Splatoon 2 und erste Eindrücke von der Switch

Unverhofft, aber gut: Diese Reihe muss einfach weitergehen.

Vor gut eineinhalb Jahren startete Splatoon ein wenig schwachbrüstig. Wenig Content, Schwächen im strukturellen Korsett und allgemein das Gefühl, dass es etwas zu früh herauskam, schmälerten meine Begeisterung eingangs ein wenig. Seit dem Startschuss hat Nintendo aber so gut wie alles richtig gemacht und einen Support geliefert, den man von der in Sachen Netzgeschichten häufig sehr konservativen Firma nicht gewohnt ist. Die irrsinnig unterhaltsame und erfrischend andersartige Farbkleckserei ist mittlerweile eine charakterstarke Marke, die im Helden-Portfolio des Kyotoer Konzerns eine bislang klaffende Lücke füllt. Wirklich gerechnet hatte ich mit einem Nachfolger zwar noch nicht, aber ich bin sehr froh, dass die Switch recht bald nach dem Start einen bekommt.

Auf Nintendos Berliner Event zur neuen Konsole konnte ich das erste Mal Gerät und Spiel ausprobieren. Die gewaltige Anspielinsel bot sowohl an TVs angedockte Switches als auch zum Handheld transformierte. Erste Notiz: Auf dem Fernseher fehlte es dem Titel deutlich an Anti-Aliasing. Hübsch war es zwar trotzdem, vor allem, weil es mit 60 Bildern pro Sekunde sehr flüssig lief und die Physik der Farbfontänen nach Spaß aussah. Aber die Sägezahnbildung an Polygonkanten war verhältnismäßig auffällig. Zweite Notiz: Auf dem Bildschirm der Switch sieht man davon herzlich wenig. Es sieht schlichtweg fantastisch aus. Tatsächlich spielt der Screen nach meinem Dafürhalten in einer Liga mit dem der ersten PlayStation Vita - und ist dabei ungleich größer.

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Der Farbroller ist immer noch der König der Kleckerserei. Im Hintergrund seht ihr übrigens die neue Waffe in ihrem Jetpack-Modus.

Nächste Notiz: Das Gerät liegt wirklich gut in der Hand, ist nicht zu schwer und wirkt toll verarbeitet. Die asymmetrische Stick-Anordnung funktioniert für diesen unkonventionellen Shooter gut und ich hatte nicht das Gefühl, wie bei meiner geliebten Vita Abstriche bei der Genauigkeit machen zu müssen. Dass bei Splatoon 2 weiterhin über die Bewegungssensoren gezielt wird, machte den Umstieg auf den neuen Teil denkbar leicht.

Unsortierte Gedanken, die mehr mit dem Gerät an sich als mit dem Spiel zu tun haben: 1.) Ich weiß nicht, was ich vom neuerdings segmentierten Steuerkreuz halten soll - das besteht nun aus auf den ersten Blick etwas zu klein wirkenden Einzeltasten. Ein Street-Fighter-2-Viertelkreis scheint mir damit ausgeschlossen. Nun ja, dafür ist wohl der Pro-Controller gemacht. 2.) Ich sollte mich eigentlich nicht darüber wundern, schließlich sind die Joy-Con nicht mit dem Display verschraubt, sondern nur drangesteckt. Aber dass die angesteckten Controller-Komponenten etwas "Flex" haben, sich also etwas auf und ab biegen lassen, bereitet mir schon ein bisschen Sorgen. Dann wiederum hatte ich das Gefühl, dass man sich schon mittig draufsetzen müsste, damit was Schlimmeres passiert, und das ist auch mit Tablets von eher monolithischem Charakter niemals empfehlenswert. 3.) Mein Tablet war verkabelt, wurde also mit Strom versorgt. Wird Splatoon 2 auch ohne Stromquelle, also im runtergetakteten Modus, mit 60 FPS laufen? Ich weiß, bis zum März ist es eigentlich nicht mehr lange hin, bei derart brennenden Fragen kann er aber irgendwie doch nicht früh genug kommen.

