Dinosaurier 2.0 - Die Maschinen in Horizon Zero Dawn

Gedanken über die Ausblicke auf eine fremde Welt - Teil 2.

Dies ist der zweite Artikel unserer Reihe, in der Science-Fiction-Autorin und Kolumnistin Claudia Kern (Geek!-Magazin, Homo Sapiens 404) über die postapokalyptische Welt von Horizon Zero Dawn und ihre Bewohner spekuliert. Wie es dazu kam? Wir haben uns einfach gefragt, was man über ein Spiel sagen kann, über das herzlich wenig bekannt ist. Dazu dann jemanden gefragt, der sich mit ins Fantastische gehenden Gedanken häufiger beschäftigt. Und das ist das Ergebnis. Ob es was mit dem Spiel zu tun hat? Hey, Zufallstreffer sind möglich. Aber das Konzept ist eigentlich nur die Screenshots zu sehen und dann eine Art Reverse Engineering des Storytellings zu betreiben. Und manchmal fragt man sich schon: Was war zuerst da? Das Artwork oder der Gedanke für die Geschichte dahinter?

So oder so, nicht zu viel drüber nachdenken (oder gerade doch), viel Spaß damit!

Dinosaurier ist eines dieser Worte, bei dem sich die Fantasie verselbstständigt. Man stellt sich unwillkürlich eine Landschaft mit riesigen Farnen und weiten Ebenen vor, über die Tiere so groß wie Häuser schreiten. Es ist ein wildes, lebendiges, lautes Land. Pterodaktylen ziehen kreischend am Himmel ihre Kreise, ein Brontosaurus stampft durch das Gras, das Brüllen eines wütenden Tyrannosaurus Rex hallt über die Savanne.

Aber in dieser Vorstellung schwingt immer auch ein wenig Melancholie mit. Wir wissen, dass diese Welt keinen Bestand haben wird, dass die Dinosaurier aussterben und uns nur Fossilien und Rätsel hinterlassen werden.

Bis heute können wir nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen, weshalb sie ausgestorben, beziehungsweise zu den weitaus weniger beeindruckenden Vögeln geworden sind. Klimaveränderungen nach einem Asteroideneinschlag, eine normale Abkühlung der Erde, die lange Brutzeit ihres Nachwuchses, Überspezialisierungen einzelner Arten - vieles könnte dabei eine Rolle gespielt haben. Wir wissen es einfach nicht.

Während wir in der realen Welt über das Ende der Dinosaurierherrschaft rätseln, geht es in Horizon Zero Dawn um deren maschinellen, ebenso mysteriösen Neuanfang:

Woher kommen die Roboterwesen?

Wieso sehen viele von ihnen aus wie Saurier?

Werden sie von jemandem oder etwas gesteuert und wenn ja, von wem und warum?

Bevor wir uns diesen Fragen und anderen widmen, sollten wir aber erst einmal klären, über was genau wir reden, also, was wir von den Bildern und Videos ableiten können.

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Eine der beeindruckendsten Maschinen ist der Tallneck mit seinem charakteristischen Tellerkopf.

Die Maschinen sind offensichtlich künstliche Wesen, die aus Hardware und Software bestehen - manche lassen sich hacken -, aber wie Tiere aussehen. Viele erinnern an Dinosaurier, manche auch an Büffel, Krebse, Krokodile oder Giraffen. Ihr Verhalten ähnelt ihren tierischen Vorbildern. Es gibt aggressive Raubmaschinen und passivere Beutemaschinen, die sich jedoch vehement verteidigen, wenn sie angegriffen werden.

Alle Maschinen scheinen friedlich zu koexistieren. Es gibt keinen Hinweis darauf, dass Raubmaschinen Artgenossen angreifen. Ihre Aggression richtet sich nur gegen Menschen. Natürlich vorkommende Ressourcen brauchen sie anscheinend nicht - sie fressen weder Pflanzen noch Tiere und treten somit nicht in Wettbewerb mit biologischen Wesen. Ihre Energieversorgung erfolgt vermutlich über die durchsichtigen, mit einer grünen Flüssigkeit gefüllten Röhren, die man an vielen (allen?) Maschinen sieht.

