E3 2017: Battlefield 1 und Battlefront 2 - EAs Show zeigt eine Studie in Markenpflege

Keine Zeit für das große Neue, wenn alles so gut läuft.

Die Zeit ist vorbei, in der die Show mit dem neuen, großen, alles an die Grenzen bringenden Spiel einer neuen, unerforschten IP beginnt. EA verfolgt mit ihrer Show in 2017 ein klares Ziel und das heißt ihre bekannten Spiele und Marken zu stärken, die Community-Aspekte zu betonen, das Streaming zu intensivieren und den E-Sport für diese Titel in den Vordergrund zu rücken. Neue Spiele? Große Action-Adventures? Gewagte Experimente? Warum, wenn man mit FIFAs Men-in-Blazers-Show glänzen kann. Das kostet einen lächerlichen Bruchteil einer Triple-A-Entwicklung und ein Will-Ferrell-Auftritt im Laufe der Jahres hinterlässt einen ganz einen anderen Eindruck. Einen viel größeren, wichtigeren, relevanteren in einer viel breiteren Öffentlichkeit. Und vor allem einen, der das Spiel selbst im Spiel hält ohne dass man dafür ein neues Spiel bräuchte. Fassen wir es unter Produktpflege zusammen.

Battlefield 1 bekommt Kämpfe bei Nacht, die Ostfront mit einem halben Dutzend Karten, den historisch schwer einzuordnenden Frauen-Bataillonen der russischen Armee. Dazu gibt es viele Streicheleinheiten für die Streamer, die dann direkt zu FIFA und NFL übergehen und mit dem Community-Gefühl weiterkuscheln. Mit zwei kleinen Unterbrechungen lässt sich das auf vieles im weiteren Verlauf der Show anwenden. Drei lose Ausnahmen gibt es, eine davon sehr überraschend, es ist nicht alles an die großen Moneymaker abgegeben, aber der Fokus ist klar: Das, was läuft, wird gepflegt, alles andere muss warten. Das macht auch absolut Sinn und für Freunde von FIFA oder Battlefield 1 heißt das, dass sie den Rest des Jahres und darüber hinaus fröhlich weitermachen dürfen.

Ein Franchise dagegen, bei dem man EAs Beharrlichkeit bewundern muss, ist Need for Speed, diesmal als Payback. Rennspiele haben in alle Richtungen extrem starke Konkurrenz und eine vergleichsweise übersichtliche Spielerschaft. Insoweit macht es Sinn, dass man im Grunde Need for Speed mit Fast & Furious kreuzt, weitgehende Anleihen von GTA 5 dazu packt - Drei Charaktere in einer Open World - und das Ganze dann wie das verlorene Burnout unserer Zeit aussehen lässt. Das hat Potential, keine Frage, aber seit Jahren hat Need for Speed beharrlich wie konsequent Wege gefunden, sich selbst ein Bein zu stellen.

Dass Bioware was Neues zeigt ist keine große Überraschung, sowohl Mass Effect wie auch Dragon Age sind Serien, die für den Moment ihre Zeit hatten, aber dass das erste Bild von Anthem, das man sieht, wie ein Fan-Mashup von Artworks aus Horizon: Zero Dawn und Destiny wirkt... Soll das so sein? Ich meine... Da ist diese Mauer, da dieses Stahl-Tentakel-Reste-Monster hinten mit den Bergen... Nun, später zur Xbox-Show wissen wir mehr.

Die größte Überraschung - nein, die EINZIGE Überraschung - war A Way Out. Ein reines Koop-Spiel, das NUR auf dem Splitscreen läuft. Es war ja schon fast erstaunlich, dass es einen Online-Modus gibt, aber sich ganz auf die Couch zurückzuziehen war dem Studio dann wohl doch nicht erlaubt worden. Auch wenn man den Eindruck, hatte, dass sie es gerne getan hätten. Ein wenig wie Flucht in Ketten sah das ja aus, nur dass es zwei Weiße gibt und statt rassistischen Spannungen mehr Explosionen. Trotzdem, kann was werden.

Aber da irgendwer selbst für so lockere Innovationen wie A Way Out oder die Handvoll Stealth-Programmierer des Seed-Studios, die ausgehend von der Show die Ballphysik in NBA Live 18 programmierten, die Rechnung zahlen muss: Wir enden mit einer halben Stunde Star Wars: Battlefront 2 und sind zurück beim Thema, mit dem alles begann. Enthusiasten, Streamer und Community erzählen, wie cool das alles ist und... auf geht es, Multiplayer-Massen-Schlachten, das was man hier erwartet, das was man hier will und es sieht alles absolut irrsinnig wahnwitzig gut aus. Ein weiteres Spiel, das ihr nicht einfach nur kaufen, spielen und weglegen sollt, sondern das euch viel länger folgen beschäftigen möge, weit über die ersten Monate hinaus, hin zur Nummer 3, die mit hundertzehnprozentiger Sicherheit folgen wird.

EAs Show ist Studie, wie starke, erfolgreiche Marken und Spiele gepflegt werden, wie ihre Spieler mit Shout-outs belohnt werden, wie ihre Streamer als Stars gefeiert werden und wie sich einer der größten Publisher in seinem eigenen wieder enger gewordenen Sonnensystem mehr um sein Zentrum dreht und sich an diesem wärmt. Das ist nach Flops wie Titanfall 2 - habt ihr es endlich gekauft? - oder Mirror's Edge 2 nicht weiter verwunderlich und man darf selbst für kleine Irrläufer wie A Way Out dankbar sein und ihnen alles Gute wünschen. All das macht absolut Sinn, es ist sicher und aus rein wirtschaftlicher Sicht sinnvoll. Es sind ja auch gute Spiele, also warum sollte ich EA hier etwas vorwerfen oder sagen, dass ich enttäuscht wäre. Für alle, diese Spiele mögen - Battlefield, FIFA, Battlefront - war es eine gute Show, die zeigt, dass EA ihre Lieblinge auch im Zentrum des Konzerns sieht. Need for Speed versucht mal wieder in diesen Reigen vorzustoßen, Bioware wird wohl liefern und A Way Out... Von diesem Ausbruch mal abgesehen ist EA in 2017 nicht das Studio der neuen IPs und Spiele, sondern der Kontinuität bei den Spielen, die ihr schon gekauft habt und den Marken, die ihr kennt.

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Über den Autor:

Martin Woger

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Chefredakteur  |  martinwoger

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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