Guardians of the Galaxy, Vol. 2 - Filmrezension

Schlägt der Blitz zweimal an derselben Stelle ein?

Buch und Regie: James Gunn
Darsteller: Chris Pratt, Zoe Zaldana, Dave Bautista, Bradley Cooper, Michael Rooker, Karen Gillan

Hooked on a feeling

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Der erste Guardians of the Galaxy war vor allem so erfolgreich, weil er so eine Überraschung war. Ich war sehr versucht, alles, was hiernach kommen sollte, zu ignorieren, damit er auf ewig so unbeschwert und schmissig für sich alleine stehen konnte wie an dem Abend 2014, als ich mit einem Grinsen im Gesicht aus dem Kino schlurfte. Klar, diese Ecke des Marvel-Universums hatte vor der unweigerlichen Zusammenkunft mit dem Rest der eher irdisch angelegten Comic-Truppe noch so einiges zu erzählen, wenn man es denn hören wollte. Geschickt platzierte James Gunn ja zum Beispiel das lose Ende eines interessanten Plotfadens um Peter Quills tatsächlichen Vater, einen angeblichen Außerirdischen, im ersten Teil. Mir reichte aber das, was ich vom ersten bekam, voll und ganz.

Trotzdem geht es natürlich weiter, Marvels Gesetz der Serie wiegt schwerer als meine Befindlichkeiten. Und so packt die Geschichte mehr oder weniger alles an, worauf Teil eins noch nicht den Deckel gepappt hatte. Peters Herkunft, unerledigte Angelegenheiten mit Yondu Udonta (Walking Deads Michael Rooker) und Nebula sowie - über allem - die zentrale Frage nach dem Suchen und Finden seiner eigenen Familie unter den Sternen. James Gunn, der diesmal das Drehbuch alleine schrieb, hat nichts verlernt und jongliert die gesteigerte Zahl an Akteuren mit einiger Leichtigkeit, und lässt direkt zu Beginn gewaltig die inszenatorischen Muskeln spielen. Als wäre es nichts weiter Wichtiges, lässt er einen gewaltigen Kampf von 80 Prozent der Guardians gegen eine interdimensionale Bestie außer Fokus im Hintergrund laufen, während Baby Groot im Vordergrund den besten Film-Tanz seit Pulp Fiction hinlegt.

Einmal mehr ist Gunn total versessen darauf, dem Zuschauer in jeder Einstellung vor Detail- und Farbenfreude die Augen übergehen zu lassen. Als hätte ein Space-Rock-Plattencover-Maler auf dem besten Trip seines Lebens ungesunde Überstunden geschoben, kann man sich an den überkandidelten, vor Farbnuancen förmlich explodierenden Panoramen kaum sattsehen. Außerdem war Vol. 2 das erste Mal seit langer, langer Zeit, dass ich froh war, ein Ticket für die 3D-Version gelöst zu haben. Wie hier Tiefe und Maßstäbe eingesetzt werden, versetzt einen mühelos an diese fremden, unwirklichen Orte, auch wenn ich immer noch nicht so recht weiß, wie dieses durchgeknallte Universum letzten Endes mit dem etwas geerdeteren zusammenpassen soll, in dem sich Captain America und Co. herumschlagen. Der nächste Thor könnte da tonal ein wichtiges Bindeglied darstellen.

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Yondu Udonta hat diesmal noch deutlich mehr zu tun. Michael Rooker dankt es mit gewohnt unverwüstlichem Redneck-Charme.

Die Darsteller haben ihre Chemie mittlerweile perfektioniert, weshalb das Wiedersehen mit der Chaotentruppe durchaus Freude bereitet. Und doch hat man das Gefühl, der Film müht sich ein bisschen zu sehr, die unverbrauchte Magie und den anarchischen Charme auch im zweiten Durchgang zu konservieren. Dabei kommt immer noch ein überaus unterhaltsamer, aber hier und da etwas anstrengender Film heraus, der weit entfernt davon ist, noch einmal genau so hängen zu bleiben, wie der erste Auftritt von Star-Lord und Co.

Natürlich bringt die übergreifende Handlung die Hauptfiguren und einige ihrer "Frenemies" noch näher zusammen und stellt damit einen wertvollen Schritt für ihr Innenleben dar. Aber die nicht ganz unvorhergesehene Art und Weise, wie die zentrale Geschichte verläuft, das hat schon etwas von einer Twilight-Zone-Episode oder einer der besseren Standalone-Folgen von Star Trek: The Next Generation. Nun gut, wenn es das brauchte, um Kurt Russell mal wieder auf der großen Leinwand zu erleben, als wäre es wieder 1984, dann war es das wert.

Auf die Gefahr hin, hier die Negatvie Nancy zu geben, muss ich zudem sagen, dass der Humor im letzten Film deutlich punktgenauer landete und einige Gags diesmal ein wenig zu sehr in die Länge gezogen und strapaziert wirken. Und schließlich bin ich gegen Ende nicht sicher, ob angesichts des allgemein sehr leichtherzigen Tons einige der pathetischeren Momente wirklich verdient waren - und ob gewisse Figuren im Nachgang nicht vielleicht doch mehr glorifiziert wurden, als ihre Charakterzeichnung es hergab. Doch was soll's wenn der Film über weite Strecken mit so viel ansteckendem Schwung und Spaß bei der Sache ist.

Letzten Endes bin ich schon froh, dass ich meinen Vorsatz, mich von weiteren Guardians-Filmen fernzuhalten, nicht durchgezogen habe. Dieser Streifen hat trotz seiner Schwächen im Vergleich zum Original einiges von dem zu bieten, für das man nur zu gerne ins Kino geht. Habt ihr an diesem Wochenende schon was vor?

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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