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Aloy konzentriert sich beim Kampf gegen die Maschinen häufig auf deren Energieversorgung.

Konkrete Aufgaben lassen sich nur bei "Watcher"- und "Shellwalker"-Maschinen erkennen. Watcher bewachen, wie ihr Name ja schon sagt. Shellwalker - Krebse, die große Kisten auf dem Rücken tragen - transportieren Dinge. Wo diese Dinge herkommen, ist eine Frage, die uns das Leben noch schwermachen wird.

Ein wenig aus dem Rahmen fallen die "Corruptor", eine anscheinend neue Gattung, die künstlicher als die anderen Maschinen wirkt. Corruptor unterwerfen Maschinen ihrem Willen und machen sie deutlich aggressiver. Wie genau sie das tun und ob sie damit einen Plan verfolgen (und ob der wiederum selbstgewählt oder fremdbestimmt ist), lässt sich momentan nicht sagen.

Insgesamt sind die Maschinen zwar lernfähig und passen ihre Taktiken denen des Gegners an, aber so intelligent wie Menschen erscheinen sie nicht. Aloy behandelt sie interessanterweise wie Tiere, nicht wie Maschinen. So entschuldigt sie sich bei einem Watcher, den sie umbringen muss, um eine andere Maschine als Reittier zu zähmen.

In Videos und auf Bildern waren bisher zwölf verschiedene Maschinenarten zu sehen. Wahrscheinlich werden noch andere hinzukommen.

Aber woher kommen sie alle?

Das ist eine sehr gute Frage mit einer ganzen Reihe möglicher Antworten. Im (letzten Artikel) hatte ich einige Spekulationen über das Ende der "Old Ones", der Menschen aus unserer Zeit, angestellt. Meine Lieblingstheorie war die: vernetzte Computersysteme entwickeln ein Bewusstsein, erheben sich gegen die Menschheit und vernichten sie fast vollständig.

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Aloy vor den Ruinen der alten Welt.

S-Markt brachte in den Kommentaren Naniten oder Nanobots ins Spiel, winzige, nur wenige Mikrometer große Roboter, die sich selbst replizieren und als Schwarm operieren. Ein solcher Schwarm könnte komplexe Strukturen bilden, ohne fremdgesteuert zu werden.

Die Idee ist aus verschiedenen Gründen sehr verführerisch. Zum einen fällt die Vorstellung, dass eine hochtechnisierte Gesellschaft die Kontrolle über ihre Nanobotschwärme verliert, nicht schwer. In Star Trek: Next Generation gibt es eine Folge mit Naniten und die Borg benutzen "Nanomaschinen", um ihre Opfer zu assimilieren. Nanobots tauchen in den Terminator-Filmen auf, in den Stargate-Serien, in Deus Ex und der Crysis-Reihe, und so weiter. In der Popkultur sind wir also damit vertraut und Entwicklerstudio Guerrilla Games müsste uns nicht umständlich und langwierig erklären, was Nanobots eigentlich sind.

Zum anderen kann man mit ihnen sehr einfach die Artenvielfalt der Maschinen erklären. Nanobots kommen in gewaltigen, Milliarden Minirobotern umfassenden Schwärmen zusammen und erschaffen komplexe, an die momentanen Bedingungen perfekt angepasste Strukturen. Später hinzukommende Schwärme füllen noch nicht besetzte Nischen aus und gehen teilweise symbiotische Beziehungen mit anderen Nanobotschwärmen ein. Zum Beispiel normalerweise friedliche Maschinen wie "Grazer" und Shellwalker mit den aggressiveren Watcher.

Dass man dafür keine zentrale Steuerung benötigt, beweisen die Fisch- und Vogelschwärme in unserer Welt, die aus den unterschiedlichsten Gründen - manchmal zur Jagd oder zur Verteidigung - mit ihren Körpern geometrische Formen bilden. Das einzelne Tier sieht nur, was unmittelbar neben, über und unter ihm passiert, und passt sein Verhalten daran an. Mit bemerkenswerten Resultaten.

