Das große Interview: Shigeru Miyamoto und Ubisofts Yves Guillemot

Über Leaks, Vivendi und einen waffenschwingenden Mario.

Von allen Spielen der E3 2017 ist Mario + Rabbids: Kingdom Battle die größte Überraschung - obwohl wir alle schon im Vorfeld davon wussten. Nachdem es Ende Mai durchgesickert ist, war der Enthusiasmus erst gering, und dann... begann Ubisofts Pressekonferenz. Unternehmenspräsident und Aushängeschild Yves Guillemot betrat die Bühne, um das Spiel vorzustellen, und mit ihm ein ganz besonderer Gast.

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Was als Nächstes passierte - der Auftritt der Nintendo-Legende Shigeru Miyamoto und zwei mit übergroßen Requisiten posierende CEOs -, wird in die Geschichte eingehen als Start der besten E3-2017-Pressekonferenz und eine von Ubisofts besten Shows aller Zeiten.

Das Duo verströmte einen Sinn für Spaß und eine positive Einstellung, die anderen Shows fehlte. Jeder verliebte sich in den zu Tränen gerührten Creative-Director Davide Soliani, der im Publikum saß und von seinen Emotionen übermannt wurde. Oh, und was Mario + Rabbids an sich betrifft? Sein tiefgängiges, rundenbasiertes, taktisches Spielgefühl hat die Kritiker verstummen lassen.

Zwei Tage nach der Konferenz sitze ich deutlich näher an ihren beiden Stars. Gegenüber am Tisch in Ubisofts E3-Stand sitzt Miyamoto selbst, umringt von fast einem Dutzend PR-Leuten beider Firmen, Guillemot neben ihm. Ich bin hier, um über die Entwicklung dieses speziellen Spiels zu sprechen - aber auch über andere Themen.

(Falls ihr es bislang verpasst habt, wir haben eine Frage zum Status von Pikmin 4 eingestreut, bei dem uns Miyamoto netterweise auf den neuesten Stand brachte.)

Wie ist Mario + Rabbids entstanden und warum gerade jetzt? Es fühlt sich an wie das Produkt einer ganz besonderen Beziehung zwischen Ihren Unternehmen.

Shigeru Miyamoto: Es begann, als Just Dance in Japan erschien - und mit der Idee, Mario in dem Spiel zu haben. Ubisoft hat immer sehr viel Support für Nintendo-Hardware geleistet und versteht, wie es funktioniert. Sie entwickeln Produkte, die sehr befriedigend sind und zu dem Markt passen, auf den wir abzielen. Wir haben jetzt seit über 20 Jahren eine Partnerschaft, doch es ist das erste Mal, dass wir Charaktere teilen.

Was bedeutende Spiele in beiden Unternehmen angeht: Ubisoft hat Rayman, eine ähnliche Art von Plattformer. Wir dachten darüber nach, wie wir zusammenarbeiten können. Dann tauchten die Rabbids auf - und dazu der Einfall, dass es spaßig wäre, würden sie mit Mario zusammenarbeiten. Wir wollten mit dieser Kollaboration auch ein neues Genre erschaffen.

Yves Guillemot: Wir bewundern, was Nintendo tut. Wir dachten, dass wir aus dieser Zusammenarbeit eine Menge lernen könnten. Unsere Teams haben gemeinsam Just Dance gemacht - Nintendo brachte es in Japan heraus und überarbeitete das Kernkonzept, damit es in den japanischen Markt passt.

Xavier [Poix, Ubisofts französischer Studioleiter] und sein Team machten Nintendo den Vorschlag, beide Welten zusammenzulegen, und Mr. Miyamoto reagierte eindringlich - vor drei Jahren auf der E3 -, indem er sagte: "Ich bin bereit, mehr zu erfahren". Also flog Xaviers Team nach Japan, um mehr von einer möglichen Kollaboration zu zeigen.

Wie sahen die Diskussionen dahingehend aus, was welcher Charakter tun kann und was nicht? Ich weiß, dass Sie Ihre Marken sehr beschützen. Einige Leute waren beispielsweise überrascht zu sehen, dass Mario eine Energiewaffe abfeuert.

Shigeru Miyamoto: Was das Abfeuern der Waffe angeht: Darüber haben wir intern eine Zeitlang geredet, um eine angemessene Art herauszuarbeiten, wie man das bewerkstelligen könnte. Während der Entwicklung von Splatoon gab es einen Zeitraum, in dem es ein Mario-basiertes Spiel hätte sein können. Wir entschieden uns jedoch, dass ein neuer Waffenstil funktionieren würde. Es gab viele Diskussionen zwischen Ubisoft und Nintendo, um das zu erschaffen, was heute zu sehen war.

Was steht als Nächstes in der Nintendo-Ubisoft-Partnerschaft an? Haben Sie schon Pläne für eine weitere Zusammenarbeit?

