Design hielt sich aber wacker.

Keine Frage, das hier ist die schönste Version dieses Titels, die man erleben kann, was ein Vergleich mit dem Original auf der 360 stichhaltig belegt. Auf der alten Konsole verspürt man fast den Impuls, zu schauen, ob alle Kabel richtig drinstecken, so unsauber sehen Spiele der letzten Generation für mich mittlerweile aus. Den Performance-Test auf einer normalen PS4 muss ich anderen überlassen. Auf der Pro - auf der man nicht zwischen verschiedenen Modi wechseln darf - wackeln die 60FPS bei Massengerangeln ab dem ersten Drittel des Spiels leider spürbar, wenngleich nicht maßgeblich das Spiel beeinträchtigend. Die Bildrate liegt wohl jederzeit deutlich über der Ur-Version, aber die Schwankungen setzen einem schon manchmal ein bisschen zu. Ich will nicht sagen, dass es das relativiert, aber schmale 19,99 Euro sind dafür trotzdem fair, auch wenn ich auf der Pro eine Option für fixe 1080p60 besser gefunden hätte. Auch auf der Xbox One las ich über Performance Probleme in späteren Spielabschnitten. PC-User wird's wenig scheren.

Lasst uns wissen, ob das Spiel auf euren normalen PS4s ab Akt 2 (Das Becken) ebenfalls spürbar zu knapsen hatte, oder ob es sich um ein (schreib' bloß nicht "PROblem". Wehe, Du schreibst "PROblem"!) PROblem handelt. Insgesamt, wie gesagt, trotzdem eine Überarbeitung auf der guten Seite der Geschichte, wenn man bedenkt, dass der Titel selbst in der Ladenfassung zu einem schlanken Preis angeboten wird.

8
'Ich glaube, das gehört mir.'

Das Abenteuer an sich stellt euch einige nette Rätsel in den Weg, ist für den einen oder anderen klugen A-Ha-Moment gut. Seine spielerseitige Umgebungsentwirrung, die in einer Reihe mit den Besten des Genres steht, befriedigt mit jeder Halle eines Dungeons, die man geistig als komplett abhakt, ein bisschen mehr. Diese Spiele täuschen geschickt eine Offenheit an, obwohl sie beide Augen eigentlich fest auf die nächste verschlossene Türe richten. Diese Zielstrebigkeit und Gewissheit, abseits der Wege außer versteckte optionale Upgrades nicht allzu viel zu verpassen, vermittelt das gute Gefühl, hier jederzeit unverdünnt die besten Momente zu erleben. Danach mag einem nicht immer der Sinn stehen, in Darksiders oder eben Zelda verliere ich mich deshalb aber umso tiefer in diesen Welten: ich eigne mir nach und nach eine Vertrautheit mit großen, aber überschaubaren und wundervoll ineinander verschlungenen Dungeon an und komme gar nicht erst auf die Idee, virtuell zu prokrastinieren.

Klar, auch diese Quest hat die eine oder andere "Finde und kille alle Gegner"-Passagen zu viel. Immerhin lernt man in diesen Brawls fast immer eine Kampftechnik lernen und schätzen, die man bisher eher weniger nutzte. Die Bossbegegnungen sind unterdessen ebenfalls die hübsche und spektakuläre Abschlussprüfung in der Benutzung des jeweils neuen Werkzeuges, die man - ganz Zelda eben - in einem Spiel wie diesem natürlich erwartet, aber selten genug in der Güte bekommt. Auch hier geht es ab und an die eine oder andere Haudrauf-Phase zu lange, aber das griffige Kampfsystem, das auf Knopfdruck filmreif zwischen God-of-War-Übersicht und Eins-gegen-eins-Aufschaltung changiert, macht mit seinen kraftvollen, rhythmischen Auseinandersetzung eine Menge Spaß - ganz egal, dass man die Finishing-Moves irgendwann auswendig kennt.

Performance-Probleme hin oder her: Darksiders nach all den Jahren noch einmal einzuwerfen, das bringt viel von der Unschuld und dem sorglosen Erkunden einer Gattung Spiel mit sich, wie sie so traditionell und in so großem Stil eben nur noch einer macht. Die Schrumpfkur dieser Sparte mag man als Fortschritt von eingefahrenen Regelwerken begreifen oder als bedauerliche Abkehr von einer einfacheren Zeit. Ich weiß, in welches Lager ich gehöre, oder zumindest für die Dauer dieser Rückkehr in diese pseudo-biblische Postapokalypse gehörte. Bei mir zapfte die Warmastered Edition mühelos ein gewaltiges Nostalgiereservoir an, das sich schon seit einer Weile füllte, ohne ein Ventil zu haben.

Mich in eine Zeit zurückversetzen zu lassen, in der Action-Adventures noch in einer Sprache kommunizierten, die man einfach inhärent verstand, die man nicht jedes Mal aufs Neue lernen musste und die einem signalisiert, "hier bist du Zuhause". Das ist in diesem Herbst eines meiner Highlights. Lange nicht dagewesen. Schön wieder hier zu sein.

Entwickler/Publisher: KAIKO/THQ Nordic - Erscheint für: Xbox One, PlayStation 4, PC, Wii U - Preis: 19,99 Euro - Erscheint am: Erhältlich - Getestete Version: PS4 Pro - Sprache: Deutsch, Englisch und andere - Mikrotransaktionen: Nein

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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