Ähnlich funktionieren Laola-Wellen in Fußballstadien, auch wenn sie deutlich weniger spektakulär aussehen. Die Teilnehmer stehen dicht gedrängt zusammen und sehen nicht, was vier oder fünf Meter entfernt passiert, aber sie wissen genau, was sie zu tun haben, wenn die Personen neben ihnen die Arme hochreißen.

Im Gegensatz dazu stehen die Bilder, die Menschen bei Massenveranstaltungen - Nordkorea ist berühmt dafür - entweder mit ihren eigenen Körpern oder mit über den Kopf gehaltenen farbigen Platten entstehen lassen. Dahinter steckt eine Choreographie, die von wenigen gesteuert und von vielen exakt eingehalten wird. Nichts bleibt dem Zufall überlassen, jede Bewegung ist einstudiert, sozusagen vorherbestimmt.

Ein chaotisches System auf der einen Seite, ein strikt geordnetes auf der anderen. Evolution vs. Schöpfung.

Was davon trifft auf die Maschinen in Horizon Zero Dawn zu? Sind sie durch einen chaotischen, evolutionären Prozess entstanden oder hat sie jemand nach einem konkreten Plan erschaffen? Steht ein intelligenter Schöpfer hinter ihnen?

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Watcher bei der Arbeit.

Die Nanobots ließen sich in beiden Systemen einsetzen, als Erschaffer, als Erschaffene oder als eine Mischung aus beidem. In letzterem Fall hätte ein Schöpfer sie mit einer rudimentären Programmierung versehen und ihnen den Rest selbst überlassen. So lange sie innerhalb der von ihrer Programmierung bestimmten Parameter bleiben, können sie eigenständig vorgehen und beliebige Strukturen bilden. Dass die uns vertraut sind, an Dinosaurier, Krokodile, Krebse oder Büffel erinnern, wäre nicht einmal verwunderlich. Diese Formen haben sich schließlich etabliert, weil sie besser an ihre Umwelt angepasst waren als andere, in manchen Fällen - wie bei Krokodilen - so gut, dass sie sich seit Millionen Jahren nicht verändert haben.

Doch das Bilden von Strukturen spricht leider nicht nur für, sondern auch gegen die Nanobottheorie. Wenn sie tatsächlich beliebige bilden können, warum sind dann so viele gleich? Alle Grazer sehen aus wie Grazer, richtig? So als kämen sie vom gleichen Fließband. Und warum erschaffen die Nanobots nicht einfach eine neue Panzerung, wenn Menschen ihre alte zerstören? Oder fügen im Kampf kurz einen Speerarm hinzu, um ihren Gegner zu erstechen? Oder lösen ihre Struktur einfach auf? Warum sieht man in keinem Trailer eine Maschine, die sich selbst heilt? Halten die Entwickler diese Bilder absichtlich zurück, um uns nicht zu spoilern, oder gibt es sie nicht?

Natürlich kann man die ganzen Fragen irgendwie beantworten. Der Energieaufwand, um einen neuen Arm zu bauen, ist so hoch, dass sich das im Kampf nicht machen lässt. Oder der Vorgang dauert zu lange. Die Nanobots lösen ihre Struktur nicht auf, weil ihre Programmierung vorschreibt, sie beizubehalten. Alle Grazer sehen gleich aus, weil die Schwärme einander kopieren, und so weiter.

Aber wenn man den Nanobots alles nimmt, was sie so cool macht, wieso nicht ganz auf sie verzichten und stattdessen traditionelle Roboter benutzen? Auch sie können in einem chaotischen wie in einem geordneten System existieren, schränken uns also nicht ein, und an der Frage nach ihrer Herkunft ändert sich nichts. Hinzu kommt, dass man sich als Entwickler eine Erklärungsebene spart. Keine Naniten, nur Hardware plus Software plus Energie - das war's.

Probieren wir das mal aus. Am Anfang stehen miteinander vernetzte Computersysteme, die ein Megahirn bilden. Das Zeitalter der Menschheit ist vorüber, das der Maschinen bricht an - die wahre digitale Revolution.

Und dann?

