Super Lucky's Tale: Das Maskottchen, auf das die Xbox lange hingearbeitet hat...

Conker's Good Fur Day sieht wie ein Blinxgänger aus.

Sie haben es versucht. Für ein etwas hüftsteifes Unternehmen mit dem Ruf, einigermaßen vorhersehbare Pressekonferenzen abzuhalten, war Microsofts diesjährige E3-Show eine überraschend sympathische Angelegenheit. Keine perfekte: Die fehlenden zweieinhalb Ankündigungen auf Hypetrain-Niveau werden es der neuen Xbox One X im November nicht unbedingt leichter machen, sich noch einmal im Windschatten an Sony heranzusaugen. Aber es war - und ich hätte nicht gedacht, das je über ein Xbox-Briefing sagen zu können - für jeden was dabei.

"Für jeden" bezieht sich in diesem Fall allerdings ausschließlich auf Familienhaushalte, in denen die Knirpse aus Mangel an Alternativen dazu gezwungen werden, schöne Kindheitserinnerungen mit der One zu verknüpfen. Gott sei mit ihnen. In den Forza-Pausen der Eltern kann der Nachwuchs demnächst also Super Lucky's Tale spielen - ein Name, so beliebig wie der titelgebende Protagonist. Aus der unheimlichen ménage à trois zwischen Conker, Tails und Etikettenschwindler Ferdi Fuchs hervorgegangen, hat der anthropomorphe Fuchs Lucky mit traumwandlerischer Sicherheit die jeweils unscheinbarsten Eigenschaften seiner Vorbilder vererbt bekommen. Ideale Voraussetzungen also, in Microsofts Reigen verschmähter Xbox-Maskottchen aufgenommen zu werden.

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Handtellergroße Augen und Kindchenschema reichen eben nicht aus, um einen charismatischen Protagonisten zu erschaffen. Sorry, Lucky.

Nicht, dass der sonst um keinen Superlativ verlegene Phil Spencer diesen Bezug während der Konferenz nahegelegt hätte. Auch die Entwickler von Playful hatten bei Luckys Schöpfung nie die Xbox vor Augen: Der Fuchs tauchte erstmals in der kostenlosen Oculus-Rift-Beilage Lucky's Tale auf. Ein netter Zeitvertreib und großer Profiteur des "Oh, guck mal, neue Technik!"-Staunfaktors, dessen Nachfolger künftig ohne VR-Bonus auf eigenen Beinen stehen muss. Genauer: Ab 7. November, dem sicher nicht ganz zufällig gewählten Starttermin der One X.

Als Notnagel soll Lucky vielleicht die seit Jahren klaffende Lücke im Xbox-Portfolio schließen, neben Shootern und Sportspielen ein entscheidendes Stück zum familientauglicheren Image beitragen, das Minecraft nicht allein stemmen kann? Im Laufe der Zeit hat Microsoft dieses Problem mit hübscher Regelmäßigkeit in Angriff genommen und ihr einziger Fortschritt liegt in der späten Einsicht, dass dieser Zug inzwischen vielleicht doch abgefahren ist. Die Katze Blinx war in ihrer bemühten Lässigkeit eine besonders prominente Bruchlandung in der frühen Xbox-Ära und Playful kassiert reichlich Kudos für die Chuzpe, Luckys Widersacher auf den Namen Jinx zu taufen. "I see what you did there..."

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Mit ein wenig Glück wird das hier ein ganz annehmbarer Plattformer, aber das war Blinx schließlich auch. Wer? Ganz genau.

Inzwischen hat sich Microsoft phlegmatisch in sein hochironisches Schicksal gefügt und den buchstäblich gesichtslosen Master Chief als Maskottchen akzeptiert. Das große Zeitalter der personifizierten Aushängeschilder ist vorbei, insofern ist diese Entscheidung nicht mehr ganz so schmerzhaft. Doch sie verfolgt die Redmonder bis heute. Dass Super Lucky's Tale ausgerechnet auf der Xbox-PK gezeigt wird, ist abermals Ausdruck dieses Problem: Weder Sony noch Nintendo, beide nicht arm an fotogenen Charakteren, hätten dem Fellknäuel ein Heim, geschweige denn ein Platz in ihren Shows geboten. Sie haben etwas unschätzbar Wertvolleres: Alternativen.

Microsofts hehrer Versuch, eine breite Palette an Spielen zu präsentieren, in allen Ehren, doch was Lucky angeht: Er fügt sich nahtlos in die Mannschaft fürchterlich erzwungener, seelenloser Xbox-Maskottchen. Wer weiß, womöglich übertrifft sein nostalgisch angehauchtes Jump-and-Run den trantütigen Vorgänger und hält beim Versuch, auf der von Yooka-Laylee und A Hat in Time angeführten Retro-Welle mitzuschwimmen, zumindest den Kopf über Wasser. Ich freue mich über jeden gelungenen Plattformer, auch und gerade auf der Xbox. Trotzdem: Als kindgerechtes Aushängeschild einer millionenschweren Konsole wirkt der unschuldig grinsende Fuchs wie eine kreative Bankrotterklärung.

Nun, man muss anerkennen: Sie haben es versucht. Das ist auch was wert. Oder?

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Über den Autor:

Gregor Thomanek

Gregor Thomanek

Freier Redakteur

Trinkt gern Kaffee und liebt Videospiele, im Idealfall beides auf einmal. Ist für alles zu haben, was aus Japan kommt. Hat nie Herr der Ringe gesehen und findet, das sollte auch so bleiben. Gründet irgendwann einen Ryan-Gosling-Fanclub. Hat seine Katze "Yoshi" genannt, bereut nichts. Konsolenkind.

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