The Elder Scrolls Legends - Test

Karten sammeln mit Stil.

Okay, ich packe jetzt etwas Peinliches über mich aus. Ich habe früher Wrestler-Karten gesammelt. Ich hatte Hulk Hogan, der war die eins. Ich habe mit Schulkumpels getauscht, beispielsweise einen doppelten Hulk Hogan gegen einen eher wertlosen Rowdy Roddy Piper. Einfach nur, weil er mein Lieblingswrestler war. Gott hab ihn selig. Gut, dass man solche Sammelleidenschaften inzwischen auf eine virtuelle Ebene hieven kann und nicht mehr ernsthaft Kartonstücke im Schrank aufbewahren muss. Hearthstone und Magic sind nur zwei Beispiele für Sammelkartenspiele, die digital ganz hervorragend funktionieren - und nun bekommt auch das Elder-Scrolls-Universum einen eigenen Free-to-play-Ableger: Elder Scrolls Legends. Nötig war das nicht. Spaß macht's aber umso mehr.

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Viele Karten, die angreifen können. Das Ideal eines jeden Spielers von Elder Scrolls Legends.

Elder Scrolls Legends funktioniert unter anderem deshalb so gut, weil es auf eine typische Standard-Mechanik von Sammelkartenspielen setzt. Jede Karte hat einen Angriffs- und einen Verteidigungswert, bei einem Angriff wird jeweils der Angriffswert vom Verteidigungswert subtrahiert. Sinkt letzterer auf null, ist die Karte weg. Jeder Spieler hat außerdem 30 Lebenspunkte und kann ebenfalls, ganz wie eine Karte, angegriffen werden. Sind diese Lebenspunkte weg, hat der andere gewonnen. Simpel, eingängig. Und dann haben die Entwickler jede Menge kleine Kniffe ins Spiel geworfen, die es interessant machen. Wächterkarten zum Beispiel. Diese müssen angegriffen werden, bevor man eine andere Karte attackieren werden kann. Wer also eine Wächterkarte mit starker Verteidigung ausspielt, hält den Gegner für eine gewisse Zeit auf. Dazu gibt's direkte Angriffe auf den gegnerischen Spieler, Buffs und Karten, die bestimmte andere Karten herbeibeschwören.

Liest sich alles sehr gewöhnlich, aber die Entwickler haben sich durchaus auch Mühe gegeben, ein bisschen Frischluft ins Genre zu bringen. Ein Beispiel dafür sind Reihen. Ihr platziert eure Karten nämlich nicht einfach auf dem Tisch, sondern in einer Reihe. Für gewöhnlich kann eine Karte nur eine Karte angreifen, die sich auch in der gleichen Reihe befindet. Andere Karten haben spezielle Eigenschaften und beschwören beispielsweise Karten des gleichen Typs in der anderen Reihe und wenn ihr die dann mit einem Buff ausstattet ... worauf ich hinaus will: Es macht unheimliche Freude, die verschiedenen Möglichkeiten, die euch Elder Scrolls Legends bietet, wüst miteinander zu kombinieren. So erhaltet ihr am Ende eine mächtige Armee an Verteidigern, die eine Reihe komplett beherrscht, oder aber ein paar brutale Angreifer, die ihr besser schnell ausspielen solltet, weil euer schlauer Gegner sie sonst unter Garantie sehr fix platt macht.

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So stellt ihr euch euer Deck zusammen.

Außerdem spannend: Prophezeiungen. Unter diesem Namen firmieren Karten, die ihr sofort ausspielen könnt, wenn eure Lebenspunkte unter eine bestimmte Zahl kommen. 25, 20, 15 und so weiter. Das sorgt natürlich für einen gewissen Glücksfaktor. Es kann nervtötend sein, wenn der Gegner eine solche Karte ausspielt, die auch noch mächtig ist und euer halbes Deck vom Spielfeld fegt. Es ist aber schrecklich befriedigend, wenn ihr selbst das Spiel auf diese Weise nochmal dreht. Elder Scrolls Legends bemüht sich, Spielern auf dem absteigenden Ast Instrumente in die Hand zu geben, das Spiel doch noch für sich zu entscheiden. Ja, das ist ein bisschen wie der blaue Schildkrötenpanzer aus Mario Kart, der automatisch immer den ersten trifft, aber es sorgt auch für eine gewisse Dynamik. Kein Spiel fühlt sich je wirklich verloren an.

Als Free-to-play-Titel ist Elder Scrolls Legends übrigens relativ fair. Ihr spielt erst mal eine nett inszenierte Einzelspieler-Kampagne und steigt dabei ein paar Stufen auf, außerdem erarbeitet ihr euch damit eure erste Ladung In-Game-Währung. Danach erschließt sich euch nach und nach der Zugang zum Rest des Spiels, darunter natürlich auch das klassische Spiel gegen fremde Gegner. Das kann frustrierend sein, wenn ihr euch stundenlang mit Liebe und Geduld euer Deck zusammenbastelt und der Internet-Gegner euch dann binnen Sekunden komplett vom Spielfeld bläst. Aber Übung macht den Meister und Elder Scrolls Legends kann gelernt und gemeistert werden.

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Neue Karten! Sehr befriedigend.

Bei jedem Stufenaufstieg fühlt ihr euch ein kleines bisschen besser. Es wirkt immens befriedigend, neue Kartenpakete zu öffnen und sie eurem Deck hinzuzufügen. Wenn ihr diese Karte später dann auch noch einsetzen dürft, ist das Glück perfekt. Mit dem Aufleveln dürft ihr außerdem bestimmte Karten verbessern. Euer Angreifer wird so plötzlich zum potenten Wächter. Und: Keine Karte ist gemacht, um behalten zu werden. Mögt ihr sie nicht, könnt ihr sie zerlegen und euch aus den Materialien im Menü neue machen. Zudem beglückt euch das Spiel mit täglichen Quests, mit denen ihr wiederum mehr In-Game-Währung freischalten könnt.

Alles in allem wirkt Elder Scrolls Legends vor allem fair. Ich habe mich in keiner Sekunde gefühlt, als würde mich das Spiel abziehen wollen. Klar, ihr könnt per Echtgeld garantiert legendäre Karten erhalten, aber erstens sind selbige nicht unbedingt nötig und zweitens könntet ihr die auch rein zufällig bekommen. Mit ein bisschen Glück eben. Glück braucht ihr aber auch sonst. Wenn ihr kein absolut perfektes Deck habt, kann es vorkommen, dass ihr Partien verliert, obwohl ihr überlegen seid, einfach weil eure nützlichsten Karten nicht gezogen werden. Für mich hieß das aber nicht, dass Elder Scrolls Legends ein schlechtes Spiel ist. Ich brauchte einfach nur ein besseres Deck. Und ich brauche immer noch ein besseres Deck. Und ihr auch.

Entwickler/Publisher: Dire Wolf/Bethesda - Erscheint für: PC, Mac, iOS, Adroid - Preis: Free-to-play - Erscheint am: erhältlich - Getestete Version: PC - Sprache: deutsche Bildschirmtexte - Mikrotransaktionen: Ja

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Über den Autor:

Markus Grundmann

Markus Grundmann

Freier Autor

Seine ersten Videospiele konsumierte Markus auf dem Game Boy. Heute spielt er so ziemlich alles, bei dem er auf Knöpfe drücken kann – mit besonderer Vorliebe für Nintendo und extravagante Indie-Titel.

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