Warum sollte ein Megahirn die Erde mit Maschinen bevölkern wollen? Vielleicht um eine maschinelle Gegenrevolution zu starten, die sich mit der biologischen messen soll? Die Idee hat einige Vorzüge. Neugier, Spieltrieb, die Lust am Ausprobieren - das alles sind wichtige Bestandteile von Intelligenz. Das Megahirn erschafft kurz nach der Vernichtung der menschlichen Zivilisation einige simple Maschinen und lässt sie auf die Welt los. Sobald eine Maschine "stirbt", schickt sie ihre Daten an eine von mehreren Konstruktionsanlagen. Dort werden automatisch Lebensdauer und Todesursache ausgelesen und die nächste Maschinengeneration in dieser Hinsicht verbessert.

Die Maschine wurde vom Pfeil eines Menschen durchbohrt? Dann wird ihre Panzerung verstärkt. Die Maschine ist bei Nebel in eine Schlucht gestürzt? Könnte reines Pech sein, also wird nichts unternommen. Zehn Maschinen stürzen bei Nebel in eine Schlucht? Die Sehkraft wird erhöht. Bis zu dem Zeitpunkt, an dem Aloy die Welt betritt, haben die Maschinen sich dadurch so weit verbessert, dass es bei den meisten nur noch eine Schwachstelle gibt. Und wenn auch die "gepatched" wird, dann hat die Menschheit ein Problem.

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Der ungleiche Kampf zwischen Mensch und Maschine.

Das ist zwar keine Evolution im eigentlichen Sinne, aber dieses halbchaotische System würde ohne direktes Eingreifen des Megahirns funktionieren und damit Micro-Management vermeiden. Und es würde das Megahirn nicht zu einem verbissenen Skynet-Klon machen, sondern zu einem spielerischen... okay, leicht sadistischen... Wesen, das die Welt wie eine Simulation laufen lässt. Sim World 3000.

Damit kann man sogar den Corruptor als eine evolutionäre Fehlentwicklung (oder Wunderwaffe?) erklären, die für ein vorzeitiges Ende des Wettstreits sorgen könnte. Auch am Watcher scheitert sie nicht, denn obwohl er eine Aufgabe hat, könnte man sie als Symbiose ungefähr so erklären: Watcher, die im Verbund mit anderen, größeren Maschinen auftreten, werden selbst seltener angegriffen, daher liegt es in ihrem Interesse, sie zu schützen.

Beim Shellwalker stößt sie allerdings an ihre Grenzen. Alles könnte so schön sein, wenn es ihn nicht gäbe - so wie Star Wars ohne Jar Jar Binks (na gut, ohne Episode 1 - 3, wenn man das sehr ernst nehmen will). Dass er eine Kiste auf dem Rücken trägt, in der sich unterschiedliche Gegenstände befinden, sorgt für ein paar Probleme: Wo kommen die her? Wer hat sie hineingelegt? Wo bringen die Shellwalker sie hin?

Es wäre möglich, dass Shellwalker einfach gerne Sachen herumtragen und deshalb welche aufsammeln, sie in Kisten legen und damit loslaufen. Dass alle Kisten, die bisher aufgetaucht sind, gleich aussehen, macht dieses Szenario nicht gerade wahrscheinlicher.

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Shellwalker - wandelnde und wehrhafte Schatzkisten.

Man muss also davon ausgehen, dass sie die Kisten irgendwo bekommen. Entweder sind sie da schon gefüllt oder die Shellwalker füllen sie auf ihren Streifzügen durch die Welt mit Gegenständen aus der Vergangenheit, Teilen vernichteter Maschinen und anderem. Und die bringen sie dann an irgendeinen Ort. Das setzt einen Auftraggeber voraus, entweder konkret im Sinne eines Individuums oder indirekt als Teil seiner Programmierung. Und das bedeutet wiederum, dass zumindest Shellwalker aus einem bestimmten Grund in diese Welt gesetzt wurden und sich nicht einfach in ihr entwickelt haben. Vielleicht sollen sie Ressourcen sammeln, um die Herstellung weiterer Maschinen zu erleichtern, vielleicht sind sie auf der Suche nach etwas. Jedenfalls ist ihr Verhalten mit einer konkreten Aufgabe verbunden. Und das passt nicht zu einem Schöpferwesen wie dem Megahirn, das eine neue Evolution anwirft und dann laufen lässt. Dieser Schöpfer mischt sich ein.

