REZ Infinite - Vinyl Soundtrack Rezension

Komponist: Various Artists

Label: iam8bit

Stil: Techno mit Trance-Elementen

Erhältlich über: Amazon, Label, Discogs

Das Spiel: Eine digitale Bewusstseinserweiterung.

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Editionen: eine Platte - oder vielmehr ein Set - für Sammler. Nicht ganz preiswert, mit Versand müsst ihr sogar neu um die 90 Euro einplanen, aber in der Aufmachung legendär. Ihr bekommt ein in Leinen gebundenes Hardcover-Buch im LP-Format in einem designten Plastikschuber. Das hochwertige Papier ist ebenfalls leinengebunden. Auf etwa 50 Seiten habt ihr enorm hochwertige Artworks und die durchaus interessant zu lesende - nur Englisch - Entstehungsgeschichte des Spiels, die sich in erster Linie natürlich um den Soundtrack dreht. Inhaltlich wie optisch eine Zierde für jede Sammlung. Die Vinyl selbst sind natürlich 180 Gramm schwer und in poppigen Orangetönen gehalten. Dazu gibt es noch eine 7" im Clear-Splatter-Look, allesamt in vielleicht etwas zu engen Pappschubern im Buch selbst eingebunden. Ich habe immer ein wenig Angst, sie zu zerkratzen, wenn ich sie herausnehme oder wieder verstaue. Trotzdem, ein absolutes Highlight der jungen Gaming-Vinyl-Kunst. Es gibt eine auf 1000 Stück limitierte Picture-Disc-Edition, die aber so ausverkauft ist, wies es nur sein kann.

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Angehört

Seite A: Jap, das ist REZ, kein Zweifel. Wenn es klingt wie eine richtig nette Rave von vor 15 Jahren, ist es wohl REZ. Und wenn mir Leute dann immer erzählen, dass Techno doch viel größer geworden ist, statt zu verschwinden, denn es gibt ja EDM, möchte ich sie nicht hauen, weil ich ein friedlicher Mensch bin. Stattdessen habe ich jetzt die REZ Infinite, die ich ihnen vorspielen kann. Das ist guter Techno. Melodischer Techno, teilweise ein wenig Sample-heavy. Aber ohne Zweifel Techno. Dass sich das Spiel dem zärtlich annähert, merkt man mit den ersten beiden Tracks, die ihre Beats fast zurückhaltend mit feinfühligen Melodie- und Themenelementen unterlegen, bevor es dann zum Ende hin anzieht.

Seite B: Das Haus ist angewärmt. Zeit, es zum Kochen zu bringen. Klare, harte Schläge, gut, wer gute Boxen oder Kopfhörer hat. Das geht ja fast Doberman... und dann klingt der erste Track einfach aus? Was?! Voll aufgebaut, nur um zu verwinden? Ah... Da kommt er zurück. Und weiter in der Party. Eine einsame, aber nicht zurückhaltende E spielt immer wieder drei bis vier Töne, bevor sie einen so kurzen wie heftigen Höhepunkt im Break genießt, nur um dann zum nächsten Sample-Set zu geleiten. Uhh, Pause. Es war gut für uns beide. Danach brauche ich auch erst mal Reggae-Techno und Fear is the Mindkiller.

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Seite C: Es bleibt Mid-Tempo, schon Techno, aber deutlich experimenteller. Ein organischerer Sound. Fast schon Rockelemente, ein wenig in die Prodigy-Richtung, ohne so Heavy zu werden. Sehr Spät-90er. Fast schon retro, aber auf eine gute Art. Wie alle guten Tracks dieser Art entwickelt er sich ganz subtil, fast unbemerkt. Elemente werden hinzugefügt, andere moduliert, Sample-Themes ziehen sich stringent durch. Hier wusste jemand, was er tat. Danach setzt eine Art harmonisches De-Rezzing ein. Seltsame Breaks, eine fast unwirkliche Melodie, wie Wolken über einem verwüsteten Steinwald. Entspannt durch die Katastrophe. Wieder das langsame Aufbauen zur finalen akustischen Katharsis, die dann leider ausbleibt. Fade to nothing.

Seite D: Jetzt ist was kaputtgegangen. Das soll doch nicht so klingen. Die Nadel ist durch. Das klingt ja nicht mal wie Cold Meat Industry. Obwohl, da gab es noch seltsamer zerstörte Boxen, die Geräusche machten. Aber ja, die ersten Minuten haut REZ euch soliden Post-Industrial um die Ohren. Für Genießer. Dann aber noch mal richtig Techno. Volle Rave voraus und durchhalten bis zum Morgenkaffeestündchen in Richtung nächster Sonnenuntergang. Zum Schluss noch eine gestörte Trance-Session, klares Anti-Trippin', nichts zum Entspannen, nichts zum Zuhören, mehr was zum Passierenlassen und Gucken, wie es kommt. REZ hat fertig und gibt eine Zugabe.

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7" Bonus-Disc: Infernalischer Pop, etwas schlingernd durch die Reste der Nacht, mit leichten Kopfschmerzen als Vorgeschmack auf alles, was da noch folgen kann. Slow-Motion-Trancing, bis ich dann merkte, dass ich wohl diese kleinen 45-33-Hebel mal benutzen sollte, wenn ich eine 7" auflege. Ups, jetzt ist es nur noch Pop. Nicht sonderlich spannender Mid-Tempo-Pop mit einer netten weiblichen Stimme, die in 33 deutlich spannender klang. Dort wie Dieter Meier nach einem Liter Rivella, das zu lange in der Sonne stand. So oder so, es fällt nicht schwer zu sehen, warum diese beiden Songs ausgegrenzt wurden und nicht mit auf die anderen Seiten durften.

Eine Platte wie: Eine Liebeserklärung gefolgt von einer harten Rave-Nacht.

Eine Art Fazit: Die Edition selbst ist ein Traum. Das Buch ist spannend und inhaltlich ergiebig und vor allem ist es eine beeindruckende Hülle für den Soundtrack selbst. Der ist perfekt gemastert und bietet euch durchgehendes High-End verschiedener Techno- und Elektrospielarten. Das perfekte Schmuckstück, das in keiner Sammlung fehlen darf.

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Selbst anhören:

Gehört und genossen auf...

Dies ist die "Eurogamer-Referenz-Anlage": Plattenspieler - Thorens TD 203 (Test); Phono-Verstärker - Pro-Ject Phono Box DS2 USB; Stereo-Verstärker - Teufel Kombo 62 CD-Receiver; Boxen - Nubert nu Vero 30 (Test); Kopfhörer: Beyerdynamic Amiron (Test) + A20 (Test)

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Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chefredakteur  |  martinwoger

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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