Fire Emblem Heroes: Mehr Fortsetzung als Spin-off

Jetzt auch auf dem Marthphone.

Nintendos Smartphone-Offensive ist in vollem Gange. Ob man der Runner-Transformation des berühmten Klempners nun etwas abgewinnen kann oder nicht: Über 78 Millionen Downloads von Super Mario Run sprechen eine klare Sprache. Smartphone-User wollen Nintendo-Marken auf ihren Telefonen spielen. Nun gut, der Titel, der am besten auf den Immer-und-überall-Gedanken eines mobilen Begleiters passt - Animal Crossing - wurde jüngst auf Nintendos Geschäftsjahr 2018 verschoben, erreicht uns also nicht vor April dieses Jahres. Aber mit Fire Emblem Heroes kommt ja schon heute Nachschub, der, wenn die Vorgänger ein Maßstab sind, uns eine Weile bei Laune halten könnte.

Um herauszufinden, wie sich die Macher von Fire Emblems die Transformation auf Touch-Bildschirme vorstellen, haben wir exklusiv Kouhei Maeda (Director der Hauptreihe seit Awakening) von Intelligent Systems und dem Produzenten Shingo Matsushita von Nintendo ein paar Fragen gestellt. Und wie sich herausstellt, ist es Nintendo sehr ernst, die Reihe ohne größere Umsetzungsverluste und gewissermaßen gleichberechtigt auf Smartphones weiterzuführen. Diesmal zuerst auf Android, die iOS-Version folgt später [Korrektur: Anders als zunächst kommuniziert, erschien die iOS-Version doch zeitgleich mit der Android-Ausgabe].

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Der Look kommt auf Smartphones gut zur Geltung...

Am brennendsten interessierte uns zunächst natürlich, wo in welcher Verbindung Fire Emblem Heroes zum Rest der Reihe steht, wo es ansetzt. Matsushita dazu: "Jedes der Spiele der Reihe ist in seiner eigenen Welt angesiedelt und hat seine eigene Geschichte. Fire Emblem Heroes ist mit allen von ihnen verbunden. Die Geschichte selbst ist komplett neu, sodass auch Neueinsteiger in die Serie sie genießen können". Fans freuen sich demnach auf viele Wiedersehen mit bekannten Gesichtern, wie Maeda ergänzt. "Ich schrieb die Geschichte speziell für Fire Emblem Heroes. Die Spieler reisen durch die Welten der Hauptspiele der Reihe und treffen die Charaktere, die in ihnen leben. Das ist etwas, worauf sich die Spieler freuen können, die mit früheren Fire-Emblem-Spielen vertraut sind."

Die Geschichte: In der Welt von Zenith kämpfen die Wächter von Askr gegen das Emblanische Imperium. Die wiederum nutzen die in Zenith vorhandenen Portale zu den übrigen Fire-Emblem-Welten, um deren Helden zu versklaven, damit sie an ihrer Seite kämpfen. Mittels eines magischen Relikts ist der Spieler in der Lage, ebenfalls Helden aus diesen Welten zu beschwören, damit sie sich auf die gute Seite stellen. Im Grunde klingt diese Idee nach einem Welten-Crossover, wie man sie sonst von Square-Enix und Final Fantasy kennt. Allerdings will man sich in Heroes nah an den zentralen Gameplay-Werten der Originale orientieren. Die Unterschiede sind allesamt dem Medium Smartphone geschuldet.

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Gerade die Vollbildporträts können sich sehen lassen.

"Die Designphilosophie und der zentrale Spielfluss sind identisch mit den früheren Titeln der Reihe", erzählt Maeda. "Dasselbe Entwicklungsteam, das an den früheren Spielen der Reihe arbeitete, ging mit der gleichen Einstellung an dieses Projekt, als würden sie einen komplett neuen Titel in der Hauptreihe erschaffen." Worte, die Fans immer gerne hören, vor allem, wenn wie bei vielen Smartphone-Umsetzungen zu befürchten steht, dass die Entwicklung an eine dritte Partei ausgelagert wurde. Dies ist hier nicht der Fall. Dennoch gibt Matsushita die Unterschiede in der Herangehensweise zu bedenken.