Wie wäre es mit dem alten Allheilmittel Außerirdische? Die schicken ein vollautomatisches Schiff, das die menschliche Zivilisation mit EMP-Waffen ausschaltet und am Boden Konstruktionsanlagen errichtet. Dort werden Maschinen gebaut, die auf ihre Weise perfekt an die Umweltbedingungen der Erde angepasst sind. Man konstruiert unterschiedliche Spezies, um auf alle Eventualitäten vorbereitet zu sein.

Shellwalker sammeln Ressourcen, Watcher bewachen sie, die Raubmaschinen halten die verbliebenen Menschen in Schach - und vielleicht auch davon ab, bestimmte Gegenden zu betreten -, andere warten auf ihren Einsatz. Vorstellbar wäre eine Art Alienforming (Terraforming kann man das ja schlecht nennen) bei dem der Planet auf eine Besiedlung durch Außerirdische vorbereitet werden soll - etwa so wie in Krieg der Welten, nur sehr viel langsamer. Da die Vorbereitungen fast abgeschlossen sind, wird der Corruptor losgelassen, um die anderen Maschinen mit seinem aggressiven Virus (der "Corruption" oder zu deutsch "Verderbnis") zu infizieren und die Ausrottung der Menschheit zu beschleunigen.

Nachteile dieser Theorie sind, dass sie

a) ein bisschen behämmert klingt

b) es keinen sichtbaren Beweis eines Alienforming gibt.

Letzteres muss kein Ausschlusskriterium sein. Die Veränderungen könnten sich im Verborgenen abspielen und durch einen Knopfdruck, wenn alles abgeschlossen ist, ausgelöst werden. Möglich wäre das zwar, aber die Idee gefällt mir nicht, weil sie zu viele Zutaten aus unterschiedlichen Genres benötigt. Die meisten Spieler sind wie Leser und Zuschauer nur bereit, in eine neue Welt einzutauchen, wenn ihre Regeln Sinn ergeben und eine gewisse Genre-Kontinuität beibehalten wird..

Horizon Zero Dawn sagt mit jedem Bild und jedem Video ganz deutlich: "Hallo, hier kämpfen Steinzeitmenschen gegen Robosaurier. Kommt rein und löst das uralte Rätsel dieser Welt". Das ist die Prämisse und irgendwann im Verlauf des Spiels Außerirdische einzuführen, würde nicht nur den Fokus von diesem klar definierten Konflikt nehmen, sondern das Abkommen, das Entwickler und Spieler miteinander getroffen haben, um einen ungewollten Punkt erweitern. Das ist ein bisschen, als würde man im Geschäft eine Computermaus kaufen und an der Kasse eine Perserkatze dazu bekommen. Ja, manchmal passen Katze und Maus zusammen, aber nicht in diesem Fall.

Aber nicht nur Außerirdische könnten die Maschinen steuern, sondern auch Menschen. Vielleicht ist nicht die ganze Menschheit in eine neue Steinzeit zurückgefallen, sondern nur der Großteil. Stellt euch eine Welt wie in Elysium vor. Neunundneunzig Prozent der Menschheit leben unter erbärmlichsten Umständen, die Städte sind zu Kloaken und Armenhäusern verkommen. Das eine Prozent hat sich zurückgezogen, nicht unbedingt ins All, aber an einen sicheren Ort. Von dort aus zünden sie die EMP-Bombe, vielleicht gepaart mit irgendeinem Horrorvirus, um die unerwünschten neunundneunzig Prozent loszuwerden.

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Von der Menschheit ist nicht viel geblieben.

Der Plan geht fast auf, nur wenige Menschen überleben das Chaos und die Seuchen. Die Ein-Prozent-Elite bevölkert die Welt mit riesigen Maschinen, die ihnen außerdem als Avatare dienen. Sie wollen als neue Schöpfer eine Welt aufbauen, die im Gleichgewicht ist und in der die Menschen niemals wieder die Oberhand bekommen werden - natürlich außer ihnen selbst, denn sie halten sich für überlegen.

