Mechanische Tastatur Rapoo VPRO V500s - Test

Preisbrecher ohne Tadel.

Meine ersten Kontakte mit Rapoo fielen zwiespältig aus. Die V900 Lasermaus gefiel mir ausgezeichnet, sie trumpfte mit toller Ausstattung und Verarbeitung zum schmalen Preis auf und sah noch dazu spitze aus. Eine Tastatur, deren Typenbezeichnung ich mittlerweile vergessen habe, war dagegen vor ein paar Jahren mit eher klapprigem Auftreten und sehr lauten, lange nachhallenden Federgeräuschen bei jedem Anschlag eher zum Abgewöhnen. Jetzt liegt seit drei Wochen die V500s-Tastatur auf meinem Schreibtisch - und reiht sich in Sachen Qualität prompt neben der V900 ein. Ein angesichts des Preises überzeugendes Stück Hardware mit wenigen Schwächen.

50 Euro werden für diese schlanke Tenkeyless samt Hintergrundbeleuchtung, internem Speicher und taktil klickenden blauen Switches verlangt. Echte Cherrys sind es nicht, irgendwo her muss ja der schlanke Preis rühren. Aber Kaihl-Schalter sind in diesem Segment schon längst keine Unbekannten mehr und die blauen emulieren im Grunde perfekt Gefühl und Funktion ihrer Cherry-Pendants. Lediglich das Klick-Geräusch ist etwas heller und der Rest des Druckweges nach dem Auslösen eine Idee härter, ansonsten sind Auslöseweg und -druck identisch. Eine Kopie des deutschen Originals zweifelsohne, aber eine gute.

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Einmal ohne Licht...

Wenn man sonst nichts über die Tastatur weiß, sie lediglich in der Hand hält und sie eine Weile benutzt, würde man niemals ahnen, dass sie mit nur 50 Euro nur den Bruchteil dessen kostet, was üblicherweise für eine gute Mechanische veranschlagt wird. Lioncasts LK20, eine verflixt gute Kopie von Filcos Tenkeyless-Referenzmodell, war bisher der unbestrittene König der günstigen Mechanischen und kostet gut 40 Euro mehr. Auch wenn deren Qualität noch eine Ecke besser ausfällt, in diesem Segment sind das Welten. Die Rapoo mag nicht ganz so dezent und unauffällig daherkommen (auch wenn sie von übertriebenen Gamer-Sperenzchen weit entfernt ist), und das Plastik des Rahmens verrät ein bisschen, in welchem Segment Rapoo hier fischt. Aber funktional steht sie der Lioncast nur in wenig nach.

Auf nette Gimmicks wie einen Tastenkappenheber, Handballenauflage oder textilummanteltes Kabel verzichtete Rapoo zwar, aber ansonsten kann sich die Ausstattung sehen lassen: Interner Speicher zum Festhalten individueller Tastenbelegungen, eine Software, die zwar nicht zu den intuitivsten gehört, aber macht was sie soll, und nicht zuletzt die wirklich schöne orangefarbene Hintergrundbeleuchtung machen sie zu einem attraktiven Stück Hardware. Eigentlich ist das so gar nicht meine Farbe, aber nachts schimmert sie fast ein bisschen golden und der durchgehende, orange lackierte Metallstreifen zwischen Tastenfeld und F-Tastenreihe macht sogar ziemlich was her.

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... und dann mit. Eine durchaus gut aussehende, unaufgeregte Tastatur.

Im Betrieb gibt es nur wenig zu meckern. Empfindliche Spieler (oder Sitznachbarn) werden ihr aber wohl die Geräuschentwicklung ankreiden. Die Klicks nach 2 mm Auslöseweg empfinde ich zwar als angenehm, allerdings ist bei der V500s wieder ein ordentliches Nachhallen zu hören, wenn man mit Schwung in die Tasten haut. Im normalen Spielbetrieb, wenn immer mehr als ein Finger auf den Tasten liegt und wenn die Anschläge in schneller Folge kommen, fällt das allerdings weniger auf. Ein Schönheitsfehler, den verschmerzen kann, wer ohnehin vornehmlich hiermit zocken will, statt zu tippen. Wer sich daran stört, der hätte wohl von vorneherein auch keine taktile Mechanische mit hörbarem Klick gekauft.

Weniger als einen Makel, denn als etwas eigenartig empfand ich unterdessen die Wahl der Tastenbelegung. Hier hatte Rapoo offenbar keine Lust auf doppelt belegte Tasten, zwischen deren Funktionen man per Halten einer "FN-Taste" umschaltet. Deshalb mussten für alle Zusatzfunktionen eigene Tasten her, die eben sonst nicht auf einem Keyboard drauf sind. Die Beleuchtungssteuerung - Helligkeit und Wahl zwischen pulsieren und durchgängig leuchten - haben genau so jeweils eine eigene Taste bekommen wie die Moduswahl-Taste zum Umschalten zwischen einprogrammierten Voreinstellungen. Auch eine Taste für den Gaming-Modus (deaktiviert die Windows-Tasten) und ein "Ton-Aus"-Taster mussten auf jeden Fall noch dediziert auf dieses Keyboard. Das ist nett gemeint, bleibt aber auch nicht ohne Folgen.

