Get Even - Test… kommt hier etwas später

Aber wartet trotzdem, bevor ihr einen Blick auf das Spiel werft.

Eigentlich sollte heute und hier ein Test zum psychologischen Thriller Get Even von The Farm 51 und Bandai Namco erscheinen. Das Spiel sollte noch diese Woche bei den Händlern stehen. Passiert aber nicht. Noch nicht.

Am 22. Mai gab es in Manchester einen von einem Selbstmordattentäter verübten Bombenanschlag auf das Konzert von Ariana Grande, mit zahlreichen Toten und noch mehr Verletzten, darunter Kinder und Jugendliche. Dieser Anschlag selbst soll hier jenseits einer Trauerbekundung, dass wieder einmal sinnlos Leben ausgelöscht wurden, für nichts und wieder nichts, eine dumme Tat aus falsch verstandenem Glauben und all den falschen Gründen, nicht das Thema sein. Nicht direkt jedenfalls.

Um in der kleinen, an manchen Tagen erstaunlich unwichtig scheinenden Spielewelt zu bleiben: Aus diesem Grund wird Get Even um einen Monat verschoben, das Embargo für Tests gleich mit. Der Verkauf soll ebenfalls verschoben werden und größtenteils dürfte das auch passieren. Wer aber weiß, wie das so ist, wenn man ein paar zehntausend von irgendwas in die Welt verschickt: Es wird ein paar Orte geben, wo ihr wohl das eine oder andere Get Even finden werdet, selbst wenn ihr es nicht zu aktiv sucht.

Ich verrate nichts, das gegen das Test-Embargo verstößt, wenn ich die Argumentation hinter der Verschiebung verrate: In der ersten halben Stunde des Spiels kommt ihr in einen Raum, in dem ein junges Mädchen als Geisel festgehalten wird, an ihrem Körper eine Bombe, die ihr nicht entschärfen könnt. Eine Explosion später ist es eure Aufgabe, das Spiel hindurch herauszufinden, wie es dazu kam, was passiert ist, wer die Schuld daran trägt. Diese Szene in einem Spiel keine Woche nach einem solchen Anschlag... Zu sagen, dass die Situation im Spiel eine ganz andere ist, nichts mit Terroristen zu tun hat und auch sonst in keinem irgendwie vergleichbaren Kontext zu Ereignissen wie in Manchester steht oder solche gar in irgendeiner Weise glorifiziert oder marginalisiert, hilft wohl nicht viel. Man muss nicht mal bösartig die Dinge drehen, um hier ohne Kontext die falschen Schlüsse zu ziehen. Persönlich halte ich die Entscheidung für falsch, aber durchaus verständlich und nicht ganz leicht zu treffen. Insoweit will ich auch hier die Verschiebung nicht monieren.

Nachdem ich das Spiel aber beendet habe, seine ganze Geschichte kenne - oder zumindest gute Teile davon, mehr dann im Test - und es für herausragend halte (das war jetzt wohl ein kleiner Embargoverstoß...), habe ich einen Rat für euch. Er ist ganz einfach: Spielt das Spiel selbst. In den nächsten Tagen vor den Tests und dem Verkaufsstart wird es mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit YouTube-Let's-Plays geben. Schaut sie euch nicht an.

Ich habe nichts gegen Let's Plays, ich habe auch nicht viel für sie übrig, ich stehe ihnen weitestgehend indifferent gegenüber. Das ist nicht der Punkt, ich will hier sicher keinem die Views verderben. Get Even ist aber ein Spiel, aus dem man nicht ein paar Szenen zeigen kann, ohne Teile der Story gleichzeitig zu ruinieren und auch noch im falschen Kontext zu zeigen, wenn man nicht alles kennt und die zahlreichen Details selbst erkundet hat. Man kann auch aus dem Gameplay eigentlich nur die falschen Schlüsse ziehen. Außer natürlich, ihr guckt das ganze Spiel an und habt euch dann dieser Erfahrung beraubt. Get Even lebt von seiner zigfach verschachtelten Handlung und seinem eignen Fluss und ist etwas, das ihr selbst in mindestens einem Durchgang erfahren solltet. Danach könnt ihr euch ja alternative Spieldurchläufe auf YouTube angucken, das würde ich auch machen. Aber das erste Mal MÜSST ihr selbst ran, es geht bei diesem Spiel nicht anders.

Daher geduldet euch ein wenig, spielt ein wenig Prey, guckt ein wenig Minecraft und wartet, bis ihr euch in ein paar Wochen dieser einen Runde Get Even hingeben könnt. Wenn ihr bezüglich der Qualität neugierig seid, vertraut nicht meinem genau einen Wort - völlig legitim und klug -, sondern wartet auf die Tests. Wenn ihr die Geschichte erleben wollt, könnt ihr das nur auf eine Weise tun. Und es ist ein Spiel, das es wert ist, ein klein wenig zu warten. Selbst wenn das diesmal aus den traurigsten Gründen der Fall ist.

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Martin Woger

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