Mario Kart 8 Deluxe - Test

Das ist es.

Perfektes Design, gute Balance zwischen Glück und Können, restaurierter Battle-Modus - das definitive Mario Kart.

Mario Kart 8 Deluxe steckt voller Momente der Freude, überall, von den Menüs bis auf den Asphalt. Der strahlend blaue Himmel über der Wolkenstraße. Das heldenhafte Hochstemmen des Master-Schwerts, wenn man Link als Fahrer wählt, bevor sein Lachen zum stoisch nach vorn gerichteten Kampfblick morpht. Das jazzig instrumentierte Ur-Mario-Kart-Thema im Hauptmenü. Die winkenden, hüpfenden und fuchtelnden Zuschauer-Yoshis hinter der Streckenbegrenzung. Das hämische Grinsen von Ludwig beim Umschauen zum Hintermann, der gerade durch seine Bananenschale schlittert. Der beste Moment jedoch ist der, als man die Switch ahnungslos aus der Docking-Station löst und all diese Großartigkeit auf dem kleinen Screen zwischen linker und rechter Hand abgreift.

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Beim Entkoppeln der Switch von der Docking-Station fällt die Auflösung von 1080p im stationären auf 720p im mobilen Betrieb, jeweils mit 60 Bildern pro Sekunde. Für ein Handheld-Spiel sieht das einfach nur umwerfend gut aus.

Vergleichbare Augenöffner hatte ich in den letzten Jahren nicht so viele: das erste Mal The Witcher 2 und Ryse auf dem eigenen Fernseher oder Nathan Drake in Uncharted: Golden Abyss auf der PS Vita. Als Luigi vorgestern durch Toads Hafenstadt tuckert, vorbei an Straßenbahnen, durch Gässchen voller verzückt jubelnder Pilzköpfe, ist das Gefühl wieder da. Ich habe Mario Kart 7 lange auf dem 3DS gespielt, viel über dessen Gestaltung und anhaltende Farbfreude gelacht. Es ist eines der schönsten Handheld-Spiele mit einem Stammplatz in der 3DS-Tasche. Auch wenn der Switch-Vergleich unfair ist, muss ich den Eindruck zugunsten von Mario Kart 8: Deluxe auf "trotzdem noch ganz nett" zurückstufen. Und gleich hinterher eine neue Ecke im Rucksack freiräumen. Hiernach wird die Rückkehr zum 3DS schwer.

Einmal dieses schneidig-scharfe Bild gesehen, die aufs Minimum reduzierte Treppchenbildung, die plastischen Sonnenblumen entlang der Farmstrecke, Donkey Kongs verzotteltes Fell, schon ist man verliebt ins ab sofort bestaussehende Spiel für unterwegs. Auch abseits der Technikbrillanz, die sich das 720p-Kleinformat zunutze macht, zeigt der Nintendo-gegebene Look, wer hier die Zügel in der Hand hielt.

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Insgesamt kommt Deluxe auf 48 Strecken in zwölf Cups, darunter DLC-Kurse aus der Wii-U-Version. Komplett neue, eigens für die Switch-Version erstellte Strecken gibt es nicht.

Jede Strecke sieht aus jedem Winkel wunderschön aus, samt und sonders eingedeckt mit Details. Zuckerübergossene Landschaften aus Gebäck, Schiffschaukeln und in Achterbahnen Pirouetten drehende Toads am Rand, die Ur-Mario-Kart-Battle-Arena in ihren knalligen Farben, der glühende Vulkangrollen-Kurs. Kein Fleck ist in der Ausarbeitung vernachlässigt. Mit Federwolkensonne, windgepeitschten Gleiterplanen und futuristischen Neon-Stadtkursen strickt Nintendo eine plastische Welt zum Hineingreifen, so man es denn könnte. Was man auf jeden Fall kann, ist die Switch überallhin mitnehmen, den Stellbügel ausfahren und im geteilten Bildschirm mit bis zu vier Leuten spielen. Vorbei sind die Zeiten mobilen Bananenmobbings, als alle einen eigenen (3)DS und im besten Fall noch eine Cartridge brauchten. Eine Switch, vier schräg gehaltene Joy-Cons, ein Modul, das genügt völlig für unterwegs. Natürlich muss jeder selbst entscheiden, ob ein viergeteilter 6,2-Zoll-Screen nicht eher den Augen schadet, als den Spaß zu fördern, aber allein die gegebene Möglichkeit ist fantastisch. Wer auf ein eigenes Gerät besteht, hat noch den lokalen Modus. Er koppelt mittels Wi-Fi-Verbindung bis zu acht Switches aneinander und verlangt pro Gerät nach einem eigenen Modul.

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Der Battle-Modus (hier: Münzenjäger) wurde in richtige, vollwertige Arenen zurückgetopft, wo er hingehört. Gut so, nachdem wir auf der Wii U langweilige Strecken hatten.

