EVE Valkyrie Groundrush - Erdung als Game-Changer

Das neue Update bringt euch zumindest einem Planeten näher als je zuvor.

Es sind diese ersten 20 Sekunden. Das ist der Kick und selten war er größer als bei EVE Valkyrie neuestem Modus, Groundrush. Sicher, das Spiel war bisher schon ganz gut. Eine solide Ballerei mit ein wenig Tiefe und Taktik - natürlich nicht im üblichen EVE-Maßstab, mehr im Wing-Commander-Klon-Maßstab -, guter Spaß für eine halbe Stunde und ein paar Runden. Aber bisher fehlte mir der Kick der ersten 20 Sekunden. Ace Combat 7 hat ihn, wenn der Jet vom Träger abhebt und dabei kurz nach unten dippt, bevor ihr ihn hochzieht. Valkyrie hatte ihn nicht. Der Kampfstern-Galactica-Gedenkschacht ist schick, aber der Weltraum dahinter eben recht weit und groß. Die Nähe zum Boden verschafft da doch ein ganz anderes Geschwindigkeitsgefühl und das liefert nun Groundrush.

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Eigentlich war das Setup auf dem EVE-Fanfest ja Schwachsinn: Als Spieler hat man nichts von den netten Cockpits - außer der Immersion, dass man sich beim Einstieg den Kopf stößt. Aber trotzdem will ich so etwas in der Richtung haben, wenn ich dann doch mal Valkyrie intensiver spielen sollte.
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Der nicht kostenpflichtige neue Modus - das Spiel selbst braucht ihr natürlich - verlagert den ewigen Kampf zwischen Rot und Blau auf einen Planeten. Einen Eis-Planeten mit einer riesigen Fabrikanlage, um genau zu sein und nein, ihr dürft diesen Planeten nicht allzu weit erkunden. Für solche Sachen ist Elite zuständig. Ihr habt die gleichen Schiffe, die es bisher gab, diese haben ihre bekannten Waffen, aber alles passiert nun 5 bis 500 Meter über einem eisigen Boden, Hallen und Rohranlagen. Was uns zu diesen ersten 20 Sekunden zurückbringt, denn aus dem Schacht zu starten, die Nase des Jägers nach unten zu senken und innerhalb dieser kurzen Zeit bereits die ersten Rohre passiert zu haben, um möglichst dicht an der Erde zwischen dem Schutz von Felsklüften sich dem Feind zu nähern ist einer der guten Gründe darüber nachzudenken, viel Geld für ein VR-Set auszugeben.

Was danach rein vom Gameplay her folgt, ist gut bekannt, für ein paar Minuten schießt ihr Gegner ab, werdet abgeschossen, spawnt neu und schießt mehr Gegner ab. Valkyrie war nie sonderlich komplex und für das, was es ist, war das wohl auch nie nötig. Beachtlich war wieder einmal, wie gut Valkyrie inzwischen auf einer PS4 Pro aussieht, nachdem genau das Spiel auf einer regulären PS4 vor ziemlich genau einem Jahr eine ziemlich niedrig aufgelöste visuelle Katastrophe war. Jetzt kommt nicht mal ein Planet voller versteckter Schächte und riesiger unterirdischer Höhlen dem flüssigen und vor allem deutlich besser erkennbaren Vergnügen in den Weg. Das Geschwindigkeitsgefühl ist ausgezeichnet, selbst wenn eure Freude an Valkyrie immer noch davon abhängt, wie gut ihr VR generell vertragt. Zuvor habt ihr im Weltraum mit den Schultertasten eine Barrel-Roll gedreht und das war für den einen oder anderen vielleicht etwas viel oder zumindest nah dran. Jetzt dreht sich der ganze Planet um euch, während ihr mit einem Bremsmanöver und einer Rolle das Schiff zwischen Felsen und Fabrik entlangrollt und mit dem Kopf dem Gegner folgt. Absolut großartig, wenn euer Magen mitspielt.

Um dieses Problem weiter einzuschränken, wurde noch einmal die Soundkulisse optimiert, die auch in Stereo dafür sorgt, dass Geräusche aus den richtigen Richtungen kommen und entsprechend lauter und leiser werden. Das hilft dem Kopf dabei, damit klarzukommen, dass ihr gerade sitzt, während die Augen suggerieren, dass ihr kopfüber über einen Eisplaneten rast. Das scheint auch zu funktionieren, denn von drei gespielten Runden musste ich eine ohne Sound überstehen und das war deutlich anstrengender.

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Wie immer: Eine Sekunde selbst spielen ist bei VR mehr wert als 1000 schlechte Screenshots. Daher nur einer.

Groundrush ist sicher die aufregendste Neuerung, aber nicht die einzige im heutigen Update. Koop, also bis zu fünf Piloten gegen ein reines KI-Team wird für beide Spielmodi unterstützt, etwas das sich Avatar-Animationen nennt soll euch beim Jubel helfen und die Wurmlöcher - das drastische ändern der Regeln, wie eine Karte gespielt wird - sollen auf einem Planeten natürlich besonders wild ausfallen.

Groundrush hat meine Ansichten zu Valkyrie verändert. Was vorher ein etwas dünnes, nettes Multiplayer-vs.-Fest mit einem gewissen Wing-Commander-Armada-Retro-Charme war zeigt sich nun als Action-Dogfight über dem Boden, was mich schon immer deutlich mehr reizte als die - relative - Leere des Weltraums. Ich hoffe auf viel mehr neue Maps dieser Art, neue Planeten, noch mehr taktische Elemente am Boden und - vielleicht dann in Valkyrie 2 - einen 20 v. 20 Modus. Kommt Zeit, kommt Overkill, jetzt erst mal ist heute eine gute Gelegenheit für jeden, der Valkyrie hat, dieses Update zu ziehen und für jeden, der ein VR-Set hat, aber kein Valkyrie, über den Kauf des Spiels nachzudenken. Diese ersten 20 Sekunden mit dem leicht flauen Gefühl im Magen und dem dezent erhöhten Adrenalin-Spiegel könnten es wert sein. Der letzte Schritt fehlt noch: Ich bin noch nicht bereit zu sagen "Wer kein VR-Set hat, muss eines für Valkyrie kaufen!". Aber, wer weiß. Nur noch ein paar solcher Sprünge wie Groundrush...

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Über den Autor:

Martin Woger

Martin Woger

Chefredakteur  |  martinwoger

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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