Die obere Reihe besteht zum Beispiel nicht wie üblich nur aus Esc, F1 bis 12 und Druck, Rollen und Pause in einzeln stehenden Blöcken, sondern aus ganzen 18 fortlaufende Keys ohne jegliche Zwischenräume. Schnell die richtige F-Taste zu finden (oder sie zu ertasten, wenn man nicht runterschauen kann), ist daher manches Mal nicht ganz einfach. Gleichzeitig war für die Tasten Druck bis Pause in der Reihe kein Platz, weshalb diese nach unten rutschten, dem Block aus Einfg bis Bild abwärts quasi aufs Dach. Der wiederum sackte ebenfalls eine Reihe ab, die Ende-Taste grenzt deshalb direkt an "Pfeil oben". Das Resultat dieser Doppelbelegungsverweigerung ist eine Tastatur, die ein bisschen unnötig vollgestopft wird und bei der man sich schon mal verdrückt, wenn es um nicht ganz so häufig benutzte Funktionen geht. Daran muss man sich erst ein wenig gewöhnen. Es ist einfach ein bisschen seltsam.

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Sie wirkt bisweilen zwar ein wenig vollgestopft, die vielen Extratasten mussten eigentlich nicht sein, denn etwas mehr Abstand vor allem zwischen den F-Blöcken wäre schöner gewesen. Aber man kann ja nicht alles haben

Ich kann allerdings nicht sagen, dass ich dieser Tastatur diese Eigenwilligkeit nicht nachgesehen hätte. Das Spielen mit ihr ist eine Freude, es sei denn, es ist Nacht und die bessere Hälfte will im Nebenzimmer schlafen. Dann wird das, was für mich ein wohlklingender Klick ist, zu einem echten Ärgernis. Wie gesagt, wer weiß, was er sich ins Haus holt, ist klar im Vorteil. Die Tastenkappen sind unterdessen stumpf beschichtet, was sich für meine Finger durchaus angenehm anfühlte, allerdings bin ich nicht sicher, was die Abriebfestigkeit auf Dauer angeht. Nach gut 50 verschwitzten Stunden Battlegrounds hiermit sehe ich noch keine blank polierten Stellen auf Space und WASD, aber denkbar ist es, dass das irgendwann passiert. Auch hier: Das ist die Sorte Patina, die eine Tastatur sich über die Zeit so zulegt. Wenn's bei einem 50-Euro-Gerät etwas früher passiert als sonst, wäre das auch kein Beinbruch.

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Anti-Ghosting komplettiert eine in Sachen Performance sehr ausgewogene, hohen Ansprüchen genügende Tastatur. Mit der nicht beiliegenden, sondern nur als Download verfügbaren und nicht ganz einfach zu findenden (Hier oben rechts auf 'Deutsch' stellen und trotz chinesisch ganz unten 'Software und Treiber' finden) Software darf man sogar 1000-Hz-Polling aktivieren, wenn einem der Sinn danach steht. Absolut auf der Höhe der Zeit.

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Beim Anfassen verrät alleine der Rahmenkunststoff, dass man kein deutlich teureres Gerät vor sich hat.

Rapoo sendet das schöne Signal, dass es ordentliches Gaming-Zubehör auch zu einem deutlich schmaleren Preis gibt. Klar, die Geräuschentwicklung beim "Ausklingen" harter Anschläge nagt ein bisschen am Gesamteindruck und der Trend geht aktuell eher am oberen Ende der Preisspanne in Richtung Ultra-wertiger Produkte. Die von mir getestete Asus ROG Claymore liegt ergo in Sachen Verarbeitung und Ausstattung noch mal in einer ganz anderen Liga. Auch die Leute von Das Keyboard machen Hardware, die noch eine ganze Ecke unzerstörbarer daherkommt das das hier. Doch diese Geräte kosten ein Vielfaches der hier geforderten 50 Euro. Klar, mit der 40 Euro teureren Lioncast LK20 ist man trotz nicht durchgängiger Beleuchtung verarbeitungstechnisch noch eine Idee besser bedient. Aber das Preisdifferenzial ist auch dann immer noch beachtlich, hält man sich vor Augen, dass die V500s für sich genommen eine mehr als nur tadellose Gaming-Performance abliefert. Schön, dass sich mit Geräten wie diesem für jeden Geldbeutel eine zufriedenstellende Gaming-Lösung bietet, die den Schreibtisch nicht komplett verschandelt.

Hersteller: Rapoo - Preis: 49,99 Euro - Erscheint am: erhältlich

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Über den Autor:

Alexander Bohn-Elias

Alexander Bohn-Elias

Stellv. Chefredakteur  |  derbohn

Alex schreibt seit 2001 über Spiele und war von Beginn an bei Eurogamer.de dabei. Er mag Highsmith-Romane, seinen Amiga 1200 und Tier-Dokus ohne Vögel.

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