"Zwischen den Smartphones und Spielkonsolen gibt es Unterschiede, wenn es um die Umgebung geht, in der die User spielen, in den Features der Geräte und bei den Geschäftsmodellen." Das Spiel sei in Berücksichtigung dieser Unterschiede entworfen worden. Vor allem die veränderten Spielgewohnheiten. "Bei Smartphone-Spielen ist die Spielzeit häufig in kleinere Abschnitte segmentiert, weil man von Telefonanrufen, E-Mails oder Social-Media-Nachrichten unterbrochen werden kann."

Für Intelligent Systems war diese neue Herangehensweise eine Umstellung. "Weil wir an die Entwicklung für Konsolen gewohnt sind, mussten wir genau auf diese Sorte Gegebenheiten achtgeben, als wir das Spiel für Smartphones entwarfen. Uns war besonders wichtig, dass das Spiel auch in kurzen Sessions Spaß macht und dass die Steuerung auch nur mit einem Touch-Screen gut funktioniert. Aus geschäftlicher Sicht mussten wir uns fragen, wie wir es schaffen, die Spieler so zu motivieren, dass sie immer mehr wollen und mit Spaß dabei bleiben." Auch das wohl ein Schlüsselfaktor, wenn der Titel - wie schon Super Mario Run - "Free to start" ist, wenngleich der Begriff Free-to-play hier ebenfalls angebracht wäre.

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Alte Bekannte und neue Gesichter erwarten euch in diesem Quasi-Best-of.

Die zentrale Währung im Spiel sind Sphären. Mit ihnen beschwört man Helden, füllt seine Ausdauer wieder auf, spielt nach einem Game-over weiter oder rüstet die Burg der Wächter auf, die Zentrale für den Spieler. Sphären bekommt man nicht nur gegen Geld im Google Play Store, sondern für das Bestehen in einer Schlacht, durch regelmäßiges Einloggen und indem man in der Kampagne weiter voranschreitet. Bislang lässt sich keine Aussage treffen, ob das Bezahlmodell fair gehandhabt ist, das werden die kommenden Tage und Wochen zeigen. Die Klarheit einer einzigen Währung, von der man hier und da auch so ein paar Einheiten bekommt, weiß ich aber schon mal zu schätzen.

Im Sprung auf Mobile-Devices will Fire Emblem Heroes spielerisch einen interessanten Spagat schlagen, der am Ende wohl über Erfolg und Misserfolg des Spiels - vor allem auch seine Position im Kontext der Serie - entscheiden wird. "Die größte Herausforderung war, zu entscheiden, wie weit wir es vereinfachen konnten", erinnert sich Matsushita. "Es wird höchstwahrscheinlich eine Menge User geben, die mit ihren Smartphones zum ersten Mal ein Fire Emblem erleben, und wie ich bereits sagte, ist dies eine Spielumgebung, in der man einen Titel ganz anders erlebt. Wir waren der Ansicht, um darauf zu reagieren, wäre Zugänglichkeit wichtig. Das war also unsere erste Herausforderung: das Spiel zugänglich zu gestalten."

Dies nimmt in erster Linie die Form nur noch sechs mal acht Felder großer Maps an, die in Gänze auf den Bildschirm eines Smartphones passen. Abstriche für die Spielbarkeit sieht Matsushita keine. "Selbst bevor wir das ausprobierten, war ich zuversichtlich, dass wir die Spieltiefe auch auf so einer kleinen Karte voll beibehalten konnten. Denn auch Advance Wars, eine andere Intelligent-Systems-Marke, bot damals schon kleine, aber trotzdem sehr strategische Maps." Bin ich der Einzige, dem die bloße Erwähnung von Advance Wars ein Lächeln auf die Lippen zaubert? Ist für die Reihe am Ende doch noch nicht aller Tage Abend?

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Trotz dem Format geschuldeter Vereinfachungen will Maeda die Spieltiefe der Reihe bewahren.

