Project Scorpio: Die neue Xbox - einfach erklärt

Wenn ihr Teraflops nicht von Texturfiltern unterscheiden könnt, lest das hier!

Letzte Woche reiste Digital Foundry's Richard Leadbetter zum Microsoft Campus nach Redmond, um exklusiv tief in die Technik einzutauchen, die die nächste Xbox - Codename Project Scorpio - antreibt. Seine detaillierten Ausführungen konntet ihr ja bereits an anderer Stelle lesen.

Wenn ihr technisch weder so bewandert noch interessiert seid, wie der durchschnittliche Digital-Foundry-Leser, fragt ihr euch vielleicht, was das alles in Worten bedeutet, die auch ein Laie verstehen kann. Lest weiter, wir sind für euch da!

Wie heißt sie? Wann kommt sie raus? Wie sieht sie aus? Wie viel kostet sie?

Diese Sachen wurden uns entweder nicht verraten oder wir können es euch nicht sagen. Wir nehmen an, einige dieser Details hebt sich Microsoft für die E3 auf. Hier kommen aber noch ein paar gute Sachen, versprochen.

Na los, wenigstens ein Tipp!

Die Form der Konsole wird euch angenehm überraschen. Was die Kosten anget, hat uns Microsoft absolut nichts verraten. Aber wenn man sich so anschaut, was da drin steckt, günstig wird sie nicht. Wenn wir raten müssten, und das ist wirklich nur geraten: 499 Euro, genau so viel wie die ursprüngliche Xbox One.

Was wisst ihr überhaupt?

Microsoft teilte lückenlos die technischen Daten der Maschine mit uns. Der zentrale Prozessor (CPU) verfügt über acht angepasste x86 Kerne mit 2,3GHz. Der Grafikprozessor (GPU) hat 40 angepasste Compute Units mit 1172MHz, eine sehr hohe Taktrate für eine Konsole. Das Sechs-Teraflop-Versprechen der letzten E3 wäre damit eingelöst. Es gibt 12 GB GDDR5 Speicher mit einer Speicherbandbreite von 326GB/s, eine 2,5 Zoll Festplatte mit 1TB Speicher und ein UHD Blu-ray-Laufwerk. Wie bei der Xbox One S ist das Netzteil intern verbaut, also diesmal kein externer Strom-Backstein, den man unmöglich hinter seinem TV-Schrank verstecken kann. In Sachen Anschlüsse ist die Konsole identisch zur Xbox One S, also kein Kinect-Anschluss, dafür ist aber weiterhin der HDMI-Eingang mit von der Partie.

Ich hab' kein Wort verstanden.

Ok, also, der Prozessor ist ungefähr 30 Prozent schneller als der der Xbox One. Die Grafikkarte ist etwa 4,6 Mal stärker. Was aber genau so wichtig ist, ist die große Menge an sehr schnellem Speicher. Selbst mit den 4GB, die fürs Betriebssystem reserviert sind, stehen den Spielen noch ganze 8GB zur Verfügung. Das sind 5GB mehr, als vom sehr viel langsameren Speicher der Xbox One. Das bedeutet, dass sehr hochqualitative Grafiken sehr schnell geladen werden können. Das hilft dabei, die Spiele in den Ultra-HD-4K-Auflösungen laufen zu lassen, auf die Microsoft diesmal abzielt.

Sie ist also so leistungsstark wie sie zuvor behauptet hatten? So leistungsstark wie erhofft?

So ziemlich, ja. Einige hofften allerdings auf einen Prozessor der nächsten Generation. Doch das war nie wahrscheinlich, wenn man bedenkt, dass Microsoft Kompatibilität zu allen bereits erhältlichen Xbox-One-Spielen garantieren wollte. Es ist daher eine eher überschaubare Evolution des Xbox One Prozessors. Aber die GPU ist ein Biest, die ist sehr, sehr schnell.

Leistungsstärker als die PlayStation 4 Pro?

Ja, Sony hat eine sehr clevere Maschine designt, die in den richtigen Händen großartige Resultate abwirft - und wie immer kommt es immer darauf an, wie gut die Software läuft, nicht darauf, mit den größten Zahlen um sich zu werfen. Aber was diese Zahlen eben angeht, übertrifft Scorpio die PS4 Pro deutlich. Sie wird aller Wahrscheinlichkeit nach auch teurer. Es ist in jeder Hinsicht eine besser ausgestattete Maschine, bis runter zum optischen Laufwerk, das auch das neue UHD Blu-Ray-Format abspielt (nicht, dass die irgendjemand kaufen würde). Microsoft selbst nutzt den Begriff "premium" - und ihr wisst, das gibt es nun mal nicht umsonst.

