Parappa the Rapper Remastered - Test: "U Rappin' Bad!"

Rapper mit Rhythmusproblemen - bei allem Charme keine gute Kombination.

Auch 20 Jahre später noch ein Charmebolzen sondergleichen - fehlende Kalibrierung und altersschwächelnde Mechanik machen aber Probleme.

Wer keine Schwäche hat für diesen mittlerweile 20 Jahre alten Musikspielpionier, der hat einfach kein Herz. Ein zweidimensionaler, wie aus Papier ausgeschnittener Hund mit Skimütze, der in eine Sonnenblume verliebt ist, will mit der Power des Hip-Hop ihr Herz gewinnen. "I gotta believe" die durchgängige Botschaft, eingerahmt von auf gute Art bescheuerten und extrem ohrwurmigen Songs zum Mitrappen. Ein Universum, wie man es nie sah, eine Ästhetik zum "In-den-Arm-nehmen" - ein Spiel aus einer Zeit, in der man sich noch regelmäßiger fragte, was in Japan so im Wasser war.

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'Sure to beat ya:' Master Onion in einem der besten Songs, die je für ein Videospiel geschrieben worden. Hm? Was dagegen?

Es verging seit dem Ende der Neunziger eigentlich kein Monat, in dem ich nicht mindestens einmal an Parappa dachte, während mir eine Textzeile von Master Onion aus dem legendären ersten Stage des Titels durch den Kopf ging. Es ist daher keine Übertreibung, dass ich mich riesig auf das Remaster gefreut habe. Leider fährt eine Kombination als systemischer Altersschwäche und technischen Versäumnissen der eigentlich guten Neubearbeitung in meine "Welcome-Back!"-Parade. Aber hey, die Musik ist immer noch fantastisch.

Doch von vorn: Parappa The Rapper ist eine Mischung aus Animationsfilm-Zwischensequenzen und Musikspiel-Stages, das sich in sechs gut zweieinhalbminütigen Stages erschöpft. Der spielerische Anteil wurde recht aufwendig auf moderne Auflösungen und TV-Seitenverhältnisse angepasst und sieht genauso aus, wie man sich daran erinnert - nicht wie es wirklich mal aussah. Das ist wunderbar. Die Video-Zwischensequenzen, die anzusehen man mindestens genauso lange beschäftigt ist, wie das eigentliche Spiel zu spielen, lagen allerdings wohl nur in der alten SD-Auflösung vor. Noch mit dem gewaltigen Platzhalterrahmen, der die Filmchen umfasst, sieht das alles unglaublich pixelig und unschön aus. Häufig erkennt man nicht einmal Schriftzüge in der Umgebung, so verschwommen sind sie.

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Ein Spiel mit Botschaft: 'Money, money, money is all u need!

Aber gut, ich bin sicher, es war nicht anders zu machen, schließlich handelt es sich nicht um Echtzeitgrafik, die man "mal eben" in höherer Bildpunktezahl erneut berechnen könnte. Neu sind die Optionen, optional zum Beat den Controller vibrieren zu lassen und das Parappa-Logo, das den Silben- und Worte-Highway hinunterdüst und euch signalisiert, wann ihr die entsprechende Taste drücken müsst, kurz pulsiert, wenn ihr auslöst. Beides nett und hilfreich, was aber unerklärlicherweise fehlt, ist die Möglichkeit, den Bildschirm zu kalibrieren. In einem Musikspiel angesichts der Latenzschwierigkeiten vieler moderner Displays ist das schlicht traurig.

Als eines der ersten Musikspiele dieser Art - drücke die Taste möglichst genau über dem Symbol, um einen Ton zu erzeugen - hatten die Entwickler wenig Erfahrungswerte, wenn es darum geht, dem Spieler zu signalisieren, was er falsch gemacht hat. Eure Bewertung reicht zwar von "Cool" über "Good" bis "Bad" und "Awful". Feedback zu eurer Genauigkeit gibt es aber nur zeilenweise, wo zum Beispiel Guitar Hero und Rock Band euch Note um Note signalisieren, wenn ihr aus dem Tritt gekommen seid. Jeder Song startet auf "Good", legt ihr jedoch zwei Mal in Folge eine schlechte Zeile hin, geht's eine Stufe nach unten. Wenn ihr aus "Awful" unten rauskullert, müsst ihr es noch mal von vorne probieren.

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Deine Kinder kannst du selber essen!

Es ist immer noch erstaunlich, wie gut die Songs arrangiert sind, sie verändern sich sogar, je nachdem, wie gut ihr gerade rappt. Und die Möglichkeit zu freestylen und völlig frei mit den Worten und Silben der aktuellen Zeile um euch zu schmeißen, lässt viel Luft nach oben für Highscore-Jäger und, na ja, Angeber. Aber die Kombination aus fehlender Rückmeldung, ob man zu früh oder spät dran war, und dem leisen Gefühl, dass man eigentlich alles richtiggemacht hat und nur die Latenz einem dazwischen grätschte, ist keine gute. Das ist die ersten zwei Songs hindurch kein größeres Problem, wird im dritten dann irritierend und führte dazu, dass ich den vierten, das Kuchenbacken mit einer Fernsehkoch-Henne Cheap Cheap (die offensichtlich ihre eigenen Eier in den Teig haut, lecker!) nur aus Glück irgendwann nach drölf Versuchen hinter mich brachte. Woran genau es auch liegen mag: Man kommt einfach nicht in den Flow und traut sich auch nicht, wie damals die Finger im Impro-Wahn über die Tasten fliegen zu lassen.

Und das ist eben das Problem an dieser Version von Parappa the Rapper: Die Angst spielt mit und sie ist bei diesem herzerweichenden Titel ein schlechterer Beifahrer als ein Elch in Uniform, der sich für einen Fahrlehrer hält. Parappa war nie ein ausnehmend gutes, packendes oder ausgefuchstes Spiel. Aber es war immer punktgenau dosierte Instant-Gute-Laune, die man zweieinhalbminutenweise per Controller aus der Konsole quetschen konnte. 15 Euro sind ein schmaler Preis dafür und es floss sichtlich Mühe in diese Neuauflage. Bis hier jedoch nicht ein Update die Hardware-immanenten Rhythmusschwierigkeiten beseitigt, war all die Arbeit umsonst. Halten wir es also mit Parappa und drücken die Daumen, bis Sony nachbessert: "We gotta do what? We gotta believe!"

Entwickler/Publisher: NanaOn-Sha/Sony - Erscheint für: PS4 - Preis: 14,99 Euro - Erscheint am: erhältlich - Sprache: deutsche Bildschirmtexte - Mikrotransaktionen: Nein

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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