Yves Guillemot: Es ist noch zu früh, um das zu sagen. Wir stellen erst das Spiel fertig und gucken, wie es läuft. Gewiss werden wir erörtern, ob wir andere Dinge tun können, aber erst müssen wir sicherstellen, dass dieses Spiel gut vorankommt. Und es wird weitere Inhalte geben, nachdem... Wir haben bei dem Spiel bereits eine langfristige Partnerschaft.

Schön zu hören. Bei Mario + Rabbids hatte das Internet bereits eine Ahnung, dass es angekündigt werden wird. Bei allem Respekt, Ubisoft ist dafür bekannt, dass die Spiele regelmäßig online auftauchen, bevor sie es sollen. Was passiert da? Und können Sie die Verschwörungstheorien beenden, dass Ubisoft selbst hinter diesen Leaks steckt?

Yves Guillemot: Zunächst einmal möchte ich versichern, dass wir damit nichts zu tun haben [lacht]. Wir kämpfen dagegen an, weil wir denken, dass es kein guter Weg ist, ein Spiel zu präsentieren. Wir sind glücklich darüber, dass einige Spiele der Öffentlichkeit noch nicht bekannt waren [vor der E3]. So konnte man Beyond Good and Evil 2 und andere erleben. Es ist gut, dass wir immer noch... einige Dinge geheim halten können.

Ich gebe zu, dass ich etwas emotional wurde bei der Enthüllung von Beyond Good and Evil 2 - ich habe so lange auf das Spiel gewartet. Es jetzt in der Öffentlichkeit zu sehen war fantastisch.

Yves Guillemot: Mochten Sie die Präsentation?

Ja. Ich denke, Sie hatten die stärkste aller Pressekonferenzen. Und ich denke, viele Leute online würden dem zustimmen.

Yves Guillemot: Nintendo war auch sehr eindrucksvoll - aber [er schaut zu Miyamoto rüber] wir hatten einen Star auf der Bühne.

Mit Ihrem gemeinsamen Bühnenauftritt in dieser Woche begann der Enthusiasmus für Mario + Rabbids zu wachsen. Sie haben auch für eine Menge GIFs gesorgt.

Shigeru Miyamoto: Ich habe es auch sehr genossen.

Mario + Rabbids fühlt sich an wie ein Spiel, das die verspielte, individuelle Natur beider Unternehmen widerspiegelt. Für Ubisoft erscheint es zu einer Zeit, in der die Unabhängigkeit der Firma bedroht ist. Ist es wichtig, jetzt solche Spiele vorzustellen?

Yves Guillemot: Ja, das ist es. Es ist wichtig zu zeigen, was unsere Teams leisten können. Es ist - und war innerhalb des Unternehmens - immer wichtig, etwas Neues und Andersartiges zu erschaffen. Unsere Entwickler waren so glücklich über die potenzielle Zusammenarbeit mit Mr. Miyamoto, darüber, vom Meister der Industrie zu lernen. Unser Team war völlig von den Socken deswegen. Also ja, wir möchten, dass all unsere Teams wachsen, neue Dinge entwickeln, aber auch Dinge, die unvergesslich sind. Und, wie schon gesagt, es ist wichtig für uns, das zu zeigen. Es ist wirklich Ubisofts Natur.

Wir mögen an Nintendo, dass wir die gleiche Philosophie dahingehend vertreten, Welten und spaßige Charaktere zu erschaffen, die dabei helfen, eine Welt zu verstehen und glücklich zu sein, in ihr zu leben. In dieser Zusammenarbeit geht es nicht nur um Charaktere, es geht um Menschen.

Shigeru Miyamoto: Die Produzenten und Leiter dieses Projekts - aufseiten von Ubisoft und Nintendo - konnten wirklich zusammenarbeiten. Wir ich bereits sagte, hat Ubisoft eine gute Auffassung davon, wie Nintendo arbeitet, und davon, wie Nintendo mit anderen Entwicklern arbeitet. Auch der Humor in dem Spiel: Ich denke, wir konnten zeigen, wie sehr Nintendo solche Witze handhaben kann. Da Nintendo und Ubisoft ähnliche Ansichten vertreten, wie ein Produkt aussehen sollte, hat es sich als sehr authentisch herausgestellt.

Und vermutlich ist ein starkes und unabhängiges Ubisoft für Nintendo und die Industrie gleichermaßen wichtig?

Shigeru Miyamoto: Ja, Sie haben absolut recht.

Ich denke, ich spreche im Namen unserer Leser, wenn ich sage - wir stimmen auch alle zu.

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Über den Autor:

Tom Phillips

Tom Phillips

News Editor

Tom is Eurogamer's news editor. He writes lots of news, some of the puns and all the stealth Destiny articles.

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