Die 2014 erschienene Wii-U-Version (siehe Test) unterlag einigen Strukturierungen, bei denen man sich fragen durfte, wieso Nintendo sie voller Überzeugung über die Startlinie winkte. Zum Beispiel der Battle-Modus, den es auf stinknormale Strecken statt in die kompakten Arenen verschlug, in die er gehört. Es macht eben weniger Spaß, jemandem die Ballons wegzufräsen, wenn es nur im Kreis geht. Die Switch-Deluxe-Ausgabe hat Arenen fürs köstliche Lauern und Umeinander-Herumscharwenzeln, insgesamt acht Stück. Alex und ich hatten gestern sofort eine sonnige Laune im Räuber-und-Gendarm-Modus, weil er dem universellen Charme von Mario Kart, seinen kurzen Lernwegen prima in die Karten spielt.

Mit vors Kart gespannten Piranha-Topfpflanzen muss Team eins die Gegner wegfuttern und in einen Käfig sperren. Diese harren dort, bis sie ein Kollege mittels eines Schalters befreit oder alle weg vom Fenster sind. Anhand der insgesamt fünf Battle-Modi und eigens für die Switch erstellten Arenen lässt sich knapp festhalten: toll umgearbeitet, eine Bereicherung für jede Party und für ein vorher bereits sehr gutes Spiel.

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Die Fahrerauswahl umfasst von Beginn an 42 Charaktere, darunter einige Entgleisungen wie Katzen-Peach aus Super Mario 3D World und Animal-Crossing-Figuren aus dem zweiten Wii-U-DLC. Für die Streckenauswahl gilt das Gleiche: Alle nachträglichen Download-Veröffentlichungen und Cups sind ab Werk zugänglich, insgesamt 48 Kurse. Nettes Entgegenkommen für alle, die das Freischalten auf der Wii U schon hinter sich brachten. Und eine thematisch breit aufgestellte Auswahl ''neuer'' Pisten aus dem Wii-U-Release bis zu N64-Klassikern (Toad-Autobahn, Yoshi-Tal) und dem SNES-Urschleim (Regenbogen-Boulevard, Donut-Ebene). Technisch wunderbar aufbereitet, als hätte es sie nie auf einem anderen System als diesem hier gegeben.

Mit und auf ihnen erlebt ihr durch die Bank Qualität. In einem Ausmaß, das dem Zufall gegenüber dem Können angemessen den Wind aus den Segeln nimmt. Nicht immer, dafür ist Mario Kart zu sehr Fun-Racer. Klar passiert es, dass euch ein kurz vor der Ziellinie einschlagender Panzer den Sieg raubt. Inzwischen sogar etwas öfter, da man dank eines zweiten Item-Slots mehr in der Hinterhand haben kann. Was dem mitunter rüden Gerumpel eine noch chaotischere Ebene untermischt, besonders wenn man im Mittelfeld unterwegs ist. Zack, grüner Panzer, wumms, Typ mit Stern hinterher, ein anderer pfeffert den Blitz in die Kurve, dann die Tintenkleckse, runter von der Piste. Lakitu, wo bist du?

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Die Online-Anbindung hat gegenüber der Wii U spürbar an Qualität zugelegt. Die Ladezeiten sind kürzer, Rennen starten schneller.

Mario Kart ist auch weniger versierten Leuten gegenüber ergeben und nachsichtig. Was es nicht (mehr) ist: ein Spiel, in dem man die erste Online-Runde gemütlich stehen bleibt und dank der Items trotzdem schnell ins Mittelfeld aufschließt. So geschehen im vor neun Jahren veröffentlichten Wii-Teil. Nintendo brachte das bereits auf Wii U wieder ins Lot. Obwohl der Führende die Uhr stellen kann nach einem blauen Panzer pro Rennen und man sich in seltenen Momenten schlicht plattgewalzt vorkommt, ist ein Könner immer überlegen. Richtig gute Leute mit Wissen über Streckenbeschaffenheit und Abkürzungen fahren online einen uneinholbaren Vorsprung heraus, und das völlig zu recht.

Mit diesem Switch-Release ist Mario Kart 8 auf dem Höhepunkt angekommen. Als stationär gelagertes Partyspiel mit genießbarem Glücksspielfaktor, als Variante für unterwegs, als Mischung aus beidem, solange es die Gegebenheiten zulassen. Es ist die definitive Version von Mario Kart als Fun-Racer, ein Zusammenwurf davon, wieso die Reihe seit Jahrzehnten mit kleinen Aussetzern für eine gute Zeit steht. Ein Schaukasten rundum vollendeten Nintendo-Designs in Bild und Ton und nicht zuletzt ein triftiger Grund, mal wieder Leute einzuladen. Und sei es nur, um gemeinsam mit der Switch unterm Arm vor die Tür zu gehen. Drinnen wie draußen wäre es eine Verschwendung, anderen die in Kuchengebirge und Glitzerstrände gegossene Freude vorzuenthalten.

Entwickler/Publisher: Nintendo - Erscheint für: Switch - Preis: ca. 50 Euro - Erscheint am: 28.04.2017 - Sprache: Deutsch - Mikrotransaktionen: Nein

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Über den Autor:

Sebastian Thor

Sebastian Thor

Redakteur - Eurogamer.de

Steht auf Bier und Bloodsport. Mag weiche Sofas und verliert sich gern in Gedanken an dies und das. Seit 2014 bei Eurogamer dabei. Nervt seine Kollegen mit Satzzeichen und solchen Dingen. Kümmert sich um das wundervolle Rock, Paper, Shotgun, und das solltet ihr ebenfalls.

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