Nintendos E3 2017 Show - So viel Understatement wäre doch wirklich nicht nötig gewesen

Vor allem wenn man was anzukündigen hat.

Äh... schon vorbei? Das nenne ich mal kurz und schmerzlos. Gerade mal 30 Minuten dauerte die Showcase-Präsentation, die zugegebenermaßen noch mit Live-Präsentationen auf der E3 selbst gerade ein wenig unterfüttert wird, etwas mehr Gameplay zeigt und den einen oder anderen Lost-in-Translation-Moment bieten sollte, aber ja, man kann das auch alles in 30 Minuten abwickeln. Ob man das sollte, darüber denke ich noch kurz nach.

Das Ergebnis dieser 30 Minuten ist, dass ich jetzt wohl auch eine Switch brauche. Nicht sofort, nicht heute oder morgen, aber irgendwann in diesem Jahr schon, schlicht weil ich einfach mal wieder mehr Farbe in meinen Spielen haben will. Viel mehr Farbe! So gut ich viele der Titel bei Sony, Ubi und Co. Finde - alles ist so düster, apokalyptisch, ob nun Metro, Anthem oder Days Gone. Immer geht die Welt unter und die fröhlichen Videospielfarben verschwanden lange vorher. Nicht bei Nintendo. Nintendo ist bunt und es war sooo erfrischend, das in dieser Konzentration zu sehen.

Aber Farben sind natürlich nicht alles, das Line-up dieser 30 Minuten war für mich das, was mir in meinem Spieleleben fehlt. Kirby und Yoshi sind zwei knallbunte Freudenspender, bei denen man schon in der Sekunde, in der sie gezeigt werden, nach einem nicht vorhandenen Gamepad angeln und sofort loslegen möchte. Jede Sprunganimation sah so perfekt aus, wie man es von Nintendo bei solchen Titeln gewohnt ist. Es sind definierte Nummern, ohne Frage. Man weiß, was da kommt. Aber es ist ja nicht so, dass ich mir diesen Kick woanders holen könnte, also freue ich mich, dass sie hier waren.

Interessant auch, dass man mit einem Hardcore-J-RPG einsteigt - Xenoblade Chronicles 2 - und sogar komplett den Dialog-Cheese tropfen lässt. Hier ist selbst die Apokalypse bunt und die Dialoge... Wow, würde Bioware eins auf die Nase bekommen, wenn sie es wagten, solche Dialoge abzuliefern. Aber so ist das halt mit den J-RPGs, die dürfen das und müssen das zu einem gewissen Grad sogar. Weiß auch Fire Emblem: Warriors und macht fröhlich mit.

Ich gebe zu, dass ich eine Sekunde dachte, dass direkt ein neues Zelda nachgereicht wird, aber nein, erst mal müssen die Käufer des Season-Pass glücklich gemacht werden und sowohl Master Trials als auch Champion's Ballad sollte das gelingen. Vor allem Champion's Ballad. Ein Spiel - oder vielmehr ein DLC -, der von einem Akkordeon spielenden Papagei präsentiert wird, hat schon in der Sekunde, in der ein Papagei Akkordeon spielt, ein paar Punkte gesammelt. Was die "E-Sport"-Ambitionen... Okay, es gibt "professionelle" ARMS-Spieler? Es gibt wohl wirklich für alles ein Hobby. Aber von mir aus. Da halte ich den lokalen Wi-Fi-Modus für Rocket League schon für relevanter. Das Spiel ist schlicht dafür gemacht und wie auf jedem System bis jetzt wird dieses Spiel auch die Switch zu einer glücklicheren Plattform machen.