Maeda betont unterdessen, wie wichtig es ihm war, den Geist und den Spaß der "großen" Fire Emblems zu bewahren. "Ich glaube, in dieser Hinsicht helfen uns zwei Schlüsselfaktoren: die Zuneigung, die die Fans zu all den verschiedenen Figuren der Reihe verspüren, und der Spaß, der aus der Strategie entsteht. Nichts von beiden wollten wir kompromittieren und sichergehen, dass sie auch auf dem Smartphone wirklich zur Geltung kommen. Somit entwickelten wir viele Features, die das unterstützen."

Dazu gehört zweifelsohne das Schloss der Wächter von Askr, das als zentraler Hub des Spiels fungiert. Ihr rüstet nicht nur diese Heimstatt immer weiter auf, sondern redet hier auch mit rekrutierten Helden und entscheidet, ob es in der Story, dem Übungsmodus, auf Spezialkarten mit bestimmten Bedingungen oder im Multiplayer-Modus weitergehen soll. Dazu kommt ein Einheitenbildschirm, auf dem ihr bis zu fünf vierköpfige Helden-Eingreiftruppen vorkonfiguriert, um auf diverse taktische Gegebenheiten vorbereitet zu sein. Auch levelt ihr eure Helden hier auf. Für ein Mobile-Spiel gibt es offenbar eine Menge Ebenen, auf denen man sich mit Heroes auseinandersetzen kann.

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Leider wieder Always-on. Städtern ist's mehr oder weniger egal. In weniger gut vernetzten Gebieten spielt man dadurch aber wohl weniger frei und entspannt.

Gleichzeitig sehen die Macher in der neuen Darreichungsform eine Chance. Viele Dinge seien so nur durch die Smartphone-Umsetzung möglich gewesen. Der stetige Zufluss an neuen Figuren ist eine Sache, die Matsushita nennt. Ebenso die Möglichkeit, den Titel auf jedem anderen Device mit Nintendo-Account weiterzuspielen, sei erst jetzt durch die Mobile-Version möglich geworden. "Wir haben bereits angekündigt, dass die Charaktere, die den "Choose your Hero"-Wettbewerb gewinnen, zum Spiel hinzustoßen werden", fügt Maeda hinzu. "Dank der Smartphones können wir direkt auf die Reaktionen und Wünsche der User eingehen und alle möglichen interessanten neuen Dinge durch Updates integrieren. Ich hoffe, Fire Emblem Heroes wird ein solches, sich immer weiter entwickelndes Spiel sein."

Matsushita und Maeda scheinen in jedem Fall ganz bei der Sache gewesen zu sein, als sie sich Gedanken um die Umsetzung machten, und zeigen sich deshalb auch ziemlich stolz auf den jüngsten Ableger der Reihe. "Ich bin stolz darauf, dass es ein Fire-Emblem-Spiel geworden ist, das man auf einem einzigen Bildschirm spielen kann - und auf die große Zahl an Charakteren zur Veröffentlichung. Außerdem bin ich nicht nur stolz, sondern auch froh, dass Nintendo dieses Spiel mit dem Team der Fire-Emblem-Reihe entwickelte", so Matsushita. Da stimmt auch Maeda zu und ergänzt: "Das hier ist ein brandneues Spiel in der Fire-Emblem-Hauptreihe, von den selben Leuten, die Fire Emblem Awakening und Fire Emblem Fates gemacht haben. Ich hoffe wirklich, ihr werdet es ausprobieren."

Halten wir also fest: Keine Auslagerung an ein fremdes Studio und eine stringente Vision davon, wie das neue Format umzusetzen ist. Zwar gibt es auch in Fire Emblem Heroes wieder die lästige Online-Pflicht, die schon längere Zugfahrten mit Super Mario Run zur Zitterpartie machten. Sofern sich das Geschäftsmodell aber als fair entpuppt, werden die Fans wohl ein Auge zudrücken. Denn "ein neues Spiel in der Fire-Emblem-Hauptreihe" und dann noch für ein Gerät, das man immer und überall dabei hat - das klingt fast zu gut, um wahr zu sein.

Entwickler/Publisher: Intelligent Systems/Nintendo - Erscheint für: Android, iOS - Geplante Veröffentlichung: 2. Februar

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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