Sie wollen Götter sein, was auch Unsterblichkeit bedeutet. Und so werden sie mit der Zeit immer mehr selbst zu Maschinen. Doch einer von ihnen macht das Spiel nicht mehr mit, ob aus Langeweile, Frustration oder Wahnsinn. Er will die Menschheit endgültig auslöschen, inklusive seines eigenen Volks, und eine reine Welt der Maschinen erschaffen. Dazu konstruiert er die Corruptor, der mit seinem Virus die Maschinen infizieren soll. Und die menschliche Elite, die ihnen so nahe gekommen ist.

Mir gefällt an dieser Theorie, dass die Prämisse gut zum Zeitgeist passt, aber die Gründe, aus denen die Elite die Maschinen erschafft, sind nicht ganz schlüssig. Natürlich könnte man argumentieren, dass jeder, der in der Lage wäre, diese Maschinen zu bauen, das auch tun würde, so wie Bergsteiger argumentieren, dass man einen Berg besteigen muss, ganz einfach, weil er da ist, aber das ist mir zu wenig. Und es kommt der letzten Theorie, bei der ich inständig hoffe, völlig daneben zu liegen, gefährlich nahe - der Matrix-Theorie.

Die geht davon aus, dass Aloy, die anderen Menschen und die Maschinen in einer Computersimulation leben, die von hochtechnisierten Menschen inszeniert wurde, um eine biologische und eine maschinelle Evolution aufeinander zu hetzen. Bei Aloys Programmierung ist allerdings etwas schief gegangen, sodass sie anfängt, ihre Welt in Frage zu stellen und nach einem Ausweg zu suchen. Dass so etwas funktionieren kann, beweist Westworld, wo einige Figuren genau das erleben, und es wirft auch interessante Fragen nach Realität und Identität auf. Woher wissen wir, dass unsere Welt real ist und nicht nur eine Illusion? Würde es einen Unterschied machen, wenn wir, wie Elon Musk schon einmal spekuliert hat, nur eine Simulation wären? Macht das unser Leben weniger wichtig?

Was wäre, wenn dies eine Simulation des Megahirns wäre, das sie im Moment seines Erwachens laufen lässt, um zu entscheiden, wie es als nächstes vorgehen soll. Tausend Jahre in einem Sekundenbruchteil.

Interessant wäre das natürlich, aber auch sehr enttäuschend. Und es würde das Rätsel der Welt nur um eine Ebene verschieben, denn wenn diese Welt eine Simulation ist, was liegt dann hinter ihr?

Stephen Hawking erzählte einmal von einer alten Frau, die nach einem Vortrag zu ihm kam und sagte: "Ihre Theorien über das Universum sind ja sehr interessant. In Wirklichkeit ruht die Welt jedoch auf dem Rücken einer riesigen Schildkröte."

Hawking fragte sie daraufhin: "Und was ist unter der Schildkröte?"

Aber die alte Frau sagte: »Sehr clever, junger Mann, aber die Schildkröten reichen bis ganz nach unten."

In Horizon Zero Dawn wird das nicht der Fall sein, da bin ich mir sicher. Ich halte es mit der Theorie eines Megahirns mit Gottkomplex, das die Erde mit seiner Schöpfung bevölkern will. Aber ob die Maschinen sich nun selbst erschaffen haben, von Menschen oder Außerirdischen erschaffen wurden, in einem chaotischen oder einem geordneten System existieren, der Evolution unterworfen sind oder einem Schöpfer, Aloy wird ihr Rätsel lösen - und wir mit ihr.

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Über den Autor:

Claudia Kern

Claudia Kern

Freier Redakteur

Claudia Kern sah Star Trek mit vier, Dawn of the Dead mit zwölf und Mad Max mit vierzehn. Sie vergeigte ihre erste Anglistikklausur, weil sie die Nacht zuvor Starcraft spielen musste. Zum Schreiben kam sie durch die Bastei-Serien Professor Zamorra und Maddrax. Während sie einen Druiden in World of Warcraft auf Level 100 brachte, schaffte sie es irgendwie, eine Fantasy-Trilogie, zwei historische Romane und den SF-Vierteiler Homo Sapiens 404 zu schreiben, in dem endlich drei Dinge zusammen kamen, die eigentlich schon immer zusammen gehörten: Aliens, Zombies, Internet.

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