Und keine Plattform ist so glücklich, bunt und freudeschenkend wie eine, auf der ein gutes Mario läuft. Ich hatte für eine Sekunde bei Mario Odyssey meine Zweifel, der seltsame New-York-Level mit den realen Menschen kommt mir immer noch irgendwie verdächtig vor - das Sonic-2006-Trauma sitzt tief -, aber dann sah ich, dass man einen T-Rex spielen darf. Jedes Spiel, in dem man einen T-Rex steuert, ist praktisch automatisch schon mal ein besseres Spiel, und da Mario Odyssey auch sonst genau den hinreißenden Eindruck macht, den man davon erwarten darf - plus ein gutes Maß an kreativer Innovation -, sollte es genau das Spiel werden, das endlich auch die letzten Zelda-Module zumindest für ein Weilchen aus der Switch verbannt.

Ich hatte jetzt ein paar Minuten, um über die 30-Minuten-Trailer-Show nachzudenken, und die letzten beiden Games bringen mich doch dazu zu sagen, dass es auch so etwas wie zu viel Understatement gibt. Sony war gestern schon nah dran mit seiner sehr geradlinigen Show, aber sie hatten auch nicht die zwei Neuankündigungen der Größenordnung, die Nintendo praktisch nebenbei abfrühstückte. Dass ein neues, richtiges Pokémon-RPG im alten Stile - so interpretiere ich "core" jetzt einfach mal - für eine große Plattform wie die Switch kommt, ist in meinen Augen eine große Sache. Ein paar Millionen oder so Pokémon-Fans auf der Welt werden das ähnlich sehen. Das darf man schon etwas mehr feiern, als den Poké-Chef im Unterhemd an seinem Schreibtisch abzufangen und es ihn in einem Nebensatz ausplaudern zu lassen - überspitzt formuliert.

Noch tragischer ist es beim letzten Titel. Seit Jahren, eine ganze Konsolengeneration hindurch, schreien die Fans förmlich danach. Es war noch nicht ganz klar, dass es jetzt wirklich kommt. Aber nun kommt es. Und alles, was ihr zeigt, ist ein nichtssagender "Metroid Prime 4"-Micro-Teaser? Wäre es denn so schwer gewesen, dazu wenigstens ein Orchester anzuheuern, die Melodie zu spielen, es ein wenig zu feiern, dass es nun offiziell kommt? Wann auch immer? Oder wie wäre es, das sehr klassische 3DS-Metroid "Samus Returns", ein Satz, auf den Fans seit Ewigkeiten warten, mal ein wenig selbst zu beklatschen? Es ist friggin' Metriod: Samus Returns! Ihr dürft das! Stattdessen verpasst es so ziemlich jeder, der nicht noch eine halbe Stunde länger im Interview-Channel rumhängt.

Also, Nintendo E3 2017, die Show, die keine war. Nennen wir es mal Präsentation, das klingt so schlicht und nach Business, wie sich das hier anfühlte. Wenn man schon ein paar große Namen fallen lässt, dann bitte auch mit ein wenig Pomp. Man muss ja nicht gleich "no power is greater than X" auspacken, aber bitte, ein bisschen. Ihr seid Nintendo, verdammt noch mal, Legende und Historie in Personalunion, also handelt auch danach. Davon abgesehen präsentierte sich ein Line-up, das Bekanntes mit nicht zu Unerwartetem mischte, viel der richtigen Abwechslung von Jump-and-Run über J-RPG hin zu Action in bunt - richtig bunt, siehe Splatoon 2. Nimmt man all die anderen Spiele dazu, die sich von dritter Seite über die E3 tummeln, und die Tatsache, dass es immer noch nicht ganz so einfach ist, an eine Switch zu kommen - zumindest stapeln sie sich jetzt hier in den Läden nicht gerade -, lässt sich wohl sicher sagen, dass es der Switch jetzt nach dieser E3 prächtig geht.

Und wenn Nintendo schon nicht angemessen das kommende Metroid-Doppel feiern möchte, dann mache ich das halt. Bitteschön:

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Über den Autor:

Martin Woger

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Chefredakteur  |  martinwoger

Chefredakteur seit 2011, Gamer seit 1984, Mensch seit 1975, mag PC-Engines und alles sonst, was nicht FIFA oder RTS heißt.

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