Habt ihr schon ein Spiel darauf laufen sehen?

Ja. Nun gut, eine Demo von Forza Tech, ein Stresstest basierend auf der Engine von Forza Motorsport 6, bei der die maximale Zahl an Autos bei dynamischem Wetter und allen möglichen Aufwendigen Einstellungen über eine Strecke brausen.

Und wie kam das so?

Wie ein Volltreffer. Bei denselben Grafikeinstellungen wie auf der Xbox One life diese Demo mit voller, nativer 4K-Auflösung mit perfekten 60 Bildern pro Sekunde. Die Xbox One braucht dafür bei der Standardauflösung von 1080p 90 Prozent der Konsolen-Power. Scorpio brauchte bei vierfacher Auflösung nur 60 bis 70 Prozent seiner Ressourcen. Danach schraubte MS die Grafikeinstellungen auf einen Level, der den Ultra-Einstellungen der PC-Version von Forza Motorsport Apex entspricht. Scorpio brachte das immer noch nicht ins Schwitzen.

Und das bedeutet, dass...

Scorpio möglicherweise genügend Saft hat, nicht nur Xbox One Games in 4K Auflösung bei gleicher Bildrate zu spielen wie auf dem Vorgängergerät. Es hat auch noch Reserven, um mit höheren Grafikeinstellungen, besseren Bildraten und dergleichen zu laufen.

Und wo ist der Haken?

Microsoft zeigte uns Forza sicher nicht aus Zufall. Es handelt sich um eine der best-optimierten Spiele-Engines der Welt. Resultate mit anderen Spiele-Engines können und werden variieren.

Ich habe keinen 4K Fernseher und bezweifle, dass ich in der nächsten Zeit einen kaufen werde. Warum sollte mich das also interessieren?

Microsoft hat beschlossen, dass alle verbesserten Darstellungsmodi der Scorpio immer zur Verfügung stehen müssen, egal was für ein Bildschirm angeschlossen ist - das ist auf der PS4 Pro den Entwicklern überlassen. Selbst mit einem 1080p TV dürft ihr also zwischen Performance-Modi für flüssigere Bildraten oder Auflösungsmodi wählen, die die 4K-Ausgabe per Supersampling auf 1080p herunterskalieren und so ein wundervoll scharfes, schönes Bild ermöglichen. Das ist die ultimative Kantenglättung.

Hmm, vielleicht...

Okay, wie ist es damit: Scorpio wird absolut jedes Xbox One Spiel besser abspielen, ob sie nun mit 4K-Scorpio-Modi gepatched werden oder nicht. Anstatt auf einer emulierten Xbox One zu laufen, können sie auf die komplette Leistung der Scorpio zugreifen, was in den meisten Fällen Folgendes bedeuten wird: Stabilere Bildraten, die ihr Ziel häufiger treffen, kein Tearing mehr, die maximal mögliche Auflösung, schöner aussehende Texturen und schnellere Ladezeiten dank des verbesserten Laufwerks und 3GB mehr und schnelleren RAMs.

Klingt gut, was ist mit abwärtskompatibles Xbox-360-Spielen? Irgendwelche Vorteile hier?

Yep, auch alles, was da oben steht. Man sollte dazu sagen, dass nichts davon für Microsoft unbedingt einfach zu bewerkstelligen war. Ihre Entschlossenheit, so viele Xbox-Spiele wie möglich in ihrem schönsten Glanz erstrahlen zu lassen, ist beeindruckend.

Und, wie findet ihr sie?

Mit der nicht ganz unbedeutenden Einschränkung, dass alles, was wir an Software gesehen haben, eine Demo war - und zum Hundertsten Mal: die Spiele sind alles - sind wir sehr beeindruckt. Die Maschine ist wundervoll designt, bis runter auf das Dampfkammer-Kühlsystem, das die monströse Grafikkarte kalt hält. Das ist weit entfernt von der Xbox One, Kinect und Fernsehen, Fernsehen, Fernsehen. Scorpio erinnert uns an die ursprüngliche Xbox und die 360 - Microsoft wirft all seine Ingenieurskunst in das Projekt, die bestmögliche Spielemaschine zu bauen. Die Xbox ist zurück!

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Über den Autor:

Oli Welsh

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Editor-in-chief

Oli is the editor of Eurogamer.net and likes to take things one word at a time. His friends call him The European, but that's just a coincidence. He's still playing Diablo 3.

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