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Die Inklinge sind ein bisschen älter geworden.

So oder so - es war mir eine Freude, Splatoon im Handheld-Modus des Switch zu erleben. Tatsächlich trifft der Bildschirm den "Sweet-Spot" zwischen Größe und Mobilität ziemlich gut. Er wirkt größer, als er ist - vermutlich weil Generationen von Taschenspielern und auf Diagonalen deutlich unterhalb der 5-Zoll-Größe konditionierten -, und gibt mehr als genug Übersicht her. Ich hatte nicht das Gefühl, unter einem Handicap zu operieren.

Das Spiel gleicht seinem Vorgänger im Ablauf aufs Haar und erzeugt damit weiter einen schlicht einzigartigen Flow, wenn man in dem "umgedrehten" Shooter" statt auf die Feinde eher auf die Karte anlegt. Auch in Sachen Fortbewegung bleibt diese Reihe ihr eigenes Ding. Als bunter Tintenfisch schwimmt man durch die Pfützen der eigenen Teamfarbe, um Treffern zu entgehen, hinter Angreifer zu gelangen oder einfach nur sein Farbreservat aufzufüllen. Für einen nummerierten Nachfolger mag es nicht allzu aufregend klingen, wenn sich die zentrale Neuerung neben den üblichen frischen Maps und Outfits bislang in einer neuen, zugegebenermaßen coolen Waffe erschöpft. Die Duo-Kleckser sind schnell feuernde, sparsame Pistolen, die man als Jetpack zweckentfremden darf, das einen kurz in die Höhe katapultiert (Scharfschützen reiben sich schon die Hände). Aber sie ergänzen den Ablauf gut. Klingt mager, muss es aber nicht sein.

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Die Karte ist nun notgedrungen versteckt und mit dem Steuerkreuz aufrufbar.

Denn zwei Dinge sind hier wichtig - vollkommen ungeachtet der Tatsache, dass wir sicher noch längst nicht alles über Splatoon 2 gehört haben: Obwohl sich die Reihe unter Wii-U-Besitzern großer Beliebtheit und Weiterverbreitung erfreut, muss sie sich beim Rest der möglichen Zielgruppe erst noch etablieren. Dass man dabei nicht allzu weit vom erfolgreichen Weg des Erstlings abweicht, ist nicht weiter verwunderlich, auch wenn die Frage erlaubt sein muss, ob man sich mit der "2" im Titel einen Gefallen getan hat, wenn man neue Spieler für die Reihe einnehmen möchte. Und dann ist da noch die Tatsache, dass sich der erste Teil im Laufe der Zeit drastisch veränderte und den Spielgewohnheiten der Community anpasste. Die Chancen stehen gut, dass Nintendo genau das für den Nachfolger wiederholen und ein langlebiges, immer frisches Multiplayer-Phänomen erzeugen möchte. Gerade, wenn man die Spieler an den neuen bezahlpflichtigen Online-Dienst binden will.

Splatoon 2 scheint sich seinen beschwipsten Vibe auch im Sprung auf die Nachfolgekonsole bestens konserviert zu haben und macht auch auf dem kleinen Bildschirm eine gute Figur. Ob die Nummerierung euch nun seltsam erscheint oder nicht: Diese Reihe muss weitergehen, alleine schon, um Nintendo weiter zur Erfindung neuer Marken abseits von Mario und Zelda zu animieren. Letztes Jahr um diese Zeit meldete der Konzern 4 Millionen verkaufte Exemplare dieses Shooters, wie ihn nur Nintendo machen konnte. Seinerzeit hatte demnach ein Drittel der Wii-U-User Splatoon gekauft. Kaum auszudenken, was mit dieser Reihe möglich ist, wenn sie eine größere Bühne bekommt als Nintendos glücklosen Wii-Nachfolger.

Entwickler/Publisher: Nintendo - Erscheint für: Nintendo Switch - Geplante Veröffentlichung: Sommer 2017

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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